Freitag, 15. Januar 2016

Geständnisse eines Tuner Killers



Seit Mitte Mai ist bei mir ein Antennentuner JC-4 von Stockcorner in Betrieb. Ich habe hier zum ersten Mal darüber berichtet. Er sitzt am Speisepunkt meiner Draht-Antenne, einem umgedrehten L. 12m geht der Draht in die Höhe, dann verläuft er 43m horizontal. Nicht schön gerade, eine so lange Strecke habe ich leider nicht zur Verfügung. Die 43m sind etwa in der Mitte um ca. 90 Grad abgewinkelt. Als Zwischenstützpunkt dient der Dachfirst des Hauses. Natürlich funktioniert eine solche "einbeinige" Antenne nur mit einem guten Gegengewicht. Ist das nicht vorhanden, läuft der Tuner Amok und der Wirkungsgrad der Antenne wird unterirdisch schlecht. Deshalb habe ich den JC-4 an die Maschendrahtzäune angeschlossen, die vom Speisepunkt in drei Richtungen weglaufen. Den Nachbarn sei Dank. Dazu bekam er noch ein Dutzend Erdpfähle spendiert. Nach dem Prinzip: nützt es nichts, schadet es auch nicht. Eine solche "Umgekehrte-L-Antenne" funktioniert gut auf den längeren Bändern, auf 20-10m ist das Richtdiagramm aber sehr zerklüftet: Schmale Keulen mit hohem Gewinn und viele Nullstellen. Für 160m ist sie jedoch oft die "Rettung", wenn der Platz knapp ist. Ich benutze sie auch auf 630m mit Erfolg, dort aber mit einem Variometer zur Anpassung. Doch zurück zum Stockcorner JC-4:

Nach einem kurzen Intermezzo mit einem durchgebrannten Kondensator - ich habe hier darüber berichtet - läuft der Tuner nun klaglos. Er passt die Drahtantenne auf allen Bändern von 10 bis 160m blitzschnell an und verdaut dabei bis zu 1kW Sendeleistung.

Eigentlich war ich mit seinem Vorgänger, einem CG-3000, zufrieden. Ich habe zwei von diesen Tunern und sie haben mich noch nie im Stich gelassen - weder im Urlaub noch zu Hause. Dabei bin ich auf den Verschleiß von Tunern abonniert. Ja, ich bin ein regelrechter Tuner Killer. Bisher mussten ein CG-2000, ein CG-5000 und ein SG-230 ins Gras beißen.

Ich hätte also beim CG-3000 bleiben können, wenn ich nicht den Endstufen-Virus erwischt hätte. Und das kam so: Irgendwann haben mir meine Kollegen zu verstehen gegeben, dass mein Signal auf 160m etwas schwachbrüstig sei und sie immer in den Lautsprecher kriechen müssten, um mich zu verstehen. Besonders im sommerlichen Aethergeknister.

So fing die Geschichte an, und wer A sagt, muss auch B sagen. Eine Endstufe bedingt auch einen kräftigeren Tuner, wenn man nur einen Draht für alles und keine resonanten Antennen zur Verfügung hat.

Trotz des durchgebrannten Kondensators bin ich bisher mit dem JC-4 zufrieden. Er besitzt einen zweiten Antennenausgang, wo man z.B. noch eine Vertikalantenne anschließen kann. Die Einstellungen der beiden Antennen werden separat gespeichert, so dass der OM blitzschnell zwischen den Antennen umschalten und vergleichen kann.

Zudem stimmt er nur ab, bei einem Druck auf den Knopf des zugehörigen Kästchens, das der OM im Shack platziert, Es kann also nicht passieren, dass der Tuner plötzlich mitten in der Sendung losrattert und neu abstimmt, weil er glaubt, noch ein besseres SWV finden zu können. Bei einem Kilowatt wäre ein solches Verhalten auch ziemlich destruktiv.

Aber wieso erzähle ich euch das alles?

Nun, ich habe mir jetzt einen zweiten JC-4 zugelegt. Denn ich habe den Spleen, dass ich von allen Dingen immer zwei besitzen muss. Redundanz heißt das, glaub ich. In Fliegern ist auch immer alles Wichtige doppelt vorhanden. Ich bin zwar kein Flugzeug, aber es ist praktisch, wenn man gleichzeitig mit einem Gerät funken und am anderen herumbasteln kann :-)

Der Stockcorner Tuner heißt jetzt übrigens JC-4S und soll noch besser sein. Wir werden sehen.

Kaum angekommen, habe ich ihn deshalb schon zerlegt und seine Innereien inspiziert. Garantie ade. In meinem nächsten Blog-Eintrag werde ich darüber berichten.