Dienstag, 26. April 2016

Testbericht von Adam Farson zum IC-7300



Adam hat den IC-7300 ausführlich getestet. Hier sein Bericht.
Er geht darin auch auf die Besonderheiten der Direct-SDR-Architektur ein und weist auf die Unterschiede zu Superhet-Empfängern hin. Interessant sind in diesem Zusammenhang die Resultate seiner NPR-Messungen. Besonders wenn man diese mit seinen bisherigen Messungen vergleicht.

Hier der Vergleich mit dem FT-991. Die Empfänger sind im 80m Band etwa gleichwertig. Auf 40m gerät der Yaesu jedoch leicht ins Hintertreffen.
Anders sieht es aus, wenn man die Resultate des NPR-Tests mit dem K3 vergleicht. Ihn kann der 7300er nicht schlagen. Interessanterweise hat er aber gegenüber dem Cloud IQ SDR die Nase vorne.

Der IC-7300 kommt in seinem Testbericht sehr gut weg. Der einzige Wermutstropfen ist der Overload des ADC ab -10dBm. Ist die Antenne gut und breitbandig, muss mit massiven Störungen aus den Rundfunkbändern gerechnet werden. Abhilfe schafft in diesem Fall ein zusätzlicher Preselector wie zum Beispiel der oben im Bild.

Auch Rob Sherwood hat jetzt den IC-7300 in seine famose Liste aufgenommen. Allerdings misst er noch wie eh und je.


Montag, 25. April 2016

Leserpost zum IC-7300



In letzter Zeit hat sich etwas Leserpost zum IC-7300 angehäuft. Hier einige interessante Beiträge.

Mathias DK4BM schreibt:

Hallo lbr OM Anton,
was haben diese Menschen alle gemein?
Ich glaube nichts, oder die Schnittmenge ist so klein, dass sie mit meinem Equipment nicht mehr messbar ist.
Jedenfalls war ich gestern in einem Musik-Konzert in der Nähe und war natürlich wie immer bei Anlässen dieser Art, sehr an der verwendeten Bühnentechnik interessiert.
Zugleich dachte ich an meine Hifi-Anlage zuhause und stellte Parallelen her.
1973 wurde bei Philips und Sony der jetzige Standard für unseren immer noch sehr beliebten Tonträger, die Compact-Disc beschlossen und verankert.
1983, also 10 Jahre später kamen die ersten CD-Player auf den Markt, um der Analog-Schallplatte den Rang abzulaufen.
Zeitgleich stellte sich eine Gegenbewegung ein, die bis heute mit den unterschiedlichsten Tatsachen aber auch Vodoo-Geschreibsel am „schwarzen Gold“ festhält.
Anfänglich zu recht, denn die ersten Player waren mit ihren Laufwerken und unpräzisen Wandlern alles andere als gut klingende Geräte.
Nach den ersten Jahren waren die Kinderkrankheiten überwunden und die Geräte samt ordentlich gefertigter Tonträger der analogen Schallplatte weit überlegen.
Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich bei mir auch noch keine CD aufgelöst, so wie es die Weltuntergangsfanatiker prophezeit haben.
Zwar gab es das sogennante „Bronzing“ bei einigen fehlerhaft gepressten Scheiben, die Anzahl dieser steht aber in keinem Verhältnis zu den Ausschuss-Vinyl-Pressungen, wo das Etikett auf der Rille klebte, seltsame Granulat-Auswüchse den teuren Abtaster in die ewigen Jagdgründe beförderte oder durch falsche Lagerung ein Höhenschlag entstand, der sowohl den Bassmembranen als auch meinen Ohren schwer zu schaffen machte.
Kurzum, unsere Musik-Welt ist seit langem mit Wandlern verdigitalisiert: Von der Aufnahme bis zur Wiedergabe im Studio oder auf der Bühne, wo das Musikinstrument oder die Stimme mit der sündhaft teuren Technik verbunden wird, gibt es kaum oder gar keine analogen Zwischenschritte mehr.
Auf Details will ich hier nicht weiter eingehen, das würde den Blog auch sicher für viele Leser uninteressant machen.
Fakt ist aber: Die alten 1“ Bänder sind seit Jahrzehnten passé und das ist auch gut so, denn auf ihnen verschwinden ganze Frequenzblöcke während die die Vor-Echos sich mit dem immer lauter werden Rauschen die häufig schon aufgeweichte PVC-Folie teilen.
Fragt man einen Tontechniker heute nach getaner Arbeit bei einem Absacker, ob er gerne nicht mal wieder mit der „guten alten Technik“ schneiden und mischen wolle, schaut man in ein fahles, blass werdendes Gesicht mit geweiteten Augäpfeln und der klaren Aussage: “Um Himmels Willen bloß das nicht.“
Sicherlich mag mein Geschreibe den Vodoo-Jüngern gar nicht gefallen, denn mit Lautsprecherkabeln lassen sich pro Meter auch ganz locker Preise von EUR500,- und mehr erzielen.
Mit den wildesten Formeln wird hier dem Laien vermittelt, warum die Musik mehr Wärme und Räumlichkeit erhält.
Solche Mitmenschen haben noch nie in einem Probenraum gestanden oder ein Tonstudio besucht.
Sicher, die Wahrheit tut manchmal weh.
Zurück zum Icom IC-7300: Ich selbst habe noch kein Gerät in den Fingern gehabt, was in der Gesamtheit eine so runde Mischung ergibt wie dieser autarke Transceiver, der ohne PC das leistet, was andere Geräte in weitaus teureren Gefilden nicht können.
Ich betrachte hier nur die Empfängerseite, denn der Sender ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben.
Nimmt man also wieder den Tontechniker, der bei analogen Aufzeichnungsgeräten je nach Bandgeschwindigkeit und Güte noch bis +12dB aussteuern konnte.
Bei Einführung der ersten digitalen Aufzeichnungsgeräte war, wie bei unserem SDR’s bei allen High geschalteten Bits Schluss.
Versuchte man beispielsweise einen DAT mit >0dB zu übersteuern, wurde man mit einer komplett unbrauchbaren Aufnahme belohnt.
Die gesamte Arbeit war für den Allerwertesten.
Diese Erfahrung mussten etliche Techniker machen und umlernen.
Speise ich einen 1kHz Sinus auf einer freien QRG im 20m Band über eine kleine Behelfsantenne aus meinem Messsender in meinem IC-7300 ein, erhalte ich ein stabiles Mikrobensignal ohne Fading. Fange ich nun an, den ADC des Empfängers mit Zuschalten der Preamps zu überfahren ist logischerweise das Mikrobensignal dahin.
Bewege ich aber meinen ADC dank RF-Gain und ATT in einem linearen Arbeitsbereich, ist das Signal immer zu hören, bis ich fast am Linksanschlag des stufenlosen Abschwächers angekommen bin.
Das Rauschen nimmt dabei nicht zu. Mache ich den gleichen Test mit einem analogen Transceiver der deutlich höheren Preisklasse bekomme ich das Signal überhaupt nicht zu hören, ganz einfach weil das Empfängerrauschen schon alles andere platt macht.
Der deutlich höhere IP3 hilft mir da nämlich gar nicht…
Die Klangqualität der DSP-Filter und NF-Endstufe des 7300ers ist im Übrigen ein Genuss, da müssen schon die meisten anderen passen.
Ich habe noch keinen so angenehmen und ruhigen RX besessen.
Ein Vergleich mit dem preislich ähnlich angesiedelten TS-590SG von Onkel Kenni steht an, konnte aber mangels Hardware noch nicht durchgeführt werden.
Theorie und Praxis, zwei Welten, das war schon immer soJ
Vy 73s de Mathias
DK4BM




Chris, DG8VC hat folgenden Kommentar zum Tuner-Dongle geschrieben. Dieser steht zwar im Kommentar-Bereich des entsprechenden Blog-Eintrags. Er scheint mir aber so wichtig, dass ich ihn hier noch einmal wiedergeben will:

Hallo Anton!
Mit der ICOM-Tuner Steuerung habe ich mich auch eine Zeit lang beschäftigt. Gibts ja auch für teuer Geld zu kaufen.
Es geht aber noch viel simpler:
http://www.qsl.net/kg6mvb/tuner.htmloder
http://www.hampedia.net/icom/ic-706-10-watt-tune-modification-an-icom-ic706-tune-trigger.phpFunktioniert an meinem IC-7200 einwandfrei.
73, Chris DG8VC


Ekki DK2CH hat sich den Layout des Mainboards im IC-7300 genau angesehen und eine interessante Entdeckung gemacht:
Hallo Anton,
ich habe mal das Layout vom Mainboard (Oberseite) für ADC und FPGA aus dem Service-Manual
(gibt es in mods.dk) rausvergrößert und die Anschlußbelegung vom LTC2208-14 und LTC2208 (16Bit) aus den Datasheet-Beschreibungen übernommen. Die ADCs sind pinkompatibel.
LTC2208-14 :
Eingang Pin 8 und 9
Ausgänge Pin 44 bis 48 und Pin 51 bis 59 (14 Bit)
Pin 42 und 43 wären dort NC, es gehen aber Leiterbahnen von diesen Pins zum FPGA.
LTC2208 (16Bit) :
Eingang Pin 8 und 9
Ausgänge Pin 42 bis 48 und Pin 51 bis 59 (16 Bit)
Also : Die Leiterplatte ist schon mal für den späteren Ausbau (16 Bit) vorbereitet und Daten vom Pin 42 und 43 werden in der FPGA-Software ( in Assembler NOP ) nicht benötigt oder es ist doch schon der 16 Bit-ADC eingebaut.
Wir spekulieren weiter, hi.
Anbei die drei JPG-Files.
vy 73 de DK2CH Ekkehard (Ekki)

Michael IN3RAY, der übrigens auch ein eigenes Blog hat, meint zum Preselector:

Hallo Anton,
auch ich stand mal vor den selben Problemen mit meinem SDR - als Preselector habe ich mich für ein "Z-Match" entschieden, da hat man dann Antennenanpassung und Vorselektion. Im WEB gibt es tolle Bauanleitungen. Würde mich freuen wenn du mal wieder auf meinem Blog vorbeischaust.
Beste 73 de
Michael / IN3RAY


Bild: Inselquiz. Um welche (europäische) Insel handelt es sich hier?







Sonntag, 24. April 2016

IC-7300 - Glauben und Wissen




Rund einen Monat ist es her, seit die ersten Funkamateure einen ICOM IC-7300 im Shack stehen haben. Die Diskussionen in den Foren sind inzwischen abgeflaut, die Emotionen haben sich gelegt. Nur ein paar Wadenbeißer sind noch unterwegs.

Was wissen wir heute über dieses angeblich so neuartige Gerät?

Was andere wissen, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich kann nur berichten, wie es mir ergangen ist:

Mit Direct SDR hatte ich mich in der Vergangenheit nie befasst. Mir waren die Kisten zu teuer und Funkgeräte, die einen Computer zum Betrieb benötigen, ein Graus. Der IC-7300 hat mich jetzt motiviert, dieses Empfängerprinzip etwas genauer anzusehen.

Zuerst war ich überwältigt von der Möglichkeit, nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen, was auf den Bändern passiert. Doch als die Overflow-Anzeige zu flackern begann, und plötzlich nur noch Gibberish zu sehen und zu hören war, verschwand die Euphorie schlagartig. Der IC-7300 zeigte ein Verhalten, das ich von anderen Transceivern nicht kannte. Starke Signale von Rundfunksendern im 31m Band konnten das 20m Amateurfunkband in eine Müllhalde verwandeln.

Nur der KX-3 von Elecraft hatte mich mit einem ähnlichen Phänomen überrascht. Doch der AM-Durchschlag beim KX-3 hatte eine andere Ursache. Beim IC-7300 ist der AD-Wandler (ADC) ab einem bestimmten Eingangspegel schlichtweg überfordert. Overflow - Überlauf, wird das Phänomen genannt.

Das ist keine Eigenart des IC-7300, sondern eine Eigenschaft aller Direct Sampler. Ob Flex, Anan, Elad und wie sie alle heißen. Alle haben einen maximalen Eingangspegel, den der Wandler verdauen kann. Wenn dieser Überschritten wird, kann es die Software nicht mehr richten. Der ADC ist das schwächste Glied in der Kette. Bricht es, ist der Ofen aus.

Beim IC-7300 sind es etwa -10 dBm, also ca. 70 mV. Das scheint viel, doch es handelt sich dabei um die Summenspannung, die von einer Antenne geliefert wird. Somit können auch mehrere Stationen unterhalb dieses Pegels gemeinsam den ADC in den Anschlag treiben.

Natürlich hängt das auch von der Antenne ab. Meine ist dummerweise recht breitbandig.
Aber es gibt noch einen anderen Faktor, der entscheidend ist: das Vorfilter (Preselector). Wenn vor dem ADC-Wandler Filter sitzen, kann zum Teil verhindert werden, dass zu hohe Summenspannungen auf den ADC gelangen. Im Idealfall wären das Bandfilter für jedes einzelne Amateurfunkband.

Beim IC-7300 ist das leider nicht der Fall. Für das 30m und 20m Band steht nur ein gemeinsames Filter von 10 bis 15 MHz zur Verfügung. Also keine schmale Tür, sondern ein Scheunentor, das alles, was in diesem Bereich geschieht, und noch etwas darüber hinaus, auf den ADC loslässt. Ein Kompromiss zu Gunsten eines günstigen Preises.

Allerdings hat ICOM eine Notlösung für den geplagten OM eingebaut: Der RF-Gain wirkt direkt auf einen stufenlosen PIN-Dioden-Abschwächer vor dem ADC. Damit kann man das Eingangssignal zurückregeln (dämpfen) und den ADC im Störfall entlasten. Dadurch verringert sich jedoch auch die Empfindlichkeit und schwache Signale verschwinden im Rauschen.

Ein akzeptabler Kompromiss, mit dem ich angesichts des günstigen Preises und der anderen "Features" leben kann. Der IC-7300 ist ja nicht per se ein schlechtes Gerät und hat viele gute Eigenschaften.

Doch die Illusion, der IC-7300 könnte vielleicht mehr sein und wesentlich teurere Superhet-SDR in den Schatten stellen, ist verflogen. Gegen Geräte, wie zum Beispiel der  TS-590 von Kenwood, hat das Teil keine Chance. Und das er mit dem IC-7600 gleichziehen würde, ist ein Traum. Der IC-7300 ist ein Low Cost und Lifestyle Gerät. Dazu ist das Direct-SDR Prinzip bestens geeignet.

Wie gesagt, alle Direct-SDR weisen einen maximalen Eingangspegel für ihren ADC auf. Und da alle mehr oder weniger die gleichen Wandler benutzen, bewegt der sich auch in der gleichen Größenordnung.

Aber es gibt noch andere Eigenheiten, die dieses Empfängerprinzip charakterisieren. Die Augen geöffnet hat mir das Studium der Unterlagen zum ADAT-200A. Dieser Direct-SDR Transceiver wurde von Hans Zahnd entwickelt und wird seit 2009 von Lixnet vetrieben. Ein geniales Ingenieur-Produkt, leider ohne adäquates Marketing. Das Resultat: Bedeutungslosigkeit und Nischendasein.

Der ADAT ist nicht gerade der Schönste und hat mehr das Flair eines Defibrillators als das eines Funkgeräts. Aber er ist der Ehrlichste von allen. Ein Blick in die Spezifikationen genügt. Da steht zum Beispiel klipp und klar -8dBm als maximale Eingangsspannung. Notabene ohne Vorverstärker und ohne Abschwächer. Daten, die man bei der Konkurrenz vergebens sucht.

Doch da ist noch mehr. Direct-SDR verhalten sich grundsätzlich anders als Superhets. Die klassischen Messungen führen daher auf den Holzweg. Denglisch Woodway ;-)

Klar wird das, wenn man die Parameter Verifikation des ADAT aufmerksam studiert. So wird zum Beispiel die klassische Intermodulationsmessung zur Farce.

Zitat aus dem Dokument: Während die IM3-Produkte eines analogen Vierpols mit 3dB pro 1dB Erhöhung des Einganssignals ansteigen, sind sie bei einem AD-Wandler in erster Näherung konstant. Dadurch wird der IP3 abhängig vom Eingangspegel und erreicht sein Maximum an der Übersteuerungsgrenze.

Doch das ist nicht die einzige Besonderheit der Direct-SDR, auf die man stößt. Erstaunlich, dass davon bei Rob Sherwood nichts zu lesen ist. Stolz steht nach wie vor der Flex 6700 an der Spitze seiner Liste und erreicht angeblich sagenhafte 108dB DR bei 2kHz Abstand, und das bei eingeschaltetem Vorverstärker. Das glaubt nicht mal der Storch.

Auch die ARRL hat mich enttäuscht. Im neusten Heft steht ein Testbericht über den ELAD. Kein Wort über den maximalen Eingangspegel. Kein Wort darüber, wie sich der Empfänger tatsächlich in Gegenwart von sehr schwachen und sehr starken Signalen im ganzen Eingangsbereich des ADC verhält. Stattdessen die üblichen Messungen.

Nur Adam Farson AB4OJ scheint mit seinen NPR-Messungen auf der richtigen Spur zu sein. Schaut man seine Resultate an, so erhält man einen Eindruck, wie gut Direct-SDR wirklich sind (s. S. 6-9)

Bild: Old Tschätterhänd lädt die Flinte nach

Mittwoch, 20. April 2016

Ein Tuner-Dongle für ICOM-Transceiver



Damit ich meinen neuen IC-7300 mit verschiedenen externen Antennentunern betreiben und die Tune-Taste auf dem Transceiver benutzen kann, habe ich heute einen "Dongle" gebaut.

Das ist ein Stecker, der in den Tuner-Anschluss auf der Rückseite des Geräts passt.
Eine kleine Schaltung veranlasst den Transceiver, beim Drücken auf die Tune-Taste während ca. 5 Sekunden ein 10W CW-Signal auszusenden. Das reicht den meisten automatischen Tunern zum Abstimmen.

Beim Anschluss des Original ICOM-Tuners ist das Teil natürlich nicht nötig. Auch der Stockcorner JC-4 lässt sich als ICOM-Tuner konfigurieren und direkt vom Transceiver aus steuern. Ein CG-3000 jedoch nicht. Ihm hilft der Tuner Dongle auf die Sprünge. Dieser lässt sich übrigens für alle ICOM-Transceiver seit dem IC-706 verwenden.

Da ich bereits in der Schule immer abgeschrieben habe (hinterste Reihe Fensterseite) macht es mir nichts aus, auch heute zu kopieren. Eine passende Schaltung für meinen Dongle habe ich hier gefunden.

Nach einem fliegenden Aufbau für einen ersten Versuch habe ich die Schaltung auf einen Laborprint gelötet und dann in einen Schrumpelschlauch gesteckt: In einen von der dickhäutigen Sorte, mit Klebemasse drin














Für den Kondensator habe ich 47uF genommen. Das ergibt ein Abstimmsignal von ca. 5 Sekunden. Der IC-7300 liefert beim Abstimmen je nach Band zwischen 8 und 9W. Genug um einen Tuner schonungsvoll abzustimmen.

Bild: Mein jüngstes "Kind": Wie bereits die letzten drei Bücher ein Steampunk/SF-Roman. Die Zukunft aus der Vergangenheit ;-)

Montag, 18. April 2016

Prozessgewinn

Direct Sampler, also Empfänger bei denen das Antennensignal über Bandpassfilter direkt auf den Wandler gelangt, wie zum Beispiel ANAN, FLEX oder ADAT, bedienten bisher bei Funkamateuren und passionierten Kurzwellenhörern nur eine kleine Nische. Die großen Amateurfunk-Hersteller wie Yaesu, Kenwood, Icom und Elecraft setzen zwar auch auf SDR, aber bevor das Signal den AD-Wandler erreicht, wird es auf eine Zwischenfrequenz gemischt, dort schmalbandig gefiltert (Stichwort Roofing Filter) und erst dann auf den AD-Wandler losgelassen.

Mit der Markteinführung des IC-7300 wird nun plötzlich die breite Masse der Funkamateure mit dem Direct Sampler konfrontiert. Aha-Effekte und Lernprozesse sind die Folge.
Eine gute Sache, den ein Tag unseres Lebens, an dem wir nichts dazu lernen, ist ein verlorener Tag.

Meine Blogeinträge zum IC-7300 haben eine Flut von Emails ausgelöst. Leider kann ich nicht auf alle eingehen. Ich müsste sonst eine Sekretärin anstellen.

Auch Paul, HB9DFQ, der sich intensiv mit SDR auseinandersetzt und experimentiert, hat mir zu diesem Thema ein interessantes Mail geschrieben. Hier ist sein Kommentar:


Ich möchte an dieser Stelle auch noch einige Informationen zum Thema SDR geben:

Es kommt nicht nur auf die Anzahl Bit des A/D-Wandlers an.
Delta-Sigma Audiowandler haben in der Regel nur ein Bit, arbeifen dafür mit extrem hohen Oversampling.

Was als Konversionsgewinn in einem SDR Empfänger rauskommt, möchte ich anhand von Messungen
an meinem Perseus-RX aufzeigen. Ich verwende zu diesem Zweck allerdings nicht die Original-Software sondern meine Eigene.

Die 4 Bilder in der Beilage zeigen den Signalverlauf innerhalb des Empfängers:

Als Testsignal wurde ein Signal mit einer Frequenz von 1 MHz und einem Pegel von -82 dBm verwendet.
-82 dBm entsprechen einem Signal zwischen S7 und S8.

Bild1 zeigt dieses Signal direkt nach dem Analog/Digital-Konverter.
Der ADC arbeitet mit 14 Bits und 80 MSamples/s.
Eine Signalperiode wird demnach 80 Mal abgetastet. Da die x-Skala um den Faktor 2 gedehnt wurde zeigt die Grafik eine Periodendauer von 160 auf.
Das Signal ist so stark verrauscht dass es kaum erkennbar ist.




Die Datenrate dieses Signals wird nun im Downkonverter soweit dezimiert damit das Signal mit einer tieferen Rate via USB zum PC übertragen werden
kann. Das wird im Perseus mit einem FPGA realisiert, es gibt jedoch auch spezielle IC's dafür.

Bild2 zeigt nun was aus dem Perseus-Kästchen rauskommt:Es ist ein I/Q Signal welches schon 2x24 Bit Auflösung hat und
viel weniger verrauscht ist. Allerdings beträgt die Bandbreite hier nur noch 250 kHz. Dieses Signal wird nun vom PC weiter verarbeitet.



Bild3 zeigt das selbe Signal nach einer weiteren Dezimation. Hier beträgt die Bandbreite nur noch 25 kHz.
Das Rauschen ist fast nicht mehr sichtbar.



Bild4 zeigt das Audiosignal mit 2.4 kHz Bandbreite. Das Rauschen ist hier nicht mehr sichtbar.



Das Rauschen in Bild1 ist sicher um den Faktor 100 grösser im Vergleich zu Bild 4.
Dies entspricht 40 dB Gewinn.

Nebenwellen, Intermodulationsprodukte etc. werden jedoch dadurch nicht 40 dB verbessert.
Dies muss mit einem Presektor-Filter oder einem besseren ADC realisiert werden.

Die Praxis zeigt, dass ein Preselektor nicht unbedingt notwendig ist.

Ich hoffe, dass ich mit diesem Beitrag etwas zum Verständnis dieser Technologie beigetragen habe.

73 de
Paul (HB9DFQ)


  

Sonntag, 17. April 2016

Ein Preselector für den IC-7300

Um das Problem mit dem Overflow des AD-Wandlers zu entschärfen, ohne den RF-Gain und damit die Empfindlichkeit des Empfänger zurückregeln zu müssen, könnte man zum Beispiel einen Preselector bauen.
Eine solche "Vorselektion" war früher in Röhrenempfängern üblich und ist später Bandpassfiltern zum Opfer gefallen, als die Großsignal-Festigkeit der Geräte besser wurde.

Eine Hardware-Lösung für einen Software-Empfänger. Irgendwie lustig, nicht wahr?
Doch Versuch macht klug. So habe ich mal einen Einfachst-Preselector mit einem Drehko und einer Spule aufgebaut.
Das Ziel war es, eine möglichst geringe Durchgangsdämpfung zu erreichen und nicht etwa eine hohe Selektion. Denn ein paar dB Dämpfung in den Rundfunk-Bändern genügen, um die OVL-Anzeige zum Erlöschen zu bringen.

Hier meine Versuchsanordnung:



Das Resultat lässt sich sehen. Mit dem 500pF Drehko kann man den Preselector von 10 bis 20 MHz abstimmen. Die Durchgangsdämpfung im 20m Band betrug maximal 1.5dB und die Dämpfung in den Rundfunkbändern war genügend groß, um die OVL-Anzeige zu besänftigen - sogar bei eingeschaltetem Vorverstärker.
Einzig mit dem 22m Rundfunkband könnten noch Probleme auftreten, da dieses sehr nahe am 20m Amateurfunkband liegt. Doch zurzeit habe ich dort keine sehr starken Signale.

Mit einem Relais, durch den IC-7300 gesteuert, könnte man den Preselector im Sendefall umgehen. Anstatt eines Drehkos liessen sich auch Kapazitätsdioden einsetzen. Doch der Einsatz eines nichtlinearen Elements schien mir keine gute Idee zu sein.

Hier die Selektionswirkung dieser einfachen Schaltung im Falle des 20m Bandes:





























PS: Seit kurzem habe ich die Kommentar-Funktion für dieses Blog eingeschaltet. 

Samstag, 16. April 2016

IC-7300 gegen Radio China

Der IC-7300 ist ein gefälliges Truckli mit guten Filtern, gutem NB und einer NR, die ohne Blubbern auskommt. Der Empfänger klingt klar und rund und die Modulation des Senders ist schon mit dem Handmikrofon und den Werkseinstellungen fast perfekt. Der Bildschirm mit dem Band- und Audioscope erschliesst eine neue Dimension - schließlich sind auch wir Funkamateure Augenmenschen.

Die Waschmaschine habe erst dann weite Verbreitung gefunden, als sie ein Fenster erhalten habe, hat mir kürzlich ein Funkamateur telegrafiert.

Sein Fenster und sein günstiger Preis dürften auch dem IC-7300 zu einem Markterfolg verhelfen. Dieses Gerät ist wohl mehr als bloß ein weiterer Transceiver. Vielleicht wird er gar zu einer Art Lifestyle Device für den heutigen Funkamateur. Das Teil hat einen vom Touch Smartphone ;-)

Der IC-7300 ist sexy - die SDR-Blackboxen sind nur teuer.

Ob da das Label "Direct Sampler" eine Rolle spielt, ist schwer zu sagen. Allerdings ermöglicht nur das Prinzip der direkten Digitalisierung die Herstellung eines "Fenstergeräts" zu einem günstigen Preis.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Und der grösste Schatten wirft beim IC-7300 sein AD-Wandler. Das schwächste Glied in der Kette seiner Innereien.

Wenn die Summe der Signale an seinem Eingang einen bestimmten Wert überschreitet, kann er die Signale nicht mehr alle schlucken. Das Resultat: die Overflow-Anzeige blinkt in seinem Fenster und aus seinem Empfänger dringt ein Tohuwabohu, das alle schwachen Signale platt macht.

Das geschieht etwa ab -10dBm, also etwa ab 70mV am Wandlereingang. Da hilft dann nur noch der Regler RF-Gain, der beim 7300er nichts anderes ist, als ein stufenloser Abschwächer zwischen Antenne und Wandler.
Bei mir war das bisher jeden Abend auf dem 20m Band der Fall :-(

Doch wer ist für diese 70mV verantwortlich?

Um das herauszufinden, habe ich kurzerhand meinen Spektrumanalyzer an die Antenne gehängt. Im folgenden Bild sieht man den Bereich zwischen 9 und 16 MHz - also etwa den Bereich, der auch der IC-7300 durch sein Bandfilter im Falle des 30m und 20m Bandes auf den AD-Wandler loslässt:


Wir sehen hier die starken Signale der Rundfunkbänder. Von links nach rechts: das 31m, 25m, 22m und 19m Band. Das stärkste Signal gestern Abend war Radio China International auf 9480 kHz, in Französisch aus Albanien. Mit -8.95 dBm Spitzenwet reichte es zeitweise alleine aus, um den AD-Wandler zu übersteuern. Doch Vorsicht vor falschen Schlüssen: Auch viele schwächere Signale können in ihrer Summe den kritischen Wert erreichen und überschreiten. Es braucht nicht immer einen einzelnen "Bösewicht".

Hätte ICOM nicht etwas zuviel gespart und zum Beispiel dem 20m Band ein separates Bandfilter spendiert, wäre gestern Abend bei mir das Band ruhig geblieben.

Ist das schlimm?
Für die meisten Funkamateure wohl kaum. Meine L-Antenne ist breitbandig und scheinbar besser, als ich gedacht hatte. An einem Beam oder einer GP für das 20m Band wäre das vermutlich nicht passiert, schon gar nicht an einer Magnetloop oder an einer "Wunderantenne". Die meisten Funkamateure kommen vermutlich gar nie in den "Genuss" einer flackernden Overflow-Anzeige auf dem 7300er. Und wer sich einen Tower mit einer Big Gun leisten kann, hat ohnehin das nötige Kleingeld, sich ein besseres und teureres Gerät zu leisten.

Denn obschon es die Fan-Gemeide der Digitalen Empfänger nicht wahrhaben will: Ein guter klassischer Empfänger ist zurzeit immer noch besser, als ein so genannter SDR. Übrigens ein irreführender Begriff. Auch die Superhets sind heute meist SDR. Bastarde halt, keine reinrassigen.

Einer der da etwas Licht ins Dunkel gebracht hat, ist Adam AB4OJ. Mit seiner Messmethode NPR (Noise Power Ratio) hat er einen Weg gefunden, die Qualitäten eines Empfängers besser zu beurteilen, als es mit den bisherigen Messmethoden der Fall war. Damit können auch klassische Empfänger einigermaßen fair mit Direct Samplern verglichen werden.

Das Übersteuern des AD-Wandlers ist ja kein ICOM-spezifisches Problem. Andere Direct Sampler kämpfen auch damit. Die meisten werden wohl bei Erreichen eines bestimmten Pegels automatisch und diskret einen Eingangsabschwächer aktivieren. Wieso das ICOM mit seinem stufenlosen PIN-Dioden-Abschwächer nicht tut, ist mir ein Rätsel. Beim Drücken des E+ Knopfes würde ich etwas Ähnliches erwarten. Doch es passiert nichts. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.