Freitag, 9. Dezember 2016

Déjà-vu


Offenbar ist da ein Funker mit seinem IC-7300 nicht ganz zufrieden. Der Transceiver sei für 11m erweitert, schreibt derVerkäufer zu dem geklauten Bild ;-)
Danke Gregor für den Tipp.

Wenn er nicht meine Geräte verkauft und nur mein Bild benutzt, habe ich nichts dagegen.
Denn ich möchte mich von meinem IC-7300 keineswegs trennen; er ist mir ans Herz gewachsen. Er ist der beste Transceiver, den ich je hatte. Mehr Funkgerät brauche ich auf KW nicht.

Eine Zeit lang habe ich noch dem TS-590 nachgetrauert, doch inzwischen bin ich davon überzeugt, dass die Zukunft den SDR-Transceivern mit Direct Sampling gehört. Und zwar den Geräten mit integriertem User-Interface. Die Blackboxen, die zum Funken noch einen PC brauchen, bringen dem 08/15-Amateur m.E. keinen echten Mehrwert.

Die Störunterdrückung ist sehr wirksam (NR, NB) und mit einem einzigen Tastendruck erreichbar - für viele OM ein sehr wichtiger Punkt in unserer gestörten Zeit. Besonders im 80 und 160 Band verdirbt einem die Plunderware in der nahen Umgebung den Spaß. Ohne NB/NR etc. könnte ich auf 160m nicht funken. Bereits die Viehzäune lassen das S-Meter auf +10dB schnellen. Schaltnetzteile und Sparlampen geben dem Band dann noch den Rest. Mit dem IC-7300 komme ich in SSB immerhin auf S5 runter.

Die Spektrum- und Wasserfall-Anzeige möchte ich nicht mehr missen, auch wenn man auf diese in vielen Fällen verzichten könnte. Aber im Pile-up ist sie eine unschätzbare Hilfe; auch bei Bandöffnungen im 50 MHz Band. Im letzten 160m CW Contest der ARRL konnte man damit leicht die Stationen aus USA/Canada aufspüren. Ihre feinen Striche im Wasserfall waren neben den dicken der Europäer ein untrügliches Zeichen. So hat es mein IC-7300 - trotz mediokrer Antenne und Störungen - auch auf 160 über den Teich geschafft.

An die kleinen Unzulänglichkeiten habe ich mich inzwischen gewöhnt. Auch an das Herumtappen auf dem Bildschirm. Man darf zum Funken einfach kein Butterbrot verspeisen.
Die zweite fehlende Antennenbuchse hat ein Koaxschalter kompensiert.
Der zeitweisen Übersteuerung des D/A-Wandlers (OVL-Anzeige) begegne ich mit dem Zurückregeln des RF-Gain oder mit meinem selbstgebauten Presesektor.

Im Normalfall sind die CW und SSB-Signale glasklar und ohne Artefakte. Das Hören ermüdet nicht.

Das S-Meter zeigt zwar korrekt bei Signalen über S9, doch unter S9 ist eine S-Stufe bloss 3dB und nicht 6dB. Aber der Icom ist damit nicht allein.

Eine erfreuliche Überraschung war das 630m Band. Der IC-7300 kann auch auf 472 kHz senden! Und das natürlich auch digital - z.B. in WSPR.

Der IC-7300 ist ein Keeper. Der rechts daneben ist ein anderes Kapitel.



Dienstag, 6. Dezember 2016

"Wunderantenne" vs HB9CV

Sobald ich in meinem Blog das Wort "Wunderantenne" verwende, bekomme ich Post :-) Diesmal auch eine ausführliche von Willi Göldi HB9PZK, der sich die Antenne von Gerd Janzen DF6SJ genau angeschaut und mit einer HB9CV verlichen hat. Er kommt zu einem anderen Schluss, als die bisherigen Zusender. Gerne geben ich hier seine Sicht wieder, die er mit einer ganzen Reihe von Diagrammen illustriert hat.

Lieber Anton Mit dem Titel ‘ … Wunderantenne’ hast du wahrscheinlich bewusst provoziert. Das Thema Wunderantennen ist ja auch etwas vorbelastet. Der Vorwurf von Peter HB9PJT, dass die Gewinnangaben ungenau seien, ist meines Erachtens nicht gerechtfertigt. Auf der WiMo-Seite wird klar darauf hingewiesen, dass sich die Gewinnangaben auf 1 bis 3m Aufbauhöhe beziehen. Auch dein Einwand, die Diagramme seien kaum lesbar, kann ich nicht nachvollziehen. Hier sind die Diagramme, kopiert von der WiMo-Seite:







Die Diagramme enthalten alle nötigen Informationen. Nur der verwendete Ground ist nicht genau beschrieben. Die Form der Strahldiagramme deutet aber darauf hin, dass ein realer Ground für die Simulationen verwendet wurde. Die Gewinnangaben in dBi sind eindeutig und sinnvoll. Für mich sind Gewinnangaben, bezogen auf einen Dipol, so unzeitgemäss, wie die angelsächsischen Masseinheiten. Ein Vergleich der VRG-Antenne mit einer HB9CV ist durchaus interessant. 


Das angehängte 3D pdf-File (die Ansicht ist dreh- und zoombar) zeigt einen Vergleich der beiden Antennen in realen Grössen für 2m. Diese Geometrien habe ich für ein paar Simulationen verwendet. 

1m über Grund



2m über Grund



3m über Grund




Der Vergleich zeigt, dass die VRG-Antenne auch gegenüber einer HB9CV-Antenne einige Vorzüge hat. Der Abstrahlwinkel ist für eine horizontal polarisierte Antenne sehr flach. Als Portabelantenne ist die VRG-Antenne durchaus interessant.  Die Antenne von Gerd Janzen DF6SJ ist weder eine Wunderantenne noch eine Luftnummer. Aus meiner Sicht ist es ein interessantes und gelungenes Antennendesign.  Liebe Grüsse, Willi HB9PZK

Vielen Dank lieber Willi für deinen interessanten Bericht. Leider kann mein Blog kein PDF darstellen, aber deine Bilder zum Text sind bereits sehr aufschlussreich. Dass die Diagramme bei WIMO sehr wohl gut leserlich sind, habe ich inzwischen begriffen, nachdem mich verschieden Leser darauf aufmerksam gemacht haben :-)))



Samstag, 3. Dezember 2016

Bodengewinn



Peter HB9PJT hat auf mein letztes Blog hin einen interessanten Kommentar geschrieben:

10-12 dBi, Gewinnangabe wie früher, ohne genaue Hinweise, worauf sich die Angabe bezieht. Rechnet man dies korrekt um, bleibt ein Gewinn, der wirklich nicht sexy ist: 
> 11 dBi-2.15 db = 9 dBD> 9 dBD - 6 dB Ground gain = 3 dBD
Mit 3 dBD Gewinn ist die Antenne schlechter als eine HB9CV Antenne mit 4.2 dBD.

Die Angaben auf der WIMO-Seite sind tatsächlich etwas verwirrend. Normalerweise wird bei Antennen der Gewinn ohne Bodengewinn angegeben (dBi im Freiraum). Die leider kaum leserlichen Diagramme bei WIMO lassen jedoch darauf schließen, dass der Bodengewinn bei der Antenne von DF6SJ bereits berücksichtigt wurde. In dem Fall hätte Peter recht. Die Antenne wäre eine Luftnummer. Ein simpler CV-Beam auf dem Balkongeländer wäre mindestens gleich gut, dafür aber weniger auffällig.

Endgültige Klarheit kann nur die Praxis bringen: und das bedeutet reproduzierbare Vergleichsmessungen. EZNEC-Simulationen, so sehr ich diese schätze, genügen nicht.

Vielleicht könnte man die potenziellen Kunden bei dieser Gelegenheit auch darüber aufklären, was eine "VGR-Antenne" ist.

Leider kann ich das nicht. Dieser Begriff ist mir unbekannt. Aber mindestens den Bodengewinn (Ground Gain) will ich hier mal erläutern:

Bei horizontal polarisierten Antennen (z.B. Yagis) werden die abgestrahlten Wellen auch vom Boden vor der Antenne reflektiert. Bei einem gewissen Winkel sind beide Wellen in Phase und verstärken sich. Abhängig ist dieser Effekt von der Antennenhöhe/Wellenlänge und dem Terrain in Strahlrichtung. Im VHF/UHF-Bereich kann dieser Zusatzgewinn 5 bis 6 dB ausmachen.
Und das etwa bei einem Abstrahlwinkel von 3 Grad im 2m Band bei 10m Antennenhöhe. Auf 50 MHz sind es bei gleicher Antennenhöhe 9 Grad und im 70cm Band 1 Grad.
Wird die Höhe verdoppelt, halbiert sich der Abstrahlwinkel. Im 2m Band sind es dann noch 1.5 Grad. Allerdings wird dann das Richtdiagramm immer mehr aufgefächert in steilere Nebenkeulen, die immer stärker werden.

OZ1RH zeigt dies am Beispiel einer 2m Yagi mit einem Gewinn von 17.5 dBi im freien Raum.
Ist die Yagi nur 1/2 Wellenlänge, also 1m über Boden montiert, ergibt das nicht einen Bodengewinn, sondern einen Bodenverlust von -1.7dB. Bei 2m Aufbauhöhe hat sie aber schon einen Gewinn von 2.6dB, schielt aber mit 11 Grad ziemlich in die Höhe. Nicht gerade der Idealfall im flachen Land.
In 4m Höhe über Grund steigt der Bodengewinn bereits auf  4.8dB und die Hauptkeule hat noch 7 Grad Elevation. Bei 8m sind es dann 5.4 dB Bodengewinn bei 3.5 Grad.

Sitzt die Yagi inmitten von bebautem Terrain, wird die ganze Sache natürlich etwas unübersichtlich. Der Grundgewinn sinkt, die Fragmentierung der Nebenkeulen geht zurück.  Trotzdem ist man gut beraten, den Bodengewinn bei der Errichtung seiner Antennenanlage zu berücksichtigen. Auch auf den kurzen KW-Bändern. Immerhin erhält man da schon 2.6 Gratis-dB, bei einer 10m Yagi auf einem 10m Mast - bei einem günstigen Abstrahlwinkel für DX.
Das gilt aber nur für horizontal polarisierte Antennen. Grundgewinn und Abstrahlwinkel von Vertikalstrahlern sind viel mehr von der Bodenleitfähigkeit abhängig.

Da der Grundgewinn derart varrieren kann, sollten sich Gewinnangaben immer auf dBi im Freifeld beziehen - also ohne Berücksichtigung des Bodens. Alles andere ist m.E. nicht seriös.

PS. Gerade erreicht mich zu diesem Thema eine interessante Mail von Wolf-Henning DF9IC, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Hallo Anton,

ich wusste gar nicht, dass Du jetzt auch auf Wunderantennen stehst...
Diese von DF6SJ als "VGR" bezeichnete Antenne ist doch nichts anderes als eine in die Länge gezogene Doppelquad ohne Reflektor, mit Einspeisung unten statt in der Mitte. Die in die Länge gezogene Quad heisst Oblong; durch den größeren Abstand der stromführenden Horizontalelemente steigt der Gewinn der Einzelschleife von etwa 1 dBd der Quad auf etwa 2,5 dBd beim Oblong.
http://www.qsl.net/dk7zb/DK7ZB-Quad/Oblong.htm
Zwei davon sehr suboptimal gestockt dürften bei ca. 4-4,5 dBd herauskommen - etwa vergleichbar mit einer HB9CV.

Alles andere ist das übliche Antennenmärchen. DF6SJ hat die Antenne in der Zeitschrift UKW-Berichte sehr ausführlich beschrieben, allerdings primär als Antenne für KW (10 m), und dort mit sehr niedrigen Aufbauhöhen von 1-2 m und realem Boden Gewinne von 9 dBi in der elevierten Hauptkeule ermittelt. Ein Halbwellendipol, den man zwecks Äquivalenz in der Höhe der Antennenmitte (6-8 m) aufhängen müsste, hätte mit dem Boden zusammen vermutlich ca. 7 dBi.
http://www.voacap.com/antennas/squeezing-decibels-out-of-dipole/Für KW (10-15 m) mag eine solche "VGR"-Antenne mit geringer horizontaler Ausdehnung und einfacher Montage sinnvoll sein.

Bei 144 MHz in 1-3 m Höhe montiert ergibt sich, wie zu erwarten, 4...4,5 dBd (realer Gewinn im freien Raum) + 5...6 dB ground gain + 2,15 dB (d/i), also 11-12 dB Gewinn unter den genannten Rahmenbedingungen. Nur, dass glücklicherweise sonst niemand im UKW-Bereich den ground gain der Antenne zuschlägt - ist das Grundstück dafür im Preis der Antenne enthalten?

Und wer tatsächlich irgendeine 2-m-Antenne in nur 1-3 m Höhe über flachem Boden montiert, darf sich angesichts der resultierenden Erhebungswinkel nicht wundern, wenn es nichts wird mit dem gewünschten DX.

Gruss  Henning


Bild: "Himmelstür" für das 6m Band. Ebenfalls eine horizontal strahlende Antenne, trotz vertikaler Struktur.


Donnerstag, 1. Dezember 2016

Eine richtige Wunderantenne



Immer wieder erfinden OM neue Antennen. Manchmal auch gerade die passende Physik dazu. Die Wirksamkeit der wundersamen Konstruktionen wird in der Regel mit Anekdoten und einer Prise Glauben angepriesen.
Wunderantennen sind heutzutage sehr gefragt. Denn die Menschen wohnen immer dichter, oft wie Kaninchen in ihren Ställen. Da haben keine großen Antennen Platz.
Dummerweise besteht aber immer noch ein Zusammenhang zwischen der Größe und der Wirksamkeit einer Antenne, bei gegebener Wellenlänge.
Darum wird es für den  wohnverdichteten OM umso schwieriger, je länger die Wellen sind. Das 80m oder gar 160m Band bleibt manchem deswegen verschlossen.

Aber auch auf UKW reicht es oft nur für einen Blindenstock.
Darum ist der SSB-Teil im 2m Band in den letzten Jahrzehnten immer mehr ausgetrocknet. "Da ist ja nichts los", wird oft geklagt. Und die OM verkriechen sich als Alternative hinter ihrem Computer. Obwohl eigentlich bekannt sein müsste, dass Computer keine Funkgeräte sind - höchstens Störgeräte.

"Nichts los" liegt natürlich auch am Blindenstock, denn die falsche Polarisation frisst bis 20dB weg. Das sind Welten.

Nun ist eine "Wunderantenne" aufgetaucht, die zwar vertikal aussieht, aber trotzdem horizontal polarisiert ist - und das noch bei respektablem Gewinn, vergleichbar mit dem einer kleinen Yagi.

Und das beste kommt zum Schluss: Nicht OM Waldheini hat sie entwickelt, samt zugehöriger Esoterik-Physik, sondern der bekannte und renommierte Prof. Dr.-Ing Gerd Janzen DF6SJ.
 Hier kann man dieses Wunder kaufen.
Bald soll es auch eine Ausführung für 70cm ... und noch wichtiger, für 6m geben. Ich bin gespannt wie eine Büroklammer.

Bild: Mikrowellenrelais oberhalb Monte Carlo

PS. "Blindenstock" ist ein Synonym für VHF-Vertikalstrahler. SSB-Verkehr im 2m Band findet im Gegensatz zu FM mit horizontaler Polarisation statt.

Dienstag, 29. November 2016

Druck allein reicht nicht





Zu meinen letzten Blogeinträgen haben mich schon etliche Email erreicht. Es tut mir leid, wenn ich nicht allen detailliertet antworten kann - mir fehlt eine Redaktionsassistentin ;-)

Hier ein ausführlicher Bericht von Thomas DO9TR mit interessanten Ansichten und Einsichten:

Hallo Anton,

als Schweizer besitzt du ja seit Geburt an ein Offiziersmesser, das sieht man auch an deinem neuem MacGyverismn.
Allerdings wird die Eichbehörde da nicht mitspielen. Glaub mir… Mein Tipp: Mit Gaffa-Tape und Kaugummipapier kannst du
dem entgegenwirken! Beachte aber, dass bei Zeigerausschlag das Ding hochgehen kann!

Heute Abend hatten wir, in unseren Räumen in Baunatal, den Tisch voller Tasten. Einfache, teure und welche für ein halbes Vermögen.
Schnell entbrannte eine Diskussion, dessen Fazit ich ebenfalls teile: Der Druck alleine ist kein Indiz für die Einstellung einer Taste und kann
auch nicht als Anhaltspunkt oder Vergleich dienen.
Der Hubweg, der Winkel der Finger oder gar die Position der Taste auf dem Tisch entscheiden. Jede Taste ist anders, genau wie der OM, der sie bedient.
Dicke Finger, sanfter Druck, ein Pressen oder ein Streicheln, jeder bedient die Taste anders.
Unter’m Strich kann jeder gute Telegraphist mit den meisten Tasten gut geben. Es ist nur Gewöhnung und Erfahrung. Man passt sich (zum Teil) der Taste an.
Kontaktabstand und Material sind entscheidende Feinheiten.

Ich selbst besitze eine Begali 60th Anniversary.
Geringer Kontaktabstand und leichter Federdruck, dass das Paddle bei
einem Windzug sich bewegt….. schwer als Anfänger, aber eine interessante Herausforderung.
Was beim Messen herauskam? Meine Grundeinstellung war bei 20 Gramm links und 17 Gramm rechts. Bis auf 7 Gramm kann die Taste reduziert werden, dann hat man die
Schrauben mit den Magneten  in der Hand. Den Restwiderstand erzeugen die Gegenmagneten an den Paddlearmen. Für mich etwas zu geringer Druck.
Bei höherem Tempo wohl auch nicht zufriedenstellend, da der 0-Punkt nicht umgehend erreicht wird. Ein geringer Widerstand sollte schon da sein, sonst bleibt die Taste hängen.
Und auch das ist bei anderen Modellen ganz anders, welche sich auf wenige Gramm ohne Defizite reduzieren lassen. Es gibt deutliche Unterschiede zwischen Feder und Magneten,
alles kaum wahrnehmbare Feinheiten.
Im mittleren zweistelligen Bereich befindet sich meine Taste nun, wenn auch in Zukunft mit einem  viel geringeren Abstand, ganz nach dem Motto: „Der (geringe) Weg ist das Ziel.“.
Und die Moral von der Geschicht‘: Ich hatte zum ersten mal ein Dynamometer in der Hand und  weiß, dass 10 Gramm eigentlich ….nichts sind!

73 de Thomas (DO9TR)
- Funkamateure e. V. -

Sogar von OM die nicht viel mit CW anfangen können erreichen mich interessante Mail. Die folgende ist von Robert DL5FCE

 Ich verfolge seit einigen Tagen das was in Deinem Block zu lesen ist und die Diskussionen im Kreise der Funkamateurein Baunatal. Wenn ich die Artikel so lese, muss ich immer wieder etwas schmunzeln. Jetzt sind wir schon soweit das die Kräfte der einzelnen Paddel gemessen werden und sogar auf beidenSeiten gleich einjustiert werden. Ach ja meine billige ETM Taste hat nur eine Feder für beide Arme, das wurde vor zwei oder drei Jahren noch als no go eingestuft. Warum haben eigentlich
die teuren Tasten 500,-€ aus Italien nur zwei unabhängige Einstellschrauben um jeden Arm einzeln einzustellen.Der Hub erst einmal, gut der ist von der Länge der Arme abhängig oder auch
nicht. Dann gibt es noch die Sensor Tasten, stimmt, das geht gar nicht, die haben weder Hub noch Kraft. Über die Palm Tasten will ich mich nicht äußern, das ist eine Plastikwelt für sich.
Îch, der nix mit CW am Hut hat, kann allerdings eines recht genau beurteilen, in unserer Runde mit OMs die zwischen 60 bis 250 BpM geben und hören können, schwört jeder auf seine
Taste, das ist die Beste. So bin ich der festen Überzeugen, die Einstellungen und Konstruktionen der Tasten sind für jeden OM ganz individuell zu bewerten. Es gibt kaum eine schlechte Taste,
allenfalls eine Bessere, die man haben möchte (wenn es eine Taste gibt, die auch hören kann, dann ist das was für mich :-)). 
Schöne Grüße aus Nordhessen

Aber es gibt auch OM, die drucklosen Tasten den Vorzug geben. Einer davon ist Harry DL2ZBO. Er schreibt:

  Hallo Anton,
Bernd (DK1DU) hat am letzten Montag die Morsegarage mit der "Schnapsnase" mitgebracht. Die Garage macht einen soliden Eindruck. Ich persönlich gebe lieber mit den "normalen" Squeeze- und am liebsten mit Sensortasten. Für den Portabel-Betrieb habe ich auch eine kleine gebaut.
Als Gewicht habe ich kleine Platten mit unterschiedlichen Gewichten. Unter den Tasten ist ein bzw. zwei Neodym-Magnete geklebt. Die Magnete haben eine Haftkraft von ca. 4 kg. Leider sind das Gewicht der Platten und vor allem die Standfüße das größte Problem. Ein Versuch mit verklebten Mousepads unter den Gewichten funktioniert ein wenig besser als die Gummi-Klebefüße. Das ist auch ein Problem der Morsegarage. Das Gewicht ist recht gering und die Standfestigkeit durch die Gummifüße könnte auch besser sein.
Die Sensortasten muss man eigentlich nur streicheln, bei den üblichen Tasten und vor allem den Ein-Hebeltasten haut manch ein Telegrafist schon heftiger dagegen. Da wandert die Taste dann schön über den Stationstisch, wie auch am Montag zu sehen war ;-)

Hier seine Tastenkollektion und das Schema der Elektronik:



Soweit die verschiedenen Berichte. Was die Sensortasten angeht: Das hat was, wie ich bestätigen kann. Bei einer Sensortaste wird der Druck nicht durch die Tastenmechanik, sondern durch den OP definiert. Ich war früher sehr skeptisch diesen vollelektronischen Tasten gegenüber. Seit ich jedoch mit einer "spielen" konnte (Danke Bernd), bin ich davon sehr angetan und kann nur empfehlen, so ein Teil selbst mal auszuprobieren.

Bild: ein Dynamometer aus Frankreich.

Montag, 28. November 2016

Der Strohhalm der Meterlosen

Kaum ist mein Blog über Donna Clara und das Dynamometer erschienen, rumpelt es in den Hirnen der OM. Zumindest bei den Tastfunkern. Die 59er mit ihren Mikrofonen haben dafür vermutlich nur ein Lächeln übrig und die Digitaliker werden sich wohl über den nostalgischen Unsinn wundern, der da vor ihren digitalen Augen veranstaltet wird.

Zum Dynamometer gibt es bereits einen interessanten Workaround wie mir gerade ein Meterloser berichtet. Doch lassen wir ihn selbst zu Wort kommen:

Salut Anton

Hab grad dein Blog gelesen, super! Denn so ist es gut: Der Ingenieur drückt in Zahlen aus, wovon er spricht!

Zur Not kann man auch mit Haushaltmaterial ein Dynamometer bauen. Schon unkalibriert erlaubt es die Feststellung, ob die Kräfte einigermassen symmetrisch eingestellt sind. Wer über eine Grammwaage verfügt, kann seinen Strohhalm damit „kalibrieren“ und kriegt so einen groben Anhaltspunkt von den absoluten Kräften.

73 de Hansjörg




 Die Zwei auf seinem Papierometer würden etwa 20 Gramm entsprechen, teilt mir Hansjörg HB9EWH gerade mit. Das kann natürlich von Trinkhalm zu Trinkhalm variieren, je nach dem ob Aldi, Lidl, Coop oder Migros ;-)

Sonntag, 27. November 2016

Donna Clara und das Dynamometer



Das klingt nach einer Liebesgeschichte, nicht wahr? Doch in Wirklichkeit ist es eine technische Angelegenheit. Zugegeben nicht ganz emotionslos, aber eben doch keine postfaktische Geschichte, um mal einen zurzeit mediengängigen Ausdruck zu missbrauchen.

Die Geschichte begann mit einer Garage, die morste, genau genommen mit diesem Artikel hier. Nachdem ich die Pico Single alias kleine Schnapsnase von Palm Radio ausprobiert und an meinen Freund Bernd zur Observierung geschickt hatte, kam aus Kassel die Meldung, dass die Kleine nur schwer zu ihrer Mitte fand. Die Taste hatte keine eindeutige Ruhestellung.

Diese Nachricht entging nicht dem scharfen Auge von Hannes DL9SCO von Palm Radio. Natürlich wollte er wissen, was da schief lief oder gelaufen war.
Um es kurz zu machen: die Pico Single wurde durch Palm gegen eine aus neuster Produktion ausgetauscht.
Gleichzeitig versprach ich, die Pico Single in Zukunft nicht mehr Schnapsnase sondern Donna Clara zu nennen, sollte die Kleine doch noch beweisen, dass sie ihre exakte Mitte fand. Der Grund für die Namensänderung findet ihr - bei genauem Hinhören - im folgenden Lied:


Max Raabe vom Palast Orchester hat diesen uralten Schinken auf seine unnachahmliche Weise interpretiert:


Dieses Versprechen will ich halten:
Die Donna Clara alias kleine Schnapsnase hat es tatsächlich geschafft, ihre genaue Mitte zu finden, wie mir Bernd DK1DU versichert hat. Ein beruhigendes Resultat, denn Palm ist meines Erachtens - um einen gängigen Ausdruck aus der deutschen Politik zu verwenden - alternativlos.
Wer möchte in Zukunft schon eine der schweren Vollmetall-Tasten durch Feld und Wald oder gar auf Bergeshöhe schleppen? Und die Dinger, die man an einem fixen Platz direkt an die Elecrafts schrauben kann, sind unflexibel und in meinen Augen strunzhässlich. Die Palmen sind nicht nur federleicht und können mit ihren Magneten dort "angeklebt" werden, wo es dem OP passt, sie sind durch ihre Schildkrötentechnik auch optimal während des Transports geschützt. Ein wichtiger Punkt bei einem Präzisions-Instrument.

Doch genug der Reklame für Palm. Denn die Geschichte der Donna Clara ist noch nicht zu ende; es fehlt das Dynamometer.

Viele Telegrafisten bevorzugen nicht nur einen minimalen Kontaktabstand, sondern auch einen möglichst geringen Hebeldruck. Bernd gehört dazu, wie ich weiß, und ich ebenfalls. Der oder die Hebel der Tasten sollen sich so leicht bewegen lassen, dass fast ein Windhauch zu ihrer Betätigung genügen würde.

Doch was bedeutet das in Wirklichkeit, beziehungsweise in Gramm oder Millinewton ausgedrückt?
Ich muss gestehen, ich hatte keine Ahnung. Und ich weiß nicht, wie es anderen Telegrafisten ergeht. Vermutlich stellen viele ihre Tasten einfach nach Gefühl ein, wie ich das bisher auch gemacht habe.

Wie wird das bei einem Hersteller wie Palm Radio gehandhabt? Wie werden die Tasten vor der Auslieferung eingestellt?
Hier die Antwort von Hannes DL9SCO, nachdem er die Taste zum Austausch erhalten hatte:

Guten Abend liebe Freunde der magischen Klopfzeichen,

die PPS von Bernd (Antons Original-Taste) ist mittlerweile wieder bei mit gelandet und ich habe sie analysiert.

Das Dynamometer zeigte folgende Werte an: Rechs ca. 6 Gramm, Links ca. 10 Gramm.

Bei dieser Einstellung zentrierte das Schnapsnäschen in der Tat nicht mehr sauber, die 6 Gramm sind einfach zu wenig.

Normalerweise zentriert die PPS bei ca. 10 Gramm, deswegen legen wir unsere Einstellwerte etwas darüber (15 Gramm).

Damit haben wir etwas "Luft", denn auch hier gibt es eine gewisse Schwankungsbreite.

Bei der großen Schnapsnase sieht es anders aus, diese kann vermutlich ab ca. 5 Gramm sauber zentrieren, wir stellen aber 10 Gramm ein.

Hier nochmal zusammengefasst unsere Werte:

PPS: 15 Gramm

PP: 20 Gramm

PS: 10 Gramm

MP: 20 Gramm

Ich bin am überlegen, ob man nicht generell auch die Pico Tasten PP und PPS auf 20 Gramm einstellen sollte - diesen Wert haben wir vor Jahren bei den MPs festgelegt und damit eigentlich nie etwas Negatives gehört. Die ETM-Tasten waren übrigens früher genauso eingestellt, daran haben wir uns orientiert. Vielleicht kann Bernd seine PPS mal "hochdrehen" auf 20 Gramm und seinen Eindruck berichten.

So, das war's erstmal von hier, allerseits ein schönes Wochenende und mni 73 aus Ulm!

Hannes, DL9SCO
Aha, da taucht es also auf, das mysteriöse Dynamometer. Und zugleich auch die Antwort auf die Frage, was passiert, wenn der Kunde selbst und nach Gefühl an der Taste herumschraubt.

Keine Frage: ich musste auch so ein Dynamometer haben und das bereits vor Weihnachten. Der Zufall wollte es, dass ich auf ein Instrument stieß, das mir wohl bekannt war. Eine Federwaage der Marke Corex von der Firma Haag-Streit in Bern. Damit habe ich einmal in längst vergangenen Zeiten Relais von Telefonzentralen gerichtet.

 

Federwaage, Dynamometer, Gram Dial Gauge, es ist alles dasselbe: ein Instrument, mit dem man kleine Kräfte messen kann, die zum Beispiel auf einen Hebel oder einen Kontakt wirken.

Auch die Corex trat, wie bereits die Palm Pico Single und die Pico-Base aus der Morsegarage, ihre Reise nach Kassel an. Denn dort, bei den Funkamateuren e.V. treffen sich jeden Montag XYL und OM zum Erfahrungsaustausch, zum Messen und Basteln, die Erfahrung mit Tasten haben. Im SOTA-Einsatz unter anderem. Genau das richtige und kritische Gremium um solche Dinge zu erforschen.
Diese Damen und Herren müssen keine Rücksicht nehmen auf Anzeigekunden und Spezis. Da werden keine Fakenews (früher Ente genannt) produziert um wieder ein Wort zu verwenden, dass zurzeit von den Medien wie eine Sau durchs Dorf getrieben wird ;-)

Aber lesen wir einfach mal, was Bernd zu der ganzen Story meinte, nachdem er die Corex erhalten hatte. Seine Erfahrungen decken sich mit den meinen. Hier seine Email dazu:
Liebe Tastendrücker,
das hätte ich nicht gedacht: Meine Tasten habe ich in der Regel knapp und ganz leicht eingestellt. Vom Stationstisch funke ich am liebsten mit Begali Sculpture (Doppelhebel) oder mit HST (Einzelhebel). Knapp und leicht, damit ich ohne Kraft und lange Wege auch bei flotterem Tempo ohne große Anstrengungen durch das QSO komme. Das sei so leicht dachte ich, dass ein Windstoß gleich einen CQ-Ruf auslösen könnte. Zwei bis drei Gramm Tastendruck hatte ich mir vorgestellt. - Weit gefehlt!
Dann habe ich mal gemessen: So zwischen 13 und 18 Gramm! - An allen Tasten. Mindestens. Bei den kleinen Minis und superkleinen Picos von Palm und auch bei den Großen. Da habe ich aber gestaunt. Die Unterschiede zwischen den Tasten waren nicht groß. Wohl aber die Unterschiede zwischen Punkt- und Strichseite. Da, wo es ging hatte ich mir für die Striche überall einen höheren Druck eingestellt. Ist das eine dumme Angewohnheit oder schon Marotte? Mit der Waage jedenfalls habe ich das korrigiert und siehe da, es stellt sich ein neues aber gutes Gefühl beim Geben ein.
(Bei der Bug (Viproplex) ist das anders: auf der Strichseite hat sie 30 und auf der Punktseite 15 Gramm. Klar muss die Punktseite auch mit dem nötigen Schwung genommen werden und weil Impuls= Masse x Beschleunigung ist, gelten bei einer Schlackertaste nicht nur an der Stelle ganz andere Voraussetzungen.)
Taste ist nicht gleich Taste: Paddles haben unterschiedliche Hebel-Geometrie, unterschiedliche Aufhängungen, Lagerungen, Drehachsen und -lager. Das macht für komfortables Geben jeweils unterschiedlichen Hebeldruck und -weg nötig. So kann man schon von daher nicht für alle Tasten einen optimal Druck empfehlen. Auch deshalb nicht, wenn man die Unterschiede möglicher Telegrafistenhände betrachtet.
Die kleine Federwaage ist wirklich eine tolle Sache. Großen Dank an dich lieber Anton. Sie geht geht ab Montag in die Runde. Die Waage. Ich bin schon gespannt und freue mich auf den gemeinsamen Erkennntnisgewinn.
Viele Grüße aus Kassel
(bei Baunatal)
Bernd, DK1DU
Damit ist die Geschichte der Donna Clara und dem Dynamometer zu ende. Endlich wissen wir Bescheid und stochern bei der Einstellung unserer Morsetasten nicht mehr im Nebel. Oft habe ich den Satz gehört:  "Ich muss mal meine Taste neu einstellen, sie tut nicht mehr richtig." Oft habe ich an meinen Tasten rumgeschraubt, weil ich den Eindruck hatte, die Einstellung sei nicht optimal oder die Taste tue nicht so wie sie sollte. Kein Wunder, wenn man nicht weiß, was man tut, wenn man nicht messen kann, was man einstellt. Den Kontaktabstand einzustellen war in der Regel kein Problem: Begali liefert zu seinen Tasten jeweils eine Fühlerlehre (Abstandslehre). Doch beim Tastendruck musste das Gefühl des OP herhalten. So wurden es halt mal links 5 Gramm und rechts 16 oder ähnlich und irgendwie blieb ein Gefühl zurück, irgendetwas stimme da nicht ganz.
Mag sein, dass es Menschen gibt, die mit ihren Fingern Kräfte im Millinewton-Bereich bestimmen können - ich gehöre nicht dazu. Und wie folgender Link beweist, trifft das wohl auch für die meisten anderen Telegrafisten zu:
http://www.morsekey.net/dynamometer.html

Vielen Dank an alle Beteiligten: an die Donna Clara, an Hansjörg HB9DWS, an Hannes DL9SCO, an Bernd DK1DU und an die XYL und OM der Funkamateure e.V.

PS. Also, liebe Tastendrücker und Freunde von Klopfzeichen: wenn euch ein Dynamometer über den Weg läuft: zögert nicht und reißt es euch unter den Nagel. Vorzugsweise mit 30 oder 50 Gramm Vollausschlag.