Dienstag, 6. Juni 2017

Der neue ICOM IC-7610



Gebannt wartet das Universum der Funkamateure auf den neusten Spross aus dem Hause ICOM. Der IC-7610 - von der Bezeichnung her ein Nachfolger des IC-7600 - ist so etwas wie ein "doppelter IC-7300".
Der IC-7300 war und ist ja ein durchschlagender Erfolg. Er ist zu einer Art Volkstranceiver avanciert und "gefühlt" hat fast jeder zweite OM inzwischen so ein Teil im Shack. Kein Wunder, dass ICOM jetzt nachdoppelt.

Der IC-7300 ist, im Gegensatz zu den bisherigen Transceivern der marktführenden Hersteller, ein echter DSP-Transceiver. Während bisher die DSP erst in der ZF zum Zug kam, wird beim IC-7300 das Signal bereits ab der Antennenbuchse digitalisiert (mal von ein paar rudimentären Vorfiltern und einer variablen Dämpfung abgesehen). Der Schaltungsaufwand wird damit geringer und der Preis günstiger.
Leider hat das auch Nachteile. Wie ich hier beschrieben habe. Hier noch etwas kritischer - aber lasst euch vom grimmigen Blick des Herrn mit der Flinte nicht abschrecken. Er ist bloß verblüfft, dass er die Tontauben verfehlt hat. Aber es gab noch wesentlich kritischere Stimmen. Zum Beispiel die von Erich DC8KO.

Ich habe den Verdacht, die meisten OM haben den IC-7300 nicht wegen des Schaltungsprinzips gekauft, sondern wegen des wunderschönen Displays mit ausgezeichneter Spektrum- und Wasserfallanzeige und wegen dem tiefen Preis. Vielleicht auch wegen dem ausgezeichneten NB und der NR und der typischen ICOM-Ergonomie, die sich wohltuend von der verqueren Bedienung bei den Yaesu-Geräten unterscheidet.


Der neue ICOM IC-7610 basiert auf dem gleichen Prinzip. Natürlich haben sich die Ingenieure einige Bells and Whistles (Glocken und Pfeifen) einfallen lassen um die Verkäufer zu bezirzen und vielleicht ist auch der Empfänger noch besser geworden und der Sender durchschlagskräftiger. Das werden wir sicher in den Testberichten erfahren. Doch die große und sichtbare Veränderung ist das doppelte Display. Das Gerät verfügt nämlich über zwei unabhängige Empfänger. Vereinfacht gesagt also zwei IC-7300.
Dafür kostet es auch mehr als doppelt so viel.
Wichtig ist das vor allem für die OM, die ihr Hobby ernsthaft betreiben und nicht nur gelegentlich QSO machen oder Runden bestreiten, sondern sich in Contesten und auf der Jagd nach seltenem DX engagieren.  Aber natürlich werden das Gerät auch die OM kaufen, die immer das Neuste haben wollen und die mit einer großzügigen Hobbykasse gesegnet sind.

Ich gehöre leider zu keiner der oben genannten Kategorien. Zudem bin ich zufrieden mit dem IC-7300 und habe mich in der Zwischenzeit mit seinen Macken arrangiert - was ich vom FT-991 (oben rechts im Bild) nicht behaupten kann.

Wer punkto IC-7610 am Ball bleiben möchte, sollte die Seite von Adam Farson VA7OJ/AB4OJ im Auge behalten.
Und da die Vorfreude bekanntlich die schönste Freude ist: hier die Broschüre mit den Vorzügen des neuen Stars.

Bild 1: Im Wallis bei Siviez.
Bild 2: IC-7300 und FT-991

Nachtrag: Trotz allem Hype um den IC-7300: zwischen April 2016 und Januar 2017 sollen weltweit nur etwas über 10'000 Stk. verkauft worden sein. Wenn das der Bestseller auf dem AFU-Markt war, wie sieht es dann bei anderen Modellen und der Konkurrenz aus? Ein Hinweis: Elecraft brauchte 8 Jahre um 10'000 K3 zu verkaufen!
Vermutlich werden wir in Zukunft mit längeren Innovationszyklen rechnen müssen. Bei diesen Stückzahlen rentieren sich große Investitionen nur schlecht. Der Amateurfunk ist halt ein nachwuchsarmes Hobby alter Männer und da auch 30 oder 40 jährige Geräte immer noch in Gebrauch sind, ist die Gesamtzahl funktionierender Funkgeräte heute wohl so groß wie noch nie....und sie nimmt ständig noch zu.

Vortrag von Rob Sherwood über disruptive Technologien:



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