Samstag, 22. Oktober 2016

Zofingen steht vor der Tür



Zwar habe ich jedes Jahr den Eindruck, ich hätte nichts mehr zu verkaufen und alles was ich entbehren könne, sei schon weg. Doch wenn ich dann in den Keller gehe, ändere ich jeweils meine Meinung. So auch diesen Herbst.
Ich werde also auch an dieser Surplus Party dabei sein. Und ich freue mich auf die interessanten Gespräche mit alten Bekannten.
Eigentlich ist das Verkaufen Nebensache. Mir reicht es, wenn ich die Tischmiete rausschlagen kann.

Dieses Jahr wird es wohl eine Geräteschwemme geben und ich denke, dass die Preise fallen, wie die Blätter der Bäume Ende Oktober. Der alte Schotter, der auf Ricardo angeboten wird, ist dafür ein sicheres Vorzeichen.

Es ist ja nur logisch: Die Anzahl Funkamateure bleibt mehr oder weniger konstant und doch werden immer wieder neue Geräte gekauft. Fortgeworfen wird erfahrungsgemäß kaum etwas. Das heißt: Die Anzahl Geräte im "Pool" wird immer grösser - bei gleich vielen Teilnehmern.

Der "Volkstransceiver" IC-7300 dürfte den Vorgang nochmals beschleunigt haben. Inzwischen hat sich doch fast jeder dieses Teil zugelegt. Ich rechne daher mit Schnäppchenpreisen für alte Kisten.

Funkgeräte habe ich zwar dieses Jahr nicht im Angebot, dafür andere nützliche Kleinigkeiten. Stecker, Kabel, Koax-Adapter und viele fast neue Fachbücher, Netzgeräte, eine Wellbrook-Antenne, ein paar Fischruten, Messgeräte, ja, sogar ein kleines Teleskop ist dabei. Für die Lichtfunker. Daneben ein paar Morsetasten, 200 Ohm Hühnerleiter und ein paar spezielle Funkperlen.

Wie immer werden wohl die Italiener als Erste kommen und nach dem "letzten Preis" fragen. Noch vor der Saalöffnung für die große Masse. Der Trick ist einfach: Man mietet sich einen Meter Tisch für 18 Stutz und hat damit als Verkäufer eine Stunde früher Zutritt und räumt dann die vermeintlichen Schnäppchen ab. Unsere Nachbarn aus dem großen Kanton scheinen den Dreh auch schon raus zu haben. Zurück bleiben dann 1m-Tischleichen.

"Quanta costa? Combien ça coûte?"
"Ventidue.
"Was sein letzter Preis?"
"Twenty-two."
"But, what is your last price?"

Ich mache es dieses Jahr anders: ich breite meine Waren erst aus, wenn der letzte der Ersten nach dem letzten Preis gefragt hat.

Nach den Ersten kommt dann die große Masse: Alte Männer der Gebissgeneration, einige tragen als Rangabzeichen Krawatten. Es riecht nach Pitralon. Die Gewänder sind oft so alt, dass sie nächstens wohl wieder Mode werden. Vielleicht ist das ein Grund, wieso manche wenig gesprächig sind. Einige bringen es sogar fertig, Waren zu kaufen, ohne ein Wort zu sprechen. Sie nehmen einen Stecker vom Tisch und halten dir das Teil unter die Nase. Oder sie stecken es gleich in den Sack und halten dir dafür einen Fünfliber unter die Nase.

Einige, die sprechen können, fragen nach dem Preis und dann entstehen interessante Dialoge:

"Was kostet das?"
"Zwei Franken"
"Das ist mir zuviel", antwortet der Kunde und legt das Teil wieder auf den Tisch.
"Dann gebe ich es dir zum absoluten Schäppchenpreis - zu einem Franken."
"Das ist mir auch zu teuer."
"Wieviel würdest du denn dafür bezahlen?"
"Keine Ahnung."
"Weisst du was, ich schenke es dir", sage ich, wohlwissend, dass ich das Ding anschließend in den Schrottcontainer werfen werde.
"Ich möchte es gleichwohl nicht", sagt der Nicht-Kunde und verschwindet in der Menge.

Na ja, ist immer noch besser als die Vielschwätzer, die glauben, mir ihre ganze Lebensgeschichte erzählen zu müssen oder über Wunderantennen schwadronieren und dabei eine halbe Stunde meinen Tisch blockieren.

Am liebsten habe ich die Wiederkehrer. Man könnte eine Uhr nach ihnen richten: alle halbe Stunde kommen sie vorbei und betrachten das Objekt ihrer Begierde. Spätestens beim dritten Mal muss man sie ansprechen.

"Bist du daran interessiert? Möchtest du das kaufen? Blablabla."

Meistens hat man dann einen Deal. Nur selten wendet sich der Wiederkehrer ab und verschwindet auf Nimmerwiedersehen.

Am Schluss bleiben die Ladenhüter. Die Menge hat sich gelichtet, viele sind beim Bier in der Surplus-Beiz. Nur einige Spätzünder wandeln noch umher. Am besten man wirft jetzt alles, was man nicht wieder ein Jahr lang einlagern will, in eine große Kiste und schreibt daran: "GRATIS!"

Doch oft hilft auch das nicht. Die Kiste wird nur kurz mit einem argwöhnischen Blick gestreift. Schweizer trauen sich sowieso nicht, zuzugreifen. Die Kollegen aus dem großen Kanton haben da weniger Hemmungen.

Aber auch da hilft ein Trick: Man lässt die Kiste stehen und geht ein Bier trinken oder zwei. Wenn man zurückkommt ist die Kiste leer :-)


1 Kommentar:

Robert Steiner hat gesagt…

Für alle OM's die zu 2t ein Meter Stand kaufen, damit sie 2 Parkkarten bekommen und früher "shopen" gehen können, sollte man einen early bird Zuschlagen von 10 Stutz pro Artikel drauf schlagen.