Donnerstag, 23. August 2018

Pourquoi pas?





Von Stefan DL8SFZ hat mich gestern eine Email erreicht, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Er weist darauf hin, wie weit die Digitalisierung im Amateurfunk bereits fortgeschritten ist:

Hallo Anton,
danke für den Beitrag in deinem Blog, das hat mal wieder Gedanken in mir ausgelöst. Vor allem mit dem Vergleich bei Contesten. Hier könnte man auch sagen, kennt Ihr die magische Zahl beim Afu? Sie lautet 5973! Aber über die Unart der Rapportierung unseres QSO´s habe ich mich an die Betriebstechnik erinnert. Wer heute darüber lacht, dass mit drei Funktionstasten ein komplettes QSO abgewickelt wird, der hat noch nicht gesehen, was bei manchen Stationen im Contest abgeht.

Der Operator erkennt Bruchstücke des Rufzeichens und gibt diese in das Eingabefensters seines PC ein. Dieser ruft sofort alle aus diesen Fragmenten möglichen Rufzeichen auf und listet diese untereinander auf. Somit kann der Operator grob abschätzen, welche Gegenstation es eventuell ist, die er da gerade arbeitet. Ein Klick auf das auszuwählende Rufzeichen ergibt sofort

· Standort der Station

· Entfernung der Station

· Laufende QSO-Nummer

· Vorgefertigter Rapport.

Und wer will, kann sich anzeigen lassen, wann die letzten Kontakte waren.

Gehen wir zu den DX-Jägern, denn die sind noch mehr digital als die Contester.
Entdeckt das Programm in einem zugewiesenen Cluster ein Rufzeichen, das noch nicht im Logbuch steht, gibt es eine Meldung aus. Der Operator klickt auf das Rufzeichen und schon dreht sich der Beam in die richtige Richtung und das Funkgerät stellt die angegebene Frequenz ein. Sogar das Tunen der Antenne wird automatisiert durchgeführt. Diese Technik kombiniert mit dem Logprogramm ergibt den Eintrag in Selbiges und setzt dann auch noch eine neue Clustermeldung ab. Fast schon ein Wunder, wenn der Operator noch sprechen muss, denn nicht selten rufen bei Contesten in den etwas ruhigeren Stunden die Papageien ihren Call und das ganz ohne heiser zu werden. Meldet man sich dann, bringt man die OP´s schon fast aus der Ruhe und eine ganz andere Stimme wickelt dann noch das QSO ab. Und selbst hier habe ich den Verdacht, dass es schon Automatismen gibt, die das durchführen können.

In der digitalen Welt ist so viel möglich. Unsere alten Erinnerungen an Checklog und Papierlogbuch gehören zu den nostalgischen Gegenständen. An der Station sind heute genauso viele PC´s im Einsatz wie Funkgeräte. Die nächste Stufe ist ja auch schon da, dazu braucht man nicht einmal mehr die Antenne, da geht dann schon alles über das Internet. Dann wird es in Zukunft nicht mehr heißen, wie viele Stationen habt ihr erreicht, sondern wer hat alle in welcher Zeit erreicht. Das hat dann den Vorteil, dass der Äther wieder leerer wird und die manuellen, analogen Operatoren wieder ihre Nische finden können. Ganz einfach mit Taste oder Mikrofon, vielleicht ganz ohne Logbuch, aber dafür mit vielen emotionalen Momenten, wenn man mit 100 Watt im Störnebel die Gegenstation doch ausmachen konnte und man sich auch mal wieder über Wetter, Station, Antenne und Wohlbefinden unterhalten konnte.

Liebe Grüße in die Schweiz, ich schaue immer wieder ein klein wenig neidisch auf eure schönen Berge!

Stefan, DL8SFZ


Soweit das Mail von Stefan. Da kann man nicht nur von Digitalisierung, sondern muss wohl von einer Professionalisierung des Amateurfunks sprechen. Ein erstaunlicher und zugleich bedenklicher Trend, der mich in diesem Ausmass überrascht. Aber ich hatte bisher schon zuweilen den Verdacht, dass viele dieser DX-Peditionen eine Art "Business-Model" sind und dass bei Contesten wie im Sport "gedopt" wird - zumindest "technisch gedopt". Stefan schrieb mir dazu noch folgende Bemerkung:

Natürlich sind nicht alle DX-er und Contester so unterwegs, aber die, die im Contest vorne mitmischen, sind ganz sicher so unterwegs, weil du mit den klassischen Methoden kaum mehr eine Chance hast. Wenn ich da an die alte Contestgruppe von P02 denke, was für einen Aufwand hier für den 2m-Contest gemacht wurde… Wahnsinn!
Und das mit der DX-er Technik können die umsetzen, die zum Einen das Geld für Equipment haben und die Neigung, Computer und Funk via Internet zu verknüpfen. Eigentlich schon Experimentalfunk, denn es gibt da nicht alles fertig zu kaufen.


Danke lieber Stefan, für diesen interessanten Diskussionsbeitrag.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…


Ich vermute mal das Photo stammt noch aus den BergFerien: Dem
Eingangsschild zu einem amurösen Abend..
ABER, Du bist entschuldigt: War soo heiss dieser Tage, volles Verständnis..
Wir Funkamateure sind doch grosszügig..
;)

Grüsse aus dem Ticino, salute 73
hb9iqp alfredo

Anonym hat gesagt…

Es gab vor Jahren schon Leute, die kamen abends nach Hause und haben dann erst einmal überprüft, was sie den Tag über wieder alles auf den Bändern "gearbeitet" hatten. Erlebt habe ich so etwas vor langer Zeit schon in der Betriebsart RTTY. Und heute - mit den digitalen Betriebsarten ist dies wohl überhaupt kein Problem mehr. Wo bleibt der Amateurfunk, wenn die PCs miteinander "sprechen"?

Wer den nötigen Aufwand daheim nicht leisten mag oder kann, hat immer noch die Möglichkeit sich im Internet Betriebszeit für richtig leistungsfähige Stationen zu mieten.

Am Ende des Tages fragt dann niemand, wie das ein oder andere "Diplom" zustande gekommen ist.

Vielleicht liegt es auch daran ... und nicht nur immer an der fehldenden Antennenmöglichkeit, dass Spielarten wie SOTA und QRP immer mehr Zulauf bekommen.
Vielleicht ist es die Sehnsucht nach dem "Authentischen" - die viele - wie mich auch umtreibt...

Viele Grüße an alle "Handwerker"

Armin