Freitag, 22. Juni 2018

HamNet: zuwenig Fleisch am Knochen.



Das Hamnet soll ein Internet für Funkamateure sein, so lautet die Botschaft.
Allein mir fehlt der Glaube. Lange habe ich im Web herumgestöbert und wurde dabei doch nur konfus. Vielleicht liegt es daran, dass es mir noch keiner richtig erklärt hat oder ich einfach zu dumm bin, dieses "Wunderkind" zu begreifen.
Und so trage ich nach wie vor die Frage mit mir herum: Was kann das Hamnet, was mein Internet nicht kann?
Wo liegt das Geheimnis verborgen?

Ich lese auf den Seiten von Hamnet-Aktivisten z.B. von Web-Foren, Mailbox-Webaccess, von DX-Clustern, von eigenen Webseiten, Web-SDR, fernbedienten Stationen, Videostreams und Web-Cams, von Chat und Videokonferenzen, Clouds und FTP Server, von Wetterstationen, Suchmaschinen und Internet-Telefonie.
Doch das alles habe ich auf meinem "gewöhnlichen" Internet auch. Zumindest hier ist ja das Internet kein "Neuland" mehr.

Auch der Notfunk wird als Argument bemüht. Wenn das Internet wegen großflächigem Stromausfall in die Knie geht, soll das Hamnet weiter funktionieren. Trotz Tunnelverbindungen zwischen Knoten und trotz Zugang von OM Waldheini via normalem Internet zum Hamnet, mangels Sichtverbindung im 5 GHz Band?
Ich glaub' mich laust ein Affe!

Ist doch gerade dieser Zugang über den Aether die eigentliche Knacknuss.
Schon bei uns auf dem Land trifft sich Hinz und Kunz mit seinem Elektronikschrott im 5 GHz Band, weil das 2.4 GHz Band am Anschlag ist. Der Frequenzhunger immer neuer Short Range Devices ist enorm und das Wachstum im Mikrowellenbereich ungebremst.
Und in diesem Umfeld will der Hamnet-OM nun kilometerweit quer durch die Stadt seinen Zugang einrichten. Mit hoher Bandbreite, da High Speed, versteht sich. Denn auch das ist einer der Punkte auf der Argumentationsliste: das Hamnet soll möglichst schneller sein als das Internet.

Kein Zweifel: die Errichtung eines Hamnets ist für Netzwerk- und Internet-Spezialisten eine Traum-Aufgabe und ein wunderbares Experimentierfeld. Das ist sicher im Sinne des Amateurfunks.
Aber es wird wohl so sein wie überall: läuft es einmal, ist der Ofen aus und es ist für die Pioniere nicht mehr spannend. Für diese ist es solange interessant wie es nicht läuft. Einmal in Betrieb, kommt dann meistens eine andere Kaste zum Zug: die Verwalter springen in die Bresche - gute Organisatoren aber in der Regel nicht besonders innovativ.

Für die meisten OM wie Du und Ich ist das Hamnet uninteressant. Es hat zu wenig Fleisch am Knochen. Und für den Appliance OM ist es sowieso mit zuviel Mühsam verbunden. Auch wenn er die Hardware für wenig Geld erstehen kann.

Meines Erachtens besitzt das Hamnet kein Alleinstellungsmerkmal, das ihm zum Durchbruch verhelfen könnte. Wirklich neue Anwendingen kann ich keine entdecken. Es steht auch keine innovative Technologie dahinter, und es ist weit davon entfernt einen disruptiven Technologiesprung zu initialisieren. Basiert es doch auf 08/15 Komponenten.

Hier noch ein interessanter und aktualisierter Erfahrungsbericht von DF9OM 

Bild: Besuch aus dem Süden. Ein Schwärmer (Taubenschwanz) delektiert sich am Nektar der Nelken.
Die Tierchen werden wegen ihres Schwirrfluges und der wie Knopfaugen aussehenden Komplexaugen manchmal für Kolibris gehalten.



Keine Kommentare: