Donnerstag, 8. Juni 2017

Negative Frequenzen und ein Traumband



Kürzlich hat mir einer erzählt, es gäbe negative Frequenzen. Das werde aber streng geheim gehalten und daher würden die Empfänger im Amateurfunk nicht tiefer gehen als 30 kHz. Auch bei kommerziellen Geräten sei spätestens bei Null Schluss. Wenn es gelingen würde, diese Sperre aufzuheben, würde man in den Bereich der negativen Frequenzen geraten.
Leider kann ich das nicht bestätigen, aber ich würde mich über die zusätzlichen, negativen Amateurfunkbänder freuen. Vielleicht herrschen dort zurzeit bessere Bedingungen.

Es gibt aber Funkamateure, die funken fast bei Null. So gibt es in einigen Ländern ein sogenanntes Dreamer's Band von 8.7 - 9.1 kHz. Natürlich wird auch dort zuweilen ohne Antennen gefunkt, also mit Erdelektroden. 10 kHz entsprechen einer Wellenlänge von 30 km, da wird der Antennenbau noch eine Nummer schwieriger als auf 136 kHz.
Es ist nicht weiter erstaunlich, dass man dort unten die üblichen Verdächtigen findet: unter anderen wieder Roger G3XBM. Sein bestes DX im Träumerband ist übrigens 6km. Nicht schlecht für 5W an zwei Erdelektroden.
Natürlich kommen auch hier auf VLF sehr schmalbandige digitale Betriebsarten zum Zug. Liegen doch die Signale auf der Empfangsseite weit unterhalb des Noisepegels.

Wer aber jetzt meint, mehr als ein paar km würden nicht drin liegen: Der Weltrekord im Träumerband steht bei sage und schreibe 6918 km. Gesendet hat in diesem Fall W4DEX und empfangen wurde das Signal von DL4YHF.

Auch ich habe versucht, beim BAKOM eine Bewilligung für das Träumerband zu bekommen. Das komme nicht in Frage, wurde mir beschieden. Erstens sei das kein Amateurfunkband und zweitens habe das BAKOM die Oberhoheit über alle Frequenzen bis 0 Hz. Vermutlich gehören sogar die "negativen Frequenzen" in die Zuständigkeit der Schweizer Behörde ;-)
Sollte jemand also auf die krumme Idee kommen, seine Stereoanlage anstatt an einen Lautsprecher an Erdelektroden anzuschließen, macht er sich strafbar und muss mit der geballten Kraft des Gesetzes rechnen.
Da würde es wohl auch nichts nützen, wenn man behaupten würde, russische Hacker hätten die Stereoanlage gehackt.

So schwierig es ist, auf VLF zu senden, so einfach ist der Empfang. Dazu genügt ein normaler PC und ein langer Draht - oder besser eine kleine Aktivantenne.

Bild: Ovronnaz vis-à-vis von Haute-Nendaz.












Kommentare:

HB9CRN hat gesagt…

Die Idee mit den negativen Frequenzen finde ich wunderbar. Das BAKOM ist schon ein etwas eigenartiges Amt. Für einen Versuch die Störfestigkeit von Funkfernstörungen der Modellflieger mit einem gewobbelten 4 Watt Wi-Fi Sender zu prüfen, erstellte das Amt eine graphische Simulation der resultierenden Pegel um das Versuchsgelände herum. Dies Schlussfolgerung war: Kommt nicht in Frage, da der Pegel in einem 3 km benachbarten Dorf zu hoch. Alternative: 40 WLAN Router mit den erlaubten 100 mW um den Modellflugplatz aufstellen.
Wie das in der Praxis geschehen soll, ist das Problem des Versuchsleiters. Gerne hätte das BAKOM für die Simulation auch noch ca. Fr. 600.- in Rechnung gestellt. Da die Berechnung ungefragt vorgenommen worden ist, musste dann nichts bezahlt werden.
Denn sie war den geforderten Betrag auch nicht wert. Denn der Versuchsstandort befand sich abgeschattet hinter einem Hügel an einem Waldrand, was die Simulation aber nicht berücksichtigte.
So wurde der Versuch offiziell dann nicht durchgeführt und es gab keinen Bericht in der Zeitschrift der Modellflieger. Diese fragten sich dann aber schon, wie die Physik beim Schwesteramt des für sie normalerweise zuständigen BAZL funktioniert. Wahrscheinlich hatte wohl der dort zuständige Beamte in seinem Studium die Laborübungen geschwänzt, so dass jetzt halt solche speziellen Entscheide zustande kommen.
Gruss Hermann , HB9CRN (und Berichteschreiber Zeitschrift Modellflugsport)

HB9CRN hat gesagt…

Postscriptum

Damit keine Missverständnisse entstehen: Funkamateure sind heute definitiv nicht mehr dafür verantwortlich, dass gewisse Modellflugzeuge ungeplant den Erdkontakt suchen und danach dem Besitzer mehr oder weniger viel Werkstattarbeit bescheren. Dafür sind die Protokolle der Fernsteuersender viel zu robust, um noch funktechnisch gestört zu werden.
Experimentieren mit Empfangsantennen in den Flugzeugen (verstecken in einem gut abschirmenden Kohlefaserrumpf) oder eine unterdimensionierte Stromversorgung sind oft die Ursachen der magischen Erdanziehung.

Auch hier gilt, die Physik lässt sich in der Praxis nicht betrügen ! Dass man sie jedoch in den Ämtern leicht uminterpretieren kann, liegt in der Natur der Bürokratie. Und damit muss man sich dann wohl abfinden. Oder besser mittels Workarounds „herumfinden“. In solchen Fällen sind dann aber die Beamten wiederum sehr kooperativ. Dies, indem sie sich kaum mit Umgehungen ihrer erlassenen Vorschriften herumplagen. Somit sollte man mit ihnen durchaus respektvoll und freundlich umgehen. Dann legen sie einem in der Folge statt Prügel nur noch kleine Steine in den Weg. Und solche lassen sich dann eben viel bequemer "physikalisch umgehen".

73 de Hermann, HB9CRN