Montag, 26. Juni 2017

Eine Lautsprecherprobe

Mein alter Funklautsprecher, den ich vor vierzig Jahren gebaut habe, war bisher nicht zu schlagen. Eine lange Reihe selbstgebauter und gekaufter Lautsprecher habe ich in den vergangenen Jahren probiert, aber ich bin immer wieder zu meinem alten zurückgekehrt. Dass er wesentlich besser klingt, als die Eingebauten in den Transceivern, ist selbstverständlich.
Das ist ja der Zweck der Übung.

Im Gegensatz zu den Lautsprecherboxen der HiFi Anlagen hat der Funklautsprecher im Shack eine andere Aufgabe. Er muss keine Konzerte wiedergeben sondern Kommunikation. Sein oberstes Ziel ist deshalb Verständlichkeit. Aber natürlich soll er auch gut klingen und den Operateur nicht ermüden.

"Das ist eine Sache des Frequenzgangs und den kann man messen", werdet ihr jetzt vielleicht entgegnen.
"Ja aber", würde ich antworten, "am Ende ist es Geschmacksache, wie zum Beispiel beim Wein."

Natürlich muss man sich an die Regeln der Kunst halten, wenn man Erfolg haben will, und die Auswahl des Lautsprechers - mit dem richtigen Frequenzgang - spielt eine entscheidende Rolle.

Vergangenes Wochenende habe ich wieder einmal einen Anlauf genommen und meiner Reihe von Funklautsprechern einen weiteren hinzugefügt. Der Lautsprecher ist, wie unten zu sehen, ein Visaton FR-10. Das ist ein Breitbandlautsprecher mit einem ausgeglichenen Frequenzgang und guter Tiefenwiedergabe, was besonders für Telegrafie wichtig ist. Ich höre übrigens CW bei 500Hz. Auch das ist Geschmacksache.



Das Gehäuse besteht aus verleimten Sperrholzplatten und spiegelt meine eher bescheidenen mechanischen Fähigkeiten wider ;-) Als Leim habe ich UHU hart verwendet - meinen Standard-Kleber.
Einzige Knacknuss beim Bau ist das Aussägen der Lautsprecheröffnung. Geholfen hat mir hierbei ein Kreisschneider von Westfalia.


Die Box wird hinten Luftdicht mit einer weiteren Sperrholzplatte verschlossen, damit kein akustischer Kurzschluss entstehen kann, der vor allem die tieferen Frequenzen dämpfen würde.
Vorne drauf kommt noch ein Abdeckgitter, damit der OM nicht in der Hitze des Gefechts die Membran zerstochert. 


Den Frequenzgang meines Neuen habe ich bisher nicht gemessen. Aber natürlich habe ich ihn mit meinem 40 jährigen Referenzlautsprecher verglichen. Und zwar in situ, das heißt auf dem Stationstisch im Shack. Oben links der Neue, rechts der Alte.

Das Resultat war verblüffend. Zum ersten Mal ist es mir offenbar gelungen, einen Funklautsprecher zu bauen, der für mich ebenso gut klingt wie der alte. 
Doch wie gesagt, der Klangeindruck ist Geschmacksache. Deshalb lautet meine Beurteilung wie folgt:

Der Klang des neuen Lautsprechers ist zwar frisch und fruchtig doch ohne aufdringlich zu sein. Obschon noch jung, ist er doch bereits wunderbar ausgereift und schmeichelt dem Innenohr. Seine Klangfarbe ist sicher noch entwicklungsfähig und wird erst in ein paar Jahren zur vollen Blüte gedeihen. Gewisse Klänge erinnern an die fernen Rufe eines Muezzins, aber mit einem sauberen Abgang und ohne Nachhall. Sein SSB wirkt kräftig ohne penetrant zu sein und in CW weckt er Erinnerungen an alte Röhrenklänge. Auch die tiefen Töne sind klar und voll. Das Aetherrauschen gibt er schnörkellos wieder wie das Rauschen im Blätterdach eines Baumes im Sommerwind. Rund und gelungen mit beschwingtem Magnetismus, lautet das Urteil meiner Wein Lautsprecherprobe. 

Sonntag, 25. Juni 2017

Ein Tuner Dongle für ICOM Transceiver



Alle ICOM KW-Transceiver ab dem IC-706 sind an dieser Stelle gleich gestrickt: sie haben einen vierpolige Buchse für einen externen Antennentuner.

Ein ICOM-Tuner wie der AH-4 wird dort angeschlossen und beim Drücken des Tune-Knopfes stimmt der Tuner mit reduzierter Leistung ab. Soweit so gut. Doch was ist mit einem artfremden Tuner, zum Beispiel einem CG-3000?

In diesem Fall hilft ein Tuner-Dongle. Das ist nichts anderes als ein vierpolige Stecker mit einer simplen Schaltung. Dieser gaukelt dem Transceiver einen AH-4 vor, und beim Drücken der Tune-Taste wird ein Träger von ca. 10 Watt während 5 bis 10 Sekunden ausgesendet. Genug Leistung und Zeit, damit auch der CG-3000 mit den Relais klappern und die richtige Anpassung finden kann.

Natürlich kann man so einen Tuner-Dongle fixfertig kaufen. Doch besser ist selber machen - schließlich sind wir Funkamateure.

Nebst dem Stecker braucht es nur noch einen Kondensator und einen Widerstand - und natürlich einen heißen Lötkolben. Und so wird das Teil verdrahtet:


In der Praxis sieht das dann so aus:

Ich habe anstatt 1000 uF einen 470 uF Kondensator gewählt. Das gibt ca. 5 Sekunden Tuning - genug für den CG-3000 oder meinen Stockcorner JC-4.
Zum Schluss noch ein Stück Schrumpfschlauch drauf und fertig ist der Tuner-Dongle. Er funktioniert vom IC-706 bis zum neuen IC-7300 bei allen ICOM Modellen.






















Bild: Ehringer Kuh in der Nähe von Nendaz/Wallis

Samstag, 24. Juni 2017

Eine Morsepaddle für 18 Euro



Da wir schon mal Basteln sind, hier ein weiteres interessantes Projekt, das in jedes Ham-Budget passt:

Als ich zum ersten Mal mit einem Touch-Paddle in Berührung kam, war ich skeptisch. Ein Morsepaddle ohne Mechanik? Das konnte doch nur ein Spielzeug sein!
Doch weit gefehlt: ich schloss sofort Freundschaft mit der vollelektronischen Morsetaste und machte auch nicht mehr Fehler als mit der Begali (Danke Bernd).

Bisher waren vollelektronische Tasten exotische Projekte und oft nicht ganz immun gegen HF, doch Javier EA3GCY ist auf dem besten Weg, das Universum der Telegrafisten zu verändern:
Für nur 18 Euro bietet er seinen Bausatz für das elektronisches Paddle TKEY-1  an
Mit diesem Preis schlägt er alle Mechanischen, von Palm bis Begali. Zudem soll die Taste besonders HF-fest sein.

Eine Behausung dazu baut man sich meist selbst oder integriert die Taste in einen Selbstbau-Transceiver. Aber Javier bietet auch ein Gehäuse für sein Paddle an. Allerdings ist das fast doppelt so teuer wie die Elektronik: 30 Euro.

Hier geht es zum Shop von Javier Solans. Er ist ja kein Unbekannter in der Selbstbauszene. Sein ILER, ein QRP SSB Transceiver für das 40m Band, ist schon eine Weile auf dem Markt und wurde in der Zwischenzeit weiter verbessert. Zudem wird der ILER jetzt auch in einer 20m oder 17m Version angeboten.

Freitag, 23. Juni 2017

Die 20$ PA in der Praxis

Zum gestrigen Blogeintrag hat mir Tim DK5OH eine sehr interessante Mail geschrieben. Er hat die 20$ PA aus China mit einem 40m QRP Bausatz zu einem Transceiver kombiniert....und er hat sein Gerät nicht nur im Aether getestet, sondern auch gemessen. Hier sein Bericht:

Hallo Anton,
ich habe einen netten, kleinen 40m SSB TRX-Bausatz (BitX40) um die von dir beschriebene "70W DIY-PA" von ebay erweitert. Der TRX macht jetzt 50W. Gesamtkosten des Projektes waren ca. 100€.

So sieht mein kleiner, robuster TRX dann aus:




Wie du siehst, musste ich die PA vom TRX abschirmen, da sonst der kleine Arduinio oft ausgestiegen ist.

Nun aber zu der PA.
Der Bausatz ist wirklich klasse. Einfach aufzubauen und macht auf 40m mit 5W in ca. 60W out.
Ich habe auch die Messdaten am Spectrumanalyzer aufgenommen. Treiber war mein FT817ND mit 5W an einem Dummy mit -40db Auskopplung und -20db Dämpfungsglied.
Zunächst ohne LPF:




Danach hab ich einen 7-Element Tschebyscheff-Filter nach W3NON eingebaut. Auf der Platine sind praktischerweise Ein- und Ausgang für einen LPF vorgesehen. Auch ein Koaxrelais für TX-RX ist verbaut. So empfängt man nicht durch das Filter.

Hier die Messdaten mit LPF. Treiber war wieder mein FT817ND mit 5W an einem Dummy mit -40db Auskopplung und -30db Dämpfungsglied.



Das LPF ist im UKW-Bereich nicht mehr wirklich gut. Das ist sicher meinem Aufbau und den verwendeten Bauteilen geschuldet.
Hier hab ich also noch Optimierungspotenzial ;)

73
Tim (DK5OH)


Vielen Dank lieber Tim und herzliche Gratulation zu deinem Projekt. 
Deine Messresultate zeigen klar, dass man die 70W PA nicht ohne Tiefpassfilter betreiben sollte.
73 de Anton

PS. Dank an alle, die mich darauf aufmerksam gemacht haben, dass man die Bilder nicht sehen konnte. Hoffentlich klappt es jetzt.

Donnerstag, 22. Juni 2017

FT-817 PA - Bausatz ohne Schema

Auch wer QRP unterwegs ist, wünscht sich manchmal etwas mehr Power.
Doch eine Edel PA wie die KXPA 100 von Elecraft hat nicht in jedem Funk-Budget Platz.
Doch glücklicherweise gibt es Ebay. Wer dort nach einer kleinen und günstigen PA für seinen Knirps sucht, wird rasch fündig. Die Auswahl an Kurzwellen-Endstufen für QRP-Geräte ist groß.

Dieser Bausatz ist bereits für 20$ zu haben, Versand inklusive. Jedoch ohne Kühlkörper und Gehäuse:



 Bei 5W Eingangsleistung soll die PA bis zu 70W von 80m bis ins 10m Band liefern. Dies bei 13.8 Volt Versorgungsspannung. Gerade richtig, um am Urlaubsort mit Steckdose seinen FT-817, KX2, KX3 oder mcHF zu betreiben.
Die paar wenigen Komponenten wird man sicher an einem Abend zusammenlöten können?

Doch so einfach ist es nicht. Zu diesem Bausatz, der es in verschiedenen Versionen gibt, erhält man weder Schema noch Bauanleitung.
Frits PA0FRI hat sich auf seinem Blog um dieses Thema gekümmert und Schaltpläne zu einer Version dieser Bausätze zusammengetragen. Das Teil arbeitet mit zwei MOS FET IRF530 - gewöhnlichen Schalttransistoren. Deshalb darf man auch nicht erwarten, bis ins 10m Band die volle Ausgangsleistung zu bekommen. Doch die PA läuft, wie KC2IRV im folgenden Video demonstriert:


Leider berichtet das Video weder über Oberwellen noch über IMD. Offenbar stehen dem OM nicht die entsprechenden Messmittel zur Verfügung.
Wie dem auch sei: von einem Betrieb dieser PA ohne nachfolgende Tiefpassfilter ist dringend abzuraten.
PD7MAA hat auch noch ein paar wichtige Tipps und Vorschläge für Tiefpassfilter zu dieser PA.

Wer sich nicht um Schaltpläne und nicht vorhandene Anleitungen und Filter kümmern will und lieber etwas pfannen-fertig möchte: für etwas mehr Geld gibt's diesen Winzling hier:


Das Teil ist fertig aufgebaut und Tiefpassfilter sind auch drin. Allerdings muss die Hobbykasse jetzt schon 160$ bis 180$ rausrücken. Und anstatt 70W gibt's diesmal nur 45W. Aber auch das ist noch viel in Anbetracht des winzigen Kühlköpers.
DK9JC hat den Winzling ausprobiert (aber leider auch nicht ausgemessen):


Inzwischen gibt es auf Ebay einen regelrechten Tsunami dieser Endstufen in allen möglichen Ausprägungen und Zuständen. Für Bastler ein Eldorado.

Für meinen FT-817 habe ich eine Endstufe selber gestrickt. Sie hat sich bisher bestens bewährt:
Teil 1
Tiefpassfilter
Teil 2


Mittwoch, 21. Juni 2017

Das haut dem S-Meter den Zeiger ab


Norwegen hat es bereits getan, die Schweiz ist auf dem Weg dazu: DAB ersetzt den FM Rundfunk. Nun hat Deutschland im Bundestag die Weichen gestellt: Anfang Juni hat dieser – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit – mit der „vierten Änderung des Telekommunikationsgesetzes“ ein faktisches Verkaufsverbot von „normalen Radios“ beschlossen, und dies im wahrsten Sinne des Wortes in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, nämlich um 2 Uhr morgens...

Die Einführung von DAB wird in DL auf eine ganz spezielle Art vorbereitet:
Der Bundestag hat nun nach jahrelangen Beratungen und Verhandlungen den Weg zu einem gesetzlichen Verbot des Verkaufs von Radios freigemacht, die keinen digitalen Empfangsteil haben, also kein DAB+ oder Internet-Radio unterstützen.

Der Verbotsweg ist zwar für DL typisch, doch da scheint einiges noch nicht klar zu sein. Verwirrung herrscht.
Aber auch das ist irgendwie typisch, wenn man an das Netzdurchsetzungsgesetz denkt, das der Deutsche Justizminister unbedingt haben will. Dabei rangiert Deutschland angeblich bereits jetzt auf Rang drei nach der Türkei und Russland was die Twitter-Zensur anbelangt.
Dagegen ist der sanfte DAB-Zwang geradezu harmlos.

Hierzulande habe ich mich übrigens an DAB gewöhnt und es schätzen gelernt. Besonders die Musikprogramme ohne Werbung und Moderatoren-Geplapper haben es mir angetan. mein Favorit ist zurzeit - wie könnte es anders sein - Vintage Radio. 
Die alten FM/MW-Radios wurden bereits in den Keller verbannt, wo sie auf ihren Abgang warten und beim nächsten Autokauf ist DAB+ ein Killer-Kriterium.

Trotzdem höre ich in den langen Winterabenden gerne den Holländischen Piratenstationen auf Mittelwelle zu - natürlich mit dem AFU-Transceiver ;-)
Seltsam, nicht wahr?



Jetzt wo die meisten dicken Mittelwellensender in Mitteleuropa verschwunden sind, wird die Mittelwelle wieder so richtig interessant. Auch schwache Stationen können nun gehört werden. Vielleicht baue ich mir wieder einmal ein Nostalgie-Radio - am besten mit Röhren. Da macht das Hören doppelt soviel Spaß.






Donnerstag, 15. Juni 2017

Der Graus vor dem Mikrofon




Wenn ich ein Occasion Funkgerät erstehe, werfe ich zuerst mal das Mikrofon weg. Eigentlich müsste ich es beim Verkäufer zurücklassen, aber ich möchte ihm nicht zu nahe treten. So nehme ich es höflich mit und entsorge es im nächstbesten Abfallcontainer für Elektronikschrott.
Denn mich graust vor gebrauchten Mikrofonen. Wenn ich mir vorstelle, dass ganze Bakterienkolonien dort ein neues Zuhause gefunden haben, zwischen den Essensresten  von unzähligen Mahlzeiten und dem feuchten Nachlass vieler Five-Nine, so wird mir übel.

Natürlich ist auch das Mikrofon meiner Neuerwerbung sofort in den Abfall gewandert (Sri Martin). Neue Mikrofone gibt's auf Ebay ja zu Hauf und kosten tun sie fast nix. Das bewährte ICOM HM-36 zum Beispiel gibt's in China ab 12$, Shipping inklusive. Es passt übrigens auf die meisten ICOM-Transceiver mit 8-Pol Rundstecker, von den Geräten aus den frühen Neunzigern bis zum neuen IC-7300.  Natürlich ist umgekehrt auch das HM-219 des IC-7300 abwärtskompatibel.
Auch die Yaesu-Mikrophöner sind vielfach kompatibel.

Als Mikrophobiker ist für mich das Wegwerfen des Mikrofons nicht die einzige Aktion beim Kauf eines alten Geräts.
Kaum zu Hause, werden alle Knöpfe abmontiert und in die Geschirrwaschmaschine gesteckt. Die gleiche Behandlung kriegt auch die Frontplatte. Natürlich bei verträglichen Temperaturen, ich will ja kein Schrumpfgerät.

Dann geht es an die Innereien. Viele OM haben ihr Gerät nie aufgemacht und sie können sich gar nicht vorstellen, wer alles in ihrem Transceiver haust. Doch die Spinnen sind nur das kleinste Problem. Es ist der Staub, der auf den Leiterplatten sitzt, die Elektronik irritiert und den Ventilator verstopft.
Doch Vorsicht mit dem Staubsauger und dem Pinsel: wenn ESD ins Spiel kommt, ist die Kiste futsch und wird zu einem Fubar.

Apropos futsch: Wer eine Occasion kauft, tut gut daran, das Teil auf Null abzuschreiben, sobald das Geld die Hand gewechselt hat. Steigt ein 20-jähriges Spezialteil aus, das nirgendwo mehr erhältlich ist, bleibt einem nur noch der Kannibalismus. Das heißt, man schlachtet das Gerät aus und versucht die Einzelteile auf Ebay zu verkaufen, um so noch einen Bruchteil des Kaufpreises wieder reinzuholen.

Geräte von OM, die im Shack rauchen, sind für mich ein No-Go. Man erkennt sie am gelblichen Belag auf Anzeige und S-Meter und dem typischen Aschenbecher-Geruch. Innendrin sehen sie aus wie die Lunge eines Kettenrauchers.



Nach der Reinigung des neuen Alten kommt die elektrische Renaissance. Das geht freilich nicht ohne Service Manual und Messpark. Wenn das Gerät jedoch gut läuft, ist es aber besser, die Finger davon zu lassen. Never touch a running system! Früher habe ich mich immer durch das ganze Abgleichprotokoll durchgearbeitet, heute messe ich nur noch die wichtigsten Parameter und justiere die Frequenz des Referenzoszillators.

Wer als Schweizer ein Funkgerät - ob neu oder alt - im Ausland kauft, für den hält unser BAKOM ein paar Ratschläge parat. Interessant, dass sich das Amt an der Zukunftstrasse in Biel nicht um das CE Zeichen kümmert. Was zählt, ist die so genannte Schnittstellenanforderung.
Ein Begriff aus der technischen Beamtensprache, der mich immer schmunzeln lässt. Meine Zwickzange weiß genau, wo die Schnittstellen meiner Geräte sind ;-)

Bild ganz oben: Carpaccio, definitiv kein Veggie-Teller ;-)
Bild Mitte: Brissago

OT aber topaktuell (Triggerwarnung: nicht PK)


PS. Das Lied ist vom leider viel zu früh verstorbenen Mani Matter.

Montag, 12. Juni 2017

Vorwärts in die Vergangenheit

Gut ein Jahr lang habe ich den Yaesu FT-991 (1,2,3) jetzt auf dem Stationstisch gehabt. Oft mit ihm gehadert, manchmal arrangiert, doch nie richtig akzeptiert. Dieses Gerät ist nie mein Freund geworden. Das liegt nicht an seinen Empfangsleistungen und auch nicht an seinem Sender. Im Gegenteil: die ausgezeichnete Modulation und der "Talkpower" haben mich bisher davon abgehalten, mich von ihm zu trennen. Und was ich mit dem IC-7300 hören konnte, konnte ich auch mit dem Yaesu hören.
Nein, es liegt an mir.
Das Yaesu-Bedienkonzept passt nicht in mein Denkschema. Es verknotet meine Gehirnwindungen. Das war früher nicht der Fall. Bei älteren Yaesu-Geräten (1,2) war die Welt m.E. noch in Ordnung. Doch irgendwann hat es angefangen. Vielleicht mit der Exkursion von Yaesu zu Vertex oder mit dem Übergang zu der digitalen Signalverarbeitung. Bei den kleinen Multibandern wie dem FT-817 und dem FT-857 habe ich die verschachtelten Menüs und die eigenartigen Konzepte der Ingenieure noch in Kauf genommen - als notwendige Konzession an die Miniaturisierung. Die beiden werden auch weiterhin meine treuen Begleiter sein.
Doch beim FT-991 begann das Fass zu überlaufen. Den Vogel schießt wahrscheinlich der FT981 ab. In diesem Fall hat es mir gereicht, den Testbericht im "Funkamateur" zu lesen. Ausprobieren muss ich das nicht noch selbst.

Der langen Rede kurzer Sinn: Seit ein paar Tagen steht der FT-991 zum Verkauf bei Ricardo und ich hoffe, dass er einen guten Shack mit einem verständnisvollen OP finden wird.

Doch wohin soll die Reise nun gehen? Was kommt als nächstes? Vielleicht das Modelleisenbahner-Pult von ICOM? Auf Schweizerisch "Pultli". Mindestens 2m müsste ja bei meinem nächsten Versuch wiederum drin liegen.

Nein. Diesmal habe ich einen Rolle rückwärts gemacht und mich dazu entschieden mir ein Vintage-Gerät anzulachen, mit dem ich bei seinem Erscheinen vor bald 20 Jahren geliebäugelt hatte.

Heute habe ich den Verkäufer getroffen um die Übergabe zu arrangieren. Sein Verkaufsgefährt: ein ehemaliger BAKOM-Bus mit dem früher Schwarzsender aufgespürt wurden (Funkmesswagen). Da ich schon lange nicht mehr schwarz sende, habe ich mich in die Nähe gewagt:


Auch eine Antenne hatte Martin HB9SFL schon aufgerichtet: eine Vertikal mit CG-3000. Ich war baff. Noch nie habe ich einen so zuvorkommenden Verkäufer getroffen. Martin, du hast den Vogel abgeschossen ;-)


Aber ich will euch nicht länger auf die Folter spannen: hier ist mein Neuzugang: Ein IC-746.


Diese Geräteklasse ist einzigartig: KW, 6 und 2m mit jeweils 100 Watt. Wie es für ICOM typisch ist: alle wichtigen Funktionen sind über eine Taste oder einen Regler direkt zugängig. Wenn ich zum Beispiel die Leistung oder die CW-Tastgeschwindigkeit verstellen will, muss ich nicht zuerst im Menü rumgrübeln. Die Schaltung hat viel vom IC-765 erben können, dem besten ICOM, den ich je hatte. Im Gegensatz zum IC-765 wurde hier zum ersten Mal das Twin-Passband-Tuning realisiert, das beim IC-765 noch durch einen Patentstreit blockiert war. Für den CW-Operateur gibt es sogar ein Audio-Peak-Filter, damals ebenfalls ein Novum für ICOM. Und für das 2m-Band natürlich die ganze Palette an FM-Einstellungen. Natürlich noch ohne D-Star und anderen Klamauk.

Der IC-746, damals zwischen dem IC-706 und dem IC-756 positioniert, war aber noch ein "Quarzfilter-Grab". DSP hatte er nur in der NF. Sowohl in der ersten, wie in der zweiten ZF konnten Filter nachgerüstet werden. Zusammen mit dem optionalen TCXO CR-282 schon damals ein teurer Spaß. Wer heute eine solche Kiste im "nackten" Zustand kauft, muss nochmals 400 Euro drauflegen.

Nur ein paar Jahre später schob ICOM daher den IC-7400 nach (in den USA 746Pro). Vom Aussehen her fast identisch, verfügt diese Variante über eine DSP-ZF. Zusätzliche Quarzfilter sind also nicht mehr nötig. Ein seltenes Gerät auf dem Gebrauchtmarkt.

Als die Produktion des IC-7400 eingestellt wurde, verschwand diese Art Transceiver (KW und 2m mit je 100W) für eine Weile. Erst mit dem IC-9100 ist sie wieder aufgetaucht. Zwar mit 70 und 23cm als Zugabe, doch zu einem stolzen Preis.


Donnerstag, 8. Juni 2017

Negative Frequenzen und ein Traumband



Kürzlich hat mir einer erzählt, es gäbe negative Frequenzen. Das werde aber streng geheim gehalten und daher würden die Empfänger im Amateurfunk nicht tiefer gehen als 30 kHz. Auch bei kommerziellen Geräten sei spätestens bei Null Schluss. Wenn es gelingen würde, diese Sperre aufzuheben, würde man in den Bereich der negativen Frequenzen geraten.
Leider kann ich das nicht bestätigen, aber ich würde mich über die zusätzlichen, negativen Amateurfunkbänder freuen. Vielleicht herrschen dort zurzeit bessere Bedingungen.

Es gibt aber Funkamateure, die funken fast bei Null. So gibt es in einigen Ländern ein sogenanntes Dreamer's Band von 8.7 - 9.1 kHz. Natürlich wird auch dort zuweilen ohne Antennen gefunkt, also mit Erdelektroden. 10 kHz entsprechen einer Wellenlänge von 30 km, da wird der Antennenbau noch eine Nummer schwieriger als auf 136 kHz.
Es ist nicht weiter erstaunlich, dass man dort unten die üblichen Verdächtigen findet: unter anderen wieder Roger G3XBM. Sein bestes DX im Träumerband ist übrigens 6km. Nicht schlecht für 5W an zwei Erdelektroden.
Natürlich kommen auch hier auf VLF sehr schmalbandige digitale Betriebsarten zum Zug. Liegen doch die Signale auf der Empfangsseite weit unterhalb des Noisepegels.

Wer aber jetzt meint, mehr als ein paar km würden nicht drin liegen: Der Weltrekord im Träumerband steht bei sage und schreibe 6918 km. Gesendet hat in diesem Fall W4DEX und empfangen wurde das Signal von DL4YHF.

Auch ich habe versucht, beim BAKOM eine Bewilligung für das Träumerband zu bekommen. Das komme nicht in Frage, wurde mir beschieden. Erstens sei das kein Amateurfunkband und zweitens habe das BAKOM die Oberhoheit über alle Frequenzen bis 0 Hz. Vermutlich gehören sogar die "negativen Frequenzen" in die Zuständigkeit der Schweizer Behörde ;-)
Sollte jemand also auf die krumme Idee kommen, seine Stereoanlage anstatt an einen Lautsprecher an Erdelektroden anzuschließen, macht er sich strafbar und muss mit der geballten Kraft des Gesetzes rechnen.
Da würde es wohl auch nichts nützen, wenn man behaupten würde, russische Hacker hätten die Stereoanlage gehackt.

So schwierig es ist, auf VLF zu senden, so einfach ist der Empfang. Dazu genügt ein normaler PC und ein langer Draht - oder besser eine kleine Aktivantenne.

Bild: Ovronnaz vis-à-vis von Haute-Nendaz.












Mittwoch, 7. Juni 2017

Funken ohne Antenne



Mein Blog-Eintrag "Eine unsichtbare Antenne für Kurzwelle" vom 28 Februar 2015 ist ein Dauerbrenner und nicht aus der Hit-Liste zu kriegen.
Funken ohne Antenne scheint ein weit verbreiteter Wunschtraum von uns Funkamateuren zu sein. Einfach ein tolles Gerät mit vielen Knöpfen und einem farbigen Bildschirm kaufen, an die Steckdose anschließen und losfunken. Ach wie wär das schön!
Dummerweise gelangt man durch die Steckdose nicht in den Aether, dazu braucht es ein anderes Medium: die Antenne, das Schreckgespenst mancher Nachbarn und der technophoben Amateurfunker.
Manch einer greift in seiner Antennen-Not nach Hamsphere und betreibt den Amateurfunk als Simulation. Wieso nicht? Vielleicht ist ja unser ganzes Universum nichts als eine Simulation.
Andere, die in der Lage sind, eine Gummiwurst auf ihr Handy zu schrauben, verschreiben sich vielleicht dem Relaisfunk und finden ihre Befriedigung im Programmieren von DMR.

Genug gelästert, kommen wir zum Punkt:
Es gibt tatsächlich einige Verrückte unter uns OM, die nicht nur ohne Antenne über den Aether funken, sondern das auch noch auf der Lang- und Mittelwelle tun.

Schon im vorletzten Jahrhundert haben findige Köpfe gemerkt, dass man auch über eine einzige Leitung telegrafieren kann, wenn man als Rückleiter die Erde verwendet. Dass es auch ganz ohne Draht geht, zumindest über kurze Distanzen, war die nächste Erkenntnis.
Sender und Empfänger werden dazu jeweils an zwei Erdelektroden angeschlossen, die einige (zehn) Meter voneinander in die Erde getrieben werden. Dass man so auch telefonieren kann, war zu meiner Jugendzeit bekannt und ein beliebtes Experiment. Aber damals gab es ja auch noch keine Smartphones.

Diese Art der Kommunikation ohne Antenne wurde zuerst von den Funkamateuren unter den Speläologen aufgegriffen, um zwischen Stationen an der Oberfläche und Forschern unter Tage zu kommunizieren. 

Einige Jahre später begannen dann Funkamateure, die im 136 kHz und 472 kHz Band experimentierten, die Erde als Antenne zu benutzen. So zum Beispiel G3XBM, seit Jahren ein Experimentator und Blogger mit einem Hang zu den beiden Extremen des Spektrums (VLF und Licht). Roger, mit dem ich viele spannende Langwellenverbindungen hatte, schreibt auch heute noch fast täglich in seinem Blog, obwohl ihm dies nach einem Hirnschlag nicht leicht fällt.

Mit zwei Erd-Elektroden 15 bis 20m voneinander entfernt, erreichte er auf Lang- und Mittelwelle respektable Distanzen (siehe Tabelle unten).
Die Elektroden würden dabei mit der Erde eine Art unterirdische Loopantenne bilden, schreibt er dazu. Diese Loopantenne hat auch eine Richtwirkung: nämlich mit einem Minimum im rechten Winkel zur Verbindungslinie der Elektroden und einem Maximum in Richtung der Verbindungslinie. Die Wirkfläche dieses Loops soll bis tief unter die Oberfläche reichen.
Eine solche Erdantenne ist nicht nur als Sendeantenne zu gebrauchen. Sie ist ebenfalls eine gute Empfangsantenne. Interessanterweise konnte Roger bei seiner Antenne einen Realteil (In diesem Fall einen Verlustwiderstand) von 50 bis 60 Ohm messen und so den Sender ohne weitere Anpassung direkt anschließen. Der Wirkwiderstand ist, wie bei den stark verkürzten LW-Antennen oberhalb der Erde, natürlich sehr klein. Rik OR7T hat für Rogers Antenne 0.017 Ohm berechnet und gibt die Wirkfläche des Loops mit 290 Quadratmetern an.
Roger verwendete übrigens keine großen Leistungen und das EIRP muss sich im mW oder gar uW Bereich bewegt haben.

 Auch auf anderen Bändern hat er die Erdantenne in der Betriebsart WSPR getestet. Hier seine Resultate:

Erstaunlich was man ohne eine Antenne in der Luft so erreichen kann, nicht wahr?

Interessante Versuche mit der Erde als Antenne im Lang- und Mittelwellenband fanden auch in Australien statt. Dimitris, VK1SV berichtet auf seiner Seite über Versuche, die bereits im Jahr 2011 stattgefunden haben.
I don't understand it, but I like it! schreibt er am Ende seiner Berichte. Genauso ergeht es mir auch :-)

Viel Spannendes kann man auch im PDF von John Taylor G0AKN (sk) über Erdsysteme erfahren. Auch John war ein Liebhaber der langen Wellen und ich erinnere mich gerne an die QSO's, die wir auf 136 kHz miteinander hatten.

Also, liebe Experimentatoren und technophile OM:

Wieso nicht einfach mal einen Ultimate 3 nehmen, vielleicht noch mit einer kleinen PA, dazu zwei Erdelektroden verbuddeln und WSPR'n? Funk auf Langwelle ohne Antenne ist sicher ebenso spannend wie mit einer DXpedition 59 zu auszutauschen.

Bild oben: Walliser Kühe
Bild Mitte: aus dem Blog von G3XBM

Ob dieser Herr gerade eine seltenes DX verpasst hat?




Dienstag, 6. Juni 2017

Der neue ICOM IC-7610



Gebannt wartet das Universum der Funkamateure auf den neusten Spross aus dem Hause ICOM. Der IC-7610 - von der Bezeichnung her ein Nachfolger des IC-7600 - ist so etwas wie ein "doppelter IC-7300".
Der IC-7300 war und ist ja ein durchschlagender Erfolg. Er ist zu einer Art Volkstranceiver avanciert und "gefühlt" hat fast jeder zweite OM inzwischen so ein Teil im Shack. Kein Wunder, dass ICOM jetzt nachdoppelt.

Der IC-7300 ist, im Gegensatz zu den bisherigen Transceivern der marktführenden Hersteller, ein echter DSP-Transceiver. Während bisher die DSP erst in der ZF zum Zug kam, wird beim IC-7300 das Signal bereits ab der Antennenbuchse digitalisiert (mal von ein paar rudimentären Vorfiltern und einer variablen Dämpfung abgesehen). Der Schaltungsaufwand wird damit geringer und der Preis günstiger.
Leider hat das auch Nachteile. Wie ich hier beschrieben habe. Hier noch etwas kritischer - aber lasst euch vom grimmigen Blick des Herrn mit der Flinte nicht abschrecken. Er ist bloß verblüfft, dass er die Tontauben verfehlt hat. Aber es gab noch wesentlich kritischere Stimmen. Zum Beispiel die von Erich DC8KO.

Ich habe den Verdacht, die meisten OM haben den IC-7300 nicht wegen des Schaltungsprinzips gekauft, sondern wegen des wunderschönen Displays mit ausgezeichneter Spektrum- und Wasserfallanzeige und wegen dem tiefen Preis. Vielleicht auch wegen dem ausgezeichneten NB und der NR und der typischen ICOM-Ergonomie, die sich wohltuend von der verqueren Bedienung bei den Yaesu-Geräten unterscheidet.


Der neue ICOM IC-7610 basiert auf dem gleichen Prinzip. Natürlich haben sich die Ingenieure einige Bells and Whistles (Glocken und Pfeifen) einfallen lassen um die Verkäufer zu bezirzen und vielleicht ist auch der Empfänger noch besser geworden und der Sender durchschlagskräftiger. Das werden wir sicher in den Testberichten erfahren. Doch die große und sichtbare Veränderung ist das doppelte Display. Das Gerät verfügt nämlich über zwei unabhängige Empfänger. Vereinfacht gesagt also zwei IC-7300.
Dafür kostet es auch mehr als doppelt so viel.
Wichtig ist das vor allem für die OM, die ihr Hobby ernsthaft betreiben und nicht nur gelegentlich QSO machen oder Runden bestreiten, sondern sich in Contesten und auf der Jagd nach seltenem DX engagieren.  Aber natürlich werden das Gerät auch die OM kaufen, die immer das Neuste haben wollen und die mit einer großzügigen Hobbykasse gesegnet sind.

Ich gehöre leider zu keiner der oben genannten Kategorien. Zudem bin ich zufrieden mit dem IC-7300 und habe mich in der Zwischenzeit mit seinen Macken arrangiert - was ich vom FT-991 (oben rechts im Bild) nicht behaupten kann.

Wer punkto IC-7610 am Ball bleiben möchte, sollte die Seite von Adam Farson VA7OJ/AB4OJ im Auge behalten.
Und da die Vorfreude bekanntlich die schönste Freude ist: hier die Broschüre mit den Vorzügen des neuen Stars.

Bild 1: Im Wallis bei Siviez.
Bild 2: IC-7300 und FT-991

Nachtrag: Trotz allem Hype um den IC-7300: zwischen April 2016 und Januar 2017 sollen weltweit nur etwas über 10'000 Stk. verkauft worden sein. Wenn das der Bestseller auf dem AFU-Markt war, wie sieht es dann bei anderen Modellen und der Konkurrenz aus? Ein Hinweis: Elecraft brauchte 8 Jahre um 10'000 K3 zu verkaufen!
Vermutlich werden wir in Zukunft mit längeren Innovationszyklen rechnen müssen. Bei diesen Stückzahlen rentieren sich große Investitionen nur schlecht. Der Amateurfunk ist halt ein nachwuchsarmes Hobby alter Männer und da auch 30 oder 40 jährige Geräte immer noch in Gebrauch sind, ist die Gesamtzahl funktionierender Funkgeräte heute wohl so groß wie noch nie....und sie nimmt ständig noch zu.

Vortrag von Rob Sherwood über disruptive Technologien:



Donnerstag, 1. Juni 2017

Antike Transistoren in neuen Schaltungen




Die Zeitschrift "Funkamateur" habe ich schon gelesen, als sie noch aus der DDR kam. Sie damals zu bekommen, war kein einfaches Unterfangen. Es kostete mich ein Heidengeld und vermutlich haben die Schweizer Schlapphüte von mir damals eine Akte angelegt. Aber vielleicht existierte die wegen Schwarzsendens ohnehin schon.
Der Funkamateur war schon damals sehr interessant und ist es heute noch. Während die anderen Amateurfunk-Zeitschriften, die ich abonniert habe, immer langweiliger werden, bleibt der Funkamateur lesenswert.

In der Juniausgabe (6/2017) wird ein Verstärker für eine Drahtschleifen-Aktivantenne beschrieben. Im verseuchten Aether ein nützliches Utensil, das u.U. helfen kann, dem Störnebel von VDSL und Konsorten zu entrinnen. Hier in der Schweiz sind es inzwischen nicht mehr nur Schaltnetzteile und Sparlampen, die uns Funkamateuren das Leben schwer machen, sondern vor allem die Swisscom. Das Unternehmen - notabene zur Mehrheit in staatlicher Hand - ist zum Totengräber des Amateurfunks geworden. Störnebel von s9 und mehr im 160m und 80m Band sind inzwischen Standard und das BAKOM scheint mit seinen Messwagen hilflos umherzuirren. Welch verrückte Idee, über nicht abgeschirmte Kabel Kurzwellensignale zu übertragen um damit fernzusehen.

Doch zurück zu der Aktivantenne aus dem Funkamateur:
Zu meiner Verblüffung hat der Entwickler dort Transistoren eingesetzt, die seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr produziert werden. Der 2N5109 ist selten geworden und meines Wissens nur noch als NOS (New Old Stock = alte Lagerbestände) erhältlich. Zu entsprechend hohen Preisen, versteht sich. Aber vielleicht irre ich mich, es gibt da offenbar kleine, weniger bekannte Hersteller, die sich den alten Halbleitern annehmen. Central Semicondutor ist so einer. Aber auch Crystalonics - bezeichnenderweise am Veterans Highway zuhause - bietet ältere Halbleiter an. Unter anderem den CP666, der in der Aktivantenne des AMRAD verwendet wird.

Ich schätze Heinz Stampfl HB9KOC sehr und bewundere seine Entwicklungen und Produkte. Doch frage ich mich, ob man für das antike Teil 2N5109 nicht einen modernen Transistor hätte nehmen können?
Heinz scheint aber schon einen gewissen Hang zu nostalgischen Komponenten zu haben. Ich erinnere mich, in einem Bausatz von ihm einen Styroflex-Kondensator gesehen zu haben ;-)

Nun, ich nehme an, es hat noch irgendwo genügend NOS von dem Teil, der Verstärker wird ja auch als Bausatz vertrieben. Konsequenterweise hat auch die BOX73 (Online Shop des Funkamateurs) den 2N5109 im Angebot. Wer weiß, vielleicht sogar aus neuer Fertigung vom Veterans Highway?

Was mich betrifft: ich werde die Schaltung an einem verregneten Nachmittag mal ausprobieren. Irgendwo in meiner Transistor-Sammlung existieren neben OC75 etc. sicher noch ein paar dieser historischen Dinger ;-)

Nun warte ich gespannt auf einen simplen Röhrentransceiver als Bausatz von Heinz. Vielleicht nur CW QRP für 80 und 40m? Den würde ich sofort kaufen!

Bilder: Zurzeit aus Haute-Nendaz QRV