Montag, 10. Juli 2017

Kreislaufkollaps beim IC-7400

Wer von sich behauptet kerngesund zu sein, den haben die Ärzte zuwenig untersucht.

Genauso ist es bei Occasionen im Amateurfunk. Die meisten Geräte haben irgendeine Macke.

Ein zweiter Blick auf meine Neuzugänge offenbarte, dass auch der IC-7400 seine Gesundheitsprobleme hatte. Von außen und innen sah er zwar aus wie erst kürzlich gekauft, doch der Schein trog.
Zuerst waren es nur kleine Zuckungen der ALC, dann ging plötzlich die Ausgangsleistung in den Keller - erratisch und von Band zu Band unterschiedlich. Zuerst nur zaghaft, dann immer heftiger.

Der IC-7400 von Icom hat eine lange Krankengeschichte. Dass der Sender den Geist aufgibt, ist nicht unüblich und kann verschiedene Gründe haben. Doch die beschriebenen Symptome deuteten in meinem Fall auf eine defekte Treiberstufe hin.

Mein Verdacht wurde bestätigt, als ich die beiden MOS-FET Chip auf der Treiberplatine berührte: ich verbrannte mir die Fingerspitzen. Notabene im Leerlauf. Schon mit 10W in CW sprang die Leistungsanzeige hin und her, wenn ich mit dem Schraubenzieher auf die Transistoren drückte - Wackelkontakt!

Hier ist die Treiberplatine sehen, die mit zwei Schrauben huckepack auf dem PA-Board befestigt ist:


Doch Abschrauben allein reicht nicht. Denn das Board ist nicht mit Steckern versehen, sondern gelötet. Um das Treiber-Board zu entfernen, müssen 16 Verbindungen entlötet werden. Eine heikle Operation, die Lötkolbenpitzengefühl und gute Entlötlitze braucht.
Unten auf dem Treiber ist ein kleiner Kühlkörper aufgelötet. Die beiden Schrauben drücken ihn auf eine Erhebung im darunterliegenden Chassis:



Wie man sieht, wurde keine Wärmeleitpaste verwendet. Das war Fehler Nummer eins. Fehler Nummer zwei liegt beim viel zu hohen Ruhestrom der Transistoren. Gemäß meinem Servicemanual soll dieser 2.5 Ampère betragen. Das bedeutet bereits 30 bis 35 Watt Verlustleistung!
Kein Wunder löten sich die Transistoren von selbst aus und kreieren damit Wackelkontakte. Was haben sich die Ingenieure nur dabei gedacht!
Icom hat später in einem Servicebulletin den Ruhestrom auf 1.5 A reduziert. Aber auch das ist meines Erachtens noch zuviel. 500 bis 600mA sollten reichen und dürften die Intermodulationswerte kaum merklich erhöhen.

Der dritte Fehler ist m. E. der eingesetzte Transistor, ein 2SK2975. Er ist ein unzuverlässiger Geselle und hat auch in anderen Amateurfunkgeräten oft für Ausfälle gesorgt - zum Beispiel in der ersten Serie des FT-817. Dort arbeitete er in der Endstufe.
Als Ersatz für die suspekten 2SK2975 habe ich übrigens RD07MVS1 genommen. Sie sind, im Gegensatz zu den rar gewordenen 2SK2975, gut erhältlich und kosten wesentlich weniger.

Aber es gab noch einen vierten Fehler zu entdecken: Das Schema zum IC-7400 ist fehlerhaft. Hier mit Korrektur:


Soweit so gut. Doch wie lötet man diese schrecklichen Chip-Transistoren ein und aus?
Die Anschlüsse befinden sich ja unter dem Chip und sind der Lötkolbenspitze nicht zugänglich.

Ohne Heißluft geht das nicht. Aber auch da wird es schwierig. Ich habe deshalb eine Art Hilfswerkzeug gebaut, mit dem ich den Kühlkörper auf der Unterseite des Treiber-Boards vorheizen kann. Dieses wird in einen kräftigen Lötkolben eingespannt. Leider besitze ich keine Fräse. Das Hilfswerkzeug besteht deshalb aus einem Stück gequetschtem Kupferrohr; die beiden Nocken greifen in die Vertiefung des Kühlkörpers, sodass die ganze Chose bei der schwierigen Operation stabil bleibt.


Der Kühlkörper wird damit so lange vorgeheizt, dass auf die Source-Anschlüsse etwas Zinn und Fluxer nachgegeben werden kann. Dann werden beide Transistoren mit der Pinzette exakt platziert.
Etwas Heißluft aus einer feinen Düse erledigt den Rest. Auch der Zinn unter den Drain und Gate-Anschlüssen verflüssigt sich nun, und die aufschwimmenden Chips können mit der Pinzette sanft runtergedrückt werden.

In der Hoffnung, dass die unsichtbaren Lötstellen unter den Chips in Ordnung sind und die Transistoren trotz der Hitze noch leben, kann das Board wieder eingebaut werden. Ich habe dabei etwas Wärmeleitpaste Arctic Silver zwischen die Kühlkörper gegeben.

In meinem Fall hatte ich Glück: Der Sender des IC-7400 läuft nun wieder ohne Fisimatenten, mit voller Leistung von 160 bis 2m.

PS. Auf dem ersten Bild ist das Treiber-Board mit den bereits ausgetauschten Transistoren zu sehen.

  

1 Kommentar:

Peter Sidler hat gesagt…

So eine Krückenkonstruktion gibt es nur bei Icom. Gratuliere zur erfolgreichen Reparatur unter solch widerlichen Verhältnissen Anton!

73, Peter - HB9PJT