Mittwoch, 8. April 2015

UHF-Stecker

Über die allgegenwärtigen UHF-Stecker (PL-259) und dazugehörigen UHF-Buchsen (SO-239) ist schon viel diskutiert und geschrieben worden. Viele verdammen sie und schwören bereits ab 30 MHz auf N-Stecker. Andere setzen sie unbekümmert im 2m Band oder sogar auf 70cm ein. Zu ihnen gehören auch renommierte Gerätehersteller. Prominentes Beispiel: der FT-817.

UHF-Stecker sind zwar nicht genau impedanzhaltig und nicht wasserdicht, aber sie sind mechanisch robust und vertragen wegen ihres dicken Stiftes hohe Leistungen. Zudem sind sie preislich günstiger als andere Sorten.

Doch wie gut oder wie schlecht ist die UHF-Norm wirklich? Trägt sie ihren Namen zu recht oder zu unrecht?

Larry, W0QE, aus dessen Blog das folgende Bild stammt, hat dies nun genauer untersucht.


Und er kommt zum Schluss, dass sich UHF-Stecker und Buchsen problemlos bis 500 MHz einsetzen lassen. Die Verluste sind vernachlässigbar. Um dies zu zeigen, hat er hundert Fuß - das sind etwa 30m - LMR400 Kabel auf 400 MHz mit einem PL-Stecker bestückt und durchgemessen. Der Kabelverlust betrug dabei 2.57 dB, der Verlust durch den UHF-Stecker (und die Buchse) dagegen nur 0.05 dB. 

Die Verluste durch UHF-Stecker sind also vernachlässigbar. Allerdings nur, wenn hochwertiges Material eingesetzt wird. Bei Geiz-ist-geil-Schrott dürfte es anders aussehen. Versilberte Stecker/Buchsen und vergoldete Stifte mit Teflon-Isolation sind erste Wahl. Silber oxidiert zwar nach einiger Zeit, doch die Oxydschicht ist ebenso gut leitend wie das reine Metall. Teflonisolation lässt sich mit der heißen Lötkolbenspitze testen. Es schmilzt beim Antippen nicht.

Meines Erachtens spielt aber noch etwas anderes eine wichtige Rolle: Die Montage der Stecker selbst. Ich bevorzuge die Sorte, bei der nur der Stift gelötet werden muss und eine Hülse unter die Abschirmung des Kabels, beziehungsweise zwischen Kupferfolie und Kupfergeflecht geschoben wird.

Wie bei allen Steckern im Freien ist das wasserfeste Abdichten ein Muss. Gewöhnliches Isolierband ist dazu schlecht geeignet. Gewiefte Antennenbauer bevorzugen selbst verschweißendes Kautschukband.





Dienstag, 7. April 2015

FT-991 mit Startschwierigkeiten


















Er sieht bestechend gut aus, der neue FT-991. Ein ganzer Shack in einer kleinen Kiste. Von 160m bis 70cm. Mit allen Betriebsarten, inklusive Yaesus digitalem C4FM. Sogar ein Antennentuner ist eingebaut, der bis zu einem SWR von 1:3 auf KW anpasst (auf 50MHz 1:2)
Auch ein TCXO mit 0.5ppm ist bereits drin. Hier der Link zur englischen Bedienungsanleitung.

Doch die Kiste ist wesentlich grösser als der Mobiletransceiver FT-857 - fast so groß wie der TS-590. Also ein ausgewachsener Amateurfunktransceiver (229x80x253mm, bei 4.3 kg). Der FT-857 hat ein zweieinhalb mal kleineres Volumen und nur ein Gewicht von 2.1 kg aufzuweisen und er kann die gleichen Bänder mit gleich viel Leistung.

Ein schickes Design mit einem Bildschirm mit Spektrumanzeige. Dumm nur, dass ein uneingeschränkter Parallelbetrieb von Spektrum und Empfänger nicht möglich ist. Da reicht der Rechenpower des Geräts nicht aus. Wenn das Spektrum gescannt wird, wird der Empfänger stumm geschaltet.
Das wird sich auch mit einem Software-Update nicht beheben lassen. Diese finden zur Zeit eines nach dem anderen statt. Denn die Kiste kam unausgereift auf den Markt, wie die Bewertungen bei Eham zeigen. The Early Birds are not amused.

Ein Fehler hat sogar dazu geführt, dass die UKW-Endstufe zerstört wurde, wenn man den Kommentaren Glauben schenken will. Die PA ist zwar robust und für KW mit zwei bewährten RD100HHF1 bestückt. Transistoren, die auch das Doppelte leisten könnten. Auch die UKW-PA mit dem RDA70HUFF2 verfügt über genügend Leistungsreserven und pfeift nicht aus dem letzten Loch.

Der Empfänger ist mit zwei Roofing-Filtern bestückt - das schmalere hat eine Bandbreite von 3 kHz. Das sollte gute Empfangsleistungen garantieren. Ich bin auf den Eintrag in die berühmt- berüchtigte Sherwood-Liste gespannt.

Aber es gibt zum Empfänger bereits auch kritische Stimmen. KE0AYJ schreibt u.a.
Running the FT-991 next to my Icom 706MK2G, the 706 takes the prize on transmit and receive quality.I ran both radios on the same antenna, same grounding system, same power supply.
I should have bought a FTDX or a ICOM.
Das klingt nicht gut. Sollte sich das bewahrheiten, so hat der FT-991 gegenüber dem FT-857 nicht viel mehr zu bieten.
Auf C4FM kann ich verzichten und auf eine Spektrumanzeige die nicht permanent läuft auch.

Einer jedoch läuft dauernd in der Kiste. Das ist der Lüfter. Denn die Wärme muss raus, wenn das Gerät lang leben soll. Yaesu hat für den Preis (ca. 1.5kFr/Euro) sicher keine hochwertigen Elkos eingebaut. Und diese Komponenten bestimmen nach wie vor die Lebensdauer der Geräte. Die üblicherweise eingebauten 85 Grad Elkos machen gerade mal 2000 Stunden bei dieser Temperatur und die Lebensdauer wird bloß verdoppelt mit jeder Temperatursenkung um 10 Grad.

Beim Dauerbetrieb in FM/Digital ist da schon nach wenigen Jahren Schluss.

Auch auf den Antennentuner kann ich verzichten. Er ist nicht vergleichbar mit Tunern wie zum Beispiel im KX3 von Elecraft, die praktisch jeden Draht verdauen.

Abwarten und Tee trinken, heißt deshalb meine Devise.


PS. Einige machen sich offenbar Hoffnungen auf das 4m Band per Software-update, wie ich gerade in einschlägigen Foren lese. Das wird schon aus dem Grund nicht möglich sein, weil die erste ZF in diesem Bereich liegt (:-(






Montag, 6. April 2015

FT-857 Mod-Mod

    Wie man die Modulation beim FT-817 verbessern kann, darüber habe ich schon geschrieben: Entweder durch den Einsatz eines anderen Mikrofons, durch die Modifikation des Originalmikrofons oder/und die Modifikation des Mikrofon-Vorverstärkers im Gerät.

Auch beim grösseren Bruder, dem FT-857, lässt sich die Modulation mit diesen Maßnahmen verbessern, denn das Mikrofon ist das gleiche und der Vorverstärker im Gerät ist gleich aufgebaut wie beim FT-817.

Da ich meinen FT-857 noch nicht verbastelt hatte, war es nun höchste Zeit, auch in diesem Gerät mit dem Lötkolben herumzustochern. Mehr zum Spaß, den meistens benutze ich die Taste und eher selten das Mikrofon.

Der Vorverstärker war auf dem Schaltplan rasch gefunden. So sieht er aus:



Genau die gleiche Schaltung wie beim FT-817. Darum liefert die Analyse mit LT-Spice auch das gleiche Ergebnis:



 Dick in Grün sehen wir den Frequenzgang (die dünne Kurve ist der Phasengang). Wie wir sehen, werden die Tiefen erst unter etwa 300 Hz etwas abgeschwächt. Die Modulation ist entsprechend dumpf, wenn das Originalmikrofon verwendet wird. Mit einer einfachen Modifikation im Mikrofon wird sie aber bereits besser.

Wechselt man C1569 (in meinem Spice-Schema C2) von 100nF auf 10nF, sieht der Frequenzgang des Verstärkers aber besser aus:



















Nun werden die Höhen klar bevorzugt und die tiefen Frequenzen bedämpft. Ein Versuch lohnt sich. Doch wo befindet sich C1569?
Natürlich in der Nähe des Mikrofoneingangs! Deshalb entdeckt man ihn auch sofort. Doch so leicht wie beim FT-817 ist es diesmal nicht. Der Kerl sitzt auf der Unterseite der Platine:



Glücklicherweise gehört er mit der Bauform 0603 zu den grösseren Exemplaren seiner Gattung.
Die Platine wird nun ausgebaut. Dazu muss die Fronteinfassung etwas gelockert werden: zwei Schrauben auf der linken Seite beim Mikrofonstecker. So sieht dann die leere Kiste aus - ein trister Anblick:



Nun kommt die Platine unter das Binokular. Denn ohne Vergrößerung wird es schwierig. In meinem Fall löte ich mit siebenfacher Vergrößerung. Doch Vorsicht: Die Bewegungen des Lötkolbens werden ebenfalls siebenfach verstärkt!



Eine spitze Pinzette ist unabdingbar. Ebenfalls dünner Lötzinn. Ich verwende 0.23mm mit einer Blei-Zinn-Silber-Mischung und "eingebautem" Flussmittel. Bleifreier Lötzinn ist für Modifikationen und Reparaturen nicht unbedingt notwendig. Links im Bild sehen wir den Behälter mit der Metallwolle. Damit wird die nadelfeine Spitze des Lötkolbens gereinigt. Die Zeit der wassergetränkten Schwämme ist längst vorbei.
Werfen wir doch mal einen Blick durch die Optik: Hier habe ich den Kondensator bereits gewechselt:



Schon kann das Gerät wieder zusammengebaut werden. Und siehe da: es funktioniert noch! Wie erwartet ist die Modulation heller geworden.

Einer der auch gerne an allerlei Geräten rumbastelt ist übrigens der Bunkerwart im Bastelbunker. Vielleicht schaut ihr mal bei ihm vorbei. Er ist übrigens nicht der einzige, der gerne im Bunker bastelt. Was mich betrifft: ich sitze lieber in meinem Adlerhorst als unten im Luftschutzkeller.
Wer etwas tiefer schürfen möchte, dem kann ich das folgende Blog wärmstens empfehlen. Eine wahre Perle und einer meiner liebsten Tauchplätze im Web.  Es heißt Popcorn QRP.
Auch Popcorn hat, wie ich, mal den Bettel hingeschmissen und dann neu angefangen. Hier das Archiv seines alten Blogs. Eine richtige Traumperle und ich rate euch zuzugreifen, solange der Download noch existiert.

Samstag, 4. April 2015

Vom Herkules zum Funken unter erschwerten Bedingungen




    Jede Stadt hat ihr Wahrzeichen: Paris den Eiffelturm, Köln den Dom und Zürich die Langstraße :-) 
Kassel hat den Herkules. Auf seine große Keule gestützt, wacht er über das Schloss und die Stadt zu seinen Füssen. In der rechten Hand hält er dabei drei Äpfel, die für Liebe, Fruchtbarkeit und ewige Jugend stehen.
Noch letzte Nacht habe ich von der Stadtbesichtigung mit Gaby DK7FL und Bernd DK1DU und dem Besuch des technischen Museums in der Orangerie geträumt. Die Rechenmaschinen von Zuse besuchten mich im Traum und am Ende schlug das Pendel von Foucault Alarm.

    Wenn ich nicht aufgewacht wäre, hätte ich bestimmt noch vom anschließenden Mini-SOTA geträumt. Mit Harry trafen wir uns auf einem SOTA-Hügel in der Nähe. Trotz Sturm und Graupelschauer. Denn die Funkamateure e.V. sind von SOTA angefressen.
Rechts neben dem Autor steht Harry DL2ZBO:



    Stolz präsentierten sie mir ihr Equipment: KX-3 in Erste-Hilfe-Boxen verpackt – zusammen mit allem Zubehör. Fein säuberlich hat jedes Ding seinen Platz – deutsche Gründlichkeit herrscht:



    Zwischen zwei Graupelschauern wirft Bernd seine ausgeklügelte Antenne in den nächsten Baum. Er trifft mit dem Bleigewicht auf Anhieb; ich staune. Rasch spannt er die 13m lange Antenne und legt das Gegengewicht auf der Erde aus. Hier im Bild Bernds Antenne inklusive Maurerschnur auf einer/einem Haspel:



    Für den Antennentuner des KX-3 ist das ein Klacks und in Kürze ist Harry DL2ZBO mit einem veritablen Pile-Up auf dem 40m Band beschäftigt. Ich bedaure derweil, dass ich meinen KX-3 verkauft habe.
Niklas, der Sturm, heult so stark, dass ich nur die Hälfte der Morsezeichen verstehe. Doch Harry ist ein Vollprofi. Er hört erst auf, als seine klammgefrorenen Finger den Dienst an der Taste verweigern. Die Diskrepanz zum Funken aus der warmen Stube könnte nicht grösser sein. Das ist Extremfunk pur!



Hier geht's zu einem SOTA-Film, den Bernd mit Harry als Protagonist bei besserem Wetter gedreht hat.


Danke Gaby, Bernd und Harry, dass ich dabei sein durfte. SOTA ist eine spannende Variante unseres Hobbys. Es muss ja dabei nicht unbedingt stürmen und Katzen hageln ;-)

Weitere Infos zu SOTA:
Die Engländer haben's erfunden. Hier gehts zur originalen SOTA-Seite.
SOTA watch, damit die OM daheim in der warmen Stube keine Expedition verpassen.
Hier der Link zu SOTA-Deutschland mit den beiden Sektionen Mittelgebirge und Alpen.
Und hier alle Infos, Dokumente und Regeln zu SOTA auf einen Blick.

Freitag, 3. April 2015

Zu Besuch beim DARC



Der Deutsche Amateur Radioclub. Zirka 37‘000 Mitglieder sind in 1050 Ortsverbänden und 24 Distrikten organisiert. Ein Riesenverein und fast ebenso bekannt wie der ADAC. Nur die Hubschrauber fehlen.
Dafür besitzt der DARC an seinem Standort in Baunatal bei Kassel eine "Funkzentrale" in einem imposanten Turm. Doch darüber später mehr.

Gaby DK7FL und Bernd DK1DU vom Verein Funkamateure e.V. waren meine Begleiter. Ein Lehrer-Ehepaar (MINT-Fächer) und echte Kasselaner (oder gar Kasseläner?) Auch die Stadtbesichtigung und den Rundgang im technischen Museum habe ich den beiden zu verdanken:



    Den Turmbau zu Baunatal habe ich zu Felix KörnersZeiten bereits aus der Ferne bewundern können – dem legendären DL1CU und Herausgeber der Vorläufer-Zeitschrift des CQ-DL, dem DL-QTC und der QRV. Dort oben einmal zu sitzen und an einem Funkgerät zu schrauben, das war ein Traum.

Im DARC wurden wir von .............................................................,  sehr freundlich empfangen. Es gab Kaffee und Kekse und die beiden zeigten uns anschließend die vielen schönen Büros. Die Häuptlinge waren alle im Osterurlaub und die Indianer in der Redaktion und der QSL-Vermittlung waren allein am Wirken. Als ehemaliger CEO einer mittelgroßen Firma und Autor von "Management-Literatur" kam mir das zwar reichlich seltsam vor. Aber andere Länder, andere Sitten. Wird vielleicht auch bei VW in Baunatal so sein ;-)
Man ließ mich sogar ein bisschen „spionieren“ und so konnte ich einen Blick auf den Inhalt der Mai-Ausgabe der CQ-DL werfen (...................................). Ich kann euch verraten: das wird ein interessantes Heft! Und so kam es zu meinem spontanen Entschluss, Mitglied nicht nur bei den Funkamateuren e.V. sondern auch beim DARC zu werden.

Oben im Bild ........................................................................................








    Die CQ-DL hatte ich bereits früher abonniert; doch dann kam eines Tages der Bescheid, dass das jetzt nicht mehr ginge und ich Mitglied werden müsse, um die Zeitschrift weiter zu erhalten. Das beiliegende komplizierte Formular ist dann halt im Papierkorb gelandet und ich wurde CQ-DL-los.
Zwar sind 96 Euronen kein Pappenstiel und im Vergleich zum Funkamateur etwa doppelt so teuer. Doch der Euro ist für uns Alpenindianer zurzeit günstig und mir wurde versichert, ich würde mit meiner Mitgliedschaft nicht nur eine Zeitschrift erhalten, sondern könne vom ganzen Dienstleistungspaket des DARC profitieren. 

Also schnell unterschrieben und ab zur Besichtigung des QSL-Service. Denn eines der vielen Fächer würde in Zukunft sicher mit meinen QSL-Karten gefüllt werden. Hatte ich doch die Eingebung, meine Pappkärtchen zukünftig nicht mehr über die USKA, sondern über den DARC laufen zu lassen.

Den Mitarbeitern wurde es aber sichtbar ungeheuer – und Bernd biss sich auf die Zunge – als ich begann, die Fächer zu inspizieren. Doch ohne Häuptlinge geht nichts und so blieb diese Frage offen. 
Bis gestern, als mir Gaby die Satzung und das Beitrittsformular zusandte – ein Doppel meines Antrags hatte ich nicht. Den Traum vom eigenen QSL-Fach beim DARC kann ich beerdigen und Bernd kann ich auch nicht als QSL-Manager anheuern. Er ist beim DARC nämlich nicht mehr dabei. Notabene nach 50 Jahren Mitgliedschaft.

Auch aus den anderen „Dienstleistungen“ wird wohl nichts. Ich habe einfach die CQ-DL für 96 Euro abonniert. Tant pis!
Dafür konnte ich dann noch das RSGB Radio Handbook günstig erwerben, das mir der RSGB nicht über den Ärmelkanal schicken wollte, obschon ich auch bei den Engländern Mitglied bin. „Too heavy“, hieß es dort. Jeder Club hat halt so seine Macken. Das Buch kann ich übrigens wärmstens empfehlen – als Ergänzung zum ARRL Handbook. Die Engländer dünken mich mehr praxisorientiert. Doch zurück zum Thema:
Eine Frage bleibt in diesem Zusammenhang offen: 
   Wieso kann mir der DARC-Verlag nicht einfach die CQ-DL verkaufen, wie alle anderen Drucksachen auch? Dass dies aus vereinsrechtlichen oder steuerlichen Gründen nicht ginge, ist doch ein Witz!
Übrigens verkauft der DARC jetzt nicht nur Gedrucktes, sondern auch Hardware. Gewissermaßen in Konkurrenz zu den Inserenten. Mal schauen, ob ich die nächsten Ferritkerne nicht bei Reichelt, sondern beim DARC bestelle.

Doch weiter geht’s auf meiner Tour. Als nächstes durfte ich Steampunk in Reinkultur besichtigen. Die neue QSL-Sortiermaschine wird zwar nicht mit Dampfkraft betrieben, doch der Effekt ist der gleiche: ein großes Klappermonster.



    Leider ist diese Maschine ziemlich dumm und so muss ein menschliches Gehirn vorgeschaltet werden, das die Karten vorher codiert:



    Ob solch ein System aus viktorianischen Zeiten Zukunft hat?
Das soll keine Kritik an der QSL-Vermittlung des DARC sein – sie leistet eine große und zurzeit unverzichtbare Arbeit. Meine Frage gilt dem ganzen QSL-System, von OM zu OM.

Auf dem Weg durch leere Büros sind mir die Plakate zur Geschichte des DARC aufgefallen. Pro Dekade gibt’s ein Plakat, das die Highlights erklärt. Mit Ausnahme des Zeitraums von 1992 bis heute. Der wird in einem einzigen Poster abgehandelt. Gibt es aus diesem Fast-Vierteljahrhundert so wenig zu berichten?

Als sich die Besichtigungstour dem Ende zuneigte, gelangte ich endlich in den Turm meiner Träume. Es müffelte ein wenig, offenbar wird die Station nicht häufig benutzt. Aber vielleicht lag es auch am Wasser, das der Sturm durch die undichten Fenster trieb und den Teppich bewässerte. 
Hoffentlich wird der Hilberling verschont, mit dem ich kurz in den Æther lauschen durfte. Schade, dass da keine Taste dran war, sonst hätte ich versucht, meinen Freund Pascal EA8/HB9EXA auf El Hierro zu rufen. 



    Aber die Zeit war sowieso knapp und wir mussten uns verabschieden. Gaby und Bernd hatten für mich noch ein strenges Programm vorgesehen – fast wie ein Bootcamp ;-)
Doch darüber mehr in meinem nächsten Beitrag.


Mein Dank gilt der kompetenten Führung durch .................................................................................. Danke lieber DARC!

Der DARC auf 6070 kHz (bitte nach unten scrollen)

Donnerstag, 2. April 2015

Zu Besuch bei Funkamateuren



    Wenn ich mich recht entsinne, ist es fast zwei Jahre her, dass ich einem unbekannten Verein von Funkamateuren beigetreten bin. Listigerweise heißt dieser Verein "Funkamateure e.V."

    Diese Funkamateure wohnen und vereinen sich ziemlich weit weg von hier, nämlich in der Mitte Deutschlands, im Norden Hessens. Und so kommt es, dass ich zwar dabei bin, aber noch nie jemanden aus meinem Verein getroffen habe. Existieren die Funkamateure überhaupt, wie sehen sie aus und was tun sie so den ganzen Funkertag lang?
Um das herauszufinden, habe ich mich gegen Norden aufgemacht, hinauf in den großen Kanton, in das Land der Dichter und Denker.
Die Gelegenheit war günstig: die GV der Funkamateure e.V. stand an.
Die Erlebnisse auf dieser Expedition nach Baunatal/Kassel möchte ich in diesem und den nächsten beiden Beiträgen beschreiben. Denn so kurz die Reise auch war, sie war voller Überraschungen, Erkenntnisse und Fragezeichen. Wobei letztere mehr den DARC betreffen, den Deutschen Amateur Radioclub, den ich auf dieser Reise ebenfalls besuchen durfte. Doch darüber mehr im nächsten Beitrag.
Gleichzeitig mit mir ging auch der Sturm Mike auf die Reise und so wurde es auf der Fahrt nie langweilig. Genauso auf der Rückfahrt, wo mich der stürmische Niklas begleitete. Elefantenrennen auf der Autobahn, wo sich Brummis millimeterweise aneinander vorbeischieben, werden so noch spannender ;-)
Um es gerade vorweg zu nehmen: ich bin auf eine äußerst sympathische und aktive Truppe gestoßen. Auf einen Verein, klein aber fein. Auf Menschen, auf XYL und OM, die nicht endlos über Aktivitäten diskutieren, sondern lieber aktiv sind. Kurz: Die tun was, die Funkamateure.
Hier sehen wir drei typische Exemplare dieser Gattung:


    Von links nach rechts: Roland DK4RX, Harry DL2ZBO und Ralf, DL1EL. Sie sind nicht etwa Engel, wie das Bild im Hintergrund suggerieren mag, sondern Aktivfunker und wie wir später sehen werden: Rebellen. Ralf ist übrigens der Häuptling. Roland sein Stellvertreter und Harry der Kassenwart.
Wobei ich nicht den Eindruck hatte, dass die Funkamateure sehr hierarchisch orientiert wären. Im Gegenteil! Als Schweizer hat mich das etwas überrascht. Gehörten "die dort oben" nicht mal zu den Preußen?
Auch Bürokratie und Vereinsmeierei gehören nicht zu den Spezialitäten der Funkamateure. Sie mögen es lieber unkompliziert. Ich habe noch nie eine derart speditive GV miterlebt. Wenn ich an den Schweizer Funkverein denke, in dem ich bis vor ein paar Jahren Mitglied war, kommen mir die Tränen. Doch das gehört diesmal nicht zum Thema.
Was mir aufgefallen ist:
Keiner spielte an einer Handfunke rum. Vermutlich haben sie gar keine. Relaisfunken gehört offenbar nicht zu den beliebten Aktivitäten. Zurzeit stehen das HamNet und SOTA-Expeditionen im Fokus. Über letzteres werde ich in meinem dritten Beitrag berichten.
Die Funkamateure sind vorwärts und nicht rückwärts gewandt. Zwar spielt CW bei vielen Mitgliedern eine wichtige Rolle und ist auch die bevorzugte SOTA Betriebsart. Doch das bedeutet keineswegs, dass man sich in Nostalgie suhlt wie anderswo. CW ist einfach eine effiziente Betriebsart und außerdem eine Kunst.
So ist es denn nicht erstaunlich, Meinungen zu hören wie:
"Das Verschicken von bunten Papierkärtchen ist ein Relikt der Vergangenheit." Oder:
"Der Computer gehört zum Amateurfunk."
Das regt zum Nachdenken an.
Des Weiteren stehen Bastelprojekte, SDR und Antennensimulation dieses Jahr auf dem Programm.
Das zeigt, dass die Interessen weit gespannt und Technik fokussiert sind. Trotzdem kommt die Geselligkeit nicht zu kurz. Man trifft sich jeden Montag ungezwungen zum Basteln und Palaver - ohne Protokoll und Traktanden.
Was mir auch noch aufgefallen ist:
Jedes Vereinsmitglied bringt seine speziellen Talente in den Verein ein - unkompliziert und wie selbstverständlich. Im nachfolgenden Foto sehen wir rechts im Vordergrund Martin, DL2FMK. Meines Erachtens die graue Eminenz des Vereins. Martin ist heute Rentner, doch habe ich bei der Stadtbesichtigung herausgespürt, dass er in Kassel eine bekannte und kantige Persönlichkeit gewesen sein muss.


    Rechts hinter Martin ist Robert zu sehen, in dessen Rufzeichen DL5FCE ein Hinweis auf seine Profession versteckt ist. Links ist Roland wieder zu sehen und dahinter Edgar, DF2FB.
Was mir auch noch aufgefallen ist:
Wichtig ist den Funkamateuren, dass die Familien in die Aktivitäten miteinbezogen werden. So sind die XYL der OM bei Ausflügen und Besichtigungen dabei, und zwar nicht  zum Kuchen backen und Servietten falten.
Dem Verein gehören übrigens auch aktive XYL an. Unten im Bild sind links Sigrid, DL2FAZ und rechts Gaby, DK7FL zu sehen:

    Die Funkamateure e.V. sind also ein sehr engagierter Verein und das kommt nicht von ungefähr. Bereits der Ort Baunatal gibt einen Hinweis auf die Geschichte. Denn in Baunatal sitzt auch der DARC, der Deutsche Amateur Radio Club.
So ist es denn kein Geheimnis, dass die Funkamateure von DARC-Dissidenten gegründet wurde. Von Mitgliedern des DARC, die sich engagieren wollten, die etwas bewegen wollten und dabei auf Granit gebissen haben, wie wir in den Bergen sagen. Doch sie haben sich dabei keineswegs die Zähne ausgebissen. Sie sind ausgetreten und haben ihre Träume in einem kleinen Kreis Wirklichkeit werden lassen. Ob das der richtige Weg ist, darüber lässt sich streiten. Aber es ist erstaunlich, wie viel ein paar OM bewegen können, nachdem der Ballast abgeworfen wurde.
Auf jeden Fall ist es eine Freude, dabei mitmachen zu dürfen - wenn auch nur als als südlicher Außenposten ;-)
In meinem nächsten Beitrag werde ich über meinen Besuch beim DARC berichten. Stay tuned!


Oberstes Bild: Kassel vom Herkules aus. Mehr dazu in den nächsten Beiträgen.








   


Donnerstag, 26. März 2015

Funkperlen reloaded: Fehlbestückungen im FT-817

Veröffentlicht am 13. April 2013 

Am Anfang einer neuen Beziehung sieht immer alles super aus. Doch nach einiger Zeit Gemeinsamkeit kommen die Probleme ans Licht. So auch bei meinem neuen FT-817.
Nachdem ich damit ein bisschen rumgespielt hatte, dünkte mich mich sein Ton doch etwas "zackig". Bei starken CW-Signalen klickte er beim Beginn jedes CW-Zeichens. Genauso wie mein älterer FT-817, den ich übrigens doch nicht verkauft habe – nach dem Motto: ein Transceiver ist kein Transceiver. Na ja, der  Käufer wollte ihn nicht und jetzt will ich ihn nicht mehr hergeben.
Also habe ich den Neuen mal seziert und studiert.
Für die, die den entsprechenden Beitrag nicht gelesen haben: In einigen älteren Serien wurde der Widerstand R1266 falsch bestückt (3k3 anstatt 10k), was zur Folge hatte, dass die AGC nicht richtig arbeitete. Das war auch bei meinem älteren Gerät aus dem Jahr 2009 der Fall und ich habe den Fehler korrigiert.
Der Verdacht lag also nahe, das der ominöse R1266 auch bei meinem neuen Gerät falsch war. Diese kleinen SMD-Widerstände der Bauform 0402 sind nicht mehr angeschrieben. Um den Wert zu erfahren, muss man sie auslöten und messen. Erstaunt stellte ich fest, dass der Wert des R1266 im neuen FT-817 weder 10k noch 3k3, sondern nur 1k8 war.
Aha, dachte ich, schon wieder daneben. Also habe ich frech mal 18k reingelötet, wie bei meinem älteren Gerät. Doch ohalätz. Zwar waren jetzt auch die starken Signale sauber, dafür war die Audio im Keller. Ich musste den Volume-Regler bis zum Anschlag drehen.
Vermutlich haben die Yaesu-Ingenieure noch andere Werte in der Schaltung modifiziert. Oder es ist noch eine andere Fehlbestückung im Busch. Vielleicht werde ich dem mal nachgehen, wenn ich Zeit habe. Jetzt habe ich aber 4k7 reingelötet und bin damit zufrieden. Die starken Signale sind sauber und die Lautstärke ist ok.
Fehlbestückungen kommen häufiger vor als man denkt und nicht alle werden von der Endkontrolle entdeckt. Manche Fehlbestückungen verschlechtern einfach die Geräteeigenschaften etwas, wie in meinem Fall.