Dienstag, 31. Juli 2018

Anton bekommt einen Hohlleiter



Euch ist es sicher aufgefallen: In der letzter Zeit ist es in diesem Blog verdächtig ruhig geblieben.
Daran hat nicht nur die Urlaubszeit und das Sommerloch Schuld, sondern auch ein persönliches Ereignis, das mir einen winzigen Hohlleiter beschert hat, den ich zurzeit austesten muss.
Angefangen hat es ungefähr am vorletzten Sonntag. Die äußere Welt war zwar damals noch unverrückt, das heißt in Ordnung, doch irgendwie beschlich mich damals schon eine seltsame Ahnung, wie ich in der Rückschau erkennen muss.
Das lag aber nicht am Antennentuner, den mir ein Freund vorbei brachte. Obwohl...schon beim Entfernen des Deckels schlug mir ein abgestandener Brandgeruch entgegen und warnte mich vor dem, was ich in der nächsten Sekunde entdecken würde. Vielleicht hätte ich das als Warnung für mein persönliches Schicksal annehmen sollen.
Wie dem auch sei. Der Tuner sah so aus, wie eben ein Tuner aussieht, der versucht, eine Antenne mit einem Kilowatt abzustimmen und verzweifelt nach einer nicht vorhandenen Anpassung fandet. Der Brand in seinem Innern ist wohl erst erloschen, nachdem die letzten Sauerstoff-Reserven aufgezehrt waren:


Es handelte sich bei dem unglücklichen Tuner übrigens um einer der seltenen CG-5000, die meines Wissens nicht mehr hergestellt werden. Automatische High Power Tuner sind ja generell und im wahrsten Sinn des Wortes ein heißes Eisen. 100 Watt sind noch einigermaßen zu  beherrschen, wenn mal die Antenne abfällt, oder wenn der OM den Tuner auf unmögliche Impedanzen loslässt. Doch im Kilowattbereich kann sich so ein Tuner rasch in einen feuerspeienden Drachen verwandeln. Zumindest betrifft das die billigeren Exemplare. Manchmal erwischt es einen Kondensator, manchmal ein Relais. Murphy ist da nicht wählerisch.
Bisher ist mein Stockcorner JC4s von solchem Feuerwerk verschont geblieben, im Gegensatz zu seinem Vorgänger JC4 aus der ersten Serie. Die neue, verbesserte Version verhindert das Abstimmen oder das unbeabsichtigte Nachstimmen mit hoher Leistung.

Doch zurück zu den Ereignissen der letzten Woche und zu meiner Blogabsenz:
Der Montag startete mit einer so genannten "Sommergrippe", einer simplen Erkältung. Kein Grund, den Onkel Doktor zu belästigen, höchstens Zeit für einen steifen Grog. Als am Mittwoch etwas Druck in der Herzgegend dazukam, verschaffte der Einwurf von zwei Aspirin bald Linderung. Doch damit war die Geschichte nicht gegessen und das Verhängnis nahm seinen Lauf.
Am Tag darauf, nach einem guten und unbeschwerten Mittagessen, schreckte mich ein Gefühl aus dem Mittagsschlaf, das in meinem Kopf einen klingonischen Gefechtslarm auslöste.

Wenn ihr jemals das Gefühl habt, euer Herz würde in einem Schraubstock zusammengepresst und dieses Gefühl in den linken Arm ausstrahlt, lässt sofort alles liegen und stehen und versucht, so rasch wie möglich in die Notaufnahme der nächsten Klinik zu gelangen, hierzulande Spital genannt. Denn die Uhr ist am ticken.
Ihr kennt das sicher aus den unzähligen Filmen, in denen es darum geht, eine Bombe zu entschärfen. Jede Sekunde zählt.

So geschah es, dass ich in einem weißen Haus landete mit einem Hemd, das auf der falschen Seite zugeknöpft war und mit vielen hübschen und netten Damen und Herren die mich ernst musterten und an mir herumhorchten.
"Sie hatten einen Herzinfarkt", meinte der Chef der Equipe, nachdem ich vollverkabelt auf einem Bett lag und verwundert auf die vielen Bildschirme und blinkenden LED's starrte.

So kam ich denn zu meinem persönlichen kleinen Hohlleiter, dessen Grenzfrequenz mir nicht bekannt ist. Stent, nennt man dieses Teil und dessen "Montage" war ein höchst interessanter Vorgang. Konnte ich doch alles Live direkt an den Bildschirmen verfolgen. Bevor der Stent platziert wird, wird die für den Infarkt verantwortliche Engstelle in der Herzkranzarterie mit einem kleinen Ballon aufgeweitet.
Die Erfolgsquote sei hoch und die Chance, dass ich dieses Blog weiter betreiben kann, sind deshalb gut. Wir werden sehen.
Gewissermaßen als Zugabe habe ich jetzt einen Setzkasten, wie ich ihn für das Einordnen von Kondensatoren und Widerständen verwende. Damit ich keine der vielen Pille vergesse, die ich täglich schlucken muss ;-)

Bild zuoberst: Gute Funklage. Ausblick von der Intensivstation des Kantonsspitals in Freiburg/Fribourg.

OT: Was einem so durch den Kopf geht in solchen Situationen. Intro aus BSG (Battle Star Galactica)


 Wer genau hinhört, erkennt darin vielleicht das Gayatri-Mantra. Das ist kein Zufall.

Kommentare:

Karsten Niehaus hat gesagt…

Lieber Anton,

Ich bin vor einigen Tagen auf der Suche nach einem pi- Tuner auf Deine Seite gestoßen. Heute Abend
wollte ich etwas mehr erfahren und der erste Weg führte zu Deinem Blog.
Dein Bericht zum Herzinfarkt hat mich schwer beeindruckt. Keine Ahnung ob ich das so „verarbeitet“ hätte.
Dabei kooperiere ich mit dem Herz und Diabetes Zentrum hier um die Ecke. Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute!
Und wenn es Dir besser geht bitte ich Dich um Beratung, Dipol versus inverses Vee.

Ich hoffe es geht schnell besser! Mein Schwiegervater war vor 10 Jahren in einer ähnlichen Situation und hat vor
Kurzem eine lange Wanderung mit uns gemacht - wird schon!

Beste Grüße,

Karsten

Matze hat gesagt…

Hallo lieber Anton, mit anfänglicher Bestürzung habe ich Deinen letzten Eintrag gelesen. Ich wünsche Dir für Deine Genesung alles Gute und drücke Dir ganz fest die Daumen. Wie ich aber fest stelle, ist Dein Humor noch ganz der alte. Ich freue mich schon auf weitere "Funkperlen" von Dir. Vy73 de Mathias, DK4BM

HB9SHD HAM hat gesagt…

hmm Toni alles Gute und gute Besserung ...luegt zu dir dass di Blog no lang witer gschribe wird.

Happi no Ending

Remno es HB9SHD

wetter kurt hat gesagt…

Lieber Anton,

tut mir leid von deinem gesundheitsproblem zu hören ! Wuensche Dir alles beste; und mach weiter mit dem blog !

73 kurt HB9AFI

HB9WDF hat gesagt…

Blitzdonnernochmmal, was muss ich da lesen an unserem Nationalfeiertag? - dieser Knall in meinem Hirn hat mich jetzt aus der Komfortzone meines Sofas gerissen - und das trotz Feuerwerksverbot in unserem Kanton.
Hey - gute Besserung Toni! Lass Dir Zeit für Deine Genesung. Ich drücke Dir dazu ganz fest die Daumen!!
73s Michi, hb9wdf

Anonym hat gesagt…

Hallo Anton,

gute, gute, gute Besserung !!!

Ich konnte mein Wissen durch Deine Berichte extrem erweitern, vielen Dank dafür !!!
Mach bitte noch recht lange so weiter !!!

Wolfgang Reinhardt
DE0WRL ex DO9WRL

Alfred hat gesagt…

Alles Gute und vollständige Genesung!

73, Alfred, OE5AKM

Anonym hat gesagt…

Gute Besserung lieber Anton!
73,
Steffen

Stephan Horisberger hat gesagt…

Lieber OM Anton
Auf diesem Weg wünsche ich Dir gute Besserung und möge der "Hohlleiter" seinen Dienst lange und konsequent gut erledigen! Denn - ich lese immer wieder gerne Deinen Blog. In diesem Sinne - trag Sorge zu Dir!
Vy 73 de Stephan, HB9FIO