Dienstag, 31. Mai 2016

Eine 4 Element Yagi nach DK7ZB für das 2m Band

Ihr erinnert euch vielleicht noch an die 6 Element Yagi für das 2m Band, die ich hier und hier beschrieben habe. Sie ist nun seit einem Jahr auf dem Dach, hat Schnee, Eis und Sturm erlebt und funktioniert zu meiner besten Zufriedenheit.

Jedoch nicht immer zur Zufriedenheit meiner Funkfreunde, die ich jeweils Sonntagmorgen in SSB auf 2m treffe. Denn die meisten von ihnen haben für 2m nur einen "Blindenstock"* und senden deshalb auch auf 2m vertikal polarisiert. 15 bis 20 dB beträgt in der Praxis auf UKW die Polarisationsdämpfung, wenn einer vertikal und der andere horizontal sendet, bzw. empfängt. Das ist viel und bei schwächeren Signalen entscheidend.

Auch wenn auf den VHF/UHF- Bändern bei SSB Horizontalpolarisation die Norm ist, es war an mir, mich anzupassen.

So habe ich letzten Samstag eine zweite Yagi gebaut und unter dem Dach montiert. Fix ausgerichtet auf meinen Hauptreflektor, den 1600m hohen Juraberg Chasseral in ca. 30km Entfernung.
Eine Yagi ist in meinem Fall besser unter Dach unterzubringen als ein gestockter Vertikalstrahler mit gleichem Gewinn. Zudem wird der Mehrwegempfang unterdrückt.

Wiederum habe ich mich für eine Yagi von DK7ZB entschieden. Diesmal für eine kleine Vierelement in 50 Ohm Technik. Sie ist breitbandig, lässt sich ohne Anpassung direkt mit einem 50 Ohm Koaxialkabel speisen und besitzt ein einfaches, gestrecktes Dipol-Element. Als Mantelwellensperre habe ich direkt beim Anschlusspunkt 3 Ringkerne FT82-43 über das Koax geschoben. Die Konstruktion gleicht im übrigen der meiner 6 Element. Da sich die Yagi jedoch unter Dach befindet, ist die Befestigung der Elemente einfacher ausgeführt und es wurden normale Schrauben anstelle der rostfreien verwendet. Natürlich habe ich auch auf eine wetterfeste Abdichtung der Einspeisung verzichtet. Drin regnet es ja im Normalfall nicht, wie die folgende Bauernregel besagt:

"Wenn's dem Bauer in die Suppe hagelt, war das Dach wohl schlecht genagelt."

Da sich die Seite von DK7ZB mit der entsprechenden Yagi nicht direkt verlinken lässt, hier ein Screenshot:


Am Samstagabend begab ich mich mit dieser Anleitung von meinem Adlerhorst (shack) in den Keller, um eine Antenne zu bauen. Dort angekommen musste ich jedoch feststellen, dass ich nur noch 4mm Alu-Stäbe hatte und keine 6mm. "Ach was", sagte ich mir, "das spielt doch keine Rolle."
Trotzdem startete ich sicherheitshalber das Programm EZNEC zur Antennensimulation.
Und siehe da: die dünneren Stäbe hatten sehr wohl einen Einfluss auf Resonanz und SWR. Zugegeben, nicht groß, aber ein SWR von 1:1.5 hätte mich als SWR-Fetischist gestört ;-)

Also habe ich mit den Werten etwas herumgespielt. Hier die modifizierten Abmessungen:

Und siehe da: Die Praxis passte ausnahmsweise wunderbar zur Theorie. Die gemessene SWR-Kurve entsprach der errechneten (grüner Punkt: 145.500MHz)


Natürlich hat auch mein Reflektorberg mitgespielt und die vertikale SSB-Runde war zufrieden. Im Vergleich zur horizontalen 6 Element außerhalb des Daches und einen Meter höher, betrugen die Differenzen im Schnitt etwa 15dB.

Hier ist das Werk im Bild zu sehen:


Nun kann ich sogar auf FM "korrekt" funken, vertikal wie es sich für diese Modulationsart gehört.

Doch wieso benutzen wir überhaupt unterschiedliche Polarisationen bei FM und SSB im UKW-Bereich?
Oft hört man die Begründung, horizontale Polarisation sei besser bei Verbindungen über die Sichtreichweite hinaus. Stichhaltige Beweise für diese Theorie habe ich aber keine gefunden. Vielleicht ist es einfach so, dass die UKW-Pioniere mal horizontal angefangen haben, und schon war ein Standard** geboren. Vielleicht nur aus dem Grund, weil eine lange horizontale Yagi einfacher zu montieren ist und der Mast weniger stört.
Als dann FM und damit der Mobilbetrieb aufkam. waren vertikale Antennen einfach praktischer am Auto anzubringen. Zudem lieferten sie die gewünschte Rundstrahlung. Und schon war der zweite Standard** geboren.
Vielleicht sollten wir unsere Antennen für alle Betriebsarten einheitlich vertikal montieren?

*Die meisten käuflichen Vertikalstrahler für 2m/70cm sind weiß

** schreibt man tatsächlich so und nicht etwa Standart! Ein beliebter Fehler.  

1 Kommentar:

Der Prager hat gesagt…

Horizontal erkläre ich mir so, so kann man sehr lange Yagis benutzen und sie mittig fixieren. Täte man dies nun in vertikaler Polarisierung wäre ja der Mast mitten im Weg.

Man könnte also bei vertikaler Polarisation nur recht kurze Vormast Yagis nutzen.

Markus