Mittwoch, 4. Oktober 2017

DX im Rauschen



DX - weltweite Funkverbindungen - faszinieren fast jeden frischgebackenen Funkamateur. Und so ist es denn in der Regel auch das erste was der Newcomer nach der Lizenzprüfung tut: er geht auf die Jagd nach Stationen auf anderen Kontinenten und Inseln in den Weiten der Ozeane. Manch ein OM kann sich ein Leben lang dieser Faszination nicht entziehen, auch wenn heute im Zeitalter des Internets die Welt zu einem Dorf geworden ist.

Zur Zeit sind die Bedingungen günstig. Der Oktober zählt zu den besten DX-Monaten des Jahres. Obwohl sich der laufende Sonnenzyklus seinem Ende nähert, sind die höheren KW-Bänder wieder etwas zum Leben erwacht. Doch das wird leider nicht so bleiben.

Trotzdem gibt es für den DXer Hoffnung, auch in Zeiten geringer Sonnenaktivität seiner Leidenschaft frönen zu können. Im neusten QST (Oktober 2017) beschreibt Carl K9LA, wie man der Ausbreitung ein Schnippchen schlagen kann und auch dann noch QSO's zu Stande bringen kann, wenn es gemäß VOACAP nicht mehr gehen sollte.

Eine alte Indianer-Regel sagt zwar, dass man absteigen soll, sobald man merkt, dass man ein totes Pferd reitet. Doch auf den KW-Bändern sollte man sich das mit dem "Absteigen" gut überlegen. Auch wenn das Band scheinbar tot ist und keine SSB oder CW Signale zu hören sind, könnten Funkverbindungen trotzdem möglich sein.

Der Trick ist: anstatt absteigen muss man umsteigen.
Die digitalen Betriebsarten JT65, JT9 und FT8 funktionieren auch dann, wenn die Signale für das Ohr des Operateurs nicht mehr hörbar sind. Signale die bis ca. -26dB unter dem Rauschpegel liegen, können noch decodiert werden.
Das reicht, um auch dann noch über die Ionosphäre zu funken, wenn es die MUF eigentlich nicht mehr erlauben würde. Carl zeigt in seinem Artikel auf, dass noch bei einer MUF von 23 MHz im 10m Band digitale Verbindungen möglich wären.

Zwar wird der Großteil der 10m Welle in diesem Fall nicht mehr von der Ionosphäre reflektiert, aber trotzdem sollen noch Reste des Signals zur Erde zurück gestreut werden, wie Carl anhand eines Beispiels ausführt.

Doch wie immer im DX-Universum gilt auch hier: gute Antennen und genügend Leitung erhöhen die Chancen. 
 

1 Kommentar:

Peter Sidler hat gesagt…

Hallo Anton, danke für den schönen Bericht. Dabei erinnere ich mich an eine unbeantwortete Frage:

Mit welcher Streckendämpfung ist die MUF definiert?

Wie Du in Deinem Bericht schreibst, kann man mit mehr Leistung oder einem Mode, welcher unterhalb der Rauschgrenze dekodiert, auch oberhalb der MUF noch QSO's machen. Die Ionosonden zeichnen aber eine klare Linie http://digisonde.oma.be/cgi-bin/latest.exe? Ich würde gerne wissen, welche Streckendämpfung da definiert ist, falls das definiert ist.

Vielleicht hat jemand Info dazu.

73, Peter - HB9PJT