Samstag, 5. November 2016

Palm schrumpft die Schnapsnase



Unverhofft kommt oft. Die Surplusparty in Zofingen hatte ihre Nachwirkungen. Am Montag sah ich plötzlich Blitze und Wolken vor meinem linken Auge vorbeiziehen, während das rechte noch schönes Wetter zeigte. Das führte dann zu einem Rendezvous mit einer netten Berliner Augenärztin in Bern und einer Bekanntschaft mit ihrem Laser.
Am Dienstag - ich hatte mich gerade zur Erholung aufs Ohr gelegt - tauchte dann ein netter junger Herr in einem offenen Sportwagen auf, und brachte mir ein kleines Päckchen und eine CD mit Musik von Pink Floyd. Das Erste zum Testen, das Zweite zum Hören.
Das traf sich gut, hatte mir die Ärztin doch vom Lesen abgeraten. Da bleibt einem dann nur noch das Hören...und natürlich das Morsen.

Doch lassen wir die Katze aus dem Sack: Im Päckchen befand sich eine geschrumpfte Schnapsnase:
Die Pico Single von Palm. Oben im Bild neben der "normalen" Palm Single.

Ich benutze ja schon seit einiger Zeit eine Palm Single, vorzugsweise in den Ferien. Wegen ihres roten Paddels nenne ich sie "Schnapsnase", und nicht etwa weil ich es schätze, beim Chatten mit der Taste ein gutes Glas dabei zu haben.  

Wie ihr wisst, bin ich nicht nur fleißiger Falschmorser, sondern auch Single-Morser. Denn ich finde, dass man mit einem Paddle nur halb so viele Fehler macht wie mit zwei. Und das "Squeezen" hat mich immer etwas irritiert und aus dem Takt gebracht. Kurz: ich bevorzuge einarmige Banditen.

Schon die große Schnapsnase ist eine Femme Fatale. Nicht leicht im Umgang, aber ein Mann kann ihr total verfallen. Die Kleine ist noch eine Stufe diffiziler. Sie lässt sich zwar ebenso gut entkleiden wie die Große, doch man braucht eine feine Hand um sie richtig einzustellen. Eine Viertelumdrehung zuviel an einer ihren winzigen Inbusschrauben, und schon hinkt sie.
Bereits die große Schnapsnase hatte diese Eigenart. Einige Male habe ich versucht, sie so scharf einzustellen wie eine Heavy Metal Taste von Begali oder N3ZN, was sie immer mit irgendwelchen Zicken quittierte. Zum Beispiel einem Nachschwingen bei bestimmten Zeichen.

Da ich aber inzwischen etwas Erfahrung mit Schnapsnasen und Primadonnen habe, bekam ich die Pico Single rasch in den Griff. Nachdem sie wieder in ihrem schützenden Gehäuse versorgt war, konnte es endlich ans Morsen gehen. Keine Buchstaben/Zahlen-Gruppen vom Blatt und keine 59er QSO's, sondern Freestyle Chat.

Inzwischen hat die Kleine bereits mehrere Stunden CW auf dem Buckel und morst immer noch wie eine Große - zuverlässig auch bei hohen Tempi. Na ja, das ist relativ: mehr als 40 WpM schaffe ich nicht, und auch das nur mit Ach und Krach. Die Profis unter euch haben dafür sicher nur ein müdes Lächeln übrig.

Die Pico-Palm ist, wie die Palm Single, eine weiche Taste. Nicht zu vergleichen mit den großen, schweren Vollmetall-Tasten. Die Masse, die die Finger bewegen müssen, ist vernachlässigbar klein und verhilft zu einer Leichtigkeit des LGebens, wie man sie nur bei Palm finden kann.

Aber Vorsicht: Für Slapper ist die Pico Single nichts. Ein Slapper ist einer, der die Taste mit seinen Fingern ohrfeigt. Hier die verschiedenen Typen von Operateuren:

  

 Also eher was für Nibbler und Tea Drinker. Mit groben Bewegungen darf man ihr nicht kommen. Im Extremfall trifft dann der OP nicht einmal ihre feine Nase. Ideale Berufsgattungen für die Pico Single wären vermutlich Uhrmacher oder Chirurg. Letzterer aber ohne Knochensäge.

Sowohl die Palm Single wie auch die Pico sind ideale Tasten für den portablen Funkbetrieb. Sie passen gut zu einem KX3, KX2 oder einem FT-817. Im Notfall sogar zu einem Chinesen.
Wer schleppt schon eine 2 kg Taste mit auf den Berg, die halb so groß ist wie der Transceiver?
Zudem kennen alle Palm den Schildkröten-Trick: Sie lassen sich zum Transport in ihr Gehäuse schieben und sind so perfekt geschützt.

Ein interessantes Detail bei der Pico ist der 2.5mm Klinkenstecker, der neben der offenen Taste im nächsten Bild zu sehen ist. Er passt hinten in die Taste! Auf der anderen Seite des Kabels befindet sich übrigens eine der üblichen 3.5mm Klinken. Ein gewaltiger Fortschritt nach dem klumsigen Spezialstecker bei der großen Single und ein echtes Meisterstück, den in die winzige Taste zu integrieren.

Welche von beiden Singles ich wählen würde, wenn ich mir eine entsprechende Ausrüstung zusammenstellen müsste, kann ich zurzeit nicht sagen. Ich komme mit beiden gut zurecht. Aber ich denke, dass sich mit der Zeit eine Favoritin herauskristallisieren wird.

Grobmotorikern würde ich aber eher zu der großen Schnapsnase raten. Ebenfalls OM mit Wurstfingern großen Händen.

Wie sagt man so schön beim Morsen unter Schnapsnasen: "der letzte Tropfen geht in die Taste"






Vielen Dank lieber Hansjörg, HB9DWS, für die Schnapsnase!

Dienstag, 1. November 2016

Vom Surplus zur Party





Nach Zofingen ist vor Zofingen. Die Surplusparty ist vorbei und die OM spielen mit ihrem neuen alten Schrott. Es ist nicht schwer zu prophezeien, dass ein Teil davon nächstes Jahr wieder auftauchen wird.
Auch dieses Jahr fing es an wie immer: Seltsame Gestalten froren in einer langen Schlange vor der verschlossenen Tür. Wieso ist mir ein Rätsel - die Tische rennen ja nicht davon.
Da gingen Andy HB3YAF und ich doch lieber zuerst Kaffee trinken und warteten, bis sich die Schlange aus Menschen und Altmaterial aufgelöst hatte. Zeit um sich einzurichten, hatte man eh genug.
Da  ich im Laufe meines Alterungsprozesses eine gesunde Faulheit entwickelt habe, verzichtete ich dieses Mal darauf, meine Ware anzuschreiben und Andy tat es mir gleich. Wir setzten lieber auf aktives Verkaufen und verkaufsfördernde Maßnahmen, wie das Ausschenken von "Mirabellentee" und die Abgabe von Gratismikrofonen, sogenannten 59ern.

Natürlich waren wieder die Italiener die ersten und fragten nach dem letzten Preis. Was bewies, dass wir mit dem Nichtanschreiben richtig lagen. Ich werde bis zum nächsten Mal noch etwas an meinem Italienisch arbeiten müssen, vielleicht lassen sich dann die Erstverkäufe etwas steigern.

Als weitere verkaufsfördernde Maßnahme hatten wir eine Soundbox in Betrieb, die das "Affenhirn" in CW abspielte. Leider traf dies den wunden Punkt eines benachbarten Verkäufers, der sofort lautstark und mit groben Worten zu lamentieren anfing. Nicht gerade die charmante Art, sein Missfallen kundzutun. Ein Morsophobiker.

Das Gegenteil hatte sich auf unserer Rückseite eingerichtet: die Morsophilen.
Die High Speeder veranstaltete sogar einen Wettbewerb, bei dem man Preise gewinnen konnte. Sofern man möglichst schnell und fehlerfrei einen Buchstabenzahlensalat von einem Blatt abmorsen konnte.
Hier gehts übrigen zum HTC, dem Helvetia Telegraphy Club.

Ich bewundere die XYL, YL und OM, die dazu in der Lage sind. Als typischer Falschmorser ist mir das leider unmöglich. Darum verfolge ich zwar interessiert das Geschehen um die Morsewettbewerbe, könnte aber nie selbst an einem teilnehmen.
Mein Morseding ist Freestyle: Chatten auf 80 oder 2m, mit moderaten 150BpM und alles andere als fehlerfrei. Das menschliche Gehirn besitzt glücklicherweise in den meisten Fällen eine automatische Fehlerkorrektur.

Von unserem "hochwertigen Material" wieder nach Hause genommen, haben wir nicht viel. Die verkaufsfördernden Maßnahmen haben sich bewährt. Nach dem Genuss von "Mirabellentee" gestaltet sich das Verkaufsgespräch nämlich viel einfacher. Goodies wie Selbstgebackenes sind zwar auch gut, doch nichts hilft besser verkaufen wie ein Schluck Feuerwasser.

Viele Käufer lieben es, wenn sie in einer Kiste wühlen können. Hier darf man als Verkäufer ein wichtiges Signal nicht übersehen: Nimmt  jemand einen Gegenstand in die Hände, hat er zum Objekt seines Interesses Kontakt hergestellt und ist somit ein potentieller Kunde.
Der Verkäufer muss dann sofort ein Verkaufsgespräch beginnen. Es geht um Sekunden. Augenkontakt herstellen, Vorzüge herausstellen, Mengenrabatt anbieten und wie auf dem Hamburger Fischmarkt zusätzliche Ware als Bonus draufpacken. Package Deal nennt man das.
Auch Vorführungen können eine positive Wirkung haben. Je ungewöhnlicher und spektakulärer umso besser.
Wichtig zu wissen: die meisten Menschen sind bereit, Dinge zu kaufen, die sie gar nicht brauchen.
So kann es passieren, dass ein Eskimo einen Kühlschrank ersteht, oder ein Morsophobiker eine Taste.

Apropos in der Kiste wühlen. In den vergangenen Jahren ist eine neue Kategorie von Kunden aufgetaucht: Sie wühlen intensiv in einer Kiste mit Kleinmaterial und gehen anschließend mit geballter Faust von dannen. Normalerweise wandern Menschen ja nicht mit geballter Faust umher, es sei denn, es handle sich um Wutbürger. Daher verschwindet die Faust zwei Stände weiter meist in der Hosentasche. Der Verkäufer nennt diese Erscheinung Schwund. Das kommt von Verschwinden und ist ein natürlicher Effekt, der fast alle Materialen auf ihrem Weg von der Herstellung bis zum Schrottplatz betrifft.

Aber es gibt neuerdings auch Kunden, die wollen zuviel bezahlen. Nein, keine Deutschen oder Italiener. Die wollen in der Regel gar nichts bezahlen. Geiz ist geil.
Ich mache diese wohlwollenden Kundn dann jeweils höflich darauf aufmerksam, dass die Hälfte auch reicht.
Ich denke, dass das an meiner Suggestivfrage liegen könnte, mit der ich jeweils ein Verkaufsgespräche einleite: "Was ist dir dieses Teil Wert?"

Die besten Schnäppchen macht man kurz vor Schluss. Das war bei mir auch diesmal nicht anders. Die Preise fallen ins Bodenlose, einiges wird verschenkt.

Als Käufer bewährt sich die eindringliche Frage, ob man die Ware wirklich nochmals für ein Jahr im Keller lagern möchte. So bin ich zum Schluss auch noch zu meinem Schnäppchen gekommen. Einem dreißig Jahre alten TS-811E, den ich nun als 10 GHz Basis verwenden werde. Vielen Dank für das tolle Gerät.

Bild: Hugo-Mobil

PS. Vielen Dank auch an die Organisatoren, die wiederum großartige Arbeit geleistet haben. Bis zum nächsten Jahr!







  

 

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Windom



Auf dem Gebiet der HF-Antennen gibt es seit Jahrzehnten keine Neuigkeiten mehr. Die physikalischen Prinzipien sind längst bekannt und nur die Erfinder von Wunderantennen glauben, diese ändern zu können. Dafür habe ich zwar als Autor von Steampunk-Geschichten ein gewisses Verständnis - doch wenn die Grenze zwischen Fantasie und Realität verschwimmt, läuft man Gefahr in der Klapsmühle zu landen.
Erfinder von Wunderantennen landen aber selten in der Klapse. Sie enden meist im SSB-Teil des 80m Bandes - dem Irrenhaus des Amateurfunks.

Da es auf dem Gebiet der Antennen seit Jahrzehnten keine Neuigkeiten mehr gibt, wird immer wieder kalter Kaffee aufgewärmt. Eine Sorte davon ist der Windom-Kaffee.

Dabei segeln die Windoms seit G5RV, Fritzels FD4 und Carolina-Windom, und wie sie alle heißen, unter falscher Flagge: Wo Windom drauf steht, ist meist kein Windom drin. Sondern schlicht und einfach ein außermittig gespeister Dipol (englisch OCFD Off Center Fed Dipole). Denn die echte, 1929 von Loren G. Windom entwickelte Antenne wurde mit einem einzelnen Draht gespeist. Ein Unikum. Die ganze Story ist hier nachzulesen, in einem Aufsatz von L.B. Cebik, W4RNL, dem legendären, leider verstorbenen Antennenexperten.

Trotzdem, lassen wir es beim Namen Windom. Mir gefällt er besser als OCFD.

Eine solche Windom hat einen entscheidenden Vorteil: Sie ist auf mehreren Bändern resonant. Ein wichtiger Punkt in einer Zeit, als es noch keine automatischen Antennentuner gab. Die Mehrfachresonanz kommt dadurch zustande, dass der Dipol an einer Stelle gespeist wird, wo bei mehreren Bändern ähnliche Impedanzen auftreten. Diese Impedanz von einigen hundert Ohm wird dann mit einem Balun auf 50 Ohm transformiert, so dass ein Koaxkabel angeschlossen werden kann.

Die meisten Windom-Benutzer werden feststellen, dass das SWR nicht auf allen Bändern gut genug ist, um die Antenne ohne Tuner zu benutzen. Und vielleicht werden sie sich fragen, wieso sie anstelle der Windom nicht eine Doublette aufgehängt haben. Über einen automatischen Tuner und mit einer Hühnerleiter gespeist. Also eine echte Allbandantenne ohne Balun, der unter gewissen Umständen als Dummy Load fungiert.

Neuerdings werden Windom als Portabel-Antennen propagiert. In Ultraleicht-Ausführung auch für die SOTA-Gänger.  
Das Teil wiegt inklusive Koax und Balun nur 400 Gramm. Dumm nur, dass ich dazu noch einen 12m Mast mitschleppen muss, um die Windom in eine vernünftige Höhe zu kriegen. Denn Windom-Antennen mögen es gar nicht, wenn sie tief hängen. Die Stehwellen machen Kapriolen und das Teil strahlt steil - DX ade. Fairerweise macht der Hersteller in seinem Prospekt auf diesen Umstand aufmerksam.

So ein Fiberglasmast ist eine feine Sache. Aber wieso sollte ich da eine Windom dran hängen? Der Mast selbst ist doch eine tolle Antenne, wenn ich einen Draht dran klebe. Rasch noch ein paar Radials gespannt oder einfach auf den Boden gelegt, und der automatische Tuner erledigt den Rest. Das Teil strahlt erst noch DX-mässig flach und ein 12m Mast funzt auch noch gut auf 80m.

Entferne ich mich weiter von Zentraleuropa, interessieren mich meist nur die Bänder von 40 bis 10m. Da tut's dann auch ein 6 oder 7m Mast. Den findet man zum Beispiel hier, in praktischer Reiseausführung (57.5cm eingeschoben), 545 Gramm leicht und für schlappe 17 Euro. Dazu etwas Draht und den KX3 mit eingebautem Tuner und schon funkt man von Malle oder Lanzarote nach Hause. Oder vom SOTA-Berg seines Vertrauens.

Aber wieso einfach, wenn es kompliziert auch geht?

Bild: Nostalgie pur, ein Röhrensarg.













Sonntag, 23. Oktober 2016

Der Weg ins 10 GHz Band, Teil 1



10 GHz ist ein teures Pflaster. Eine Ausrüstung für dieses Band kann soviel kosten wie ein guter KW-Transceiver. Und da sind Messgeräte noch nicht dabei. Wer SWR, Frequenzen oder Leistungen messen will, kann nochmals einen KW-Transceiver drauflegen, ja, vielleicht sogar einen Hilberling. Aber mit etwas Abenteuerlust, Basteltalent und im messtechnischen Blindflug geht es auch billiger.

Der günstigste Weg ins 10 GHz Band ist vielleicht der da: man kauft sich einen Transverter-Kit von Michael Kuhne DB6NT. Der Kit kostet zurzeit 269 Euronen. Dazu braucht man noch etwas Kabel, eine Antenne und ein Koaxrelais, das man in der E-Bucht oder auf Flohmärkten auftreiben kann. Mit dem FT-817 als Steuergerät ist man dann mit 200mW QRV. Das reicht, um von exponierten Standorten aus, und unter guten Ausbreitungsbedingungen, QSO's über mehrere hundert Kilometer zu tätigen.

Auf der anderen Seite der Skala befindet sich dieses Equipment hier: für 4649 Euro erhält man eine komplette, wettergeschützte Einheit mit 10W Transverter und 65cm Spiegel, die man sich an den Mast klemmen kann. Als Steuergerät dient der eigene 70cm Transceiver wie zum Beispiel der FT-817. Dazu braucht man Null Basteltalent. Das Ganze ist Plug and Play und mit einer solchen Station - im 10kW EIRP-Bereich - gelingen auch QSO's aus dem flachen Land via Tropo, Flugzeug und Regenscatter.

Zwischen diesen beiden Extremen gibt es eine ganze Palette von Möglichkeiten für alle Portemonnaies.

Kuhne, zum Beispiel, verkauft auch fertige Transverter, Vorverstärker und Leistungsendstufen bis zur EME-Klasse. Aber auch Roberto Zech DG0VE hat neuerdings sein Angebot auf einen 10 GHz Transverter ausgedehnt. Für knapp unter 1000 Euro erhält man einen 4W Transverter und einen externen TCXO. Notabene ein wichtiges Teil einer 10 GHz Station. Ohne ein präzises Frequenznormal trifft man die Frequenz nur auf einige kHz genau. Doch dazu komme ich noch in einem späteren Blogeintrag.

Eine weitere Möglichkeit, zu einem 10 GHz- Transverter zu kommen, ist die Firma Down East Microwave in Florida.

Hardcore-Bastler werden sich natürlich ihren eigenen Transverter bauen oder aus kommerziellem Surplus zusammenschustern. Das bedingt aber nicht nur entsprechende Know How, sondern auch einen geeigneten Messpark. Doch nur wenige werden über einen Spektrum-Analyzer für 10 GHz verfügen.

Fortsetzung folgt  

Bild: Transverter und 8W PA von Kuhne mit einer kleinen 17dBi Hornantenne zu einer Einheit zusammengebaut. Als Kühlkörper dienen zwei grosse CPU-Kühler aus Kupfer.

 

Samstag, 22. Oktober 2016

Zofingen steht vor der Tür



Zwar habe ich jedes Jahr den Eindruck, ich hätte nichts mehr zu verkaufen und alles was ich entbehren könne, sei schon weg. Doch wenn ich dann in den Keller gehe, ändere ich jeweils meine Meinung. So auch diesen Herbst.
Ich werde also auch an dieser Surplus Party dabei sein. Und ich freue mich auf die interessanten Gespräche mit alten Bekannten.
Eigentlich ist das Verkaufen Nebensache. Mir reicht es, wenn ich die Tischmiete rausschlagen kann.

Dieses Jahr wird es wohl eine Geräteschwemme geben und ich denke, dass die Preise fallen, wie die Blätter der Bäume Ende Oktober. Der alte Schotter, der auf Ricardo angeboten wird, ist dafür ein sicheres Vorzeichen.

Es ist ja nur logisch: Die Anzahl Funkamateure bleibt mehr oder weniger konstant und doch werden immer wieder neue Geräte gekauft. Fortgeworfen wird erfahrungsgemäß kaum etwas. Das heißt: Die Anzahl Geräte im "Pool" wird immer grösser - bei gleich vielen Teilnehmern.

Der "Volkstransceiver" IC-7300 dürfte den Vorgang nochmals beschleunigt haben. Inzwischen hat sich doch fast jeder dieses Teil zugelegt. Ich rechne daher mit Schnäppchenpreisen für alte Kisten.

Funkgeräte habe ich zwar dieses Jahr nicht im Angebot, dafür andere nützliche Kleinigkeiten. Stecker, Kabel, Koax-Adapter und viele fast neue Fachbücher, Netzgeräte, eine Wellbrook-Antenne, ein paar Fischruten, Messgeräte, ja, sogar ein kleines Teleskop ist dabei. Für die Lichtfunker. Daneben ein paar Morsetasten, 200 Ohm Hühnerleiter und ein paar spezielle Funkperlen.

Wie immer werden wohl die Italiener als Erste kommen und nach dem "letzten Preis" fragen. Noch vor der Saalöffnung für die große Masse. Der Trick ist einfach: Man mietet sich einen Meter Tisch für 18 Stutz und hat damit als Verkäufer eine Stunde früher Zutritt und räumt dann die vermeintlichen Schnäppchen ab. Unsere Nachbarn aus dem großen Kanton scheinen den Dreh auch schon raus zu haben. Zurück bleiben dann 1m-Tischleichen.

"Quanta costa? Combien ça coûte?"
"Ventidue.
"Was sein letzter Preis?"
"Twenty-two."
"But, what is your last price?"

Ich mache es dieses Jahr anders: ich breite meine Waren erst aus, wenn der letzte der Ersten nach dem letzten Preis gefragt hat.

Nach den Ersten kommt dann die große Masse: Alte Männer der Gebissgeneration, einige tragen als Rangabzeichen Krawatten. Es riecht nach Pitralon. Die Gewänder sind oft so alt, dass sie nächstens wohl wieder Mode werden. Vielleicht ist das ein Grund, wieso manche wenig gesprächig sind. Einige bringen es sogar fertig, Waren zu kaufen, ohne ein Wort zu sprechen. Sie nehmen einen Stecker vom Tisch und halten dir das Teil unter die Nase. Oder sie stecken es gleich in den Sack und halten dir dafür einen Fünfliber unter die Nase.

Einige, die sprechen können, fragen nach dem Preis und dann entstehen interessante Dialoge:

"Was kostet das?"
"Zwei Franken"
"Das ist mir zuviel", antwortet der Kunde und legt das Teil wieder auf den Tisch.
"Dann gebe ich es dir zum absoluten Schäppchenpreis - zu einem Franken."
"Das ist mir auch zu teuer."
"Wieviel würdest du denn dafür bezahlen?"
"Keine Ahnung."
"Weisst du was, ich schenke es dir", sage ich, wohlwissend, dass ich das Ding anschließend in den Schrottcontainer werfen werde.
"Ich möchte es gleichwohl nicht", sagt der Nicht-Kunde und verschwindet in der Menge.

Na ja, ist immer noch besser als die Vielschwätzer, die glauben, mir ihre ganze Lebensgeschichte erzählen zu müssen oder über Wunderantennen schwadronieren und dabei eine halbe Stunde meinen Tisch blockieren.

Am liebsten habe ich die Wiederkehrer. Man könnte eine Uhr nach ihnen richten: alle halbe Stunde kommen sie vorbei und betrachten das Objekt ihrer Begierde. Spätestens beim dritten Mal muss man sie ansprechen.

"Bist du daran interessiert? Möchtest du das kaufen? Blablabla."

Meistens hat man dann einen Deal. Nur selten wendet sich der Wiederkehrer ab und verschwindet auf Nimmerwiedersehen.

Am Schluss bleiben die Ladenhüter. Die Menge hat sich gelichtet, viele sind beim Bier in der Surplus-Beiz. Nur einige Spätzünder wandeln noch umher. Am besten man wirft jetzt alles, was man nicht wieder ein Jahr lang einlagern will, in eine große Kiste und schreibt daran: "GRATIS!"

Doch oft hilft auch das nicht. Die Kiste wird nur kurz mit einem argwöhnischen Blick gestreift. Schweizer trauen sich sowieso nicht, zuzugreifen. Die Kollegen aus dem großen Kanton haben da weniger Hemmungen.

Aber auch da hilft ein Trick: Man lässt die Kiste stehen und geht ein Bier trinken oder zwei. Wenn man zurückkommt ist die Kiste leer :-)


Freitag, 14. Oktober 2016

Zurück auf 10 GHz


In diversen Blogeinträgen habe ich bereits meine Rückkehr ins 23cm Band beschrieben. Nun geht die Reise weiter, und zwar mit einem großen Sprung: von den Dezimeter-Wellen zu den Zentimeter-Wellen. Im Bild oben ist mein alter 10 GHz-Spiegel zu sehen, den ich vor ein paar Jahren abmontiert habe. Er wird bald einen Nachfolger bekommen. Vielleicht wird dann die Befestigung des Feed (Hornstrahler) etwas professioneller werden ;-)

Doch wieso gerade der Sprung zu den 3cm Wellen und nicht der Reihe nach? Wäre nicht als nächster Schritt das 13cm (2.3 GHz) und anschließend das 6cm Band (5.7 GHz) dran?

Es gäbe für den Funkamateur sicher noch viele spannende Versuche auf diesen Bändern zu unternehmen und auch der Bau (zumindest von Antennen) wäre interessant.

Leider fehlt es hier im Mittelland - zwischen Alpen und Jura - an Sparringspartnern, die auch unter normalen Bedingungen erreichbar sind, und mit denen man sich austauschen und Versuche anstellen könnte.

Abgesehen von Breitband-Richtstrahl-Verbidnungen wie Hamnet etc. ist nichts los. Wenn man Glück hat, klappt es vielleicht einmal mit einer Contestverbindung in SSB. Doch das reicht mir nicht. Ich möchte auch von zuhause aus funken. Zumal die seltenen Überreichweiten nicht auf Conteste warten.

Will man nicht jedesmal einen Berggipfel erklimmen, darf man beim Power und den Antennen nicht knausern. Und mit jedem höheren Mikrowellenband steigt auch der Aufwand.

Denn die Streckendämpfung arbeitet gegen den OM.
Sie steigt im Quadrat mit der Frequenz. Doppelte Frequenz bedeutet vierfache "Streckendämpfung". Auf 13cm braucht man also etwa 6dB mehr, um mit dem 23cm Band gleichzuziehen.

Zwar kann man sich die 6dB mit der Gegenstation teilen, wenn zum Beispiel beide Stationen ihren Antennengewinn (gegenüber 23cm) um 3dB steigern.
Bei 6cm muss jeder Partner schon 6dB mehr ins Spiel einbringen um ungefähr die gleichen Resultate zu erzielen wie im 23cm Band. Notabene bei gleicher Sendeleistung.
Allerdings erkauft man sich den höheren Antennengewinn mit schmäleren Strahlungskeulen. Man muss darum genau wissen, wo sich die Gegenstation befindet. Eine zusätzliche Erschwernis.

Mit jedem höheren Mikrowellenband werden also die Hürden höher. Die Resultate punkto Reichweite bleiben aber im Großen und Ganzen dieselben - bei gleicher Leistung und entsprechenden Antennen. Vielleicht reflektiert mal ein Hindernis höhere Frequenzen besser, aber es schirmt sie auch besser ab. Vielleicht leitet mal ein Tropo-Duct eine bestimmte Frequenz mehr oder weniger besser. Doch bei gleicher Leistung und Antennenfläche halten sich die Unterschiede in Grenzen. Das gleiche gilt für Tropo- und Flugzeugscatter. Mal hat das höhere Band die Nase vorn, mal das tiefere.

Eine gute Einführung für den Funkamateur ist übrigens  dieses Buch hier (Englisch!)

Doch im 3cm Band ändern sich die Verhältnisse.

Zwar muss man sich wegen der nochmals höheren Streckendämpfung  noch mehr anstrengen, dafür taucht jetzt ein neues, sehr interessantes  Phänomen auf - eine neue Art der Wellenausbreitung: Regenscatter.
Zwar werden schon längere Mikrowellen an Regentropfen reflektiert, doch bei weitem nicht so gut wie die 3cm Wellen. Das macht sich übrigens auch das Wetterradar zu Nutzen, das Wellenlängen in der Nachbarschaft des Amateurfunkbandes benutzt. *

Nicht zuletzt aus diesem Grund ist das 10 GHz-Band das wohl populärste Mikrowellenband der Funkamateure. Taucht am Horizont eine Sturmfront  mit regengeladenen Wolken auf, hüpft das Herz des Mikrowellen-OM vor Freude. Plötzlich werden Verbindungen über mehrere hundert Kilometer auch aus dem Flachland heraus möglich. Schon mit einer kleinen Hornantenne sind dann die seltsam "rauschigen" CW-Signale entfernter Bakensender zu hören.




In den nächsten Blogeinträgen möchte ich über meine Rückkehr ins 10 GHz berichten, über Tipps, Tricks und Experimente, über Erfolge und Rückschläge. Vielleicht kann ich damit den einen oder anderen OM für die Zentimeterwellen begeistern.

* PS. Von Willi HB9PZK habe ich gerade den Tipp erhalten, dass in der Schweiz das Wetterradar im 6cm Band läuft (siehe 5.1.2. im PDF). Hier noch die Angaben zu den Frequenzbändern der verschiedenen Radar-Anlagen, Siehe auch Tabelle 4.2 im PDF der Meteoswiss.



Sonntag, 9. Oktober 2016

Auf die Dauer hilft nur Power



Mein letzter Blogeintrag "Zwei Zylinder und anderer Blödsinn" hat mir eine Flut von Leserkommentaren beschert. Und viele sind mit meiner Sicht der Dinge nicht einverstanden.

Hier zwei prononcierte Meinungen dazu:

Tja, sehen wir es mal so, Anton:Hochempfindliche Empfänger werden immer mehr durch "zugelassenen" Störnebel zugeballert. Also erhöhen wir einfach so lange die Leistung, bis das Verhältnis Signal zu Störpegel wieder das Verhältnis von 1920 erreicht hat. Dann haben wir doch wieder alles was davon, dann hören wir auch wieder die Stationen, die heute im PLC und digitalen Kabelstörpegel versinken!Also eine Win-Win-Situation: Man wird wieder gehört und der Endstufenbau gefördert…GrußStefan, DL8SFZ

Hallo Toni,
ich habe gerade eben Deinen Eintrag im Blog gelesen, und muss Dir sagen,dass ich Deine Einstellung nicht teilen kann.
Wenn jemand Spass am Bauen solcher PA's hat, wieso nicht? Ob man dieLeistung dann in die Antenne pustet, ist doch eine ganz andere Sache.
Es ist doch besser, eine 2 Zylinder PA zu betreiben, welche bei weitemnicht ausgefahren wird, dafür aber ein ganz sauberes Signal erzeugt, alseine andere PA total zu übersteuern.
Es gibt auch viele Fahrzeuge mit einem 8, 10 oder sogar 12 ZylinderMotor, auch in der Schweiz, wo man nur 120 km/h fahren darf. Die Autoslaufen teilweise über 300 km/h.
vy 73 Werner HI3WL

Bild: Frontplatten-Ausschnitt der TSUNAMI von DC9DZ. Ein 15 Liter 12 Zylinder ;-)