Sonntag, 5. November 2017
Leben und Sterben eines QCX
Endlich war er da, der Kit von Hans Summers neuem QRP-Transceiver. Direkt von Japan aus verschickt und gut verpackt in einem kleinen Paket. Ich habe hier bereits über dieses Wunderding berichtet: eine kleine, Eier legende Wollmilchsau.
Rasch war das Inventar gemacht: es fehlte kein einziges Bauteil. Dann ging es direkt ans Löten. Dazu habe ich mir das Handbuch in Deutsch heruntergeladen. Ganze 138 Seiten, akribisch von Peter DL6DSA übersetzt.
Mit dieser Anleitung, die an die legendären Heathkit-Bausätze erinnert, kann man eigentlich nichts falsch machen. Jeder Schritt ist bis ins letzte Detail beschrieben.
Der schwierigste Punkt ist das Wickeln und Löten des Eingangstransformators für den Empfänger. Ich hatte die 80m Version bestellt und hatte daher am meisten Windungen aufzubringen. Viel Draht für den kleinen Kern.
Doch sobald diese Klippe überwunden war, ging es ruck zuck, zack zack und das Teil war fertig.
Auch der Abgleich ging problemlos vonstatten - alles klappte wie am Schnürchen.
Der kleine Monobander ist tatsächlich ein wunderbares Gerätchen. Der Empfänger ist ruhig und doch sehr empfindlich und die Zeichen sind glasklar. Erstaunt war ich über den CW-Decoder, der so gut ist wie die bisher ausprobierten Computerprogramme. Gar nicht zu reden von all den anderen Goodies, die im Überfluss vorhanden sind.
Auch der Sender lieferte die versprochene Leistung und ich war sehr angetan von dem kleinen Wunderding.
Doch am Abend spät, als ich nochmals hoch ging in die Funkbude, und den QCX wieder an 12V anschloss, zeigte die Anzeige nur noch einen erratisch flackernden Strich und nach einer Weile verschwand auch dieser. Das Gerät war tot - mausetot.
Nun sitze ich da und sinniere, was ich wohl falsch gemacht habe. An der Hardware dürfte es nicht liegen, nach dem, was ich gemessen habe. Es scheint, dass der Kleine eine Gedächtnis-Störung hat. Ein Software-Problem.
Ob ich ihn verwirrt habe, oder gar zu streng mit ihm war? Ich weiß es nicht.
Vielleicht hätte ich doch noch etwas warten und zuerst die Cracks unter den OM ran lassen sollen. Da kommt dann vielleicht noch der eine oder andere Tick zum Vorschein. Für Anfänger wie mich, ohne entsprechende Vorrichtung die SW neu aufzuspielen, ist der QCX wohl im Moment nicht geeignet.
Schade. Jetzt muss das Teil halt mal in eine dunkle Kiste hocken und warten. Vielleicht habe ich mit meinem nächsten Projekt mehr Erfolg.
Donnerstag, 2. November 2017
Wenn Bäume den Wellen im Wege stehen
Über den Einfluss von Bäumen und ganzen Wäldern auf die Ausbreitung von Funkwellen wurde schon viel geschrieben. Wissenschaftliche Arbeiten mit Seiten voller komplizierter Formeln - ein Dschungel in dem man Gefahr läuft, vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen.
In diesem Wald Antworten auf einfache Fragen zu finden, ist nicht einfach:
Mit wie viel Dämpfung muss ich rechnen, wenn ich meine Antenne im Wald aufstelle?
Wie hoch ist diese Zusatzdämpfung auf den verschiedenen Amateurfunkbändern von KW bis UKW?
Welche Rolle spielt dabei die Polarisation?
Ein einzelner Baum steht in meinem Mikrowellen-Link. Was bedeutet das?
usw.
Bei der ITU (International Telecommunication Union) findet man eine ganze Serie von Studien (P-Series), welche sich mit der Ausbreitung von Radiowellen befassen. Darunter zum Beispiel die Recommendation ITU-R P.833-7
Darin gibt denn auch ein einfaches Diagramm Antwort auf die wichtigste Frage: Mit wie viel Dämpfung pro Meter muss ich rechnen, wenn ich durch einen Wald sende?
Leider beginnen die Kurven erst bei 30 MHz. Dabei bedeutet H = horizontale Polarisation und V = vertikale Polarisation.
Für das 10m Amateurfunk oder das 11m CB-Band muss man also mit 0.006 dB/m bei horizontaler und mit 0.02 dB/m bei vertikaler Polarisation rechnen.
Wer nicht gerade auf eine kilometerweite Bodenwellen-Verbindung zwischen Mobilstationen angewiesen ist, dem wird die kleine Zusatzdämpfung kaum auffallen. Schon gar nicht bei DX. Denn die Funkwellen müssen ja den Wald verlassen, um die Ionosphäre zu erreichen.
Für tiefere KW-Frequenzen, also zum Beispiel 3.5 MHz kann eine einfache Formel zur Abschätzung der Dämpfung benutzt werden:
D = 0.0004dB/m x f(MHz) gemäß Yelena Chaiko
Was für Kurzwelle in den meisten Fällen vernachlässigt werden kann, wird essentiell, wenn die verwendeten Frequenzen steigen. Im 2m Band beträgt die Dämpfung pro Meter Wald bei horizontaler Polarisation bereits 0.03 dB und bei vertikaler Polarisation 0.06 dB.
Wer mit einem "Blindenstock" sendet, verliert im Wald also doppelt soviel wie der Kollege mit der horizontalen Antenne.
Echt schlimm wird es aber auf den Mikrowellenbändern. Bei 1 GHz, also etwa im 23cm Band, muss mit einer Zusatzdämpfung von 0.2 dB pro Meter Wald gerechnet werden. Ab hier verschwindet auch die Differenz zwischen horizontaler und vertikaler Polarisation.
Im 10 GHz Band ist der Wald dann definitiv ein No-Go. Ganze 2dB bleiben pro Waldmeter liegen. das heißt: schon eine einzelne Baumkrone verursacht eine empfindliche Dämpfung.
Seine TV-Schüssel hinter einem Baum zu verstecken, ist keine gute Idee. Auch der OM, der sich mit dem HamNet befasst, kommt nicht um diese Thematik umhin. Da das HamNet auch das 6cm Band nutzt, könnte diese Studie hilfreich sein.
Doch Wälder sind so verschieden wie die Menschen. Glücklicherweise ohne Ideologien und Dogmen. Wer mehr über die Ausbreitungsversuche in verschiedenen Wäldern wissen möchte, findet in dem oben erwähnten ITU-Papier Antworten in konzentrierter Form.
Mittwoch, 1. November 2017
Die Hochfrequenztasse
Letzten Samstag stieg, wie immer Ende Oktober, die Surplus-Party in Zofingen. Einer der grössten Amateurfunk-Flohmärkte jenseits von Friedrichshafen.
Die meisten Besucher waren wieder ein Jahr älter, etwas weniger spendierfreudig als auch schon und die Gerätepreise befanden sich im Keller. Zusammengeräumt wurde hier und da schon kurz nach Mittag und bei den Freunden alter Radios herrschte Katerstimmung.
Doch für die Bastler gab es jede Menge Perlen zu entdecken. Leider konnte ich nicht danach tauchen, da ich kaum von meinem Tisch weg kam. Das typische Schicksal des Bloggers: viele kennen mich und ich kenne nur einen Bruchteil meiner Leser. Dafür gab es jede Menge interessanter Gespräche und Begegnungen. Das war denn auch der eigentliche Grund für den Verkaufstisch, den ich gemietet hatte, und nicht die paar alten Teile, die ich loswerden wollte.
Ein aufmerksamer Leser brachte mir dieses wunderbare HF-Teil vorbei. Vielen herzlichen Dank. Die Tasse ist wirklich sehr kommod:
Viel zu schade um nur daraus zu trinken. Ich habe sie zum Schreibstifthalter auf meinem Labortisch ernannt und werde sie sicher oft konsultieren. Etwa dann, wenn sich die Gedanken zwischen Lötkolben und Spektrum-Analyzer verknoten.
Auf den drei obersten Skalen sieht man auf einen Blick das Verhältnis von dBm zu Watt und Volt. Wir erinnern uns daran, dass die Referenz 1mW = 0dBm ist. Das mit der Leistung hat man vom vielen Messen zwar noch im Kopf, doch bei dBm und Spannung hapert es zumindest bei mir. Aber vielleicht liegt das am vielen Tastenöl, das ich zum Morsen brauche. Das meiste Tastenöl wird übrigens aus Mirabellen hergestellt. Und erfahrene Telegrafisten wissen: "der letzte Tropfen geht immer in die Taste."
Die mittleren drei Skalen sind noch interessanter. Hier sieht man den Zusammenhang zwischen SWR, Rücklaufdämpfung in dB und reflektierter Leistung in Prozent. Die RL-Dämpfung ist das Verhältnis von Vorlauf- zu Rücklaufleistung in dB. So kommen zum Beispiel bei einem SWR von 1:3 25% der Leistung von der Antenne wieder zurück. Also ein Viertel, was eine RL-Dämpfung von -6dB ergibt. Ich finde übrigens die RL-Dämpfung viel praktischer als das olle Stehwellenverhältnis.
Auf den untersten drei Skalen werden das Spannungs- und Leistungverhätnis in dB dargestellt. Praktisch für den Fall, dass gerade kein Taschenrechner zur Hand ist und die Festplatte im Hirnkasten einen Sprung hat.
Ich möchte es an dieser Stelle nicht versäumen, den Organisatoren der Surplus-Party zu danken. Sie erbringen Jahr für Jahr eine großartige Leistung.
Der Funkerverein Zofingerrunde HB9FX zeichnet sich aber nicht bloß durch die Surplus-Party aus. Auf der Hochwacht - einem Hügel in der Umgebung - betreibt er u.a. einen Web-SDR auf 10 GHz und dem 160m Band. Für alle Mikrowellen-Freunde ist der 10 GHz-Empfänger eine unschätzbar wertvolle Referenz.
Zweites Bild: Strom aus der Dose.
Die meisten Besucher waren wieder ein Jahr älter, etwas weniger spendierfreudig als auch schon und die Gerätepreise befanden sich im Keller. Zusammengeräumt wurde hier und da schon kurz nach Mittag und bei den Freunden alter Radios herrschte Katerstimmung.
Doch für die Bastler gab es jede Menge Perlen zu entdecken. Leider konnte ich nicht danach tauchen, da ich kaum von meinem Tisch weg kam. Das typische Schicksal des Bloggers: viele kennen mich und ich kenne nur einen Bruchteil meiner Leser. Dafür gab es jede Menge interessanter Gespräche und Begegnungen. Das war denn auch der eigentliche Grund für den Verkaufstisch, den ich gemietet hatte, und nicht die paar alten Teile, die ich loswerden wollte.
Ein aufmerksamer Leser brachte mir dieses wunderbare HF-Teil vorbei. Vielen herzlichen Dank. Die Tasse ist wirklich sehr kommod:
Viel zu schade um nur daraus zu trinken. Ich habe sie zum Schreibstifthalter auf meinem Labortisch ernannt und werde sie sicher oft konsultieren. Etwa dann, wenn sich die Gedanken zwischen Lötkolben und Spektrum-Analyzer verknoten.
Auf den drei obersten Skalen sieht man auf einen Blick das Verhältnis von dBm zu Watt und Volt. Wir erinnern uns daran, dass die Referenz 1mW = 0dBm ist. Das mit der Leistung hat man vom vielen Messen zwar noch im Kopf, doch bei dBm und Spannung hapert es zumindest bei mir. Aber vielleicht liegt das am vielen Tastenöl, das ich zum Morsen brauche. Das meiste Tastenöl wird übrigens aus Mirabellen hergestellt. Und erfahrene Telegrafisten wissen: "der letzte Tropfen geht immer in die Taste."
Die mittleren drei Skalen sind noch interessanter. Hier sieht man den Zusammenhang zwischen SWR, Rücklaufdämpfung in dB und reflektierter Leistung in Prozent. Die RL-Dämpfung ist das Verhältnis von Vorlauf- zu Rücklaufleistung in dB. So kommen zum Beispiel bei einem SWR von 1:3 25% der Leistung von der Antenne wieder zurück. Also ein Viertel, was eine RL-Dämpfung von -6dB ergibt. Ich finde übrigens die RL-Dämpfung viel praktischer als das olle Stehwellenverhältnis.
Auf den untersten drei Skalen werden das Spannungs- und Leistungverhätnis in dB dargestellt. Praktisch für den Fall, dass gerade kein Taschenrechner zur Hand ist und die Festplatte im Hirnkasten einen Sprung hat.
Ich möchte es an dieser Stelle nicht versäumen, den Organisatoren der Surplus-Party zu danken. Sie erbringen Jahr für Jahr eine großartige Leistung.
Der Funkerverein Zofingerrunde HB9FX zeichnet sich aber nicht bloß durch die Surplus-Party aus. Auf der Hochwacht - einem Hügel in der Umgebung - betreibt er u.a. einen Web-SDR auf 10 GHz und dem 160m Band. Für alle Mikrowellen-Freunde ist der 10 GHz-Empfänger eine unschätzbar wertvolle Referenz.
Zweites Bild: Strom aus der Dose.
Freitag, 27. Oktober 2017
Das wunderbare 10m Band
Wenn ich nur ein DX-Band benutzen könnte, ich würde das 10m Band wählen. Es ist das spannendste alle Amateurfunkbänder.
Natürlich ist es einfacher, auf 20m nach begehrten DX-Stationen zu jagen. Ganz besonders im Sonnenflecken-Minimum. Doch auf die Dauer ist das Einfache langweilig - es fehlt die Herausforderung.
An Herausforderungen mangelt es auf dem 10m Band wahrlich nicht. Die Ausbreitung ist extrem vom Sonnenflecken-Zyklus abhängig. Während im Maximum das Band fast 24 Stunden am Tag offen ist, ist es im Minimum scheinbar tot und leer. Nur die sporadische E-Schicht bringt im Juni und Mai etwas Abwechslung in die Bude. Allerdings liegen kaum mehr als 2000 km drin - die maximale Sprungdistanz über die tief liegende E-Schicht. Zwei oder mehr Sprünge kommen selten vor, da sporadische E-Schichten regionale Phänomen sind, die selten zeitgleich auftauchen.
Doch auch in Zeiten mit wenig Sonnenflecken ist das 10m Band oft nur scheintot. Wer sich diesem Band mit Leib und Seele verschrieben hat und es tagaus tagein beobachtet, der entdeckt immer wieder Perlen, die unverhofft auftauchen. Das 10m Band ist wie eine Wundertüte - voller Überraschungen.
Die Beobachtung der zahlreichen Funkbaken ist dabei ein wichtiges Hilfsmittel. Es gibt unzählige davon und man findet sie am unteren Bandende, gemäß offiziellem Bandplan zwischen 28.19 und 28.225. In Wirklichkeit sind sie aber über den ganzen Bereich zwischen ca. 28.1 und 28.4 MHz verstreut. Hier geht es zu einer aktuellen Bakenliste.
An Platz fehlt es ja nicht im 10m Band. Ganze 1.7 MHz groß ist es, mehr als alle anderen KW-Bänder zusammen, und fast so groß wie das europäische 2m Band.
Auch an "Bewohner" mangelt es nicht. Und damit meine ich nicht die Illegalen, angefangen von russischen Taxis bis zu Bojen von Treibnetzen. In vielen Ländern ist das 10m Band Bestandteil einer Einsteigerlizenz (z.B. DO in Deutschland, HB3 in der Schweiz). In den USA ist aber die Technician-Klasse auf den Bereich 28.0 bis 28.5 MHz beschränkt.
Das 10m Band ist aber auch das billigste: Dank dem CB-Funk gibt es Transceiver für wenig Geld, die auf 10m umgerüstet wurden. Auch CB-Antennen sind günstig und man kann sie in der Regel sehr gut auf das 10m Band abstimmen, wenn man den Strahler ein bisschen verkürzt.
Auch kommt die 10m Antenne mit wesentlich weniger Platz aus, als Antennen für die längeren Kurzwellen. Ein Viertelwellenstrahler misst ganze zweieinhalb Meter. Ist auch das noch zuviel, kann man auch mit der Hälfte noch leben. Denn die Ionosphäre ist dem 10m Band gut gesonnen. Reflektiert sie erst einmal die 10m Welle, tut sie das mit weniger Verlusten als bei anderen Bändern. Darum sind die Signale stark - auch über die sporadische E-Schicht. Mit 5W und einer GP geht es mitunter nach Südamerika, wie viele CB-Funker wissen.
Apropos Südamerika: Es sind vor allem die südlichen Pfade, die 10m Wellen bevorzugen. Nach den USA oder gar über den Nordpol sind die Öffnungen eher auf die Jahre mit vielen Sonnenflecken beschränkt.
Wer sich dem 10 m Band verschreibt, ist ein Freak. Daher gibt es dort auch ein gewisses Gefühl der Zusammengehörigkeit. Man steht sich weniger auf den Füssen rum als auf den schmalen Bändern und ist gelassener. Ausdruck findet diese Haltung im weltweiten Ten Ten "Verein", der übrigens (wie die Rocker) in "Chapter" organisiert ist. Eine verschworene Gesellschaft mit weltweit mehr als 77'000 Mitgliedern. Dabei ist es gar nicht so einfach, in diesem Verein aufgenommen zu werden. Aber was leicht ist, hat oft wenig Wert, wie man von Schulabschlüssen her weiß.
Da das 10m Band eine riesig große Spielwiese ist, gibt es dort auch genügend Platz für alle möglichen Spielarten. Für AM zwischen 29.0 und 29.2 MHz zum Beispiel. Was im überfüllten 40m Band Egoismus pur ist, ist auf 10m gerne gesehen. Auch FM findet man am oberen Bandende und sogar einige Relaisstationen.
Natürlich gibt es eine Unmenge von Netzen und Clubfrequenzen. Diese Tabelle gibt einen Eindruck von der Vielfalt im 10m Band.
Als OV-Frequenz ist das 10m Band eine gute Alternative zum 2m Band und könnte in manchen Fällen etwas frischen Schwung in die Bude bringen ;-)
Auch Mobilbetrieb ist eine feine Sache, wenn man denn gewillt ist, ein Loch ins heilige Blech zu bohren. Magnetfüsse haben zuwenig Koppelkapazität um die Autokarosserie als wirksames Gegengewicht zu nutzen. Aber es muss schon das Dach oder der Kofferraumdeckel sein, hinten an der Stoßstange oder Anhängerkupplung vergeudet man Sendeleistung und das Richtdiagramm wird verzogen.
Wo es Freaks gibt, existieren auch Blogger. Einer der vielen, die sich dem 10m Band verschrieben haben, ist Tony G4CJC. Seine Reports geben einen guten Überblick über die Aktivitäten.
10m ist, wie man sieht, keineswegs tot, oft einfach nur scheintot.
Bild: besser als manche Premium-Marke. Seit 1964 kein Rückruf ;-)
Trotzdem bin ich froh, dass das nicht meiner ist. 26 PS aus einem Zweitakter ohne Lenkservo und Bremshilfe sind echt mühsam.
Mittwoch, 25. Oktober 2017
Unterschied KW - Mittelwelle
Auf meinen letzten Beitrag hin, habe ich einen "Dämpfer" erhalten. Darin hatte ich stolz berichtet, mein Mittelwellensignal sei in WSPR auf Island und Lanzarote empfangen worden.
Stefan DL8SFZ hat mir dazu folgendes geschrieben:
Hallo Anton,
jetzt hat mich aber dein wspr-versuch schon zum Schmunzeln gebracht. Haben wir doch im Verein P02 ein Bastelprojekt gestartet mit dem WSPR-lite. Dieses kleine Gerätchen kann gerade mal 0,2 Watt maximal. Zuerst stutzte ich auch, aber wenn man bedenkt, dass 1 Watt WSPR einer Leistung von 1000 bis 1500 Watt SSB entspricht, dann hast du so zu sagen mit „läppischen“ 5000 bis 7500 Watt Leistung gearbeitet! Holla, mit so viel Leistung sollte es doch besser gehen, oder?
Das erinnert mich an einen Funkfreund, der in unserer What-App-Gruppe nett verlautete, das 10m-Band sei offen, postete ein Bild von einer Verbindung in WSPR nach Südamerika bei einer HF-Sendeleistung von 40 Watt an der Antenne…
Ohne deine Leistung dabei zu schmälern, aber im Vergleich zu einem SSB-Signal, das die meisten OM´s kennen, sind das dann doch andere Dimensionen.
Ja und Nein, lieber Stefan. Du hast Recht bei deinem Leistungsvergleich. Ein WSPR-Signal kann noch detektiert werden, wenn es 30 DB unter dem Rauschen liegt. Bei eine SSB-Signal mit nur 6dB über dem Rauschpegel muss ich ganz schön die Ohren spitzen. CW geht etwas besser. Geübte Telegrafisten verstehen CW noch bei 0dB SNR.
Doch wie immer steckt das Problem im Detail. Die Ausbreitung der Mittelwelle bei 472 kHz unterscheidet sich wesentlich von der Ausbreitung in unseren Kurzwellenbändern.
Das liegt an der Ionosphäre.
Während die kurzen Wellen an der obersten Schicht, der F-Schicht, reflektiert werden, muss unsere Mittelwelle mit tieferen Schichten Vorlieb nehmen. Die F-Schicht befindet sich, je nach Tages- und Jahreszeit, in 250 bis 600km Höhe.
Die Ionenwolken, die unsere Mittelwelle reflektieren, sind weiter unten. Sie befinden sich in 90 bis 250 km Höhe.
Daher muss das MW-Signal mehr Sprünge machen, um eine bestimmte Distanz zurückzulegen.
Jeder Sprung kostet es dabei Energie. Denn die Ionosphäre ist kein perfekter Spiegel und arbeitet nicht verlustlos. Und bei 472 kHz sind diese Verluste höher als bei 28 MHz.
Aber auch der Boden, der das Signal wieder zurück in die Ionosphäre schickt, fordert seinen Tribut. Am besten geht's übers Meer, den Salzwasser ist ein viel besserer Reflektor als der Erdboden.
Leider ist das noch nicht alles: Auch das atmosphärische Rauschen ist im Mittelwellenband viel höher als in den oberen Kurzwellenbändern.
Bild-Quelle: Wikipedia
Wenn man am Meer wohnt und übers Wasser strahlt, dann schafft man im 630m Band maximal 2000 km pro Sprung unter den günstigsten Bedingungen. Davon kann ich nur träumen. Für Finnland, Lanzarote und Island brauche ich mindestens zwei Sprünge.
Im 10m oder 11m CB-Band schafft man mit einem einzigen Hopser mindestens 3200 und maximal 4800 km. Zudem ist dort, am obere Rand der Kurzwelle, die Dämpfung der Ionosphäre am geringsten.
Darum kann auch der CB-Funker mit 5W und einem simplen Stängel mit Südamerika sprechen.
Doch je tiefer die Frequenz, desto schwieriger wird dieses Unterfangen. Schon das 20m Band liefert nicht mehr die Bombensignale eines offenen 10m Bandes - gleiche Leistung und Antenne vorausgesetzt. Und wenn man mal in Winternächten US-Stationen auf 80m hören kann, so kann man sicher sein, dass es sich um Big Guns handelt. Am oberen Rand des Mittelwellenbandes, auf dem 160m Band, wird es nochmals eine Stufe schwieriger. DX ist dort den Spezialisten vorbehalten.
Obwohl auf 160m bei guten Bedingungen noch die F-Schicht mitspielt.
Unterhalb 1 MHz muss man aber mit dem oberen Rand der D-Schicht oder den unteren Regionen der E-Schicht Vorlieb nehmen.
Die WSPR-Rapporte, die ich erhalten habe, liegen bei Distanzen von 2000km und darüber alle an der Grasnarbe, das heißt in der Nähe von -30dB SNR. Dass ich mit meiner Station jemals den großen Teich schaffen werde, wird wohl ein Traum bleiben.
Auch René HB9EYB hat mir zum Thema 630m geschrieben: Er macht mich mich darauf aufmerksam, dass man den IC-735 leicht für das 630m Band modifizieren kann. Sein Gerät liefert dort 50W.
Danke für die Zuschriften Stefan und René.
Bilder: Der goldene Herbst bringt auch ausgezeichnete Sicht. Oben in Bildmitte ist der Mont Blanc in 117km Distanz sichtbar. Unten die Berner Alpen. Von links: Schreckhorn, Eiger, Mönch und Jungfrau. Der schwarze Hubel ganz rechts im Bild ist das Stockhorn.
Aufgenommen mit einer simplen Kleinbildkamera in der Nähe meines QTH's.
Montag, 23. Oktober 2017
630m in Topform
Vergangene Nacht habe ich wieder im 630m Band geflüstert. Mit dem IC-7300 und einer selbstgebauten 100W PA an einer L-Antenne, 12m hoch und 43m lang. Mit etwas Rückenwind lande ich mit diesem Equipment bei den hierzulande erlaubten 5W EIRP. Hier geht es zu einem praktischen Tool, mit dem die EIRP geschätzt werden kann.
Bisher bin ich nur knapp über die 2000km Gerenze hinausgekommen. Finnland war das höchste der Gefühle. Doch letzte Nacht waren die Bedingungen gut. Zum ersten Mal wurde ich in Reykjavik auf Island gehört. Von Halldor TF3HZ in 2611km Entfernung. Doch das wurde noch getoppt durch Peter EA8BFK auf Fuerteventura (2726km). Peter ist übrigens auch ein bekannter 10 GHz DXer, wie auf dem Bild zu sehen ist. Sein 10GHz ODX beträgt 1600km!
Oft treffen sich ja die Freunde der langen Wellen am anderen Ende des Spektrums wieder. Was dazwischen liegt, ist ihnen oft zu langweilig.
Natürlich erhielt ich wieder viele WSPR-Rapporte aus dem "näheren" Europa. Insgesamt wurde ich von 100 Stationen geloggt.
Je schlechter die Bedingungen auf den höheren KW-Bändern werden, desto besser werden sie auf den längeren Bändern. Auch auf 160 und 80m. Wobei im 80m Band im Kurzstreckenverkehr bereits tote Zonen auftreten können. Bleibt dann nur noch 160m für einen SSB Chat.
Interessant war, dass die beste Zeit im 630m Band zwischen 04 und 05 Uhr MEZ lag. In den frühen Morgenstunden waren die Signale am stärksten. Wie die erhaltenen Rapporte zeigten, wären mit einer ganzen Reihe Stationen auch normale CW-Verbindungen möglich gewesen. Allerdings muss ich meine Empfangssituation verbessern. Auf 630m gleiche ich zurzeit leider einem Krokodil: großes Maul, kleine Ohren ;-)
Von Elecraft gibt es die Nachricht, dass auch der K3 für 630m fit gemacht werden kann. Der IC7300 ist also nicht die einzige Möglichkeit. Freilich geht es nicht ohne etwas Selbstbau: PA und Antennen-Anpassung sind Stichworte.
OT: Als Steampunk-Autor freut es mich, dass auch die Computerbranche dieses Genre entdeckt hat.
Freitag, 20. Oktober 2017
Ein chinesischer Fuchsjäger
Vergangenen Sonntag waren wir oben im nahen Wald wieder mal auf Fuchsjagd. ARDF heißt das bei den Profis - Amateur Radio Direction Finding. Doch von den OM, die sich wettbewerbsmäßig an ARDF beteiligen, sind wir so weit entfernt wie der Mond von der Erde.
Es ging nur um einen einzelnen 80m Fuchs und auch nicht darum, wer diesen zuerst findet. Also eine rein hedonistische Veranstaltung ohne kompetitive Komponente. Das war zumindest die Absicht. Doch die jüngeren Peiler übermannte bald einmal das Jagdfieber. Die uralten menschlichen Instinkte lassen sich nicht einfach ausschalten.
Beim Verstecken des Fuchses, 1.2km vom Start entfernt, habe ich mir ziemlich Mühe gegeben. Ein 15m Teleskopmast an eine Buche gebunden und mit einem einzigen Radial in Richtung Start versehen, wurde mit dem Antennenanalyzer abgestimmt. Das heißt: einfach Draht auf die Basis gewickelt, bis das SWR etwa stimmte. Als Sender diente der bewährte U3 von Hans Summers mit ca. 800mW. Das Teil steckte soweit im Unterholz, dass man aufpassen musste, nicht über ein Wildschwein zu stolpern.
Gestolpert sind wir aber bloß über Pilze. Zurzeit haben gerade Hallimasch Hochsaison. Erstaunlich für den trockenen Herbst hierzulande.
Entgegen meinen Erwartungen fanden alle problemlos den Fuchs, sogar mein Sohn Tom, der noch nie einen Peiler in den Händen gehalten hatte.
Es gab nur eine Ausnahme. Ein Freund von mir, dessen Namen und Rufzeichen ich hier nicht erwähnen möchte, fiel schon beim Start mit einem komischen Equipment auf: Eine Yagi für das 70cm Band mit einem daran montierten Ferritstab. Vielleicht war er in Gedanken noch bei unserer letzten Fuchsjagd, die auf 70cm stattgefunden hatte. Auf jeden Fall lief sein Equipment nicht, obschon er eine Weile daran herumlaborierte. Zwar lieh ich ihm meinen Kontrollempfänger, ein FT817 mit Rahmenantenne, doch dieses Teil besitzt keinen Abschwächer und keine Seitenbestimmung. Und so kam es,wie es kommen musste: sein Team irrte am Zielort ziellos umher, als alle anderen schon längst zurück waren, und musste "gerettet" werden. Zumal diese "Jäger" schon die doppelte Distanz zurückgelegt hatten als alle anderen. Warum nur erinnert mich das an meinen Militärdienst?
Leider hatte ich keinen richtigen Peiler mehr, den ich ihm ausleihen konnte. Mein Snoopy und der Selbstgebaute waren schon vergeben. Und erst gestern brachte Sonja, die Briefträgerin, den chinesischen Peiler ins Haus, den ich vorausschauend geordert hatte. Leider ein paar Tage zu spät. Das Paket sah aus, als hätte es schon eine Kuh im Maul gehabt, doch der Inhalt war unbeschädigt.
R3500D heißt das Teil und man bekommt es als Bausatz in UK für 25.50£, bzw. 30.60£ in der EU (VAT) plus Shipping. Ein Schnäppchen, seit das Pfund wegen dem Brexit abgesoffen ist. Ich habe meinen aber direkt in China bestellt. Bei CRKits, dem Hersteller, kostet der Bausatz 30$ plus 6$ Shipping. Das Fertiggerät ist für 39$ zu haben. Also hier in der Schweiz unter dem Zollradar.
Handbuch und Gerät sind chinesisch beschriftet, doch das Gerät mach einen soliden Eindruck und erfüllt gut seinen Zweck. Die Empfindlichkeit ist vergleichbar mit dem Snoopy und meinem Eigenbau. Abstimmregler und Abschwächer gehen stramm und sind nicht so ein Gelotter wie beim Snoopy.
Die Schaltung ist primitiv, doch mehr braucht es nicht. Auch die Abschwächung ist genügend. HF und NF werden über ein Tandempotmeter gleichzeitig zurückgeregelt.
Drei chinesische 9014 Transistoren erledigen die Aufgaben HF-Vorverstärker, Oszillator und NF-Vorverstärker. Eine integrierte Schaltung TDA2822M übernimmt in Brückenschaltung die restliche Verstärkung bis auf Kopfhörerlautstärke. Der Kopfhörer wir übrigens mitgeliefert - aber ein x-beliebiger Stereokopfhörer tut's auch.
Erwähnenswert ist der Mischer des Direkt-Überlagerungsempfängers: eine einzelne Diode. Was in einem Amateurempfänger an einer großen Antenne eine Katastrophe wäre, funzt an der Ferritantenne problemlos.
Eine Teleskopantenne dient zur Seitenbestimmung. Sie ist länger als gewohnt, damit konnte ein separater Vorverstärker eingespart werden.
Eingeschaltet werden die sechs LR6 Mignon Batterien durch das Einstecken des Kopfhörers.
Für Spaßpeiler wie mich genügt der Chinese durchaus. Damit lässt sich jeder Fuchs finden. Wenn nicht, liegt's am OM.
Für die unter euch, die des Chinesischen nicht mächtig sind, geht's hier zur englischen Bedienungsanleitung ;-)
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