Mittwoch, 11. Mai 2016

QRV in Nizza




Für mich als Alpenbewohner hat das Meer eine magische Anziehungskraft. Ich kann nicht anders, ich muss immer wieder hinfahren.
Glücklicherweise ist es aus der Westschweiz nicht weit. In fünf Stunden fährt man über den großen St. Bernhard, hinunter durch das Aostatal und durch die Ebenen des Piemont mit ihren Reisfeldern, und schon taucht das Mittelmeer auf.

Nizza war dieses Mal das Ziel. Darum war der Weg durch Italien der kürzeste.
Die Gegend ist einer der ältesten Siedlungsorte der Menschheit. Vor 400'000 Jahren hausten hier schon Neandertaler. Allerdings kannten die noch keinen Amateurfunk. Aber wie ich höre, sind diese jetzt wieder auf den Bändern im Vormarsch ;-)

Der Funk darf natürlich bei keiner Reise fehlen. Für mich allerdings nur als Zutat. Ich kann die OM nicht verstehen, die an einen wunderbaren exotischen Ort hingehen und dort nichts anderes tun, als wie die Gepickten tagelang Five Nine zu brüllen und auf Frontplatten und Computer zu starren. Eh nu, jedem das Seine.

Diesmal habe ich mich für eine leichte Station entschieden. Der IC-7300, über dessen Fähigkeiten in den Foren noch heftig gelobhudelt und gestritten wird, musste zu Hause bleiben. Der Yaesu FT-857 kam wieder einmal zum Zug. Der Grund dafür ist im folgenden Bild zu sehen:


95 Stufen sind es vom Parkplatz bis zum Ferien-QTH. Ein hübsches Fitness-Programm. Aber man muss ja nicht jeden Tag mit dem Wagen rum fahren. Ein Strandweg führt direkt am Meer entlang in die Stadt.

Das Spannende bei einem neuen QTH ist immer die Antenne. Man kann sich zwar im voraus alles Mögliche ausdenken und mit Eznec simulieren, doch wie es wirklich ist, sieht man erst auf Platz. Das war auch diesmal nicht anders.

Im folgenden Bild ist das QTH zu sehen. Das ist das runde Haus im Leuchtturm-Design in der Mitte:



  Hier sehen wir das wunderliche Haus noch etwas näher:


Für die Wellenausbreitung gegen Süden ideal, doch gegen Norden müssen die Wellen den steilen Hang hinaufklettern um den Aether zu erreichen. In meinem Fall ist das nicht besonders schlimm. Ich bin ein NVIS und Europa-Funker.
Begrenzt wurden meine Antennenvorstellungen aber durch die hohen, teilweise mit Natodraht verzierten Zäune, die hier die Grundstücke sichern. An der Côte d'Azur ist man auf Sicherheit bedacht. Drei Türen müssen wir hier aufschließen und dann innert dreißig Sekunden die Alarmanlage ausschalten, die direkt mit der Polizei verbunden ist. Ziemlich verrückt.

So habe ich als Antenne einen asymmetrischen Dipol gewählt, den ich Inverted V und im Winkel von 90 Grad vom Dach gegen das Meer hinunter gespannt habe. "Gewählt" ist etwas übertrieben. Es war das Beste was ich tun konnte, ohne übermäßig aufzufallen. Ein Arm des Dipols misst 10m, der andere 17m. So sieht das etwa aus:

Die Y-Achse zeigt etwa Richtung Norden. Besser als nichts, dachte ich und machte mich auf mickrige Signale aus Norden gefasst. Doch Oha Lätz, Die Signale aus D und HB waren respektabel und als ich schließlich das Gebilde mit Eznec 6+ untersuchte, bestätigte sich diese Erfahrung. Auf 40m ist die Antenne ideal für Europa-Verkehr:


Natürlich hat daran auch das Meer seinen Verdienst. 
Angepasst wird das Gebilde wie immer mit einem automatischen Tuner CG-3000. Der stimmt auch auf 80m die Antenne problemlos ab, doch diese ist hier zu kurz, die Impedanz ungünstig und daher sind die Verluste höher. Auch strahlt die Antenne steiler. 
Trotzdem gelang auch auf 80m eine CW-Verbindung nach Kassel. Trotz dem QRN von einem Gewitter über dem Mittelmeer.

Als Bonus kann man während dem Funken die vorbeifahrenden Schiffe bewundern. Gestern Abend zum Beispiel "Mein Schiff 3", das den nahen Hafen von Villefranche-sur-mer in Richtung Toulon verließ. 2500 Passagiere und 1000 Besatzungsmitglieder fahren auf dieser schwimmenden Stadt. Vom Typ "Mein Schiff" gibt es übrigens ganze sechs Stück!

Der Turm vorne gehört übrigens nicht zum Schiff ;-) es ist der Leuchtturm vom Cap Ferrat.

 Während ich diese Zeilen schreibe, geht gerade der Lotse aus dem Hafen von Nizza an Bord der korsischen Capo Nero. Und für mich ist es Zeit, in den Hafen zu spazieren und dort die wunderbaren Yachten zu bestaunen.





1 Kommentar:

Robby Pöschk hat gesagt…

Schöner Bericht, leider zu kurz für die Frühstückspause im QRL. :-(
....was mach ich nun? ;-)
Schönen Aufenthalt in Nizza.
73 de Robby
DM6DX