Donnerstag, 7. Mai 2015

KD1JV Bausätze



Endlich sind die beliebten Hendricks QRP Transceiver wieder erhältlich. Die Firma wurde ja an Pacific Antenna verkauft und nach einer "Umstellungszeit" sind die Produkte nun endlich wieder da - zum Teil zumindest. Ich habe darüber berichtet.

Wer keine Freude an chinesischen DC-Empfängern und Quartz-Sendern hat und auch nicht gewillt ist, ein halbes Vermögen für seine SOTA Station auszugeben, der findet dort vielleicht das Passende.

Nämlich die von KD1JV entwickelten Bausätze:

Den PFR, Portable Field Radio, für 40, 30 und 20m. Als Zückerchen bietet das Gerät einen BLT (Balanced Line Tuner) der neben Koax und Langdrähten, direkt Zweidraht-Leitungen anpasst. Das Gerät braucht bei Empfang weniger als 50mA und der Sender liefert bei 12V fünf Watt bei einem Wirkungsgrad von über 60%. Die Mindestspannung beträgt 8V.
Leider ist der PFR zurzeit out of stock :-(

Oder den Tri-Bander (oben im Bild) mit drei beliebigen Bändern von 80 bis 15m zur Wahl. Dieser Bausatz kostet 225$ und hat ähnlich gute Daten. Allerdings keinen eingebauten Tuner.

Beide Geräte besitzen einen VFO mit Digitalanzeige und der Empfänger ist ein Superhet mit dem bewährten 612er Mischer.

Im Gegensatz zu den chinesischen Bausätzen kauft man die Katze nicht im Sack: die Manuals und Bauanleitungen, inklusive Schema, können heruntergeladen werden.

Oh, beinahe hätte ich es vergessen: die Gerätchen können selbstverständlich nur CW :-)
Dafür hat es eine elektronischen Keyer drin.

Mittwoch, 6. Mai 2015

Paralyse durch Analyse





Es gibt OM, die immer wieder Antennen analysieren, aber nie eine bauen. Paralyse durch Analyse nennt man das in der Psychologie. Eine von vielen Zwangsstörungen, wie sie bei Funkamateuren vorkommen.

In der Tat ist die Analyse, beziehungsweise die Simulation von Antennen, ein komplexes Gebiet, in dem man sich leicht verlieren kann.

Aber es ist auch ein faszinierendes Gebiet und der OM kann dabei viel über Antennen lernen. Schließlich ist die Antenne nach dem Operateur das wichtigste Element einer Funkstation.

Entsprechende Programme gibt es sowohl als Freeware, wie auch als käufliche Versionen.

Auch wenn diese Antennen-Simulations-Programme von ihrer Bedienungsoberfläche her unterschiedlich ausschauen: Sie basieren alle auf einem Programm der US-Armee, das von Gerald J. Burke und Andrew J. Poggio auf Fortran anfangs der 70er Jahren programmiert wurde. Eine Programmiersprache, welche dazumal auf großen Rechenmaschinen zum Einsatz kam. PC kannte man zu dieser Zeit ja noch nicht. Dafür so komische Dinge wie Lochkarten ;-)

Dieses Programm, NEC (Numerical Electromagnetis Code), ist die Basis heutiger Programme zur Antennensimulation.

Das Programm wurde in der Folge weiterentwickelt und NEC2 ist auch heute noch die höchste lizenzfreie Version.

Allerdings hat es ein paar entscheidende Nachteile: u.a. können vergrabene Radiale und Erdpfähle nicht simuliert werden. Also nichts, was sich im Boden befindet.

NEC4, als weitere Entwicklung, hat diese Nachteile nicht mehr, doch die Lizenz ist teuer. NEC4 ist Eigentum des Lawrence Livermore National Laboratory und der University of California

Daneben gibt es noch MININEC, das anfangs 80er Jahre in Basic geschrieben wurde. Dieses Programm ist nicht so gut wie NEC bei Antennen in Bodennähe. Wie zum Beispiel bei typischen Amateurfunk-Drahtantennen, die ja in der Regel viel zu niedrig hängen und bei denen der Einfluss des Bodens eine enorm wichtige Komponente darstellt. Trotzdem bietet auch MININEC ein paar Vorteile. Es kommt zum Beispiel mit Antennen aus unterschiedlichen Elementdurchmessern besser zurecht.

Alle diese Programme funktionieren nach der Randelementmethode. Dabei wird die Antenne in einzelne Segmente zerstückelt um sie besser untersuchen zu können. Als ganzes ist sie für Rechner ungenießbar.

Doch kommen wir zu des Pudels Kern:

Eine NEC4 Lizenz können/wollen sich die meisten OM wohl kaum leisten. Daher bleiben den meisten OM folgende Alternativen.

1. MMANA-GAL, ein freies Programm, das aber auf MININEC basiert und in Bodennähe nicht sehr gut funktioniert.

2. 4NEC2, ebenfalls ein freies Programm, das auf NEC2 basiert und

3. EZNEC 5, bzw. EZNEC+ 5, das 89$ bzw. 139$ kostet.

4. Eine Reihe weiterer Programme, zum Teil für spezielle Antennensorten.

Ich habe bisher nur mit 1. bis 3. gespielt, kann also nur zu diesen Programmen meinen Senf dazu geben:

Beginnern und einfach verdrahteten Gemütern wie ich selbst, rate ich zu MMANA-GAL. Man kann damit spielen, ohne das ganze Handbuch lesen zu müssen. UKW-Yagis und Antennen auf hohen Masten werden zuverlässig simuliert und auch die Richtdiagramme von Drahtantennen in Bodennähe sind ok. Die angegeben Gewinne in diesen Fällen sind jedoch Fantasienummern. Das ist aber kein großes Unglück, da wir beim Errichten einer Antenne ja meistens keine Wahl haben. Wenn der Fahnenmast 8m misst und der Baum 9m, können wir die Antenne nicht in 20m Höhe aufhängen.

Wer komplizierter verdrahtet ist und nicht so rasch einen Krampf in seinen Gehirnwindungen bekommt, der sollte sich mit 4NEC2 anfreunden. Es basiert auf NEC2 und bietet eine überwältigende Menge an Spielmöglichkeiten. Und das Schönste daran: es ist gratis. Antennen in Bodennähe werden zuverlässiger simuliert. Es ist aus meiner Sicht das, was ich ein "Ingenieurprogramm" nenne, und die Bedienung entspricht dem meines Autoradios hoch 10, dessen Eigenarten ich übrigens bis heute noch nicht ganz verstanden habe.

Wer etwas Geld in der Bastelkasse übrig hat und wem MMANA-GAL Spaß gemacht hat, der könnte auch ein paar Dollar ausgeben und EZNEC 5 kaufen. Möglichst die +Version. Dieses Programm bietet die Möglichkeit, zwischen NEC2 und MININEC als Basis umzuschalten. Der Umstieg von MMANA ist nicht schwer und die Möglichkeiten ebenso umfassen wie bei 4NEC2 - mit ein paar zusätzlichen Goodies. Mir hat dieses Programm bisher am meisten zugesagt.

Um euch bei der Analyse der Analyse zu helfen: hier ein Mindmap zum Thema

NACHTRAG: Peter, HB9PJT, macht mich gerade drauf aufmerksam, dass es NEC2 for MMANA gibt. Natürlich auch kostenlos. Damit wird MMANA nochmals wesentlich interessanter!
Hier der Link

Montag, 4. Mai 2015

NATO Studie zu PLC



Auch das Militär sorgt sich um die Auswirkungen von PLC. Denn gerade dort sind NVIS-Verbindungen auf Kurzwelle unverzichtbar, denn Satelliten sind im Ernstfall gefährdete Ziele.
Deshalb hat sich auch die NATO intensiv mit Power Line auseinandergesetzt.
Und zwar nicht so wie gewisse Funkamateure, die sich so ein Teil im Laden kaufen, zu Hause einstecken und dann Entwarnung geben.

Die Studie stammt aus dem Jahr 2007 und von Entwarnung oder "hat den Praxistest bestanden" kann keineswegs die Rede sein. Im Gegenteil. Das Militär rechnet mit der Störung seiner Kommunikation, sollte diese Technik im grösseren Maßstab und flächendeckend eingeführt werden. Jetzt, wo uns leider der kalte Krieg wieder droht, ein nicht zu vernachlässigender Aspekt.

Willi, HB9PZK, hat mich auf diese Studie aufmerksam gemacht und auch selbst mit dem Swisscom PLC System (oben im Bild) Messungen angestellt. Es ist erstaunlich, wie viel Power dieses Teil in die unabgeschirmte und unsymmetrische Hausinstallation schickt:




    Wie wir sehen können, sind auch hier die Amateurfunkbänder abgesenkt. Interessanterweise scheint die Swisscom eine Zuteilung im 5MHz Bereich bereits vorwegzunehmen ;-)

    Bei mir zu Hause musste ich übrigens auf VDSL verzichten, da ich nicht nur auf den Amateurfunkbändern gestört wurde, sondern auch jedesmal das Internet abschoss, wenn ich auf die Taste drückte. Jetzt kommt alles über das (abgeschirmte) Kabel des lokalen TV-Anbieters ins Haus und für mobiles Internet vom Keller bis in den Adlerhorst sorgt ein WLAN. Übers Stromnetz kommt nur noch das, wofür diese Leitungen vorgesehen sind: 50 Hertz + einige VLF/ULF Steuersignale.

    Willi hat die Messungen mit Red Pitaya durchgeführt. Diese rote Drachenfrucht ist ein kleines programmierbares Messlabor auf einer kleinen Platine, das dem Nutzer u.a. Oszilloskop, Spektrumanalyzer, Signalgenerator und Impedanz-Meter bietet. Es kostet bei Reichelt 446 Euronen und kann über das Smartphone gesteuert werden ;-)

    Danke Willi für die Infos und die Bilder

PS. Beinahe hätte ich es vergessen: Dies ist bereits der 100. Beitrag in meinem neuen Funkperlen-Blog :-)

Sonntag, 3. Mai 2015

PIXIE - unheilbar krank


Ich habe bereits über diesen famosen Bausatz berichtet.

Nun habe auch ich einen PIXIE Transceiver für 7023 kHz gebaut. Sieht er nicht hübsch aus, der kleine Transceiver für weniger als 5 Euro?

Doch in Betrieb nehmen, werde ich das Teil nicht. Auch nicht modifizieren, wie ich es ursprünglich vorgehabt habe. Denn dieses Design ist unheilbar krank.

Doch kommen wir zu den Messresultaten:

Bei 12V liefert der Sender 25dBm, bei 13.8V sogar 26dBm, das sind satte 400mW. Allerdings ist der Wirkungsgrad katastrophal und die Verlustleistung für den kleinen Sende-Transistor jenseits von Gut und Böse (1.6W Input für 316mW out bei 12VDC). Lange schafft er das nicht. Doch das wäre einfach zu lösen. Gute und kräftige Transistoren gibt es wie Sand am Meer.

Leider sieht es bei den Oberwellen schlecht aus. bei 12V sendet der PIXIE auf 14.046 MHz mit sage und schreibe 9dBm, also 8mW! Das sind nur 16dB Oberwellenunterrdückung. Mit 8mW funkt man bei guten Bedingungen quer durch Europa.

Rufen wir uns doch kurz mal ins Gedächtnis, was wir für die Lizenzprüfung gelernt haben:
-40dB Dämpfung müssen es sein, wenn o.25uW überschritten werden. Siehe hier.

Auch bei 21.069 reicht es noch nicht: -11dBm, bzw. 80uW habe ich da gemessen. Also nur -36dB Oberwellendämpfung.

Dieses Problem wäre mit einer kleinen Modifikation leicht aus der Welt zu schaffen. Ein siebenpoliges Tiefpassfilter mit guten Komponenten, wie beim Ultimate 3, würde reichen.

Doch leider ist das nicht alles: Der Empfänger strahlt ebenfalls, und das nicht zu knapp.
Ganze -7dBm, bzw. 0.2mW kommen im Empfangsbetrieb an die Antenne. Also nur -32dB gegenüber der Senderleistung.
Und im Empfangsfall gilt erst noch eine schärfere Norm, nämlich die
 EN 301 783 1
Und dort steht für den Empfangsfall -57dBm. Wir liegen also 50dB daneben!

Laut BAKOM Vorschriften gilt diese Norm übrigens auch für Amateurfunksender und das sind dann auch im Sendefall nicht mehr bloss -40dB, sondern -43dBc. Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass die Regulierungsbehörden selber im Normendschungel herumirren.

Doch zurück zum Empfänger:

 Da dieser wegen des verwendeten DC-Prinzips ebenfalls auf der Sendefrequenz strahlt, hilft kein Filter dieser Welt. Dieses Design ist unheilbar. Ende aus. Der PIXIE darf von einem Funkamateur nicht in Betrieb genommen werden. Nicht mal als Empfänger.

Helfen würde höchstens ein aufwändiger Trennverstärker, Doch da kann man gerade so gut einen anständiges Empfangsteil einbauen, und dann sieht die Schaltung ganz anders aus. Vielleicht so wie im Rock Mite oder Night Hawk. Dort kriegt der OM dann auch eine Morselektronik und einen Mithörton, eine anständige Vorselektion und einen kräftigen Sender ;-)

Vielleicht liegt deshalb ein 50 Ohm Widerstand beim PIXIE als Kunstlast bei ;-)
Das ist die einzige legale Art, dieses Schrott-Teil zu betreiben.


Samstag, 2. Mai 2015

Das 80m Band versinkt im Störnebel - Teil 4



Quelle: ARRL


Wie wir bisher gesehen haben, sollte der OM zuerst vor seiner eigenen Haustür kehren, bevor er mit dem Peiler in Nachbars Garten rumschleicht. Trotzdem kommen in vielen Fällen etliche Störer von der anderen Seite des Zauns. Je dichter wir zusammen wohnen, desto grösser ist diese Gefahr.
In diesem Fall sind gute Beziehungen über den Gartenhag wichtiger als der Peiler.
Wer mit allen und jedem im Clinch liegt, einen Ruf als Sonderling und Rechthaber trägt, wird es schwierig haben.

Neben den bereits erwähnten Störquellen gibt es leider auch PLC (Power Line Communication).
Internet übers Stromnetz. Im vorletzten HB-Radio erschien auf Seite 33 ein Bericht mit folgendem Titel:

PLC: Praxistest bestanden.

Da hat doch ein OM bei sich zuhause PLC eingerichtet und kommt zum Schluss, dass dieses den Funk nicht stört. Die Replik ist glücklicherweise nicht ausgeblieben, wie man im letzten HB-Radio nachlesen kann (z.Z. noch nicht im Archiv).

Natürlich kann ich mir vorstellen, dass je nach Zustand der elektrischen Hausinstallation und der Art der Antennenlage in einigen Fällen wenig Störungen auf den Amateurfunkbändern zu hören sind. Die Amateurfunkbänder werden ja "ausgespart": bzw. dort wird der PLC Pegel abgesenkt.

Praxistest bestanden aufgrund eines Einzelfalls? Wie seriös ist das denn? Hurra, wir stören uns selbst!, hätte man auch schreiben können. Dass ein OM im HB-Radio Werbung für PLC macht, war hoffentlich nur ein verfrühter Aprilscherz.

Was ist mit CB-Funk und SWL? Wir sind ja nicht allein. Was mit einem zukünftigen 60m Band? Wird das auch "ausgespart!"

Glücklicherweise gibt es auch andere Berichte zu dieser Schrott-Technik.

Hier die PLC-Info des DARC
und hier kann man hören, wie Power Line bei mir klingt: Distanz >100m




Freitag, 1. Mai 2015

Das 80m Band versinkt im Störnebel - Teil 3



Der grösste Störer von allen ist die Antenne des OM. Davon kann sich jeder leicht überzeugen: Stecker raus und das S-Meter strebt seinem Nullpunkt zu.
Leider geht es nicht ohne Antenne. Die HF direkt ins Internet zu speisen ist keine Lösung. Da fällt mir gerade ein: Dieser Punkt sollte in den Fragenkatalog für die zukünftige Lizenzklasse K aufgenommen werden.

Doch Scherz beiseite: Art und Aufbau der Antenne sind ein wesentlicher Faktor bei der Störsituation.
Wer kein Low Band DXer ist und nicht abseits von allem CE-Zeug wohnt, der sollte auf Vertikalantennen verzichten. Wir hier im Alpenland sowieso. Vertikalantennen sind gut für feuchte Ebenen und nahe beim Wasser. Hierzulande sind sie generell schlechter als horizontale Drähte.

Und bei den Drähten schneiden die Zweibeiner besser ab als die Einbeiner.
Mit Zweibeiner meine ich klassische Dipolantennen. Einbeiner sind Drähte, die als Gegengewicht die "Erde" benutzen. Denn je nachdem wie diese "Erde" aussieht (Erdpfähle, Gartenzäune, vergrabene Radiale) können Störsignale aus der Umgebung eingeschleppt werden.

Doch oft geht es nicht anders als mit einem Einbeiner - zum Beispiel einer Inverted L. Wichtig ist dann, dass der Speisepunkt möglichst weit weg von potentiellen Störquellen ist (weg vom Haus) und dass das Koax mit einer Mantellwellensperre unmittelbar beim Speisepunkt und beim Hausientritt versehen wird.

Denn der Mantel des Koaxialkabels ist für die Störwellen ein gefundenes Fressen. Störsignale gelangen so aus dem Haus zur Antenne und von dort zurück in den Empfänger.

Elektriker wissen es, OM meist nicht: Der Strom gelangt über drei Phasenleitungen ins Haus. Vom EW, bzw. dem nächsten Trafo kommt keine Erdleitung. Die Netzerdung geschieht direkt beim Haus - bei Neubauten mit einem Fundamenterder. Je nachdem, was da so alles am Netz hängt, geistern dann allerhand suspekte Erdströme ums Haus. Eine ziemlich unübersichtliche Situation, von der die HF-Installation des OM Abstand nehmen sollte.

Der typische Amateurfunk-Dipol für 80m ist ein Steilstrahler. Er hängt auch bei 20m Höhe noch zu tief, um flach zu strahlen und die Wellen sprudeln wie bei einem Springbrunnen in die Ionosphäre. Meistens hängt ja der Draht viel tiefer. Das hat zwar auf den Springbrunnen-Charakter keinen wesentlichen Einfluss, wohl aber auf die Effizienz. Die Bodennähe frisst Leistung weg - SWR hin oder her.

Doch der Springbrunnen hat auch einen Vorteil. Diese Art Antenne strahlt nicht nur himmelwärts, sie empfängt auch vorzugsweise die Signale aus den Wolken. Daher nimmt sie weniger Störsignale aus der Umgebung auf, als ein Flachstrahler wie zum Beispiel eine Vertikalantenne.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich wieder einmal erwähnen, dass eine Antenne nicht resonant sein muss, um zu strahlen. Auch zweimal 15m oder weniger gehen auf 80m noch gut. Vorausgesetzt man setzt einen Tuner an den Speisepunkt oder ans Ende der Zweidrahtleitung, mit der man das Teil speist. Als Bonus kriegt man in diesem Fall noch eine Allband-Antenne.

Bild: Die 80g "Abrissbirnen" aus Bernds SOTA-Set im Großformat. Erste Übungswürfe verliefen erfolgreich: keine Beule, keine kaputten Ziegel und Fenster ;-)

PS. Die Antenne ist das wichtigste Teil jeder Funkstation. Wer mehr wissen will, sollte sich den Rothammel und das Schweizer Antennenbuch in den Shack stellen.
 



Donnerstag, 30. April 2015

Das 80m Band versinkt im Störnebel - Teil 2



Um den Störungen Herr zu werden, genügt es nicht, über den bösen China-Schrott zu lamentieren. Der OM muss aktiv werden. Und zwar in zwei Bereichen:

1. Nach dem Strategem: Angriff ist die beste Verteidigung, müssen die Störer aufgespürt und vernichtet entstört werden.

2. Der OM muss seine Station gegen Störungen immunisieren.

Natürlich kann er sich auch durch Flucht auf einen Radiohill dem Störangriff entziehen. Oder durch Rückzug ins Automobil. Aber nehmen wir an, wir möchten zu Hause bleiben und auch von dort aus funken.

Was wir in jedem Fall zuallererst tun müssen ist folgendes:

Wir nehmen eine 12V Autobatterie, hängen unseren Transceiver dran und gehen dann in den Keller. Dort schrauben wir die Hauptsicherungen raus. Alle drei Phasen. Sind sie plombiert, werden wir bei der nächsten Kontrolle behaupten, die Plombe sei von selbst abgefallen.
Jetzt sollte es im Haus zappenduster sein, rien ne vas plus. Ausser dem Transceiver an der Autobatterie.

In vielen Fällen ist nun der Störnebel auf 80m nicht ganz verschwunden, aber erheblich reduziert. Denn wenn einem die Läuse jucken, sitzen sie meistens im eigenen Pelz.

Wer diesen ersten wichtigen Schritt unterlässt, wird nie die ganze Wahrheit erfahren. Denn in den letzten Jahren haben wir uns unzählige Läuse in den Pelz gesetzt. Sie heißen zumeist Steckernetzteile oder Wall Warts bei den Angelsachsen. Wir brauchen sie für unser ganzes elektronisches Leben. Als Ladegeräte und als Stromversorgungen. Nur in den Veteranen steckt noch ein richtiger Trafo drin. Alle anderen sind Schaltnetzteile.

Das sind alles kleine Sender mit hübschen Antennen. Natürlich Dipole, wie es sich gehört. Das Anschlusskabel auf der Ausgangsseite und die ganze Hausverkabelung auf der Netzseite.

Selbstverständlich sind sie alle mit China Export beschriftet, abgekürzt CE, Doch das hindert die Hersteller im fernen Osten nicht daran, nur das Notwendigste einzubauen. Und dazu gehören leider keine Teile zur HF-Entstörung. Öffnet man die Dinger, springen einem oft die leeren Plätze nicht bestückter Bauteile auf der Leiterplatte ins Auge.
Manchmal spendiert ihnen ein Importeur, vom schlechten Gewissen geplagt, eine Ferritperle im Piggyback Format. Doch diese Perlen sind keine Funkperlen, schon gar nicht für unsere tiefen Bänder.

Ganz schlimm sind die nachträglich aufgeschnappten Klappferrite, die einem überall angedreht werden. Ihr Luftspalt reduziert die Wirkung erheblich. Etwas Abhilfe bringt nur ein festes Zusammendrücken, zum Beispiel mit einem Kabelbinder.

Aber für 80 oder gar 160m können wir Ferritperlen getrost vergessen. Sie bringen nichts.
Die damit erzielte Induktivität ist zu gering - auch bei mehreren Windungen.

Doch zurück zu den Schaltnetzteilen. Meistens lassen wir sie auch stecken, wenn wir sie nicht benutzen. Doch das hindert sie nur bedingt am Strahlen. Nur Ausschalten oder Ausstecken hilft wirklich.

Aber wie wir aus Kinofilmen wissen, gibt es nicht nur die Bösen, sondern auch die Guten. Also Schaltnetzteile, die recht gut entstört sind. Doch wie im Film manchmal ein Guter zum Bösewicht wird, geschieht dies auch bei den Schaltnetzteilen. Kondensatoren sterben den Wärmetod und nach einiger Zeit wird das Netzteil zum Störsender. Man baut ja nicht die teuersten Komponenten ein.

Wie dem auch sei. Spätestens nachdem die XYL Soupe à la grimace (Grimassensuppe) serviert und der Hausmeister Amok läuft, müssen die Sicherungen wieder rein. Dann fängt die Feinarbeit an. Meistens ist es nicht ein einzelner Störer, der dem OM Kopfschmerzen bereitet, oft stören sie im Chor.

Hier die Liste meiner Störer, die ich eliminieren musste:

- Der DVD Player
- Venta Luftbefeuchter
- Netzteil des Internet Modems
- Netzteil der 12V Küchenbeleuchtung
- Sparlampen aller Couleur
- Ladegeräte für Akkus
- Ladegerät meines 2m Handys!

Die Liste ist nicht abschließend und immer wieder schleicht sich ein Neuer unter die Störer.

Beim Luftbefeuchter hilft nur das Abschalten während der Funkzeiten. Für das Internet-Modem habe ich ein Trafonetzteil gebaut und das mitgelieferte entsorgt. Sparlampen wurden rausgeschmissen und dafür ein "Lebenslager" Glühlampen angelegt. Vielleicht bleib ich darauf sitzen:  inzwischen habe ich störfreie LED Lampen gefunden. Aber für dieses Problem gibt's ja noch den Flohmarkt in Zofingen.

Beim DVD Player musste ich das Gerät bloß erden und bei allem anderen Karsumpel halfen die bewährten N30 Ringkerne von Epcos. Mit diesem Material und mehreren Windungen (mindestens 5) erreicht man genügend Dämpfung für 80 und 160m.

Leider ist das nur die Spitze des Eisbergs. Im nächsten Teil werde ich über weitere Störquellen und Abhilfemaßnahmen berichten.

Bild: Gestern brachte mir Sonja, die Briefträgerin, ein Päckchen aus Kassel. Es enthielt Bernds Starter Kit für den SOTA-OM. Mit den beiden "Abrissbirnen" werde ich etwas üben müssen. Leider konnte ich bei der Abgabe meines Militärmaterials den Helm nicht behalten.
Danke Bernd!