Montag, 16. Juli 2018

Wer die Wahl hat, hat die Qual: Kenwood TS-890S



Wer die Wahl hat, hat die Qual. Als letzter der drei großen japanischen Hersteller bringt nun Kenwood ebenfalls einen neuen Mittelklasse-Transceiver auf den Markt (oberstes Bild). Über den neuen Yaesu FTDX-101D habe ich ja bereits berichtet, hier das Teil noch mal im Bild:



Der erste der Neuankündigungen für 2018 war ja der ICOM 7610, über den ich ebenfalls bereits berichtet habe. Hier noch mal im Bild:



  Alle drei Transceiver verfügen über eine Spektrum/Wasserfallanzeige in Echtzeit und die Signalverarbeitung erfolgt in SDR-Technik. Doch nur der ICOM ist ein Direct Sampler, bei dem die HF von der Antenne ohne weitere Mischung einem A/D-Wandler zugeführt wird.
Von Yaesu weiss man zwar noch nichts genaues, doch wenn es ein Direct Sampler wäre, wäre es in der PR sicher herausgestrichen worden.
Beim Kenwood ist der Fall klar: Es wird das "Down Conversion Prinzip des klassischen Superhets mit einer ganzen Palette von ZF-Filtern verwendet wie bereits im TS-590S/SG. Die Quarzfilter für alle Betriebsarten sind bereits eingebaut, bis auf ein optionales für 270Hz Bandbreite, wie aus diesem Flyer hervorgeht. Diese ZF-Filter werden seit einiger Zeit vornehm Roofing-Filter genannt. Ein Marketing-Trick. Im Prinzip handelt es sich immer noch um den guten alten Superhet mit tiefer ZF, der Standard war, bevor die Unsitte des Heraufmischens auf eine hohe ZF Usus wurde.
Ob das beim TS-890S für alle Bänder gilt und nicht nur für die "Vor-WARC-Bänder" wie im TS590S, wird sich noch erweisen.

Wie dem auch sei: Ob Direct-Sampling oder Mischer vor der digitalen Signalverarbeitung: Alle drei Geräte werden sicher sehr gute Empfänger besitzen und sich nur durch die Positionierung in der berühmt-berüchtigten Sherwood Liste unterscheiden. Die meisten OM werden kaum Unterschiede bemerken.
Die Sendeseite ist aber ein anderes Kapitel. Es bleibt abzuwarten, ob einer der drei besonders verzerrungsarm arbeitet. Von Predistortion habe ich bisher nichts gelesen. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt.

Somit kann sich der potentielle Käufer bei seiner Wahl ganz auf seine persönlichen Präferenzen, die ergonomische Details und das Aussehen konzentrieren. Das Auge funkt ja bekanntlich mit.
Natürlich wird auch der Preis eine Rolle spielen. Aber ich vermute, dass sich alle drei etwa in der gleichen Preisklasse bewegen werden, und in diesem Segment spielen einige Hunderter mehr oder weniger nicht so eine grosse Rolle wie im LowCost-Segment.

Donnerstag, 12. Juli 2018

Airscatter mit FT-8 im 2m Band


Während ich im Perigord mit dem Kanu auf der Dordogne rumpaddelte, scheine ich zu Hause einiges verpasst zu haben. So schrieb mir Hans Peter HB9PKP während meiner Abwesenheit folgende Zeilen:



Hallo Toni
Nach deinem Blog vom 7. Mai betreffend FT8 auf 2m habe ich ebenfalls mein Glück versucht.

Ich habe Anfang Monat meinen IC-910 mit einem alten Laptop mit FT8 'upgedated'. Ich war echt erstaunt, wie gut das läuft.
Da waren diverse Verbindungen mit Distanzen von 400 km und mehr möglich. Unter anderem auch via Flugzeugreflexion.

So z.B. I1LSN, Lorenzo aus Biella (JN45AN). Distanz 166 km und die gerade Linie läuft über das Matterhorn. Ich konnte Lorenzo noch mehrere Male an diesem Tag hören, aber nie länger als jeweils 3-4 Minuten.
Meine Antenne ist ebenfalls die 3-Band PerLog von Anjo (2m/70cm/23cm) auf einer Montagehöhe von ca. 5 m über Grund. Also wirklich keine Superantennenanlage.

Auch auf 6m war vorletzte Woche in Sachen FT8 der Teufel los. Auch dort hatte ich meine ersten DX, die auch diesen Namen verdienen.
Da war z.B. Gran Canaria, West-Sahara und Puerto Plata (Dom. Republic).

Dank dir und deinem Aufwand, den du mit deinem Blog hast, hast du mir und hoffentlich auch Anderen wieder eine neue 'Spielart' schmackhaft gemacht.
Als Attachment sende ich dir noch einen kleinen Logauszug.
Hoffentlich wirst du auch ein bisschen eifersüchtig, hi
vy 73 aus Liebistorf
HB9PKP, Hans Peter



Etwas neidisch bin ich schon, lieber Hans Peter, zumal ich bisher dachte, ich hätte das bessere QTH. Denn du wohnst unten im Dorf, während ich oben auf dem Hügel throne ;-)
Dazu kommt noch, dass du diese Verbindungen mit einer Allzweckantenne schaffst, während andere  darüber diskutieren, ob sie nun ein 50, 25 oder 12.5 Ohm Yagi-Design wählen sollen, um das letzte Zehntel dB herauszuholen ;-)

Danke für deinen Bericht und weiterhin viel Erfolg!

Bild: Mein Maat - oder heisst es Maatin? - scheint unbesorgt ob des nahenden Hindernisses. 

Mittwoch, 11. Juli 2018

Die Aerial-51 Windom 404-UL in der Praxis








Gerade erreicht mich ein Bericht von Juergen DL4KE, in dem er von seinen erstaunlichen Erfahrungen mit der Antenne 40-UL von Aerial-51 berichtet (vertrieben von Spiderbeam). Er schreibt:


Hallo Toni,

hatte mich an Deinen Beitrag erinnert zu der ultraleichten UL404-"Windom"-Antenne. Dachte immer genauso wie Du über das Teil.
Nun hatten wir am WE unseren kleinen Notfunk/QRP FD und ein OM hatte diese Antenne mitgebracht um sie hier mal im Betrieb
zu testen, nicht wissenschaftlich, sondern einfach im amateurhaften, praktischen Vergleich mit dem was wir sonst so als "Notfunkantenne" in Betrieb hatten: etwa die von Dir erwähnte Vertikale, ein 10m Draht senkrecht an einer 12m Angelrute und als Gegengewicht das komplette Gestänge des 10m langen Zelts. Dann noch einen inv. V Dipol mit sowas wie dieser Audio-Zwillingsleitung, einen von einer 10m Angelrute schräg zum Funktisch gespannten 15m Draht mit ausgelegtem Gegengewicht und SGxyz Automatik Tuner. Ich hatte am Morgen einige CW QSO's mit der Vertikal hinbekommen, aber als wir dann diese "Eierlegende Wollmilchsau"-Antenne anklemmten war ich positiv überrascht: sie brachte auf den von uns zunächst genutzten Bändern 40 und 20m das beste SNR von allen Antennen und die höchsten S-Meteranzeigen. Der schräge Draht von 10m Höhe kommend kam diesem Gebilde noch am nächsten. Die Vertikal hatte das stärkste Grundrauschen und (erst im Vergleich so auffallend) die schwächsten Signale. Also vollkommen entgegen aller Erwartung hat uns die Antenne überrascht. Auch der flache SWR-Verlauf. Wir dachten erst an einen Belastungswiderstand. Es gibt ja diese Konstruktion mit 1:4 Balun und 200 Ohm Widerstand bei dem überall das SWR <2 sein soll... Aber außerhalb aller spezifizierten Bänder war das SWR grösser, sodass diese Annahme wieder verworfen wurde. Dafür waren einfach die Signale zu gut.

Joerg- DL1KG, der die Antenne mitgebracht hatte, war zufällig mit seiner Musik-Band in der Nähe von Spremberg, dem QTH von Spider-Beam aufgetreten und hatte die Gelegenheit genutzt da mal reinzuschneien. Er war von der Fachkenntnis des Inhabers überzeugt und so hatte er mal das Gebilde mitgenommen. Da ich noch 240er fair-rite Kerne von mouser habe (die waren da extrem günstig) will ich mal versuchen mit 1:6 Trafo und separater Drossel/Symmetrierer sowas in gleicher Weise hinzukriegen. Kann ein paar Monate dauern...hi aber werde berichten.
Leider hab ich DIE Antenne nicht photographiert aber ein paar Bildchen im Anhang.
73
Juergen DL4KE



Da bin ich ja mal gespannt auf die Fortsetzung der Geschichte, lieber Jürgen. Mit den vertikalen Antennen ist es so eine Sache. Die Erfahrungen der OM sind sehr widersprüchlich und wohl zum großen Teil von der Umgebung und dem Untergrund abhängig.
Ich bin gerade zurück von einem Ausflug ins Perigord und hatte dort eine 10m Vertikal mit ein paar auf den Boden gelegten Radials in Betrieb. Als Tuner verwendete ich den CG-3000. Zwar habe ich nicht viele QSO's gemacht und auch nur auf 80 und 40m, aber ich war durchaus zufrieden, trotz PLC und Plasmafernseher im Haus.
Zwar befand sich das QTH inmitten eines Hains von 400 Walnussbäumen und ich hätte dort alle möglichen Drähte spannen können. Doch die Gegend mit dem Flusstal der Dordogne und den vielen Schlössern, Burgen und hübschen Städtchen war zu schön, um viel Zeit mit Antennenbau zu verschwenden. So habe ich der Einfachheit halber den Fiberglas-Teleskopmast an ein Mai-Bäumchen gebunden ;-)
Siehe Bilder oben.

Und hier noch einige Bilder von Juergen und dem beschriebenen Notfunk/FD Happening mit interessanten Details. Leider ist die 404-UL nicht im Bild. Dafür ein rätselhafter Kasten. Ob damit wirklich gefunkt wurde?






Montag, 9. Juli 2018

NVIS - der Springbrunneneffekt


Wer schon mal einen Springbrunnen gesehen hat, der weiß: was senkrecht nach oben geht, kommt auch (fast) so wieder runter. Darum lautet ein altes chinesisches Sprichwort: spucke nicht nach oben, sonst kriegst du was ins Auge ;-)
Gleiches geschieht mit Radiowellen, die senkrecht in die Ionosphäre geschickt werden. NVIS (Near Vertical Incidence Skywave) heißt diese Art zu Senden in Englisch.

Besonders weit kommt man damit nicht, wie das Beispiel des Springbrunnens zeigt. Doch in manchen Fällen möchte man das auch nicht. Anstatt DX steht eine möglichst gute und zuverlässige Verbindung über einige 100 km im Vordergrund. Zum Beispiel beim Militär oder beim Notfunk. Und beim Amateurfunk sind es z.B. die Verbindungen innerhalb eines (kleinen) Landes, die nach dieser Betriebsart verlangen. Die Schweiz oder Österreich sind hier typische Beispiele. DX wird bei NVIS als störend empfunden ;-) 

Für eine gute NVIS-Verbidndung braucht es zwei Dinge:
Erstens eine Antenne, die die Wellen nach oben schickt. Tief hängende Dipole sind eine gute Wahl, Vertikalantennen eine schlechte.
Zweitens eine geeignete Frequenz. Für den Amateurfunk kommen dabei die Bänder 160, 80, 60 und 40m in Frage. In Zeiten eines Minimums an Sonnenflecken scheiden aber oft 40m und 60m aus, da die Senkrechtgrenzfrequenz (je nach Tages- und Jahreszeit) oft unter 5 MHz liegt.

Doch wie soll ein OM wie du und ich wissen, welches das geeignete Band ist?

Für die richtige Bandwahl stehen verschiedene Ionosonden zur Verfügung. Das sind nichts anderes als "Springbrunnen-Sender", die kurze Signale in die Ionosphäre schicken und diese wieder empfangen. Dabei wobbeln sie über den ganzen KW-Bereich und erstellen so Ionogramme.

Für Norddeutschland sollte man die Ionosonde in Juliusruh beobachten.
Für mitttlere Breiten sind die Sonden in Dourbes (Belgien) oder Pruhonice (Tschechien) gute Indikatoren. Für den Süden Europas wären Rom oder Athen die richtige Wahl.
Für Funkamateure interessant sind vor allem die zwei untersten Zeilen im Ionogramm. Dort findet man die aktuelle MUF in Abhängigkeit von der Distanz. Die Distanzen über 100km werden aus der Senkrechtgrenzfrequenz hochgerechnet und werden nicht direkt gemessen.
Die Ionogramme selbst sind für uns Laien auf den ersten Blick etwas verwirrend. Nur soviel: Rot steht für die Ionosphärenschicht, die O-Wellen reflektiert, Grün für die Schicht, welche die X-Wellen zurückschickt. Mehr über diese X und O-Wellen ist hier zu lesen.
Dass oberhalb der ersten Reflexion scheinbar noch weitere Reflexion stattfindet, ist eine Illusion. Die zurückkehrenden Impulse der Sonde werden nämlich wieder vom Erdboden reflektiert und erneut nach oben geschickt. Bis zu einer zweiten Reflexion an der Ionosphäre legen sie natürlich die doppelte Distanz zurück und gaukeln dem Empfänger eine weitere höhere Reflexionsschicht vor.

Um die gegenwärtige MUF für eine NVIS-Verbindung zu erfahren, kann man aber auch einfach hier auf dieser Seite nachsehen.  Dort sind dann auch noch gleich weitere interessante Daten für die Funkausbreitung zu finden.

Bild: Jet d'eau auf der Dordogne bei Bergerac.

Sonntag, 8. Juli 2018

EME vom Balkon aus



Immer mehr Menschen wohnen in Städten. Laut UNO sollen im Jahr 2050 zwei Drittel in Metropolen wohnen. Funkamateure sind von diesem Trend nicht ausgenommen und werden ihre Funkaktivitäten wohl oder übel an die Stadtarchitektur anpassen müssen.

Lange Drähte und grosse KW-Yagi-Antennen werden dabei wohl Ausnahmen bleiben; Balkonantennen werden die Norm sein.

Das wird sich natürlich auch auf die Aktivitäten und die Belegung der Bänder auswirken. Was dies bedeutet, sehen wir heute bereits an der Verschiebung von den klassischen Betriebsarten hin zu WSPR und FT-8, die mit Behelfsantennen auskommen.

Doch findige OM werden sich auch in Zukunft nicht von ungünstigen Antennen-Standorten abschrecken lassen. Mit Fantasie und technischem Geschick ist sogar EME vom heimischen Balkon aus möglich, wie OE5JFL verschiedentlich bewiesen hat. Hannes hat dabei nicht etwa auf Langyagis gesetzt, sondern einen Hornstrahler aus Maschendraht verwendet.

Bild: Landleben. Der Fluss Dordogne bei Domme.

Montag, 2. Juli 2018

Tasten basteln



Von den einarmigen Banditen - den Einhebel-Tasten - habe ich ja bereits berichtet. Einige Telegrafisten behaupten, dass sie mit einem Paddle nur halb so viele Fehler machen wie mit zweien.
Wie dem auch sei: die Einarmigen sind nicht billig zu haben. Um zum Beispiel eine Sculpture Mono zu ergattern, müssen Weihnachten, Ostern und Geburtstag schon auf einen Tag fallen. Was liegt da näher, als sich mal in ein mechanisches Projekt zu stürzen und selbst so ein Teil zu bauen.
Aber man muss nicht Leiterplatten-Material zersägen, eine CD opfern oder den Klammerbeutel der XYL plündern um zu einem einarmigen Banditen zu kommen. Es geht auch einfacher:

Zum Beispiel mit einem Bausatz von Kent  oder einem von American Morse Equipment.
Etwas mechanisches Geschick gehört allerdings dazu. Dafür braucht es keine tiefer gehenden elektronischen Kenntnisse ;-)

Bild: "Big Gun"




Freitag, 22. Juni 2018

HamNet: zuwenig Fleisch am Knochen.



Das Hamnet soll ein Internet für Funkamateure sein, so lautet die Botschaft.
Allein mir fehlt der Glaube. Lange habe ich im Web herumgestöbert und wurde dabei doch nur konfus. Vielleicht liegt es daran, dass es mir noch keiner richtig erklärt hat oder ich einfach zu dumm bin, dieses "Wunderkind" zu begreifen.
Und so trage ich nach wie vor die Frage mit mir herum: Was kann das Hamnet, was mein Internet nicht kann?
Wo liegt das Geheimnis verborgen?

Ich lese auf den Seiten von Hamnet-Aktivisten z.B. von Web-Foren, Mailbox-Webaccess, von DX-Clustern, von eigenen Webseiten, Web-SDR, fernbedienten Stationen, Videostreams und Web-Cams, von Chat und Videokonferenzen, Clouds und FTP Server, von Wetterstationen, Suchmaschinen und Internet-Telefonie.
Doch das alles habe ich auf meinem "gewöhnlichen" Internet auch. Zumindest hier ist ja das Internet kein "Neuland" mehr.

Auch der Notfunk wird als Argument bemüht. Wenn das Internet wegen großflächigem Stromausfall in die Knie geht, soll das Hamnet weiter funktionieren. Trotz Tunnelverbindungen zwischen Knoten und trotz Zugang von OM Waldheini via normalem Internet zum Hamnet, mangels Sichtverbindung im 5 GHz Band?
Ich glaub' mich laust ein Affe!

Ist doch gerade dieser Zugang über den Aether die eigentliche Knacknuss.
Schon bei uns auf dem Land trifft sich Hinz und Kunz mit seinem Elektronikschrott im 5 GHz Band, weil das 2.4 GHz Band am Anschlag ist. Der Frequenzhunger immer neuer Short Range Devices ist enorm und das Wachstum im Mikrowellenbereich ungebremst.
Und in diesem Umfeld will der Hamnet-OM nun kilometerweit quer durch die Stadt seinen Zugang einrichten. Mit hoher Bandbreite, da High Speed, versteht sich. Denn auch das ist einer der Punkte auf der Argumentationsliste: das Hamnet soll möglichst schneller sein als das Internet.

Kein Zweifel: die Errichtung eines Hamnets ist für Netzwerk- und Internet-Spezialisten eine Traum-Aufgabe und ein wunderbares Experimentierfeld. Das ist sicher im Sinne des Amateurfunks.
Aber es wird wohl so sein wie überall: läuft es einmal, ist der Ofen aus und es ist für die Pioniere nicht mehr spannend. Für diese ist es solange interessant wie es nicht läuft. Einmal in Betrieb, kommt dann meistens eine andere Kaste zum Zug: die Verwalter springen in die Bresche - gute Organisatoren aber in der Regel nicht besonders innovativ.

Für die meisten OM wie Du und Ich ist das Hamnet uninteressant. Es hat zu wenig Fleisch am Knochen. Und für den Appliance OM ist es sowieso mit zuviel Mühsam verbunden. Auch wenn er die Hardware für wenig Geld erstehen kann.

Meines Erachtens besitzt das Hamnet kein Alleinstellungsmerkmal, das ihm zum Durchbruch verhelfen könnte. Wirklich neue Anwendingen kann ich keine entdecken. Es steht auch keine innovative Technologie dahinter, und es ist weit davon entfernt einen disruptiven Technologiesprung zu initialisieren. Basiert es doch auf 08/15 Komponenten.

Hier noch ein interessanter und aktualisierter Erfahrungsbericht von DF9OM 

Bild: Besuch aus dem Süden. Ein Schwärmer (Taubenschwanz) delektiert sich am Nektar der Nelken.
Die Tierchen werden wegen ihres Schwirrfluges und der wie Knopfaugen aussehenden Komplexaugen manchmal für Kolibris gehalten.



Donnerstag, 21. Juni 2018

Relais abschalten? Nein, verbinden!





Manchmal muss man an der Kiste rütteln, dann fallen einem interessante Perlen auf die Füsse:
Mein Vorschlag im letzten Blog, alle Relais abzuschalten, ist auf (negative) Resonanz gestoßen.
Nicht etwa bei den Usern - von denen gibt es ja nicht mehr so viele - sondern bei den Betreibern.
Ich denke, der Aufbau und der Unterhalt der Relais ist wesentlich interessanter, als darüber zu funken. Das dürfte auch auf dieses ominöse Hamnet zutreffen. Doch darüber werde ich mich im nächsten Blog "auslassen".

Etwas Neues aufzubauen, auszuprobieren und damit Erfahrungen zu sammeln, ist eines der wichtigsten Elemente im Amateurfunk. Kein Wunder schießen die Relais immer noch wie Pilze nach dem Regen aus dem Boden. Jeder Verein, und sei er noch so klein, muss sein eigenes Relais haben. Am liebsten noch je eins in allen digitalen Varianten. Fehlt ein prominenter Hügel - von einem Berg will ich erst gar nicht sprechen - tuts auch eine hohe Hütte im Tal. Hauptsache Relais.

Doch die Entwicklung geht nicht immer vorwärts. Back to the Roots ist oft auch eine Alternative.
So hat zum Beispiel die  Amateurfunk Relais Interessengemeinschaft Mittlerer-Neckar e.V. in unserem "Nachbarkanton" Baden-Württemberg "das Rad neu erfunden" und vier Relais auf raffinierte Weise zusammengeschaltet. Drei 70cm und ein 2m Relais in guter alter FM Analogtechnik. Notabene ohne den lästigen Subaudio-Ton, rein Träger gesteuert.
So kann man denn durchs Ländle fahren und dabei mit interessanten OM parlieren und muss nur mal den Kanalschalter bewegen um die Verbindung nicht abbrechen zu lassen. Das leuchtet sogar mir als Relaismuffel ein, und wenn ich das nächste Mal ennet dem Bodensee unterwegs bin, werde ich das gerne ausprobieren.

Die vier Relais sind übrigens Notfunk tauglich. Denn sie laufen ab Batterie oder Notstromaggregat und sind nicht übers Internet miteinander verbunden, sondern über den Aether mittels Sub-Empfängern. Ein weiterer Pluspunkt für dieses System.

So könnte Relaisfunk wieder Spaß machen. Anstatt für jeden OM ein Relais, ein Relais für alle. Weniger ist mehr.

In der Schweiz würden vermutlich drei Sprechkanäle reichen. Einige miteinander verbundene Relais auf wirklich prominenten Bergen könnten das schaffen. Notfunk tauglich, versteht sich.

Bilder: Telegrafisten unter sich. Andy HB3YAF und Bernd DK1DU diskutieren über Andys QCX im Steampunk-Look und das Morsen mit Hosenknopf-Tasten. 

OT: Liebt ihr auch klassische Cello-Musik?

Mittwoch, 20. Juni 2018

2m horizontal oder vertikal?



"Wieso wird im 2m Band bei FM vertikale und bei SSB horizontale Polarisation verwendet? Wäre es nicht einfacher, beide Betriebsarten wären gleich polarisiert?"

Das sind Fragen, die man oft von Newcomern hört, und sie sind durchaus berechtigt.

Um zu verstehen, wie der Gebrauch der unterschiedlichen Polarisationen zustande kam, muss man in der Zeit Jahrzehnte zurückreisen.

Der Amateurfunk im UKW-Bereich hat in den 20er Jahren seinen Anfang genommen. Zuerst im 5m Band zwischen 56 und 60 MHz. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Amateurfunk auf UKW zusehendes populärer. Zuerst bei den Technikern und nach dem Erscheinen der ersten Kaufgeräte auch bei der großen Masse der OM. In Europa konzentrierte sich der Betrieb vorerst auf das 2m Band, denn der untere VHF-Bereich wurde hier vom Fernsehen in Beschlag genommen. Nur den Amerikanern blieb das 6m Band. Gab man sich doch ennet dem Atlantik mit einer geringeren TV-Qualität zufrieden. Das bedeutete schmälere TV-Kanäle und so blieb den Funkamateuren das 6m Band erhalten.

Wieso auf 2m von Beginn weg mit horizontalen Dipolen gefunkt wurde, lag wahrscheinlich an der einfacheren Befestigung der Yagi-Antennen am Mast. Man kann die 2m Antenne auf die Mastspitze setzten, ohne dass der Mast die Antenne wesentlich beeinflusst. Bei einer vertikalen Yagi haben Mast und Yagi die gleiche Polarisation. Der Mast beeinflusst die Richtcharakteristik, wenn er in die Yagi hineinragt. Horizontale Yagis lassen sich auch einfacher stocken als vertikale. Im Portabelbetrieb - und auch beim Peilen - lassen sich die Horizontalen einfacher handhaben als die Vertikalen. Die horizontale Yagi sticht weniger ins Auge. ;-)
Ein weiterer Grund soll in der etwas geringeren Streckendämpfung liegen, bei Pfaden jenseits der optischen Sicht. Das sei auch der Grund, wieso das analoge terrestrische Fernsehen und der UKW-Rundfunk (in DL und HB) meistens horizontale Polarisation benutzten. Eine Studie dazu habe ich bisher aber nicht gefunden. DAB+ ist allerdings wieder vertikal polarisiert und beim digitalen Fernsehen werden verschiedene Polarisationen benutzt.

Anfang der 70er Jahre kamen dann die ersten FM Geräte auf, und um die Reichweite im Mobil- und Portabelbetrieb zu verbessern, wurden Relaisstationen installiert. Vorbild waren die Kommerziellen. Deren Dienste funkten schon eine Weile vertikal in FM. Und das aus gutem Grund:
Da Autoantennen in der Regel vertikale Stängel sind, genauso wie die Gummiwürste auf den Handy's, war der Fall klar: die Polarisation im FM-Betrieb musste vertikal sein. Richtantennen waren bei FM ja kaum ein Thema. Im Gegenteil: man wollte rundum senden und empfangen. Vor allem im Mobilbetrieb.

Soweit die Historie.

Heute haben wir den Salat. Wer mit seinem Blindenstock in SSB funkt und auf eine horizontal polarisierte Gegenstation trifft, muss mit ca. 20dB Polarisationsdämpfung rechnen. Das ist enorm viel, wie wir alle wissen, und auch der Grund, wieso Stationen mit Blindenstock oft darüber klagen, auf 2m SSB sei nichts mehr los. Das stimmt aber nur teilweise.

Im 70cm Band besteht das gleiche Problem. Nur ist dort außerhalb der Funkwettbewerbe im SSB-Bereich tatsächlich fast nur noch Rauschen zu hören. Seit die Morseprüfung abgeschafft wurde und auch DO und HB3er auf KW funken dürfen, hat auf UKW das grosse Rauschen überhand genommen. Allerdings nicht nur im SSB-Bereich: auf den Relais und den FM Simplex-Kanälen herrscht auch tote Hose. Schade um den Strom und das teure Equipment.

Vielleicht würde eine Radikalkur wieder neues Leben in die Bude bringen: Relais abschalten und alle stellen dafür auf vertikale Polarisation um.

Im Mikrowellenbereich - z.B. im 23cm und 3cm Band - wird in SSB und CW auch horizontal polarisierst gefunkt. Im 6m Band spielt die Polarisation nur bei der Bodenwelle eine Rolle. Horizontal bringt etwas bessere Reichweiten. Bei der Ausbreitung über die sporadische E-Schicht sind jedoch die reflektierten Wellen immer zirkular polarisiert, gleich ob die Sendeantenne das Signal vertikal oder horizontal in die Ionosphäre strahlt.

Bild: 6 Element nach DK7ZB, links davon eine Yagi für das 23cm Band.





 

Montag, 18. Juni 2018

Der Piepser und das quietschende Rad



Das Nebelhorn (Buzzer) auf 4625 kHz kennen viele Kurzwellenhörer. Doch der Piepser (The Piep) und das quietschende Rad (Squeaky Wheel) ist weniger bekannt. Dabei gehören diese seltsamen Sender vermutlich alle zur gleichen Kategorie und stammen aus Russland.

Der Piepser sendet tagsüber auf 5448 kHz und nachts auf 3756 kHz im 80m Amateurfunkband. Vermutlich steht der Sender in der Gegend des Asowschen Meeres. Das ist der Teil des schwarzen Meeres, der hinter der neu gebauten Brücke liegt, die nun das russische Festland mit der Krim verbindet.

Das quietschende Rad sendet tagsüber auf 5473 kHz und in der Nacht auf 3828 kHz. Sein Name stammt noch aus der Zeit, als sein Signal tatsächlich einem schlecht geölten Rad glich. Inzwischen wird eine Folge von zwei Tönen gesendet. Vermutet wird der Sender in St. Petersburg.

Beide Stationen senden sporadisch Sprachnachrichten: Zahlenfolgen und allerhand komisches Zeug auf Russisch. Wie auch beim Nebelhorn (Buzzer) scheint es, dass die Töne von einem Tonband über ein Mikrofon eingespeist werden. Das deutet darauf hin, dass es sich um alte Anlagen handelt.
Vielleicht hat man einfach vergessen, sie nach dem kalten Krieg abzuschalten ;-)

Über den Zweck dieser mysteriösen Sender wird nach wie vor gerätselt.
Wer mehr über diese Spekulationen lesen möchte und auch sonst ein Faible für Spionage-Geschichten hat, für den könnte diese Seite eine Fundgrube sein. ENIGMA2000 gibt auch regelmäßig einen Newsletter heraus, den man abrufen kann. Hier die neuste Ausgabe aus der Welt der Spionage und mysteriösen Sender.

Bild: Passend zu den Wetterkapriolen der letzten Zeit: kleiner Vortex in der Nähe meines Shacks. 

Und hier Off Topic ein paar andere Kapriolen. Cheese rolling contest 2018:


Samstag, 16. Juni 2018

Kalte Lötstellen in alten Geräten

Die automatische Bestückung mit SMD-Komponenten und das Reflow-Löten hat nicht nur die Kosten in der Produktion drastisch gesenkt, sondern auch die Qualität verbessert. Durch die automatische Fertigung sind unsere Transceiver zuverlässiger geworden.

Mein IC-475H, ein 70cm Allmode-Transceiver, ist noch in alter Manier gebaut: mit bedrahteten Komponenten in sogenannter THT-Technologie, und vermutlich mit der Lötwelle gelötet oder teilweise noch von Hand.
Entwickelt wurde der Transceiver Mitte der Achtzigerjahre. 1987 wurde er auf dem Markt eingeführt. Ein neues Gerät in dieser Technologie würde heute das Mehrfache eines FT-991 kosten. Dank der automatischen Fertigung und der höheren Integration sind Amateurfunkgeräte heutzutage wesentlich günstiger als in den Achtzigerjahren (inflationsbereinigt).



Doch diese alten Kisten haben ihr "Ablaufdatum" längst überschritten und ihr Alter macht sich in mangelnder Zuverlässigkeit bemerkbar. Die Ausfallquote steigt und wenn die Geräte nicht im Keller landen, werden sie an Flohmärkten "rezykliert".

Auch mein IC-475H hat dem Zahn der Zeit nicht standgehalten. Und wie so oft bei diesen alten Kriegern, zeigte sich die Altersschwäche in Form sporadischer Aussetzer. Nach einer gewissen Betriebszeit war der Empfänger tot - am nächsten Tag lief er wieder. Ein erratisches Verhalten, das typisch ist für Geräte in diesem Alter und das die Fehlersuche sehr erschwert: Meint man, dem Problem endlich auf der Spur zu sein, läuft die Kiste plötzlich wieder.

Ein häufiger Grund für derartige Ausfälle liegt bei diesen Jahrgängen oft Jahrzehnte zurück: Schon bei der Produktion wurden kalte Lötstellen produziert. Diese Lötstellen schlummern oft lange unentdeckt vor sich hin, bis sie nach vielen Temperaturzyklen zum Leben erwachen und sich bemerkbar machen. So auch in meinem Fall.

Glücklicherweise war es in meinem Gerät die NF, die zeitweise aussetzte. So liess sich die Problemzone eingrenzen. Trotzdem gehört eine Portion Glück zur Fehlersuche, nebst einem Oszilloskop und einem guten Stereomikroskop. Ohne letzteres hätte ich die kalten Lötstellen nicht sehen können und wohl aufs Geratewohl nachlöten müssen. Hier ein Blick durch das Mikroskop auf die kalten Lötstellen:

 Erst mit vierzehnfacher Vergrößerung sind die Haarrisse gut zu sehen. Auf der anderen Seite der Platine steckt ein Transistor und wenn man an ihm wackelte, bewegten sich seine Anschlussdrähte in der Lötstelle :-)



Jetzt funktioniert der alte Transceiver wieder. Vorsichtshalber habe ich die ganze Platine nach weiteren kalten Lötstellen abgesucht: und ich wurde fündig. Vielleicht wären diese "Schläfer" in der nächsten Zeit auch erwacht, wenn ich sie nicht nachgelötet hätte.

Auf den nächsten zwei Bildern sind Vorder- und Rückseite der betreffenden Platine zu sehen (Mainboard):





Diese Bilder zeigen, wie aufwändig die damalige Technologie war. Neben dem Mainboard stecken ja noch ein paar weitere Platinen in diesem Monobander. Zum Beispiel eine komplizierte Frequenzaufbereitung. Typisch für diese Zeit ist auch die Verkabelung mit Kabelbäumen und Stiftsteckern. Heutzutage werden die einzelnen Platinen untereinander durch Flachkabel verbunden; und zwar durch so genannte FFC Flat flex Cable.

Natürlich sind auch die Stecker eine potenzielle Fehlerquelle in alten Geräten und manchmal hilft es, sie aus- und wieder einzustecken um eventuelle Oxydation zu beseitigen.
Defekte Komponenten hingegen sind seltenere Fehlerquellen. Mit Ausnahme von Elektrolytkondensatoren aus der Zeit der Kondensatorenseuche oder Elkos an exponierten Stellen, wo sie hohen Temperaturen ausgesetzt sind.





Freitag, 15. Juni 2018

Hat Joe Taylor den Amateurfunk zerstört?



"Did Joe Taylor K1JT, Nobel Laureate and noted friend of hams everywhere, accidentally destroy amateur radio?"
, fragt Kirk Kleinschmidt NT0Z in einem Artikel, der im Februar 2018 im The Spectrum Monitor erschienen ist.

Kirks langer Artikel ist zwar als Glosse gedacht, doch die explosionsartige Verbreitung von FT-8 und die damit verbundene Verdrängung der klassischen Betriebsarten kann durchaus solche Gedanken aufkommen lassen.

Das Jahr 2017 sei das Jahr, in dem der Amateurfunk gestorben sei, meint Kirk. Es sei die Stunde Null einer neuen Zeitrechnung für die Funkamateure. 2018 sei deshalb der Beginn der Hampocalypse oder in der neuen Zeitrechnung das Jahr 1AT (1 year after Taylor). 

Natürlich sei die Zerstörung des Amateurfunks nicht Joe Taylors Absicht gewesen. FT-8 sei sozusagen ein Unfall, wie ein Virus das aus einem Hochsicherheitslabor entwichen sei und sich exponentiell vermehrt und die Bevölkerung befallen habe.

Kirk besteigt in seinem Artikel eine fiktive Zeitmaschine und reist damit in die Zukunft des Amateurfunks. Er beschreibt die Einführung der nächsten  Betriebsarten aus der Taylor-Familie: FT-9 und FT-10. Diese würden zwar wieder eine bescheidene persönliche Interaktion der Funker ermöglichen, doch es sei bereits zu spät. Die wenigen verbliebenen Funkamateure hätten ihr Interesse an Konversation verloren und würden sich stattdessen ganz auf den automatischen Austausch von Signalrapporten und das Sammeln von Locator-Feldern konzentrieren.

Im Jahr 2AT (Year 2 after Taylor) würden dann nicht von Computern kontrollierte QSO's von den Bändern verbannt und dem Amateurfunk nur noch kleine 5kHz Bänder zugeteilt, da dies für die veränderte Aktivität genüge. Auch die Bandwahl würde nun der Computer übernehmen, sodass immer die optimale Frequenz benutzt werde. Der CQWW-Contest werde im Jahr 2AT in CQJTWW umbenannt und erste Diplome würden dann an OM vergeben, die gar nicht wüssten, dass sich ihr Computer am Contest beteiligt habe.

Im Jahr 3AT sei dann die Beteiligung von Menschen am Amateurfunk vollständig obsolet. Der Amateurfunk werde deshalb abgeschafft. Bei seiner Zeitreise habe Kirk aber von einer KI (künstlichen Intelligenz) erfahren, die mit einer FT-11 Beta Version das DXCC in 478 Millisekunden geschafft und damit einen neuen Rekord aufgestellt habe. Der letzte CQJTWW-Contest vor der Abschaffung des Amateurfunks habe auch nur noch 8,5 Sekunden gedauert.

Soweit die Fiktion von Kirk NT0Z. 
Sie ist zwar stark überzeichnet, doch der Trend ist offensichtlich, wie man feststellen kann, wenn man die Bänder beobachtet. FT-8 ist im Begriff, zur dominierenden Betriebsart zu werden und die bisherigen Modi zu verdrängen. PSK31 ist rar geworden und nur unverbesserliche Nostalgiker funken noch in RTTY. Auch CW findet man außerhalb der Wettbewerbe nur noch spärlich in einigen Reservaten. Das 80m CW Band wirkt zeitweise wie ausgestorben. Vermutlich werden auch die SOTA-Gänger in Zukunft vermehrt auf FT-8 setzen. Eines Tages wird der Computer wohl die QSO's selbstständig abwickeln, während der OM derweil die Aussicht genießt. 

 

Mittwoch, 6. Juni 2018

Außerordentlich gute Es Saison



Gewitterzeit im Mai/Juni ist auch Es Zeit. Zwar wird immer noch am Enstehen der sporadischer E-Schichten herumgerätselt, doch Gewitter scheinen dabei eine wichtige Rolle zu spielen.
Wie auch immer: zurzeit geht die Post ab und es herrschen nicht nur gute Bedingungen im 10m und 6m Band. Auch auf 2m kamen in den letzten Tagen während Stunden Verbindungen quer durch Europa zustande.
Auf 6m konnten auch immer wieder Stationen an der US-Ostküste und in der Karibik erreicht werden. Diese Mehrfachsprünge über sporadische E-Schichten sind sonst recht selten.
Wer nichts verpassen und die Es-Szene zeitnah verfolgen möchte, dem kann die Seite von G7IZU sicher eine Hilfe sein. 

Bild: Während wir im Flachland in einer außergewöhnlichen Gewitterperiode stecken, kämpft sich der SOTA-Wanderer in den Bergen noch durch die Reste von Lawinen.

Montag, 4. Juni 2018

Der Baum als Antenne



Der Baum ist der beste Freund des Funkamateurs. Wer rund um seine Behausung nur englischen Rasen hat und anstatt Vogelstimmen bloß das Summen des Mähroboters hört, braucht einen Antennenmast. Wer hingegen einen Baum sein Eigen nennt, kann beim Antennenbau weniger auffällig verfahren und eventuellen HF-Phobikern ein Schnippchen schlagen. Ein Draht ist schnell gespannt und der Baum nimmt dies in der Regel nicht übel.
Allerdings gibt es auch Funkamateure, die ganz auf den Draht verzichten und den Baum selbst als Antenne (miss)brauchen wollen.
Der Baum - so lautet ihre Überlegung - leite ja das Wasser von seinen Wurzeln in die Blätter, und dieses könne, angereichert durch die darin gelösten Nährsalze, durchaus als Leiter herhalten.
Und so wird denn immer wieder versucht, mit allerlei Tricks Hochfrequenz in den Baumstamm einzuspeisen.
Den Grundstein zu diesem seltsamen Unterfangen hat wohl eine Untersuchung der US-Army gelegt. Seitdem kommt das Thema in der Amateurfunk-Literatur immer wieder hoch wie ein sporadischer Rülpser. Ein Leser hat mir dazu folgenden Artikel geschickt. Taucht man in die Tiefen des Internets findet man noch weitere, wie zum Beispiel den hier.

Persönlich halte ich nicht viel von einem solchen Unterfangen. Auch grünes Holz ist ein schlechter Leiter und wieso sollte ich meinen Baum mit Gamma und Deltamatch oder Nägeln plagen, die ich ihm ins Holz treibe, wenn es wesentlich bessere und dazu noch einfachere Lösungen gibt?

Auch der älteste OT findet sicher einen jungen Kletterer, der eine unauffällige, isolierte Litze in der Baumkrone befestigen und dem Baumstamm entlang nach unten führen kann. Ein automatischer Tuner am Fuss des Baums, zusammen mit ein paar Radials, vervollständigt diese Antennenanlage. Natürlich geht auch hier durch die Dämpfung des grünen Holzes das eine oder andere dB verloren. Doch diese Art Antenne ist um Längen besser als den Baumstamm als HF-Leiter zu missbrauchen, und sie ist mindestens genauso unauffällig. Zudem dürfte der Autotuner in der Regel den Draht auf den meisten Bändern anpassen, und damit erhält der OM eine Stealth Allbandantenne!
Allerdings nicht für den Kurzstreckenverkehr im 80m Band. Eine solche Antenne ist ein Flach- und kein Steilstrahler.

Bei der letzten 80m Fuchsjagd hatte ich nicht einmal einen jungen Kletterer dabei. Die Jungen wollten nämlich alle den Fuchs jagen. So habe ich halt einen Fiberglas-Teleskopmast mit angeklebtem Draht am Stamm einer großen Buche entlang nach oben geschoben. Ich musste den Mast nicht einmal anbinden; die Äste des Baumes haben ihn gehalten. Und da es ein 15m Mast war, genügten ein paar Windungen am Mastfuss, um die Antenne auf 80m in Resonanz zu bringen. Zu sehen war das Gebilde dank der grauen Farbe auch nur, wenn man schon fast die Nase am Baum hatte ;-)
Grau ist m.E. die beste Tarnfarbe für eine Drahtantenne. Hochflexible isolierte Litze wie diese hier sieht man kaum.

Wer sich für den Einfluss der Bäume auf die KW-Wellenausbreitung (Dämpfung) interessiert, sollte sich die QST vom Februar 2018 besorgen (von einem ARRL Mitglied). Das war nämlich in dieser Ausgabe das Titelthema.

Und noch ein Tipp für das Verlegen von Radials (auch im englischen Rasen). Mit einer alten Kettensäge lassen sich im Nu die Furchen ziehen um die Drähte reinzulegen. 

Bild: Der Findling und sein Baum




 

 

Mittwoch, 30. Mai 2018

Hochbetrieb im Scatterband







Zurzeit erleben wir in Europa außergewöhnlich intensive Gewitter, wie sie schon lange nicht mehr vorkamen. Auf den langwelligen KW-Bändern 40 - 160m wird die Kommunikation abends zur Qual und der OM tut gut daran, die Antenne bei Nichtgebrauch zu erden und vom Transceiver fern zu halten.

Was den einen betrübt, freut den anderen.
Die mächtigen Gewitterzellen, die sich am Nachmittag bilden, sind ideale Reflektoren im 10 GHz Band. Wo Verbindungen aus dem Flachland oft schon nach einigen zehn Kilometern in Hügeln und Wäldern stecken bleiben, können plötzlich hunderte von Kilometern überbrückt werden. QRN ist für die Mikrowellen kein Thema.

Da ich bis vor kurzem noch im Val d'Anniviers unterwegs war, habe ich den Auftakt der Rainscatter-Saison verpasst. Der hatte es in sich, wie mir Nino DL3IAS (JN49ej) nach einem Scatter-QSO gestern Abend berichtet hat:

Am BBT vom 27. Mai ging so richtig die Post ab. Nino berichtet von einem Pile-up, wie es nur im 2m Band bei Contesten stattfindet. Innerhalb von 13 Minuten hatte er 9 QSO's im Log. Dabei sind die 10 GHz Stationen auch in Mitteleuropa sehr dünn gesät. Zum Schluss kamen bei Nino QSO's mit 34 Stationen zusammen: 20xDL, 6xF, 3xHB9, 2xOE, 1xPA, 1xG, 1xOZ.

Zwar ist Mikrowellenfunk High-Tech im Vergleich zu den ollen Kurzwellen, doch die meisten Regenscatter-Verbindungen finden nach wie vor in der ältesten digitalen Betriebsart statt: in Telegrafie. Denn durch die Reflexion an unzähligen Regentropfen werden die Signale verzerrt und klingen im Empfänger wie "Rausch-Morsen".
SSB wird unter diesen Umständen schwer verständlich und WSJT-Betriebsarten bleiben chancenlos.




Bilder zuoberst: Unterwegs im Bergfrühling







Mittwoch, 23. Mai 2018

Vom FT101E zum FTDX-101D



Yaesu versucht ICOM aufzuholen und hat an der Hamvention 2018 einen neuen KW-Transceiver vorgestellt.
Es soll sich dabei um einen SDR handeln. Ob der neue tatsächlich ein direkt abtastender Transceiver mit einem A/D-Wandler im Frontend ist, gilt es noch zu erhärten.
Yaesu versucht mit dem Namen FTDX-101D an den Erfolg des FT-101E aus den Siebzigerjahren anzuknüpfen.
Wie üblich weiss man herzlich wenig über das neue Teil. Er soll aber über einen Preselector verfügen und die üblichen 100W von 1.8 bis 54 MHz.



Ob wirklich jeder OM zwei getrennte Empfänger braucht, mit all den zugehörigen Knöpfen im Doppel, wage ich zu bezweifeln. Ich könnte gut darauf verzichten.

Wird Yaesu mit dem Neuen die Aufholjagd gelingen?
Rein vom Design her sieht der Transceiver gut aus, und wie wir alle wissen: das Auge funkt mit.




Morsezeichen aus dem Val d'Anniviers

Das Wetter inmitten der Alpen ist zurzeit so bescheiden wie die Ausbreitung der Aetherwellen. Doch zum Wandern findet man immer wieder mal sonnige Abschnitte und das 80m Band bietet im CW-Reservat nicht nur gähnende Leere, sondern ist auch gut für nette Überraschungen.
Wenn ringsherum der Donner kracht und das QRN knattert, muss auch der Telegrafist die Ohren spitzen. Persönlich bevorzuge ich daher ein geringeres Tempo. Deshalb habe ich nur den Hammer - die Handtaste - eingepackt.
Damit mache ich auch etwas weniger Fehler als mit dem Paddle. Das ist aber nicht eine Frage der Geschwindigkeit. Obwohl ich als Berner nicht so rasch denken kann wie ich morse. Meine Fehlerquote ist beim Paddle übrigens unabhängig vom Tempo. Ein Mysterium, dass ich bisher noch nicht ergründen konnte. Klar ist mir nur der Zusammenhang von Fehlerrate und "Tastenöl".


Die Vibroplex auf dem Bild ist ein grobes Teil, ohne die Raffinesse der Tasten aus den europäischen Edelschmieden. Feingewinde, Kugellager und magnetische Rückstellung sind an ihr spurlos vorübergegangen und mit ihrem Steampunk-Design könnte sie schon auf der Titanic ihren Dienst verrichtet haben.
Den Knopf habe ich modifiziert und die Kanten gerundet, damit er nicht mehr meine Finger wundscheuert. Trotzdem: sie ist robust und wenn man ab und zu ihre Schrauben anzieht, auch zuverlässig.

Wer auf der Suche nach einer Handtaste ist, könnte vielleicht hier fündig werden.
Noch mehr Auswahl bietet dieser Webladen. Dort wird auch jedes Jahr zu Weihnachten ein Xmas-Key angeboten - jedes Jahr ein neues Design. Mit diesen Winzlingen kann der Aficionado nicht nur seinen Tannenbaum schmücken, sondern auch morsen. Der Laden vertreibt übrigens auch die Scheunemann und die Palm Morsetasten. Andere wie Kent, Begali oder die Tasten von UR5CDX fehlen dagegen. Auch die Stampfl Tasten sucht man dort vergebens.

Sicher habe ich noch ein paar wichtige Hersteller vergessen. Aber wie wir sehen, gibt es nicht nur Paddles zuhauf, auch die Handtasten sind keine Raritäten auf dem Markt. Gar nicht zu reden von alten gebrauchten Militärtasten wie man sie auf Flohmärkten finden kann oder den Tasten der Profi-Telegrafisten aus längst vergangenen Zeiten.

Viele QSO's habe ich bisher von hier aus nicht gemacht, ich ziehe die Qualität der Quantität vor. Einige Verbindung haben mich besonders gefreut: zum Beispiel mit Andy HB3YAF, der mit seiner Jeans-Knopftaste und seinem QCX bei mir zeitweise mit unglaublichen 599 ankam. Gestern Abend konnte ich noch I3/HB9EXA erreichen, der mit seinem "Saurier" in Venedig auf den Schiffsverlad nach SV/ZA wartete und mit einer Codan Mobilantenne auf 80 telegrafierte. Auch eine Verbindung mit Bernd DK1DU nach Kassel klappte zu meinem Erstaunen ohne Problem. 600km dürften etwa an die Grenze meiner NVIS-Antenne stoßen.

Leider höre ich immer mehr Telegrafie-Stationen die in Bandwurm-Technik funken. Alle Wörter werden ohne Pause einfach zusammengehängt. Wenn dann noch Fehler und QRN hinzukommen, verschwimmt das Ganze zu einer sinnlosen Soße - zumindest in meinem langsamen Berner Hirnkasten. Andere wiederum verwenden die Salat-Technik. Sie trennen die Wörter willkürlich und zerhacken ihre Wörter und Sätze zu einem Buchstabensalat. Gemischt mit Fehlern und QRN wird dieser Salat unverdaulich. Die dritte Kategorie der Unhörbaren verwendet die Butterbrot-Technik. Diese kann nur mittels Handtaste angewendet werden. Dabei werden die Signale so verschmiert, dass man Punkte und Striche kaum mehr unterscheiden kann. Oft wird das Butterbrot noch mit Salatsauce beschmiert oder einem Bandwurm verziert. Ein wahrer Graus!

Natürlich morse auch ich nicht perfekt und mache viele Fehler, aber ich mache wenigstens anständige Fehler ;-)

Letztes Mal habe ich noch ein Bild des Weisshorns versprochen, eines SOTA-Gipfels. Hier ist es:

Aktiviert wurde der 4506m hohe Gipfel bisher noch nie. Der kleinere Gipfel links ist der Grand Gendarme 4331m hoch. Ihn sucht man vergeblich auf der SOTA-Liste. Dem Gendarmen fehlt es nicht an Höhe, vermutlich aber an "Prominenz" um die SOTA-Regeln zu erfüllen.
Richten wir den Blick etwas mehr Richtung Süden, sehen wir das Zinalrothorn 4221m mit bewölktem Haupt - wiederum ein SOTA-Gipfel und auch noch eine SOTA-Jungfrau:


Kein Wunder existieren hier noch so viele SOTA-Jungfrauen. Würde ich es jemals auf einen dieser Gipfel schaffen, hätte ich alles andere im Sinn, als zu funken.

Auf der anderen Seite dieser Gipfel befindet sich das Mattertal mit Zermatt und dem bekannten Matterhorn.

Zum Schluss wieder einmal ein Bilderrätsel. Was diese seltsame Kapsel ist, konnte ich bisher nicht herausfinden. Dieses UFO hat eine Tür (war verschlossen) Solarpanele und obendrauf einen Metallstab mit Kugel (Blitzableiter?). Aber vielleicht weiß ein Leser Bescheid?


Donnerstag, 17. Mai 2018

QRV am Steilhang

Zurzeit bin ich wieder einmal in alpinen Gefilden zuhause. In Grimentz am Ende des Val d'Anniviers im Kanton Wallis. Der Winter macht dem Sommer nur unwillig Platz und das Wettergeschehen ist für den Fremden hier oben nur schwer durchschaubar. Da kann es am Abend noch so aussehen:


Und wenn man am nächsten Morgen aufwacht, sieht die Welt wieder ganz anders aus:


Auch wenn der Morgenschnee rasch wieder weg ist: in höheren Lagen liegt noch enorm viel Schnee und so ist auch die Zufahrt zu dem Lac de Moiry zurzeit noch unter Schneemassen begraben:


Obwohl Natur und Wandern im Vordergrund stehen, möchte man natürlich auch ab und zu in den Aether lauschen und mit seinen Funkfreunden ein paar Zeichen austauschen. Möglichst ohne großen Aufwand, der Antennenbau am Steilhang ist ohnehin schwierig. Die Antennensimulation auf dem PC braucht man gar nicht aufzustarten, denn wer keine Wahl hat, hat auch keine Qual.

So wirft der OM halt einen Draht vom Balkon und bindet ihn am nächstbesten Baum fest. In meinem Fall  war der Baum bereits zum "Telefonmast" verarbeitet worden. Die Länge ist damit gegeben; gemessen habe ich sie nicht, ich schätze sie auf zirka 17m. Das spielt aber keine grosse Rolle, solange der automatische Tuner CG-3000 damit klar kommt.
Wieso sollte ich mich mit irgendeinem käuflichen Draht mit Traps und Baluns/Ununs und anderem Schnickschnack abmühen, wenn mich das patente Teil in kürzester Zeit in den Aether bringt. Draht abschneiden kann ich ja selbst, da brauche ich keinen Antennenhersteller dazu.

Im Prinzip ist so eine Antenne eine Endfeed-Antenne unbestimmter Länge. Manche sagen auch einfach Langdraht, obwohl das funktechnisch nicht ganz korrekt ist. Who cares? Generationen von SOTA-Gängern arbeiten mit ähnlichen Konfigurationen. Bei kleineren Leistungen zum Beispiel mit den bewährten Elecraft-Tunern, eingebaut oder extern.

SOTA-Gipfel gibts hier zwar zuhauf, doch nur für erfahrene Bergsteiger. Der prominenteste in der Nähe ist das 4506m hohe Weisshorn, das man auch vom nächsten Tal aus, von Zermatt her gut sehen kann. Bisher hält dieser Gipfel sein Haupt noch in den Wolken verborgen. Sobald sich dieser SOTA-Gipfel zeigt, werde ich ein Bild nachliefern.

Natürlich braucht es zu einer Antenne, die kein Dipol ist, eine Art Gegengewicht. Auch hier hilft ein Draht unbestimmter Länge. Man legt ihn einfach über Stock und Stein, oder versucht sich im Steilhang mit einem Weitwurf. Es ist ok, wenn das Gegengewicht in der Wiese liegt; Radials zu spannen ist nur was für Perfektionisten.
Damit ist der Tuner meist zufrieden und klappert auf allen Bändern fröhlich vor sich hin und liefert nach kurzer Zeit ein SWR von nahezu 1:1. Eine Mantelwellensperre verhindert, dass die HF auf dem Mantel des Koaxialkabels zum Transceiver zurückschleicht und den OP kitzelt oder den Transceiver verstört.


Apropos Telefonmast: eigentlich ist es ein Glasfaser-Träger. Telefon/Internet und TV kommen hier mit der Glasfaser direkt ins Haus. Der Empfang hier oben ist deshalb frei von Powerline-Störungen.

Da der Hang auf der Südost-Seite liegt, sollte die Antenne eigentlich vorzugsweise in diese Richtung strahlen. Doch zumindest auf dem 80m Band sind bei Verbindungen 360 Grad rund um das QTH keine großen Unterschiede festzustellen. Mein Draht scheint - wohl wegen der geringen Höhe - mehr oder weniger ein Steilstrahler zu sein.
Die Wellen des 60m Bandes scheinen sich ähnlich zu verhalten und dank der hohen MUF in den letzten Tagen sind auch hier tolle NVIS-Verbindungen innerhalb der Schweiz und in die Nachbarländer möglich gewesen. Das QRN durch Gewitter ist hier weniger stark als auf 80m. Eine prima Alternative für Telegrafisten und Digitaliker.


Mittwoch, 9. Mai 2018

Geländequerschnitt und Fresnelzone online



Wer Zugang zu einem HamNet-Knoten will, muss vorab seine Chancen abklären. Entweder mit Ausprobieren oder mithilfe einer Berechnung des Geländequerschnitts, der ihm zeigt, ob eine Sichtverbindung gegeben ist und ob eventuell die Fresnelzone tangiert wird.
Auch der UKW/Mikrowellen-Funkamateur möchte oft wissen, wie das Gelände zwischen ihm und seinem Funkpartner aussieht. Im Gegensatz zum HamNet-User ist er aber nicht unbedingt auf Sichtverbindung angewiesen.

Programme zur Berechnung und Anzeige des Geländequerschnitts findet man im Internet. Auch Google Earth kann für eine bestimmte Strecke einen Geländequerschnitt darstellen, ebenfalls das Kartenprogramm der Schweizerischen Landestopografie.

Doch was für Wanderer interessant ist, dient dem Funkamateur nur bedingt. Denn diese Programme zeigen weder eine mögliche Sichtlinie noch berücksichtigen sie die Erdkrümmung, was für längere Pfade notwendig ist. Zudem kann die Fresnelzone weder berechnet noch im gewählten Funkpfad dargestellt werden.

Es gibt zwar Programme, die das schaffen, doch meistens handelt es sich dabei um proprietäre Software. Das heisst, sie kosten Geld oder sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt (Militär).

Aber es gibt Ausnahmen in den unergründlichen Tiefen des Internets. Zum Beispiel das folgende Online-Tool:
Dieses Programm kann nicht nur weltweit Geländequerschnitte darstellen und Sichtlinien inkl. Erdkrümmung berechnen. Sondern auch Fresnelzonen frequenzabhängig darstellen.
Doch das ist noch nicht alles:
Das Tool berechnet auch die Funkabdeckung eines userdefinierten Standortes und zeigt den Horizont mit den sichtbaren Berggipfeln. In einer Tabelle werden diese mit Distanzangaben noch einzeln aufgelistet. Das Bild oben zeigt die Funkabdeckung von meinem Standort aus. Die Dreiecke sind die Gipfel die meine Antenne sehen kann und die roten Flächen sind die Orte, zu denen eine Sichtverbindung möglich ist. Wie immer ein wenig berauschendes Bild, wenn man im hügeligen Mittelland zwischen Jura und Alpen zuhause ist. Für Weitverbindungen bin ich deshalb auf Reflexion und Diffraktion, Tropo- und Flugzeugscatter und andere Spezialitäten angewiesen.
Aber nun lassen wir endlich die Katze aus dem Sack:
Das Programm findet man hier.
Es ist nicht so gut wie proprietäre Programme und das Raster ist grob. Zudem trifft man immer wieder auf weisse Flecken und andere Ungenauigkeiten. Aber es verschafft dem OM einen guten Überblick über die Chancen und Schwächen seines QTHs.

Wer ein genaues Linkbudget einer HamNet-Anbindung erstellen will, ist mit diesem Programm hier besser bedient. Auch dieses Programm bietet einen Geländequerschnitt und stellt die Fresnelzone dar. Füllt man die Tabelle akkurat aus, erhält man die empfangene Leistung in dBm. Auch die Regenrate kann eingegeben werden um die Bedingungen bei schlechtem Wetter zu simulieren.

Wer aber nur mal schauen möchte, welche Gipfel er von seinem Standort aus sehen kann und wie diese heißen, der ist hier am besten bedient.

Nachtrag: Von Stefan DL8SFZ  habe ich gerade noch eine Mail zum Thema bekommen. Er schreibt:

Hallo Anton,
um deine Auflistung der Programme noch abzurunden habe ich noch dieses hier:
wie es funktioniert habe ich hier etwas beschrieben:

Es zeigt recht genau, wie gut man ein Signal wo empfangen kann. Bei größeren Reichweiten muss man den zu berechnenden Radius vergrößern und die Feinheit kann man auch noch bestimmen. Dann dauerts aber manchmal recht lange…
Ich finde es mit Abstand das beste Programm zur Flächenabdeckungsbeurteilung für rundstrahlende Stationen oder auch mit Einschränkung für Richtantennen.
Probier es mal aus, einfach registrieren und loslegen. Es kann auch weit mehr, wie du feststellen wirst.
 

Montag, 7. Mai 2018

FT8 im 2m Band

Die meisten Funkamateure kennen das 2m Band nur aus der Sicht ihres Handfunkgeräts oder des Relaisfunks mit dem Mobiltransceiver; einige vielleicht noch vom Contestbetrieb von einem Hügel aus in SSB und CW.
Doch das gute alte 2m Band hat mehr zu bieten. 
Was mit modernen digitalen Betriebsarten aus der WSJT-X Palette möglich ist, hat kürzlich Manfred HB9FLU ausprobiert. In der Betriebsart FT-8 mit 30W aus einem FT-991A von Yaesu und einer Logper-Antenne von Anjo. 
Manfred wohnt im Nordosten der Schweiz und wie unten auf der Karte zu sehen ist, wurde sein Signal sogar in Irland gehört. Notabene unter ganz normalen Ausbreitungsbedingungen:


Am vergangenen Wochenende hat übrigens ein UKW/Mikrowellen-Contest stattgefunden. Dort wurde noch ganz konventionell in SSB und CW gefunkt. 
Auch meine Mikrowellen-Freunde Hansjoerg HB9EWH und Christoph HB9DTZ waren dabei. Und zwar mit einer ganz speziellen Verbindung quer durch die Schweiz, zu Fiorello HB9DWK. Wie im nachfolgenden Bild zu sehen ist, hatte es dieses QSO in sich, denn eine Sichtverbindung zwischen den beiden Standorten existiert nicht und die 3cm Wellen waren auf eine Mehrfach-Diffraktion an Berg- und Hügelkämmen angewiesen:


Trotzdem klappte es in SSB mit gutem Signal. Im nächsten Bild ist Christoph zu sehen mit seinem WOK im Gebiet des Gurnigels. Er strahlt wie ein Marienkäfer über den gelungenen Versuch:


Hier können wir noch die Antennenanlage von Fio HB9DWK bewundern, auf der anderen Seite der Schweiz in der Nähe des Bodensees:


Auch 10 GHz ist also immer wieder für eine Überraschung gut.

Ein Band weiter unten und 500km weiter nördlich starrten derweil ein paar OM mit einem Besenstiel gespannt in ein Notebook, wie im folgenden Bild zu sehen ist. Dabei ging es um den drahtlosen Zugang auf 5.7 GHz in das HamNet bei Kassel. Wegen der großen Bandbreite der übertragenen Signale kommt dabei in der Regel nur eine Sichtverbindung in Frage. Aber vielleicht gelingt es auch mit einer Reflexion am Herkules, der auf der Willhelmshöhe über die Stadt wacht. Den Bericht zu dieser Art Mikrowellenfunk, kann man hier lesen.