Donnerstag, 18. Oktober 2018

Antons Funkperlen Blog endgültig geschlossen



Liebe Leserinnen und Leser

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Und so kommt auch dieses Blog zu seinem endgültigen Schluss. "Schlussendlich" wie wir hierzulande sagen. Vielleicht haben einige von euch den letzten Abschnitt in meinem letzten Blogeintrag überlesen, oder nicht ernst genommen.
Darum hier nochmals in aller Deutlichkeit: Dieses Blog "hat fertig".

Natürlich hätte ich noch lange weiterfahren und mich an den rund 1500 Zugriffen täglich und den netten Kommentaren freuen können. An Stoff fehlt es in unserem Hobby nie.
Doch in den letzten Monaten habe ich bemerkt, dass ich mich immer mehr im Kreis drehte, wie ein Braten auf dem Grill, notabene im eigenen Saft. Ihr wisst wie das ist, ist die richtige Bratzeit mal überschritten, wird der Braten nicht besser sondern nur zäher. Zum Schluss hat man Leder mit Soße,

Auch immer mehr Leserzuschriften haben mir das vor Augen geführt. Ich hätte in der nächsten Zeit wohl eine Sekretärin anstellen müssen. Welches Funkgerät ich denn kaufen würde, wie man dies und jenes anschließen müsse und welche Antenne die beste sei, waren häufige Fragen. Dabei hatte ich doch schon x mal über diese Dinge geschrieben. Abgesehen davon, dass es Antennenbücher und Bedienungsanleitungen gibt. Aber man ist ja ein höflicher Mensch und kann nicht einfach sagen "Guck mal in den Lehrgang für deine Lizenzprüfung" oder "kauf einen Japaner, die machen dort auch gutes Sushi, oder gar: RTFM (Read the xxxx Manual).

Und dann kam der Moment, wo das Bloggen einfach keinen Spass mehr machte. Vielleicht wurde mein Blog auch einfach zu brav, zu angepasst. Mir wurde langweilig. Und aus Erfahrung kann ich euch sagen: es gibt nichts langweiligeres als technische Artikel zu schreiben. Das ist wie Sex mit Gummi.

Das Leben hat mir beigebracht:
Wenn dieses Gefühl auftaucht, drückt man am besten den Reset-Knopf und schaut sich nach Alternativen um.

Ich hätte meine Rolle vielleicht zu einem "Influencer" ausbauen können. Das sind die Blogger, die im Restaurant nach Gratis Essen fragen und im Hotel nach freien Übernachtungen und dann darüber bloggen. Ich hätte zum Beispiel nach Gratis Geräten fragen können ;-) Dann hätte ich aber schreiben müssen, was andere von mir erwarten. Und damit hatte ich in meinem Blog bisher schon genug zu tun. Zumal ich eine Lehrer- und Pfaffen-Allergie habe. Das ist nicht gut für den Blutdruck.

Doch einfach Reset drücken, wie ich das bereits einmal getan hatte, und dann in einem neuen Blog wie gewohnt weiterzufahren, war und ist keine Alternative. Das kann man einmal machen und so ein Neuanfang ist wie den Job wechseln und an der neuen Stelle die gleiche Arbeit machen: Es macht keinen Spass und beseitigt die grundsätzlichen Probleme auch nicht. Wie ein Rülpser tauchen die dann immer wieder aus der Tiefe auf.

Darum ist hier endgültig Schluss.

Vielleicht werde ich einfach schwarz bloggen. Das ist sowas wie das Schwarzsenden. Frei nach dem Rumpelstilz-Prinzip: Gut dass niemand weiss, dass ich .....heiss.

Machts gut und wenn euch langweilig wird mit der ewig gleichen Funkerei: steigt mal hoch in den Ausguck und schaut euch nach neuen Horizonten um.

73 de Anton


   


 

Montag, 17. September 2018

Die Endfeed Antenne - das unbekannte Wesen.



Endfeed Antennen - endgespeiste Halbwellenstrahler - liegen im Trend. Besonders bei SOTA-Stationen sind sie beliebt.
Dominierten bisher die Fuchskreise als Methode der Speisung bei den endgespeisten Halbwellenstrahlern, werden diese nun von UNUN'S abgelöst, vorzugsweise mit einem Transformationsverhältnis von 1:64.

Die Überlegung dahinter ist folgende: An den Enden eines Halbwellendipols sei ein Strahlungswiderstand von zirka 3200 Ohm vorhanden. Das ist eine Annahme - messen lässt sich das nicht ohne Gegenpol.
3200 Ohm geteilt durch 64 ergeben 50 Ohm, und so könnte man direkt ein Koaxialkabel an der Primärwicklung des Trafos anschließen.
Da ein endgespeister Halbwellenstrahler die gleiche Länge eines Halbwellendipols besitze, wird argumentiert, arbeite er genau gleich - mit Strommaximum in der Mitte und Spannungsmaxima an den Enden - und brauche deshalb kein Gegengewicht. Zudem könne ein z.B. für 80m bemessener Strahler auch auf den harmonischen Bändern 40, 20 und 10m arbeiten, da diese ein Mehrfaches einer halben Wellenlänge betragen.

Eine einleuchtende Theorie, nicht wahr? Auch ich habe sie in früheren Blogeinträgen vertreten.

Leider ist sie falsch.

Das heißt aber nicht, dass eine solche Antenne nicht strahlt und dass man damit keine QSO's fahren kann. Das Universum der Funkamateure ist voll von Antennen mit falschen und unzureichenden Erklärungen mit denen jeden Tag erfolgreich Verbindungen gemacht werden. In unzähligen Anekdoten über erfolgreiche QSO's wird dabei fleißig an Legenden gestrickt.

Da können doch einige "unwesentliche" physikalische Grundlagen nicht dagegen halten, oder?
Eine davon ist zum Beispiel der Umstand, dass ein Strom nicht nur in eine Antenne hineinfließen, sondern in gleicher Stärke auch wieder herausfließen muss, damit eine Leistung übertragen werden kann und die Antenne strahlt.
Eine generelle Regel, die überall gilt, wo Strom fließt: Wer's nicht glaubt, der schließe eine Lampe an eine Batterie und messe den Strom mal beim Minus, dann beim Pluspol. Er ist auf beiden Seiten gleich hoch, nichts bleibt hängen, Strom wird nicht vernichtet. Und trotzdem brennt die Lampe ;-)

Bei der Dipolantenne ist es das gleiche Spiel: Der Strom fließt über die Seele des Koaxialkabels in die eine Dipolhälfte und über die Innenseite der Abschirmung von der anderen Dipolhälfte wieder zurück - und umgekehrt. Ist ja Wechselstrom ;-)
Zwischen der linken und der rechten Dipolhälfte befindet sich in der Regel keine Lampe, sondern ein elektromagnetisches Feld und schließt den Stromkreislauf. Da ich ein Steampunker bin, bezeichne ich es einfach als Aether.

Oft macht der Strom was er will, und nur ein Teil fließt auf der Innenseite der Koax-Abschirmung zurück zum Sender wie es sich gehört. Der restliche Teil des Stroms fließt dann über die Außenseite der Abschirmung zurück. Das nennt man Mantelwellen.

Doch kommen wir zu unserem endgespeisten Halbwellenstrahler. Der hat zwar die gleiche Länge wie die Gesamtlänge eines Halbwellendipols, aber ist leider kein Dipol, denn er hat nur einen Pol, bei dem man Strom reinschicken kann: sein luftiges Ende mit den angeblichen 3 Kilo-Ohm.
Wenn so ein Halbwellenstrahler strahlen soll, muss aber der Strom, den man hineinschickt, wieder zurückfließen zur Quelle (Sender). Ohne Rückfluss keine HF im Aether.

Wenn wir all die lustigen Schaltungen der endgespeisten Halbwellenstrahler ansehen, finden wir nirgends einen zweiten Pol. Die Abschirmung des Koaxialkabels endet auf der anderen Seite eines Schwingkreises oder eines Transformators, und die hängt einfach "in der Luft".
Zwar könnte der Strom auf die Idee kommen, direkt über den Schwingkreis oder Trafo zurückzufließen, doch dann würde die Antenne nichts davon abbekommen. Wir hätten einen Dummyload mit irgendeiner komischen Impedanz am Ende des Koax.

Doch der Strom ist nicht dumm. Er sucht sich einen anderen Rückweg. In den meisten Fällen ist das die Außenseite der Abschirmung. Es sei denn, der OM habe vorgesorgt und eine Art Radial (oder gar Erdung) angebracht: entweder am Fuss des 1:64 Trafos oder im Falle des Fuchskreises am anderen ("kalten") Ende des Parallelschwingkreises. Denn der Strom muss zurückfließen, koste es was es wolle. Und zwar genauso viel, wie hereinfließt.

Was bedeutet das nun für den Benutzer einer endgespeisten Halbwellenantenne:

a) Der Außenmantel Des Koaxkabels dient als Gegengewicht und ich habe mit Mantellwellen zu kämpfen.

oder

b) Ich benutze einen zusätzlichen Radial, der als Gegengewicht dient.

oder, am wahrscheinlichsten:

c) ich habe es mit a) und b) zu tun.

Bei QRP werden mich die Mantelwellen wohl weniger plagen. Bei QRO wird es aber kritisch.
Versuche ich die Mantelwelle mit einer Sperre abzublocken, sollte dies nicht in unmittelbarer Nähe des Anschlusspunktes bei der Antenne geschehen.

Steve Yates AA5TB hat die Endfeed genau unter die Lupe genommen. Auch er kommt zum Schluss:
Eine Endfeed-Antenne braucht einen Radial. Allerdings muss dieser im Falle eines endgespeisten Halbwellenstrahlers nicht sehr lange zu sein: Steve hat eine optimale Länge von 0.05 der Wellenlänge ermittelt. Fehlt der Radial, sucht sich die HF einen anderen Gegenpol - meist den Außenmantel des Koax.

Für die Endfeed mit Trafo (1:64 oder ähnlich) gilt genau das gleiche. Ob diese Antenne aber genauso effektiv ist, wie die Endfeed mit Schwingkreis, weiß ich nicht. Die gemessenen SWR-Kurven sehen nach zusätzlichen Verlusten aus, die durch den Trafo (UNUN) entstehen könnten. Auch der zusätzliche Kondensator, der in diesen Ausführungen auf der Primärwicklung liegt, nährt mein Misstrauen. Er soll angeblich das SWR auf bestimmten Bändern verbessern. Doch eine genaue Erklärung/Berechnung der Funktionsweise  habe ich bisher nirgend gefunden.

Bill Leonard N0CU zum Thema

Roy W. Lewallen W7EL zum Thema Balun

W8IJ zum Strahlungswiderstand von Antennen (deutsche Übersetzung)

Erfahrungsbericht und Beschreibung Endfeed mit Trafo



Mit diesem Beitrag schließe ich das Blog Antons Funkperlen vorläufig ab. Ob und wann es weiter geht, kann ich zurzeit nicht sagen. Eine Löschung des Blogs ist aber nicht vorgesehen. Ich werde mich in Zukunft anderen, neuen Projekten widmen.  
vy 73 de Anton HB9ASB













Donnerstag, 6. September 2018

Der 7. Zwerg: die Spiral-Loop Antenne



Wer heutzutage noch Platz hat, einen Fullsize Dipol für das 80m oder gar das 160m Band aufzuhängen, kann sich glücklich schätzen. Alle anderen müssen sich mit verkürzten Kompromiss-Antennen begnügen. Manch ein OM greift in dieser Situation auch gerne zu einer so genannten Wunderantenne. Das Netz ist voll davon. Hier im Blog habe ich schon einige davon vorgestellt.


Und hier eine selbstgebaute Velo-Antenne, womit wieder einmal bewiesen wäre, dass fast alles als Antenne zu gebrauchen ist, solange es aus leitendem Material besteht.

Längst haben Antennen keine Geheimnisse mehr. Und wer heute eine neue Antenne vorstellt, greift auf altbekannte Prinzipien zurück oder hält sich für Einstein. Hier hatte ich eine extrem verkürzte Antenne für das 160m Band mit der uralten Technik des Variometers vorgestellt.

Und hier der Renner meines Blogs, seit seinem Erscheinen: Funken ohne Antenne. Natürlich ein fauler Trick, denn der Blitzableiter ist sehr wohl eine Antenne und wie man sieht, nicht einmal so schlecht ;-)

Wunderantennen sind ein Dauerbrenner und nichts kann ihrer Beliebtheit Abbruch tun. CHA-250B / VA250 / HA-750BL / FALCON OUT-250-B / GP2500F / JTV680 sind bekannte käufliche Typen, ebenfalls die BB6W und BB7V von Diamond. Sie alle arbeiten nach dem gleichen Prinzip, und zwar - wie könnte es anders sein - mit einem UNUN. Sie basieren alle auf einer Antenne, die von OM Takagi JJ1GRK entwickelt wurde.
Martin G8JNJ hat diesen Typ Antenne eingehend untersucht und getestet.

Eine Wunderantenne, die immer wieder hochkommt wie ein Rülpser, ist die Spiral-Loop Antenne. Sie beruht auf dem Glauben, dass man einfach nur genügend Draht aufwickeln muss, um eine valable Antenne zu erhalten. Auch diese Antenne strahlt natürlich. Aber auch sie schafft es nicht, die unweigerlichen Verluste zu vermeiden, die "Zwergantennen" inherent ist. Generell gilt: je kleiner die Antenne, desto größer die Verluste. 

Hier die Spiral-Loop in der Version von Harry SM0VPO

  

Donnerstag, 30. August 2018

Die seltsamen Schaltungen des Sir Douglas Hall

Ich kann mich an mein erstes Transistorradio erinnern, als hätte ich es erst gestern gebaut. Es war eine Schaltung mit zwei PNP Germanium-Transistoren aus einem Philips Baukasten. Der Moment, in dem ich damit die ersten Stimmen aus dem Aether hörte, war ein Schlüsselerlebnis, das mein Leben prägte. Diese Faszination hat mich bis heute nicht losgelassen.
Hier die Schaltung dieses Radios:


Die OC75 waren in kleine, schwarz lackierte Glasröhrchen eingebaut. Man findet derartige Transistoren ab und zu noch auf Ebay. Bei Musikern sollen sie beliebt sein, weil man mit ihnen eigenartige Klangeffekte erzielen kann.

In den 50er und 60er Jahren, als die Transistoren langsam die Röhren verdrängten, experimentierten viele Leute mit Transistoren. Man nannte sie die Radio Bastler.
Einer davon war Sir Douglas Hall. Von im sind noch viele Schaltungen zu finden. Sie haben alle die Eigenschaft, dass sie mit möglichst wenig Transistoren auskommen. Denn Transistoren waren damals teuer, und so versuchten Sir Hall und andere, diese mit so genannten Reflex-Schaltungen optimal auszunutzen.
Bei einem Reflex-Empfänger arbeiten ein oder mehrere Transistoren doppelt. Sie verstärken einerseits die Hochfrequenz in einem ersten Durchgang. Nach der Demodulation wird das NF-Signal zurückgeführt und der gleiche Transistor arbeitet dann auch noch als Audio-Verstärker.
Bei den heutigen Transistor-Preisen sind derartige Klimmzüge natürlich unsinnig. Trotzdem ist es faszinierend, die alten Schaltungen zu analysieren und nachzubauen.

Hier geht es zur Schema-Sammlung von Sir Douglas Hall. 

Und hier findet man ein interessantes Forum heutiger Radiobastler.

Dienstag, 28. August 2018

Spielzeug Amateurfunk

In Österreich gibt gegenwärtig eine Pressemitteilung der Behörden BMVIT zu reden.
Der Amateurfunk wird darin u.a. mit Spielzeug, WLAN, Fernsteuerungen und CB-Funk verglichen.
Das stößt den Funkamateuren und ihrem Verband natürlich sauer auf.

Auch in der Schweiz wird im Moment diskutiert, den Amateurfunkdienst neu einzuordnen. Eine Konzession wie bisher soll nicht mehr nötig sein. Also ähnlich wie z.B. bei CB-Funk, WLAN, Fernsteuerungen und eben Spielzeug.

Und auch hierzulande wird von den Behörden versichert, dass sich im Grunde nichts ändern werde.

Ich bin gespannt, wohin die Reise geht.

Passend dazu der Auftritt von Christina Ramos:





Sonntag, 26. August 2018

餐桌转盘

Ich besitze zwar kein chinesisches Restaurant, aber mein WOK sitzt trotzdem auf einer Lazy Susan.
Die Frau hat nämlich für den Mikrowellenbenutzer patente Eigenschaften. Sie dreht sich im Nu zum nächsten Kunden, um ihm meine Aetherwellen zu servieren. Ja, fast zu leicht, zumindest solange ihr chinesisches Billiglager noch nicht eingerostet ist. Darum habe ich ihr eine halbe Schraubzwinge spendiert. Meine bescheidenen mechanischen Fähigkeiten ließen ihr leider keine andere Wahl.
Hier im Bild ist der besagte WOK zu sehen. Eine kleine Parabolantenne für 10 GHz die ich hier (1)(2)(3) beschrieben habe. Einer meiner Mikrowellenfreunde hat das Teil mal WOK genannt und dabei ist es geblieben. Dieser Winzling hat fast 30dB Gewinn und kommt listigerweise aus dem Land, in dem immer alles größer ist als bei uns ;-)

Neuerdings habe ich neben dem WOK auf der Nordseite auch einen auf der Südseite. Diesen WOK vor meinem Dachfenster bewege ich mit einem so genannten Armstrong Rotor, also von Hand. Das geht blitzschnell und schont den Geldbeutel. Hier ist er in seiner vollen Schönheit zu sehen. Der Nachbar staunt und der Fachmann wundert sich:


Das Fahrgestell der Lazy Susan, das ihn trägt, ist dabei nicht zu sehen. Sie versteckt sich unter der schwarzen Kunststoffplatte. Auf Deutsch heisst das Drucklager, auf Englisch findet man die Teile unter "Lazy Susan Bearing". Es gibt sie in allen Größen, rund oder viereckig und sie sehen etwa so aus:

 
 Man findet sie im Baumarkt oder für eine Handvoll Dollar in der E-Bucht und sie stammen fast ausnahmslos aus dem Land des Lächelns.
Im nächsten Bild ist noch die halbe Schraubzwinge zu sehen, die der Fixierung dient:


Kein Meisterwerk, dafür stammt alles aus dem Baumarkt und als Werkzeug braucht es bloss einen  Elektroschrauber. Ein Provisorium eben - wie auch unser Leben.https://www.1688.com/chanpin/-B2CDD7C0D7AAC5CC.htmlhttps://en.wikipedia.org/wiki/Lazy_Susan

Donnerstag, 23. August 2018

Pourquoi pas?





Von Stefan DL8SFZ hat mich gestern eine Email erreicht, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Er weist darauf hin, wie weit die Digitalisierung im Amateurfunk bereits fortgeschritten ist:

Hallo Anton,
danke für den Beitrag in deinem Blog, das hat mal wieder Gedanken in mir ausgelöst. Vor allem mit dem Vergleich bei Contesten. Hier könnte man auch sagen, kennt Ihr die magische Zahl beim Afu? Sie lautet 5973! Aber über die Unart der Rapportierung unseres QSO´s habe ich mich an die Betriebstechnik erinnert. Wer heute darüber lacht, dass mit drei Funktionstasten ein komplettes QSO abgewickelt wird, der hat noch nicht gesehen, was bei manchen Stationen im Contest abgeht.

Der Operator erkennt Bruchstücke des Rufzeichens und gibt diese in das Eingabefensters seines PC ein. Dieser ruft sofort alle aus diesen Fragmenten möglichen Rufzeichen auf und listet diese untereinander auf. Somit kann der Operator grob abschätzen, welche Gegenstation es eventuell ist, die er da gerade arbeitet. Ein Klick auf das auszuwählende Rufzeichen ergibt sofort

· Standort der Station

· Entfernung der Station

· Laufende QSO-Nummer

· Vorgefertigter Rapport.

Und wer will, kann sich anzeigen lassen, wann die letzten Kontakte waren.

Gehen wir zu den DX-Jägern, denn die sind noch mehr digital als die Contester.
Entdeckt das Programm in einem zugewiesenen Cluster ein Rufzeichen, das noch nicht im Logbuch steht, gibt es eine Meldung aus. Der Operator klickt auf das Rufzeichen und schon dreht sich der Beam in die richtige Richtung und das Funkgerät stellt die angegebene Frequenz ein. Sogar das Tunen der Antenne wird automatisiert durchgeführt. Diese Technik kombiniert mit dem Logprogramm ergibt den Eintrag in Selbiges und setzt dann auch noch eine neue Clustermeldung ab. Fast schon ein Wunder, wenn der Operator noch sprechen muss, denn nicht selten rufen bei Contesten in den etwas ruhigeren Stunden die Papageien ihren Call und das ganz ohne heiser zu werden. Meldet man sich dann, bringt man die OP´s schon fast aus der Ruhe und eine ganz andere Stimme wickelt dann noch das QSO ab. Und selbst hier habe ich den Verdacht, dass es schon Automatismen gibt, die das durchführen können.

In der digitalen Welt ist so viel möglich. Unsere alten Erinnerungen an Checklog und Papierlogbuch gehören zu den nostalgischen Gegenständen. An der Station sind heute genauso viele PC´s im Einsatz wie Funkgeräte. Die nächste Stufe ist ja auch schon da, dazu braucht man nicht einmal mehr die Antenne, da geht dann schon alles über das Internet. Dann wird es in Zukunft nicht mehr heißen, wie viele Stationen habt ihr erreicht, sondern wer hat alle in welcher Zeit erreicht. Das hat dann den Vorteil, dass der Äther wieder leerer wird und die manuellen, analogen Operatoren wieder ihre Nische finden können. Ganz einfach mit Taste oder Mikrofon, vielleicht ganz ohne Logbuch, aber dafür mit vielen emotionalen Momenten, wenn man mit 100 Watt im Störnebel die Gegenstation doch ausmachen konnte und man sich auch mal wieder über Wetter, Station, Antenne und Wohlbefinden unterhalten konnte.

Liebe Grüße in die Schweiz, ich schaue immer wieder ein klein wenig neidisch auf eure schönen Berge!

Stefan, DL8SFZ


Soweit das Mail von Stefan. Da kann man nicht nur von Digitalisierung, sondern muss wohl von einer Professionalisierung des Amateurfunks sprechen. Ein erstaunlicher und zugleich bedenklicher Trend, der mich in diesem Ausmass überrascht. Aber ich hatte bisher schon zuweilen den Verdacht, dass viele dieser DX-Peditionen eine Art "Business-Model" sind und dass bei Contesten wie im Sport "gedopt" wird - zumindest "technisch gedopt". Stefan schrieb mir dazu noch folgende Bemerkung:

Natürlich sind nicht alle DX-er und Contester so unterwegs, aber die, die im Contest vorne mitmischen, sind ganz sicher so unterwegs, weil du mit den klassischen Methoden kaum mehr eine Chance hast. Wenn ich da an die alte Contestgruppe von P02 denke, was für einen Aufwand hier für den 2m-Contest gemacht wurde… Wahnsinn!
Und das mit der DX-er Technik können die umsetzen, die zum Einen das Geld für Equipment haben und die Neigung, Computer und Funk via Internet zu verknüpfen. Eigentlich schon Experimentalfunk, denn es gibt da nicht alles fertig zu kaufen.


Danke lieber Stefan, für diesen interessanten Diskussionsbeitrag.