Samstag, 11. Februar 2017

DMR und tote Pferde



Auf meinen letzten Beitrag hin habe ich sowohl positive, wie auch negative Rückmeldungen erhalten. Offenbar gibt es eine ganze Reihe OM, die gerne twittern, bzw. dem Gezwitscher der Reichen und Schönen und sonstigen Vögeln folgen.

Ein Leser hat mich gefragt, was ich denn von DMR halte.
Auch auf die Gefahr hin, mich in die Nesseln zu setzten, gebe ich darüber gerne Auskunft. Doch für all die OM, die nicht wissen, was DMR ist, hier eine kurze Erklärung:

Digital Mobile Radio ist eine digitale Modulation, die mit einem Zeitmultiplex-Verfahren arbeitet. Das heißt: Zwei Sprechkanäle werden auf dem gleichen Kanal in unterschiedlichen Zeitschlitzen übertragen. DMR kann deshalb in einem einzigen 12.5 kHz Kanal zwei Sprechwege gleichzeitig übertragen. Bei kommerziellen Diensten wird das für Vollduplex genutzt (Gleichzeitiges Sprechen und Hören).

Neben den digitalen Modulationen C4FM von Yaesu und D-Star von Icom wird auch DMR im Amateurfunk eingesetzt, und in der Zwischenzeit existieren bereits hunderte von Umsetzern, die über das Internet miteinander verbunden sind und so eine weltweite Kommunikation ermöglichen.
Im Gegensatz zu C4FM und D-Star wurde DMR zuerst für den kommerziellen Einsatz entwickelt und von den Funkamateuren in der Folge übernommen.
DMR-Geräte müssen vor ihrem Einsatz programmiert und konfiguriert werden.

Persönlich finde ich DMR eine interessante Technik, die sparsam mit der Ressource Frequenz umgeht. Sie zu erforschen, auszuprobieren und damit zu spielen entspricht dem Gedanken des Amateurfunks. Für die Pioniere, die kommerzielle Geräte für den Amateurfunk umgebaut und Umsetzter installiert haben, war das sicher eine spannende Aktivität.

Doch der flächendeckende Einsatz mittels über das Internet verbundenen Umsetzern hat m.E. nichts mehr mit Amateurfunk zu tun. Nicht einmal mit CB-Funk. Da kann man geradesogut das Smartphone mit Skype oder WA benutzen. Funktechnische oder experimentelle Aspekte sind nicht mehr erkennbar. Für die meisten User dürften ihre DMR-Geräte undurchsichtige Blackboxen sein, die sie nicht einmal selbst programmieren können. Das ist sterbenslangweilig.
Vielleicht mit Ausnahme eines "Haustelefons" für Gruppen mit gleichen Interessen geeignet: Bastler oder DXer, wer weiß. Aber unser weites Spektrum an Frequenzen und Technik hat da spannendere Möglichkeiten für Haus- oder OV-Telefone zu bieten.

Nicht zu verwechseln ist DMR mit DRM (Digitale Radio Mondiale). Letzteres ist ein digitales Übertragungsverfahren für Lang- Mittel- und Kurzwelle. Ein totes Pferd. Und ein alter Indianerspruch besagt: "Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, solltest du absteigen."

Vielleicht wäre es auch Zeit, bei DMR abzusteigen?




Bild: Das Klempner-Paradies

Donnerstag, 9. Februar 2017

Ausgezwitschert



Kürzlich hatte ich ein Twitter-Konto eröffnet, jetzt habe ich es wieder geschlossen. Eigentlich wollte ich nur die Meldungen des neuen POTUS aus erster Hand lesen, anstatt durch das Filter der Journalisten. Damit ich weiß, was nächstens auf uns zukommt. Doch das lohnt sich nicht. Ich kann auch Breitbart lesen, um zu wissen, in welche Richtung die Welt driftet.

Twitter ist m.E. der grösste Mist, den die IT-Branche je hervorgebracht hat - ein Instrument zur Selbstdarstellung von Politikern und VIP'S und allen die sich dafür halten. Von einigen auch zur Vermarktung ihrer Produkte benutzt, doch dazu gibt es effektivere Wege. Blödsinnige Einwegkommunikation von Leuten, die meinen, ihre Meinung sei so wichtig, dass sie die ganze Welt erfahren müsse. Da bleibe ich doch lieber bei meinem Blog ;-)

Doch Twitter ist nicht der einzige Trend, den ich ausprobiert und wieder verworfen habe. Facebook gehört zum Beispiel auch dazu.
Aber noch wichtiger ist eine andere Erkenntnis: ich kaufe mir wieder richtige Bücher, anstatt sie auf Kindle zu lesen. Ich liebe es, in Büchern zu blättern, Eselsohren zu formen und mit Bleistift reinzukritzeln und ich liebe das Gefühl, ein richtiges Buch in Händen zu halten. Besonders für Fachbücher finde ich die elektronische Form unpraktisch. Ich weiß, das hört sich seltsam an von einem, der seine eigenen Bücher auch auf Kindle veröffentlicht. Aber jeder soll die Wahl haben.
Übrigens lese ich zur Zeit dieses Buch hier.

Viele Bücher kosten auf Kindle fast soviel wie in Papierform. Das ist ein schlechter Witz. Wenn ich schon Bits und Bytes anstelle Papier kriege, dann sollte es zumindest wesentlich günstiger sein.

Für uns Funkamateure gibt es sogar Bücher in elektrotechnischer Form, die gratis sind. nebst alten Schinken sogar auch neuere Literatur.

Zum Beispiel:

Das VHF-UHF-DX-Handbuch. Ganze 446 Seiten auf PDF!

Oder das Pratctical Antenna Handbook von Joseph J. Carr. Zwar nur die vorletzte, 4. Version, Doch bei den Antennen gibt es, außer einigen "Wunderantennen", seit Jahren kaum neue Erkenntnisse.

Es gibt fast nichts, was man in den unergründlichen Tiefen des Webs nicht findet. Habt ihr vielleicht schon lange nach einem alten Röhrenbuch gesucht? Wie wäre es mit dem RCA Receiving Tube Manual von 1975?

Bild: HB9DWS auf der Jagd nach dem Fuchs





 


Freitag, 3. Februar 2017

Die Allerletzte



2015 war für mich das Jahr der KW-Endstufen. Nach langwierigen Versuchen, eine PA mit Schalt-MOSFET zu bauen, ohne das diese explodieren, landete ich schließlich bei einer russischen EB-104 Platine (Blog Teil1, Teil2).
Damit hätte ich eigentlich zufrieden sein können, denn die PA funktionierte klaglos und steckte sämtliche Fehler des OP weg. Falsches Band eingestellt oder keine Antenne dran: Trotz fehlenden Sicherheitsschaltungen passierte nichts. Die PA war nur gegen zu hohe Steuerleistung geschützt. Das genügte den 4x VRF2933 aus zweifelhafter Aliexpress Quelle. Wenn ich daran denke, was andere mit dem hochgelobten BLF188XR erlebt haben (s. update nr2 bei PA0FRI) und welcher Sicherheitsaufwand für diesen Doppel-MOSFET betrieben werden muss, kann ich mich glücklich schätzen.

Doch so ganz glücklich und zufrieden war ich nicht. Denn in meiner Bastelkiste schlummerten eine weitere Russen-Platine, ein LPF von W6PQL und ein zweiter Satz VRF2933, nebst anderen Goodies. Kurz: genug Material für eine weitere PA.

Einfach eine zweite zu bauen, nur weil das Material da war, schien mir ein schlechter Zeitvertreib. Und für andere OM eine zu bauen und zu verkaufen, wie mir vorgeschlagen wurde, hätte mir gar keinen Spaß gemacht. Ich bin nicht dem Hamsterrad in der Fabrik entronnen, um zuhause wieder eine Fabrik aufzumachen. Abgesehen davon sind meine selbst gebauten PA's unbezahlbar ;-)

Doch in den letzten Ferien hatte ich einen Einfall, wie ich aus dem überschüssigen Material einen echten Mehrwert schöpfen konnte: eine kleine und leichte KW-PA sollte daraus werden. Eine für den Urlaub, eine, die nebst dem üblichen Ferien-Karsumpel noch im Kofferraum meines Kleinwagens Platz fand.

So habe ich Anfang Jahr aus einer Grundplatte aus Holz und FR4 Leiterplattenmaterial ein Gehäuse gezimmert und die Russenplatinen reingeschraubt. Und so sieht das Teil aus:


Ein Netzteil ist nicht eingebaut: ich verwende ein externes Surplus Netzteil aus einem alten Server. Es ist etwa so groß wie ein Radio-Handbook und liefert 1300W bei 50V. Genügend Power für 600W bis 700W HF.



Die 12V Hilfsspannung bezieht die PA vom Netzteil des Transceivers.

Daneben weist diese Portabel PA folgende Eigenarten auf:

- Sie ist nur für die Bänder 20 - 160m ausgelegt. Um Platz zu sparen habe ich kurzerhand die höheren Bänder auf der Platine von W6PQL abgesägt ;-)
- Als Kühlkörper finden zwei CPU-Kühler Verwendung. Sie sind aus Kupfer und man kann deshalb auf einen zusätzlichen "Heatspreader" verzichten. Die hohe Zahl schmaler Finnen ergibt eine große Kühlfläche auf kleinstem Raum.
- Für den Luftdurchsatz sorgen zwei 12V-Hochleistungslüfter, die im Normalbetrieb in Serie an 12V liegen. Ab 45 Grad Kühlkörpertemperatur werden sie parallel geschaltet und entfalten ihre volle Wirkung. Die zugehörige Schaltung ist rein elektromechanisch: ein Bimetallschalter, wie er in Haushaltgeräten Verwendung findet, in Verbindung mit zwei Relais.
- Ab 70 Grad schaltet ein zweiter Bimetallschalter eine Alarmlampe auf der Frontplatte ein. Der OP kann dann selbst entscheiden, wie er verfahren will ;-)
- Andere Sicherungen gibt es nicht. Die Bandwahl erfolgt manuell und der Eingang der PA wird durch einen 10dB Leistungsabschwächer geschützt. Wird der KW-Transceiver mal anstatt auf 30W auf 100W hochgeschraubt, passiert nichts. Vergisst der OP eine Antenne anzuschließen oder stellt er den Schalter aufs falsche Band, geschieht erfahrungsgemäß auch kein Unglück. Als Selbstbauer muss man ja nicht auf den DAU Rücksicht nehmen.
- Auf einen Sequencer wurde ebenfalls verzichtet. Das Steuersignal (GND bei TX) schaltet über einen PNP Darlington ein Relais. KISS heisst das Prinzip.



Die PA hat bisher alle Tests bestanden. Die ultimative Prüfung wird jedoch erst im nächsten Urlaub stattfinden.





 Dies ist mein allerletztes KW-PA Projekt in diesem Leben. Ich hoffe, damit wieder einmal bewiesen zu haben, dass auch der wenig bedarfte OM eine KW-PA bauen kann.

 Bild: Besuch einer Freundin

  

Montag, 30. Januar 2017

Alternative Fuchsjagd mit dem FT-817


Kürzlich hatte ich das Vergnügen, an einer spannenden Fuchsjagd teilzunehmen. An einer Veranstaltung jenseits aller Regeln und Reglemente. Da ich eher zu den spaßorientierten und nicht zu den wettbewerbsorientierten Funkern gehöre, machte das natürlich doppelt soviel Freude.
Trotz der Minusgrade und dem Schnee - oder gerade deswegen.

Schon der Start fiel aus dem Rahmen des Üblichen: Jedes Team startete nämlich von zu Hause aus. Allerdings mit dem Handikap, dass der Fuchs da noch gar nicht zu hören war. Immerhin wurde uns Teilnehmern verraten, dass der Fuchs irgendwo im Drei-Seen-Land zu suchen sei.

Klar, dass man da nicht zu Fuß losrennt. Vernünftigerweise steigt man in ein Automobil ;-)

Um es gerade vorweg zu nehmen: Der Fuchs, den es zu jagen galt, befand sich ca. 18km von meinem QTH entfernt (Luftlinie). Für meinen Peiler war der 5W Sender im 80m Band zu schwach. Zu hören war kein Pieps.

So blieb unserem Team nichts anderes übrig, als "blind" loszufahren und im Drei-Seen-Land einen geeignet scheinenden Ort für eine erste Peilung zu finden. Doch das klappte erst beim dritten Anlauf:

Erst in einer Entfernung von 7.5km war ein schwaches Signal aufzunehmen. Allerdings nicht mit einem normalen Peilempfänger wie meinem Snoopy, über den ich hier bereits berichtet habe.

Der Snoopy litt übrigens nicht nur unter mangelnder Empfindlichkeit für diesen speziellen Fall, sondern auch unter der Kälte. Der Oszillator driftete so stark, dass ich schließlich das Empfangssignal nicht mehr in der Mitte, sondern am Rande der Skala wiederfand. Trotzdem war ich an diesem Tag mit dem Snoopy zufrieden. Näher am Ziel erlaubte er eine genaue Peilung. Doch zurück zu Kilometer 7.5:

Glücklicherweise hatte ich vorgesorgt und mir noch ein zweites Instrument gebastelt: Eine Rahmenantenne für den FT-817. Ein "Quickie" wie man am verwendeten Isolierband sehen kann. Der Rahmen stammt von einer alten Stereoanlage. Sie diente dort als Mittelwellenantenne. Dieser Rahmen von 11x13cm war bereits mit 8 Windungen bewickelt. Nach dem Anschließen eines Drehkos ergab sich Resonanz auf 3550kHz bei ca 100pF. Der Drehko wurde durch einen 68pF Kerko und einen parallelen Trimmer ersetzt und als Koppelwicklung für den FT-817 eine einzelne Windung auf den Rahmen aufgebracht. Diese wurde direkt an die BNC-Buchse des FT-817 gehängt. Ein bisschen Isolierband drum...und fertig war die Peilantenne :-)



Wie auch beim Snoopy mit seiner Ferritantenne wird mit dem Rahmen auf ein Minimum gepeilt. Dieses befindet sich aber bei der Rahmenantenne nicht wie bei der Ferritantenne in Längsrichtung, sondern auf der Breitseite des Rahmens. Was natürlich in der Hitze des Gefechts prompt zur Verwirrung führte. Denn ich bin - was das Peilen anbelangt - ein absolut unbedarfter Anfänger.




Auf eine E-Feld-Antenne zur Seitenbestimmung habe ich beim Rahmen verzichtet. Zu diesem Zweck hatte ich ja den Snoopy dabei.

Als wir den Fuchssender nach eineinhalb Stunden gefunden hatten, war die Jagd aber noch nicht vorbei. Wir mussten den Fuchs im Wald noch mit Pfeil und Bogen erlegen. Geschossen wurde natürlich nur auf Kartonfüchse.
Anschließend sammelten wir uns um ein Feuer mit einem großen Kupferkessel und genossen ein wunderbares Fondue in freier Natur. Wie bei Asterix bei den Schweizern. Mit Schnaps und Wein und Tee für die Fahrer. Aber auch das war noch nicht das Ende dieser legendäre Spaß-Jagd. Drin an der Wärme spielten Andy HB3YAF und seine Band Kinohits aus vergangenen Zeiten.
Danke Andy!


Damit Fuchsjagden mit dem Automobil nicht in ein Rennen ausarten, darf die Zeit keine Rolle spielen. Finden oder nicht finden ist das einzige Kriterium und der Weg ist das Ziel. Mit "Sport" hat das naturgemäß nicht mehr viel zu tun - vom Bogenschießen mal abgesehen - aber eine solche Fuchsjagd ermöglicht auch älteren OM eine Teilnahme, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Probiert es einfach mal aus!

Donnerstag, 26. Januar 2017

Funkperlen reloaded: Up and Out



Out and Up

Erstmals veröffentlicht am 29. Juli 2014



Vertikalantennen scheinen vielen OM eine ideale Lösung für ihre prekären Platzverhältnisse zu sein. Wenn kein Draht gespannt werden kann, ein Stängel findet immer irgendwo Platz. Zudem strahlen Vertikalantennen flach und sind deshalb ideale DX-Antennen, glauben wir zu wissen.

Wenn da bloss das Problem der Radiale nicht wäre. Denn wo kein Platz für eine Drahtantenne ist, ist meist auch kein Raum für Radiale. Das haben die Antennenhersteller schon vor langer Zeit erkannt und kamen deshalb von den klassischen Vertikalantennen ab, die mit Traps arbeiteten und für jedes Band mindestens 2 Radiale benötigten. Sie entwickelten deshalb Vertikalantennen, die keine Radiale mehr benötigen…angeblich.

Am Speisepunkt findet man immer eine Blackbox. Meistens vergossen. Nicht so sehr wegen der Feuchtigkeit, sondern wegen der Neugier der OM. Denn viel ist nicht drin, meistens ein UNUN, manchmal noch ein Widerstand. Die Resultate sind durchzogen. Wer einen Dipol zum Vergleich besitzt, ist oft bitter enttäuscht. Interessantes Detail der Messungen von Martin, G8JNJ (s. Link oben): Eine Vergleichsantenne (gleiche Länge) über einen CG-3000 gespeist, schnitt immer wesentlich besser ab!

Gerade für Portabelbetrieb bieten sich vertikale Antennen an. Rasch mit etwas Isolierband einen Draht an eine Angelrute geklebt und ab geht’s in den Æther. Für Radials bleibt da keine Zeit. Zur Not tut’s der Mantel des Koaxkabels.

Je nach Umgebung geht das mehr oder weniger gut. Wer am Wasser sitzt, ist meist zufrieden.

HB9CMI hat, inspiriert durch die Up &Outer von W9SCH und die Experimente von DL2LTO, eine interessante Lösung für eine Portabel-Antenne gefunden. Genauso wie bei der CrankIR kann so für jedes Band exakt und rasch dir richtige Drahtlänge eingestellt werden. Sie arbeitet mit Wäscheleinen-Aufrollern, oder wie die Dinge heissen. Eine clevere Lösung.

Funkperlen reloaded: Die Fiesta Antenne


Die Fiesta Antenne

Erstmals veröffentlicht am 25. August 2014


Wenn man aus zwei Velozipeds eine Antenne basteln kann, so muss es mit zwei Autos noch wesentlich besser gehen, dachte ich mir. Doch nicht jedermann ist Krösus und muss deshalb mit einem Wagen Vorlieb nehmen. Die Frage ist: Lässt sich aus einem Mobil bereits eine Antenne basteln? Das Autochassis als Mobilantenne verwenden?

Ich habe es ausprobiert und meinen halben Sechszylinder mit der Aston Martin Schnauze mal mit HF versorgt.



Natürlich wieder mit dem bewährten Ultimate 3 von Hans Sommers und wiederum in WSPR um möglichst viele automatische Rückmeldungen zu bekommen. Das Reverse Beacon Network ist zwar auch interessant. Doch seitdem immer mehr OM das RBN missbrauchen und nur CQ rufen um sich in der Liste wiederzufinden, finde ich das RBN nicht mehr so toll.

Kurze Rede langer Sinn, ich habe also den U3 im Innern des Fiesta installiert, mit einer separaten Batterie gespeist und den Antennenausgang an die Karosserie angeschlossen. Die ganze Aussenhaut (minus Plastik) sollte als Strahler wirken. Das geht ganz einfach. Man braucht dazu nur die Antenne auf den Minuspol des Zigarettenanzünders zu legen. Doch was ist mit dem Gegengewicht?

Nun, ich habe es einfach unterschlagen. Genauso wie Tausende von OM auch. Irgendwie wird schon was rauskommen, habe ich mir gedacht und den Sender eingeschaltet: 1 Watt im 30m Band.

Gespannt bin ich dann ins Haus zurück und habe die Webseite von WSPRnet gestartet. Eine Stunde, zwei Stunden…nach drei Stunden immer noch nichts. Zwar war in meinem Stationsempfänger das WSPR Signal Loud and Clear, doch hören wollte mich keiner. Was so ein fehlendes Gegengewicht ausmacht ;-)Zwar lag die Seele des Antennenausgangs auf dem Chassis, doch das einzige Gegengewicht, das hätte wirken können – der Mantel eines kurzen Stücks Koax am U3 – befand sich im Innern eines Faradayschen Käfigs.

Ohne Gegengewicht ist also auch der Fiesta-Strahler nichts wert. Ich habe dem abgeholfen und zehn Meter Litze hinter dem Wagen auf den Boden gelegt. Durch die Autotür eingeklemmt führte sie auf den Aussenkontakt des Antennenanschlusses. Nun mussten die Wellen nicht mehr ratlos draußen umherirren, auf der vergeblichen Suche nach einem Gegengewicht. Das Resultat war frappant. Keine zehn Minuten später kamen die ersten Rapportmeldungen. Hier das Bild dazu:



Den Fiesta habe ich übrigens nicht getuned. Damit ihr mich nicht falsch versteht: Das heisst, ich habe keine Matchbox benutzt, ja, nicht einmal das SWR gemessen. Die geschaltete Endstufe des U3 verdaut solche Spässe klaglos und wir OM haben sowieso die Tendenz, das SWR zu überschätzen.

Hier noch das Bild dieser seltsamen Installation:




Wie man sehen kann, wird die Seele des Koax an den Minuspol des 12Volt Anschlusses gehängt :-)

Montag, 23. Januar 2017

Die richtige Antenne am richtigen Ort



Der wichtigste Teil eine Funkstation ist die Antenne. Hat der OM nur eine Dummy Load, nützt auch das teuerste Funkgerät nichts.
Kürzlich wurde ich von einem OM angeschrieben, der auf einem Insel-Trip in der Südsee war. Er war enttäuscht von seiner Antenne, einer High Endfeed. Sicher eine gute Antenne - aber leider am falschen Ort.
Horizontale Antennen sind keine besonders guten DX-Strahler, wenn der Operateur "die Füsse im Wasser hat". Es sei denn, er ist in der Lage, einen Beam auf einen hohen Mast zu setzen. Doch das können sich normalerweise nur die professionellen DX-Peditionäre leisten. Wer auf seiner Trauminsel die Ferien verbringt und Funken als Nebensache betreibt, ist auf einfache Antennen angewiesen. Solche, die auch ins Fluggepäck passen. Nebst all dem Kram, den wir für unentbehrlich halten.

Und da sind alle horizontalen Antennen keine optimale Wahl. Ob Dipol, Enfeed, Windom, sie strahlen nicht flach genug, um die Kollegen zuhause mit einem guten Signal zu beglücken. Zumal der Ferien-DXer den Draht in der Regel nicht hoch genug hängen kann.
Wer von uns Mitteleuropäern kann schon auf eine Palme klettern, ohne dass ihm eine Kokosnuss auf den Kopf fällt? Schafft man es, den Draht zwischen Hütte und Baum auf 8m Höhe zu hängen, ist das schon eine Meisterleistung. Im Übrigen werden Drahthöhen gerne überschätzt - auch zuhause hinter dem Haus, vom Funker und leider auch vom lieben Nachbarn.

Betrachtet man das Richtdiagramm eines Dipols für das 20m Band acht Meter über Grund am Meeresstrand, sieht man sofort, dass die Antenne viel zu steil strahlt. Die Funkwellen müssen dabei extra Sprünge einlegen, um das ferne Europa zu erreichen. Von eine Südseeinsel aus, versteht sich. Wenn der OM bloß auf Bornholm sitzt, ist der Dipol gerade richtig, um in Bielefeld gehört zu werden. Sofern Bielefeld wirklich existiert.

Für den Ferienfunker gibt es eine Antenne, die besser zur Südsee passt. Sie heißt Groundplane oder auch einfach Vertikalstrahler.
Für vertikale Antennen ist das Salzwasser des Meeres die ideale Umgebung. Hier sind diese Antennen in ihrem Element. Sie brauchen am fernen Strand nicht einmal richtige Radiale. Drei oder vier Drähte - einfach auf den Boden gelegt - genügen ihnen. Ungefähr 1/4 Wellenlänge für das längste Band - man braucht sie nicht abzustimmen. Der Rest erledigt das Meer.

Wieso also auf Palmen klettern und sich der Gefahr der Kopfnüsse aussetzen, wenn man einfach einen simplen Stängel neben die Hütte stellen kann?
Wie wir im nächsten Bild sehen, schickt eine einfache Viertelwellen-GP in Meeresnähe ihre Wellen viel flacher in den Aether als der horizontale Palmendraht:

Wer jetzt meint, er brauche zu diesem Zweck ein ganzes Bündel Alurohre, ist auf dem Holzweg. Eine Fiber-Teleskoprute passt viel besser ins Fluggepäck. Ich bevorzuge die 10m Mini von DX-Wire. Sie lässt sich auf 67cm Transportlänge zusammenschieben und wiegt nur 1.3kg. Zusammen mit etwas feiner Kupferlitze, Klebband, Schnur und ein paar Kabelbindern sollte man also unter 2kg kommen.
Der Draht wird einfach mit Isolierband an den Mast geklebt. Vorsichtshalber sichert man auch die einzelnen Segmente, sodass sie bei Sturmwind nicht zusammenrutschen.
Wer nur auf 20m und darunter arbeitet, braucht den Mast nur auf ca 5m auszuziehen. 7m sind ein guter Kompromiss für die Bänder von 15 bis 40m. Für das 10m Band sind 7m jedoch zu lang und die Antenne strahlt dann wieder steiler. 10m Länge gehen erfahrungsgemäß gut für 30 bis 80m.

Natürlich sind die 7m mit keinem Band in Resonanz. Höchstens im 30m Band -wenn man Glück hat. Doch das spielt keine Rolle, dafür gibt es Antennentuner. Bewährt hat sich bei mir ein CG-3000, der direkt am Fuss des Strahlers montiert wird. Wer auf einen Tuner verzichten muss, weil sonst die Schuhe der XYL im Koffer keinen Platz finden, muss sich die Strahler halt zurechtschneidern. Das läuft meistens auf einen Ein- oder Zweibandbetrieb hinaus. Mit zwei parallel geschalteten Viertelwellendrähte für das 20 und 15m Band, die ich bereist zu Hause abgemessen hatte, habe ich "tunerlos" vom Lemmenjoki gearbeitet. Die beiden Drähte beeinflussen sich zwar gegenseitig etwas, aber der FT-857 verdaute das anstandslos. Multidrahtantennen sind in der Regel keine besonders gute Idee. Dipole, bei denen für jedes Band separate "Äste" vom gleichen Kabel gespeist werden, sind nur schwer in den Griff zu kriegen - obschon sie immer wieder propagiert werden.

Wer jetzt meint, auch zuhause in den Bergen sei eine Vertikal die bessere Antenne, könnte enttäuscht werden. Hier, wo die excellente Leitfähigkeit des Meerwassers fehlt, haben der Dipol und Konsorten oft die Nase vorn.

Und für Euopa-QSO's reicht im Prinzip eine "nasse Wäscheleine", wie folgende Geschichte zeigt, die mir Stefan DL8SFZ zugeschickt hat:

Hallo Anton,dein Beitrag erweckte sofort Erinnerungen an meine Anfangszeit im Amateurfunk:Es war irgendwann zwischen 1983 und 1985, ich hatte 1983 die Lizenz gemacht und bei Eintritt in den DARC und somit OV auch gleich mal die „Heilige Messe Ham-Radio“ kennen gelernt. Kein geringerer als Walter, DK9SQ mit seinen Schiebemasten, war der Initiator der Ham-Fahrt und konnte immer jemanden brauchen, der beim Schleppen der vielen Kartons helfen konnte.Abends, nach getaner Arbeit saßen wir zusammen in den Klappstühlen im Besucherlager um Walters „Bomber“, seinen roten Ford Transit, der wahrscheinlich in den sehr vielen Jahren nicht einmal die Waschanlage gesehen hatte. Egal, er erfüllte seinen Zweck. Walter erzählte viel aus seinen Anfangszeiten und den vielen Antennenversuchen, die er im Laufe seines Lebens gemacht hatte. Und in diesem Moment hatte er eine Idee…. Walter stieg in seinen Transit und fuhr noch ein wenig nach vorne, bis seine Stoßstange nur noch wenige cm vom nächsten VW-Bus entfernt war. An seine Stoßstange montierte er dann an irgendeiner Stelle, die er einfach blank gemacht hat, die Seele des Koax und den Schirm klemmte er an die verchromte Stoßstange des VW-Busses.Sein Kurzwellengerät, ein Atlas 210x wurde auf den Klapptisch gestellt, kurz an die Batterie angeklemmt und mit seinem Eigenbautuner der Transit-VW-Bus-Dipol angepasst. Mehrere SSB-QSO´s auf 80m krönten den Abend und keiner der QSO-Partner glaubte uns, dass wir eine „Mobilantenne“ wie beschrieben betrieben.Dieses Erlebnis zeigte mir, dass es sicher sehr hilfreich ist, wenn man immer versucht, das Optimum anzustreben. Es zeigte aber auch, dass so manches Provisorium besser gehen kann, als man denkt. Ganz ohne Simulation, ohne Computer und Antennenanalyser. Danke für deinen Beitrag, der mir sofort diese sehr schöne Erinnerung an mein Jungerwachsensein erinnerte, an Grillfleisch auf dem Brötchen, freifliegender Aufbau und vor allem an Walter, ein Urgestein aus unserem OV, der selbst heute noch so Manchen zum Staunen bringt! Liebe Grüße in die Schweiz Stefan, DL8SFZ
Mit was man sonst noch funken kann, zeigt uns K2MIJ in seinem Blog (Danke Bernd!)
Eine wahre Funkperlenkiste für Anhänger von "Wunderantennen" ;-)

Bild: Die NATO interessiert sich für meine Antenne in der Nähe von Andenes :-)