Freitag, 25. November 2016

Wie testet man eine Dummy Load?


Gestern Abend fragte mich ein Freund in einem CW-QSO, ob ich denn meine neue Dummy Load schon getestet hätte. Erst nach einem Belastungstest mit Vollast könne man sicher sein, dass das Teil auch wirklich funktioniere. Das leuchtete mir zwar ein, doch im Hintergrund meiner Gedanken lauerte immer noch der giftige Staub aus Beryllium Oxyd.
Also ging ich nach dem QSO erst mal runter (mein Shack ist unter dem Dach) um bei einem Glas Tastenöl darüber nachzudenken.
Meine PA habe ich nicht für Dauerbetrieb ausgelegt und ich mochte sie nicht unnötig strapazieren. Außerdem schafft sie mit ihrem 1kVA Trafo keinen CW-Dauerstrich mit 1kW HF.
Aber mein Freund hatte mir nicht nur den Floh mit dem Belastungstest ins Ohr gesetzt, er gab mir auch einen Tipp wie man einen 1kW-Dummy Load belastet, ohne dazu seine PA zu benutzen.
Er ist nämlich ein "Messfreak" und weiß in solchen Sachen Bescheid.
"Häng das Teil doch einfach ans Stromnetz", morste er mir. "50 Hz genügen, du brauchst keine dreieinhalb Millionen Hertz."
"Aber natürlich nur über einen Trenntrafo", morste er hinzu und ich wunderte mich, wieso ich nicht selbst auf diese Idee gekommen war.

Wo sollte ich denn Spätabends noch einen 1kVA Trenntrafo hernehmen, sinnierte ich. Doch das Tastenöl brachte mich zu dem Schluss, dass ich diesen eigentlich gar nicht brauchte. Auch das Beryllium rückte in den Hintergrund. Den Stripline-Widerständen würde es sicher nicht gerade den Hut lüften. Sie waren ja bestens gekühlt.
Also nochmals rauf in den Shack und rasch das Voltmeter in die Dose. Voilà: 234 Volt. Spannung im Quadrat durch 50 Ohm ergibt 1095 Watt. Gerade richtig für die ultimative Prüfung der neuen Dummy.

No risk no fun. Schnell noch ein Blick, ob der Hauskater nicht in der Nähe war und dann bekam die Dummy Saft. Über zwei Laborkabel - der Innenleiter auf Phase. Das Licht im Shack wurde etwas gedimmt, doch die Dummy hielt. Ganze 10 Minuten lang.
"Das reicht", beschloss ich und beendete den Test. In der Aufregung vergaß ich die Temperatur zu messen, wie mir mein Freund eingeschärft hatte. Ich stand einfach da, zählte die Minuten und wartete auf den Knall.

Später, als ich den gelungenen Test mit einem zweiten Glas Tastenöl begoss, philosophierte ich darüber, wieso einige OM so versessen auf den Bau dicker Endstufen sind.
Das Streben nach Power gehört wohl zum männlichen Balzverhalten. Ein Blick auf den Straßenverkehr genügt, um diese Einsicht zu bestätigen. Natürlich betrifft das vor allem junge Männer im "Paarungsalter." Aber vielleicht auch gestandene Männer in ihrer Midlife Crisis, dachte ich.
Könnte es also eine Ausprägung von spätpubertärem Balzverhalten sein, wenn sich OM einen Wettbewerb um die längste dickste Endstufe liefern?
Nach dem dritten Glas Tastenöl verwarf ich den Gedanken wieder. Denn in dieser Theorie fehlte ein entscheidendes Element: die Frau, wie ich aus meiner ausgelebten Midlife Crisis wusste. Frauen kann Mann man mit Endstufen kaum beeindrucken

Und übrigens: Nein ich habe heute morgen keinen Kater und der andere Kater lebt auch noch. Er war während des Tests am Mausen.

    
Film: Glück ist ein wichtiger Bestandteil des Schicksals
Bild: Saft aus der Dose

PS. Zuviel Tastenöl: in einer ersten Version hatte ich für die Leistung eine falsche Formel angegeben. Danke Willi für den Tipp ;-)
  

Donnerstag, 24. November 2016

Eine neue Dummy Load



Im Verlaufe des Lebens gibt es Erlebnisse - ich nenne sie Schlüsselerlebnisse - die man nicht mehr vergisst. Ganz am Anfang meiner Funkerkarriere, ich ging noch zur Schule und hatte noch keine Funklizenz, hatte ich ein solches Erlebnis. Ich erinnere mich daran, als sei es erst gestern gewesen.
Ich hatte gerade ein Transistor-Audion für das 40m Band gebaut und war mächtig stolz darauf. Es funktionierte bestens und ich lauschte damit nächtelang den QSO's der OM. Natürlich nahm ich das Gerät mit, als ich mit meinen Eltern in den Urlaub fuhr.
Der Zufall wollte es, dass ich dort einem Funkamateur begegnete und wir ins Gespräch kamen. Funkamateure waren für mich damals so etwas wie Halbgötter. Voller Begeisterung zeigte ich ihm meinen Empfänger. Wir schraubten den Deckel ab und er nahm die Verdrahtung in Augenschein.
Dann sagte er zu mir: "Das sieht nicht gut aus, die Lötstellen sind schlecht, der Aufbau nicht durchdacht. Das ist kein schönes Gerät."
"Aber es funktioniert", entgegnete ich verdattert.
"Meinetwegen, aber es ist schlecht gemacht."

Gut, dass ich mich damals nicht entmutigen ließ. In der Zwischenzeit habe ich unzählige Geräte gebaut. Besonders schön sahen sie nie aus, aber die meisten funktionierten.

Einige Projekte entpuppten sich aber auch als Desaster. Zum Beispiel die 1kW-Dummy Load für Kurzwelle, die ich mit 200 parallel geschalteten Widerständen aufgebaut hatte. Was für eine Schnapsidee! Vielleicht erinnert ihr euch noch daran, ich habe hier und hier darüber berichtet.

Hätte das Teil funktioniert, hätte mich sein Aussehen nicht gestört. Aber die Dummy war unbrauchbar. Nun habe ich eine neue gebaut. Diesmal mit bloß zwei Widerständen:



Eine Schönheit ist sie immer noch nicht geworden, dafür funktioniert sie jetzt. SWR 1.00 bis 25 MHz und 1.01 bei 30 MHz. Auch auf 50 MHz ist das SWR noch akzeptabel mit 1.06. Doch dort sind eh keine Endstufen erlaubt. Einige HB9er haben das zwar immer noch nicht begriffen. Vielleicht schnallen sie es erst, dass im 6m Band nur 100W erlaubt sind, wenn es an der Haustür klingelt ;-)

Auf 2m ist das Stehwellverhältnis zu hoch (1.4) und ich müsste die Kapazität der beiden Stripline-Widerstände kompensieren oder gar den Aufbau ändern. Doch für VHF und höher ist diese Dummy nicht gedacht.

Und so sieht die Neue bei abgeschraubtem Deckel aus:





Die beiden Stripline-Widerstände sind von Diconex und parallel geschaltet. Ich hätte auch einen einzigen und dafür einen mit mehr Leistung nehmen können. Aber die beiden waren ein Schnäppchen und erfahrungsgemäß ist es besser, die Wärme über eine grössere Fläche zu verteilen.
Damit die entstehende Wärme rasch abgeführt und verteilt wird, sorgt die Kupferplatte. Kupfer leitet die Wärme doppelt so gut wie Aluminium.
Im schlimmsten Fall müssen ja 1kW (max. zugelassene Leistung in HB9) vernichtet werden. Die Dummy Load wird also stärker belastet als der Kühlkörper in der PA! Dem ist mit einer entsprechender Dimensionierung Rechnung zu tragen. Zumal diese Strip-Line-Widerstände nicht ganz ungefährlich sind. Explodieren sie, so kann - wie bei Endstufentransistoren - Beryllium Oxyd freigesetzt werden. Diese Substanz ist sehr giftig, wenn sie als Staub in die Lungen gelangt!

Bild: Ein Elektriker beim Strom abzapfen.





Sonntag, 20. November 2016

Good News: ab 1. Januar funken HB9er im 60m Band



Ab 1. Januar 2017 haben wir in der Schweiz ein neues Band. Die HB9er dürfen dann auf 60m funken, wie die USKA auf ihrer Webseite mitteilt. Und zwar von

5351.5 bis 5366.5 kHz und mit einer maximalen Leistung von 15W EIRP.

60m wird also ein nur 15 kHz breites QRP-Band, wie an der letzten Radiokonferenz beschlossen. Und wie die Schweizer Behörden so sind, halten sie sich strikte an das Protokoll. Die Holländer und andere sehen das etwas lockerer.
Also nix mit dicken PA's und so. Im Gegenteil: die Leistung des 100W Transceivers muss heruntergeregelt werden.
Wie die Einhaltung dieser 15W EIRP allerdings kontrolliert werden soll, ist mir ein Rätsel. Was mich betrifft: Ich werde einfach mal EZNEC anwerfen und ausrechnen, mit welcher Leistung ich meine Antenne speisen darf. Genauso habe ich es auch für Lang- und Mittelwelle gemacht.
Messen kann ich das EIRP nämlich nicht.

Um einen Anhaltspunkt zu geben: ein Dipol für das 60m Band, 8 Meter über Boden mittlerer Leitfähigkeit. hat in seiner Hauptstrahlrichtung (das ist senkrecht nach oben) ca. 6dBi. Das würde eine maximale Sendeleistung von 3.75W bedeuten. Ein FT-817 mit 5W ist also schon hart am Limit, auch wenn man freundlicherweise noch etwas Zusatzverluste annimmt (Kabel, Tuner etc.)!
Das mit den 2.15dB, die ein Dipol gegenüber einem Kugelstrahler gewinnt, gilt nur im freien Raum.

Ob das BAKOM kontrollieren wird, weiß ich nicht. Sicher werden sie die Messmittel dazu haben und heute braucht es für solche Messungen nicht mehr einen Heli - man kann Drohnen einsetzen. Ich vermute, dass man ein Exempel statuieren wird, sollte jemand krass übertreiben. Dann ist Ruhe im Karton. Genauso wie man es mit den Baofeng-Importen gemacht hat. Ein teurer Schreckschuss genügt ;-)

Natürlich gibt es bereits einen Bandplan für diese 15 kHz, und der sieht folgendermaßen aus:

CW und Schmalband-Digital: 5351.5 - 5354 kHz. Meines Erachtens eine Schnapsidee. Erstens: CW und digitale Betriebsarten vertragen sich schlecht. Zweitens ist das viel zuwenig, in Anbetracht dessen, dass nur QRP gemacht werden darf.

SSB: 5354 - 5366 kHz. Da passen mit Ach und Krach maximal 4 QSO's rein. Kein Wunder wird für das 60m Band geraten:

Lokale Netze wie lange Plauder-Runden sollten das neue Band nicht nutzen, sondern das 80m Band oder das 40m Band verwenden!

Also ein Band für 59-QSO's? Gescheiter wäre es gewesen, wie beim 30m Band SSB zu streichen und das Band ausschließlich für Digital und CW aufzuteilen. Gesendet soll übrigens in USB werden. Keine Ahnung wieso. Weil die Kommerziellen dort auch USB fahren?

Das ganze scheint mir wenig ausgegoren. Da waren wohl "Schreibtischamateure" am Werk.

Die letzten 500 Hz sollen dann für digitale Betriebsarten mit "schwächsten Signalen" reserviert sein. Also JST-65, WSPR und Konsorten.

Doch kommen wir zum praktischen Teil: Wie wird man auf 60m QRV?

Wer einen Antennentuner hat, wird seinen Draht irgendwie "zurechtbiegen" können. Am besten sind die dran, die einen Dipol mit Hühnerleiter-Speisung und Tuner, oder eine Vertikal oder Inverted L mit automatischem Antennentuner benutzen. 
Da müssen dann nur noch ein paar winzige SMD-Dioden im Transceiver aus- oder umgelötet werden und schon kann es losgehen. Ich erwarte eine tolle Neujahrsparty am 1.1.2017 auf dem neuen Band, die dann langsam abklingen wird. Bleiben werden Ende Jahr wohl nur ein paar Hardcore-Funker. Siehe 472 kHz.

Dabei ist 60m ein tolles Band. Gerade in den nächsten Jahren, wo sich der laufende Sonnenzyklus seinem Minimum nähern wird. 40m wird dann oft eine ausgeprägte tote Zone zeigen und da kann 60m ein guter Kompromiss zwischen 40 und 80m sein. Auf das Notfunk-NVIS-Argument verzichte ich jetzt. Notfunk ist zurzeit nicht mehr groß en vogue.  

Bild: Zeit für den Sonntagnachmittag-Tee


Dienstag, 15. November 2016

Eine Garage die morst

Kaum hatte ich die kleine Schnapsnase von Palm auf dem Tisch, brachte mir die Briefträgerin ein weiteres "Morse-Paket". Sein Inhalt: Eine Pico-Base aus Fred's Morsegarage. Ein schweres und edles Teil, in das sowohl die einarmige wie auch die zweiarmige Zwergentaste von Palm passt.



Ich weiß, Fred hat keine Freude daran, dass ich seine Pico-Base umbenamst habe: aber ich fand den Namen Morsegarage treffender. Lieber Fred, sei doch froh, dass ich sie nicht Morseständer genannt habe ;-)

Man fährt also die kleine Schnapsnase oder den kleinen Zweihebler von Palm in die Garage und er sitzt dort wie angegossen. Die Taste in der Garage steht dann wie mit angezogener Handbremse auf dem Stationstisch und rührt sich nicht mehr vom Fleck. Das ist das Verdienst der drei Füsse, die in Versenkungen stecken. Drei scheint zwar etwas minimalistisch - gewisse französische Autobauer meinten auch eine Zeitlang, drei Schrauben seien genügend, um ein Rad zu befestigen - doch bei der Morsegarage ist wohl nicht die Materialeinsparung der ausschlaggebende Grund: Auf unebenen Flächen findet eben nur das Dreibein eine stabile Lage.


Wie oft habe ich mich schon darüber aufgeregt, dass Kunststoff-Füsse rutschen oder gar abfallen. Das wird bei Fred's Pico-Base sicher nicht passieren. Die Idee mit den Vertiefungen für die Füsse ist genial einfach und die gewählten Füsse gehören zu den besten, die ich bisher auf dem Stationstisch hatte. Sie sind sehr rutschfest.

Als Falschmorser bin ich natürlich keine richtige Referenz was Tasten und ihre Garagen angeht. Darum habe ich das Duo kurzerhand auf die Reise geschickt: zu meinen Freunden in Kassel. Als Schweizer weiß man ja: unsere nördlichen Nachbarn meckern immer und über alles. Und am schlimmsten sind dabei die Lehrer. Wer könnte also besser geeignet sein, das Duo unter die Lupe zu nehmen?

Lange musste ich nicht auf einen Bericht warten, der kam postwendend.
Mit der Garage, pardon, der Pico Base war man sehr zufrieden. Doch bei der kleinen Schnapsnase wurde leise Kritik laut. Hier kommt, was oben nicht im Text steht. Bernd, DK1DU meint dazu:
heute brachte unsere Briefträgerin eine Morsegarage. Tolles Teil. Die Garage.
Und sie verstehen sich gut. Die Picos und die Garage. Passt alles gut und genau. Das Ding ist schwer und steht gut auf dem Tisch. Allerdings verschwinden die kleinen Mängel der kleinen Tasten damit nicht. Die Pico mit den Doppelhebeln ist ein bisschen wackelig in sich und bleibt es auch. Und die Schnapsnase hat wirklich Probleme, ihre Körpermitte zu finden. So richtig kann ich mich daran nicht gewöhnen. Die Finger irren ein bisschen in der Gegend rum und suchen die Kontakte. So ab 35 WpM wird es anstrengend. - Und wenn jemand mit etwas mehr Schwung zu Werke geht, dann reißt er auch die Garage mit um. Dann ist sie zu klein.
Also für die Idee und die liebevolle Ausführung für Pico mit Garage ein Sehr Gut.
Handhabung, Betriebssicherheit und Feeling beim (normalen) Morsen: Gut.
Brauchbarkeit für flottes CW oberhalb von 35 WpM: nur Schwach Befriedigend.
Das Problem der kleinen Schnapsnase mit der eigenen Körpermitte ist mir auch aufgefallen. Sie hat zwei Mittelpunkte, je nachdem ob man gerade einen Punkt oder einen Strich gegeben hat. Ich habe versucht, dies durch eine Änderung der Einstellung zu verbessern, aber es ist mir nicht ganz gelungen. Schließlich habe ich es auf meine Unfähigkeit und den zuvor genossenen Primitivo geschoben und deshalb in meinem Bericht nicht erwähnt.


Wer sich für die Zwerge von Palm als Portabeltasten entscheidet und diese auch zuhause nutzen möchte, der ist mit der Pico-Base, wie sie Fred nennt, sehr gut bedient. Die Taste mit der anderen Hand zu halten oder aufs Transceivergehäuse zu kleben, mag ja draußen im Feld ok sein, für zuhause ist solches Funken aber zumindest unbequem.

Vielen Dank lieber Fred, für die Morsegarage Pico-Base. 
Hier geht's zu Fred's richtiger Garage. In seiner Werkstatt kümmert er sich übrigens um alle Tastenmarken.
   

Montag, 14. November 2016

Herbstperlen



Bevor der Winter endgültig Einzug hält, will ich noch die Perlen loswerden, die sich diesen Herbst angesammelt haben. Es ist für alle etwas dabei in dieser Schatztruhe - von Kurz- bis Mikrowelle. Wühlen wir doch einmal darin:

Rob's Web ist eine Fundgrube für interessante Artikel aus allen möglichen älteren Funk-Zeitschriften - auch solchen, die schon längst nicht mehr existieren - und viele davon sogar in Deutsch. Hier kann man auf längst vergessene Funkperlen stoßen, die sonst im Web nur schwer oder gar nicht mehr zu finden sind. Eine Seite für ein stürmisches November-Wochenende am Kaminfeuer.

Es gibt sie doch, die echten Wunderantennen. Zum Beispiel die Vivaldi-Antenne, ein extrem breitbandiger Richtstrahler für VHF bis Mikrowelle. Sie wurde von Peter J. Gibson, einem britischen Ingenieur 1979 erfunden und wird insbesondere als Gruppenantenne in der elektronischen Kriegsführung eingesetzt. Vivaldi-Antennen werden aber auch auf Ebay angeboten und sind im Mikrowellengebiet eine interessante Alternative zu Hornstrahler.

Einen kleinen Überblick über die Mikrowellen-Antennen findet man übrigens bei DJ6IY Unter anderem auch ein Diagramm, welches den Gewinn von Parabolantennen in Abhängigkeit von Größe und Frequenz zeigt.

Eine interessante "Mikrowellen-Quelle" und Schatzkiste ist auch die Seite von WA1MBA.

Wer sich für die Theorie der Wellenleitung in Hohlleitern interessiert, der wird bei dieser ausgezeichneten Powerpoint Präsentation fündig.

Auch wer nicht Französisch versteht, für den ist u.U. die Seite von F4BUC interessant. Geht es hier doch um die Speisung von Parabolspiegeln mit Hornstrahlern.
F6EVT liefert zu Hornstrahlern hier die Berechnungen für den Eigenbau.

Bevor wir die Mikrowellen verlassen, noch etwas für die OM, die genau wissen wollen, wie das mit dem Rainscatter funktioniert.


Auf Kurzwelle braucht man in der Regel keine Hornstrahler, dafür ein immer wieder heiß diskutiertes Element: einen Balun. DL4ZAO erklärt warum und wie.

Vielfach braucht der OM zum Balun noch eine so genannte Hühnerleiter. Ueli erklärt uns hier, wie man die selbst bauen und was man alles als Spreizer verwenden kann.

Erinnert ihr euch noch an den "Wettbewerb" unter den Endstufen-Spezis? Alles kalter Kaffee von gestern. Die Entwicklung der LDMOS ist nicht stillgestanden. Wer heute eine dicke Bertha baut, greift anstelle des ollen BLF188XR zum neusten Produkt von Freescale, dem MRF1K50H. Der macht 1.5kW von 1.8 bis 500 MHz. Aber Achtung: die maximale Gate-Source-Spannung, ein häufiger Grund für explodierende Transistoren in Funkbuden, ist immer noch empfindlich niedrig.

Aber jetzt gehen wir so richtig in die Bastelecke. Insbesondere der seefahrende OM könnte hier Ansporn finden, seinen Lötkolben wieder einmal anzuheizen.

Wem auf Schiffen schlecht wird wie mir, kann sich mit diesem riesigen Angebot an Perlen trösten. Von Kurz- bis Mikrowellen ist bei N5DUX für jeden etwas dabei.

Das wär's fast für heute. Uff, ich bin froh, dass ich meine Liste abgearbeitet habe ;-)

Einen Link habe ich aber noch. Kürzlich suchte ich verzweifelt nach Millimeterpapier - doppelt logarithmisch - doch für zwei, drei Blätter einen ganzen Block bestellen, das war mir doch zu teuer. Es gibst zum Glück einen Ausweg: wer einen Drucker hat, kann sich jede Sorte Papier selbst fabrizieren. Gratis!


OT. Compressorhead, eine Roboterband.

Bild1: Hornstrahler mit Regenschutz (Boden einer PET-Flasche)
Bild2: Was übrig bleibt, wenn alle gegangen sind.







Samstag, 5. November 2016

Palm schrumpft die Schnapsnase



Unverhofft kommt oft. Die Surplusparty in Zofingen hatte ihre Nachwirkungen. Am Montag sah ich plötzlich Blitze und Wolken vor meinem linken Auge vorbeiziehen, während das rechte noch schönes Wetter zeigte. Das führte dann zu einem Rendezvous mit einer netten Berliner Augenärztin in Bern und einer Bekanntschaft mit ihrem Laser.
Am Dienstag - ich hatte mich gerade zur Erholung aufs Ohr gelegt - tauchte dann ein netter junger Herr in einem offenen Sportwagen auf, und brachte mir ein kleines Päckchen und eine CD mit Musik von Pink Floyd. Das Erste zum Testen, das Zweite zum Hören.
Das traf sich gut, hatte mir die Ärztin doch vom Lesen abgeraten. Da bleibt einem dann nur noch das Hören...und natürlich das Morsen.

Doch lassen wir die Katze aus dem Sack: Im Päckchen befand sich eine geschrumpfte Schnapsnase:
Die Pico Single von Palm. Oben im Bild neben der "normalen" Palm Single.

Ich benutze ja schon seit einiger Zeit eine Palm Single, vorzugsweise in den Ferien. Wegen ihres roten Paddels nenne ich sie "Schnapsnase", und nicht etwa weil ich es schätze, beim Chatten mit der Taste ein gutes Glas dabei zu haben.  

Wie ihr wisst, bin ich nicht nur fleißiger Falschmorser, sondern auch Single-Morser. Denn ich finde, dass man mit einem Paddle nur halb so viele Fehler macht wie mit zwei. Und das "Squeezen" hat mich immer etwas irritiert und aus dem Takt gebracht. Kurz: ich bevorzuge einarmige Banditen.

Schon die große Schnapsnase ist eine Femme Fatale. Nicht leicht im Umgang, aber ein Mann kann ihr total verfallen. Die Kleine ist noch eine Stufe diffiziler. Sie lässt sich zwar ebenso gut entkleiden wie die Große, doch man braucht eine feine Hand um sie richtig einzustellen. Eine Viertelumdrehung zuviel an einer ihren winzigen Inbusschrauben, und schon hinkt sie.
Bereits die große Schnapsnase hatte diese Eigenart. Einige Male habe ich versucht, sie so scharf einzustellen wie eine Heavy Metal Taste von Begali oder N3ZN, was sie immer mit irgendwelchen Zicken quittierte. Zum Beispiel einem Nachschwingen bei bestimmten Zeichen.

Da ich aber inzwischen etwas Erfahrung mit Schnapsnasen und Primadonnen habe, bekam ich die Pico Single rasch in den Griff. Nachdem sie wieder in ihrem schützenden Gehäuse versorgt war, konnte es endlich ans Morsen gehen. Keine Buchstaben/Zahlen-Gruppen vom Blatt und keine 59er QSO's, sondern Freestyle Chat.

Inzwischen hat die Kleine bereits mehrere Stunden CW auf dem Buckel und morst immer noch wie eine Große - zuverlässig auch bei hohen Tempi. Na ja, das ist relativ: mehr als 40 WpM schaffe ich nicht, und auch das nur mit Ach und Krach. Die Profis unter euch haben dafür sicher nur ein müdes Lächeln übrig.

Die Pico-Palm ist, wie die Palm Single, eine weiche Taste. Nicht zu vergleichen mit den großen, schweren Vollmetall-Tasten. Die Masse, die die Finger bewegen müssen, ist vernachlässigbar klein und verhilft zu einer Leichtigkeit des LGebens, wie man sie nur bei Palm finden kann.

Aber Vorsicht: Für Slapper ist die Pico Single nichts. Ein Slapper ist einer, der die Taste mit seinen Fingern ohrfeigt. Hier die verschiedenen Typen von Operateuren:

  

 Also eher was für Nibbler und Tea Drinker. Mit groben Bewegungen darf man ihr nicht kommen. Im Extremfall trifft dann der OP nicht einmal ihre feine Nase. Ideale Berufsgattungen für die Pico Single wären vermutlich Uhrmacher oder Chirurg. Letzterer aber ohne Knochensäge.

Sowohl die Palm Single wie auch die Pico sind ideale Tasten für den portablen Funkbetrieb. Sie passen gut zu einem KX3, KX2 oder einem FT-817. Im Notfall sogar zu einem Chinesen.
Wer schleppt schon eine 2 kg Taste mit auf den Berg, die halb so groß ist wie der Transceiver?
Zudem kennen alle Palm den Schildkröten-Trick: Sie lassen sich zum Transport in ihr Gehäuse schieben und sind so perfekt geschützt.

Ein interessantes Detail bei der Pico ist der 2.5mm Klinkenstecker, der neben der offenen Taste im nächsten Bild zu sehen ist. Er passt hinten in die Taste! Auf der anderen Seite des Kabels befindet sich übrigens eine der üblichen 3.5mm Klinken. Ein gewaltiger Fortschritt nach dem klumsigen Spezialstecker bei der großen Single und ein echtes Meisterstück, den in die winzige Taste zu integrieren.

Welche von beiden Singles ich wählen würde, wenn ich mir eine entsprechende Ausrüstung zusammenstellen müsste, kann ich zurzeit nicht sagen. Ich komme mit beiden gut zurecht. Aber ich denke, dass sich mit der Zeit eine Favoritin herauskristallisieren wird.

Grobmotorikern würde ich aber eher zu der großen Schnapsnase raten. Ebenfalls OM mit Wurstfingern großen Händen.

Wie sagt man so schön beim Morsen unter Schnapsnasen: "der letzte Tropfen geht in die Taste"






Vielen Dank lieber Hansjörg, HB9DWS, für die Schnapsnase!

Dienstag, 1. November 2016

Vom Surplus zur Party





Nach Zofingen ist vor Zofingen. Die Surplusparty ist vorbei und die OM spielen mit ihrem neuen alten Schrott. Es ist nicht schwer zu prophezeien, dass ein Teil davon nächstes Jahr wieder auftauchen wird.
Auch dieses Jahr fing es an wie immer: Seltsame Gestalten froren in einer langen Schlange vor der verschlossenen Tür. Wieso ist mir ein Rätsel - die Tische rennen ja nicht davon.
Da gingen Andy HB3YAF und ich doch lieber zuerst Kaffee trinken und warteten, bis sich die Schlange aus Menschen und Altmaterial aufgelöst hatte. Zeit um sich einzurichten, hatte man eh genug.
Da  ich im Laufe meines Alterungsprozesses eine gesunde Faulheit entwickelt habe, verzichtete ich dieses Mal darauf, meine Ware anzuschreiben und Andy tat es mir gleich. Wir setzten lieber auf aktives Verkaufen und verkaufsfördernde Maßnahmen, wie das Ausschenken von "Mirabellentee" und die Abgabe von Gratismikrofonen, sogenannten 59ern.

Natürlich waren wieder die Italiener die ersten und fragten nach dem letzten Preis. Was bewies, dass wir mit dem Nichtanschreiben richtig lagen. Ich werde bis zum nächsten Mal noch etwas an meinem Italienisch arbeiten müssen, vielleicht lassen sich dann die Erstverkäufe etwas steigern.

Als weitere verkaufsfördernde Maßnahme hatten wir eine Soundbox in Betrieb, die das "Affenhirn" in CW abspielte. Leider traf dies den wunden Punkt eines benachbarten Verkäufers, der sofort lautstark und mit groben Worten zu lamentieren anfing. Nicht gerade die charmante Art, sein Missfallen kundzutun. Ein Morsophobiker.

Das Gegenteil hatte sich auf unserer Rückseite eingerichtet: die Morsophilen.
Die High Speeder veranstaltete sogar einen Wettbewerb, bei dem man Preise gewinnen konnte. Sofern man möglichst schnell und fehlerfrei einen Buchstabenzahlensalat von einem Blatt abmorsen konnte.
Hier gehts übrigen zum HTC, dem Helvetia Telegraphy Club.

Ich bewundere die XYL, YL und OM, die dazu in der Lage sind. Als typischer Falschmorser ist mir das leider unmöglich. Darum verfolge ich zwar interessiert das Geschehen um die Morsewettbewerbe, könnte aber nie selbst an einem teilnehmen.
Mein Morseding ist Freestyle: Chatten auf 80 oder 2m, mit moderaten 150BpM und alles andere als fehlerfrei. Das menschliche Gehirn besitzt glücklicherweise in den meisten Fällen eine automatische Fehlerkorrektur.

Von unserem "hochwertigen Material" wieder nach Hause genommen, haben wir nicht viel. Die verkaufsfördernden Maßnahmen haben sich bewährt. Nach dem Genuss von "Mirabellentee" gestaltet sich das Verkaufsgespräch nämlich viel einfacher. Goodies wie Selbstgebackenes sind zwar auch gut, doch nichts hilft besser verkaufen wie ein Schluck Feuerwasser.

Viele Käufer lieben es, wenn sie in einer Kiste wühlen können. Hier darf man als Verkäufer ein wichtiges Signal nicht übersehen: Nimmt  jemand einen Gegenstand in die Hände, hat er zum Objekt seines Interesses Kontakt hergestellt und ist somit ein potentieller Kunde.
Der Verkäufer muss dann sofort ein Verkaufsgespräch beginnen. Es geht um Sekunden. Augenkontakt herstellen, Vorzüge herausstellen, Mengenrabatt anbieten und wie auf dem Hamburger Fischmarkt zusätzliche Ware als Bonus draufpacken. Package Deal nennt man das.
Auch Vorführungen können eine positive Wirkung haben. Je ungewöhnlicher und spektakulärer umso besser.
Wichtig zu wissen: die meisten Menschen sind bereit, Dinge zu kaufen, die sie gar nicht brauchen.
So kann es passieren, dass ein Eskimo einen Kühlschrank ersteht, oder ein Morsophobiker eine Taste.

Apropos in der Kiste wühlen. In den vergangenen Jahren ist eine neue Kategorie von Kunden aufgetaucht: Sie wühlen intensiv in einer Kiste mit Kleinmaterial und gehen anschließend mit geballter Faust von dannen. Normalerweise wandern Menschen ja nicht mit geballter Faust umher, es sei denn, es handle sich um Wutbürger. Daher verschwindet die Faust zwei Stände weiter meist in der Hosentasche. Der Verkäufer nennt diese Erscheinung Schwund. Das kommt von Verschwinden und ist ein natürlicher Effekt, der fast alle Materialen auf ihrem Weg von der Herstellung bis zum Schrottplatz betrifft.

Aber es gibt neuerdings auch Kunden, die wollen zuviel bezahlen. Nein, keine Deutschen oder Italiener. Die wollen in der Regel gar nichts bezahlen. Geiz ist geil.
Ich mache diese wohlwollenden Kundn dann jeweils höflich darauf aufmerksam, dass die Hälfte auch reicht.
Ich denke, dass das an meiner Suggestivfrage liegen könnte, mit der ich jeweils ein Verkaufsgespräche einleite: "Was ist dir dieses Teil Wert?"

Die besten Schnäppchen macht man kurz vor Schluss. Das war bei mir auch diesmal nicht anders. Die Preise fallen ins Bodenlose, einiges wird verschenkt.

Als Käufer bewährt sich die eindringliche Frage, ob man die Ware wirklich nochmals für ein Jahr im Keller lagern möchte. So bin ich zum Schluss auch noch zu meinem Schnäppchen gekommen. Einem dreißig Jahre alten TS-811E, den ich nun als 10 GHz Basis verwenden werde. Vielen Dank für das tolle Gerät.

Bild: Hugo-Mobil

PS. Vielen Dank auch an die Organisatoren, die wiederum großartige Arbeit geleistet haben. Bis zum nächsten Jahr!